Walter Benjamin - Palmier, Jean-Michel

Jean-Michel Palmier 

Walter Benjamin

Lumpensammler, Engel und bucklicht Männlein. Ästhetik und Politik bei Walter Benjamin

Hrsg. v. Florent Perrier
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Walter Benjamin

Jean-Michel Palmiers monumentale Studie über Walter Benjamin ist das Lebenswerk eines Gelehrten, der den zahlreichen Benjamin-Interpretationen nicht eine neue hinzufügt, sondern schlicht den Schlüssel zum Verständnis dieses enigmatischen Autors liefert.
Minutiös zeichnet Palmier den philosophischen, politischen und ästhetischen Denkweg Benjamins nach und beseitigt zahlreiche Mißverständnisse und Klischees, etwa das des "marxistischen Rabbiners", der die Alternative zwischen historischem Materialismus und Theologie in ein unauflösliches Dilemma verwandelt. Vor allem aber schließt Palmier die Lücken einer oft simplifizierenden und immer wieder um dieselben Themen kreisenden Rezeption. Der Lumpensammler, der Engel und das "bucklicht Männlein" werden so zu Grundfiguren einer philosophischen Erzählung, die nicht hagiographisch, sondern systematisch die Komplexität von Benjamins Denken erschließt. Ein Standardwerk.


Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2009
  • 1. Auflage
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 1372 S.
  • Seitenzahl: 1372
  • Best.Nr. des Verlages: 58536
  • Deutsch
  • Abmessung: 204mm x 133mm x 48mm
  • Gewicht: 960g
  • ISBN-13: 9783518585368
  • ISBN-10: 3518585363
  • Best.Nr.: 26384996

Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Als Meilenstein der Benjamin-Forschung, der die Deutungskämpfe der letzten Jahrzehnte unter sich begrabe, feiert Alexander Cammann diese Monumentalbiografie - und das, obwohl es seinen Informationen zufolge nur ein Torso ist, da der Ästhetikprofessor Jean-Michel Palmier mitten in der Arbeit gestorben sei, weshalb von geplanten 2000 Seiten nur 1300 erscheinen konnten. Auch zeigt dieses Werk dem Rezensenten, dass es "die eine Achse für den synoptischen Benjamin" nicht gibt. Allerdings haben Akribie und Askese, mit der Palmier Debatten, Fakten und Fälschungen aufgreift und aufbereiteet, seinen Preis. Zwar befinde man sich als Leser immer auf der sicheren Seite. Allerdings werde dies bisweilen etwas langweilig, da man sich seinen Benjamin im Kopf selbst inszenieren müsse. Dabei bedürfe es dringend einer "vibrierenden Neuinszenierung" dieses Denker, schreibt Cammann. So umflort das Buch, das aus seiner Sicht Ende des 20. Jahrhunderts nötig gewesen wäre, auch die Tragik des Zuspätkommens. Der Übersetzung wird das Prädikat "heroisch" verliehen.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 03.02.2010

Halbe Arbeit an einer Entmythologisierung

An Jean-Michel Palmiers Buch über Walter Benjamin wird man zukünftig nicht vorbeikommen: Und doch bleibt noch einiges zu tun, um endlich ein nüchternes und vollständiges Bild dieses Autors zu erhalten.

Walter Benjamins intellektuelle Laufbahn ist ganz gewiss eine der erstaunlichsten des 20. Jahrhunderts. Zu Lebzeiten publizierte er drei Bücher: 1920 seine Dissertation zur romantischen Kunstkritik, 1928 die surrealistisch inspirierte Aphorismen-Sammlung "Einbahnstraße" und seine gescheiterte Habilitationsschrift zum Trauerspiel des deutschen Barock. 1936 stellte er unter Pseudonym eine Briefanthologie aus der deutschen Geistesgeschichte zusammen. Ansonsten: vier Übersetzungen von Büchern Baudelaires, Balzacs und Prousts, vor allem aber eine Unzahl von Essays und Rezensionen, viele davon zum bloßen Broterwerb.

Bei Lebzeiten war eine intellektuelle Physiognomie dieses Autors nur für jenen engen Kreis von Freunden wahrnehmbar, der dann - allen voran Gershom Scholem und Theodor W. Adorno - die große postume Entdeckung in den sechziger Jahren bewirkte. Nun erschienen erste Sammlungen verstreuter Essays …

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»Wer sich nun durch Palmiers Werk gekämpft hat, wird sich gemischter Gefühle nicht erwehren können: zum einen der Bewunderung für die ausdauernde Synthesekraft und luziden Werkdeutungen; zum anderen jedoch der Gewissheit, dass dieses Buch einen Endpunkt markiert, keinen Anfang. Vielmehr begräbt dieser Meilenstein der Benjamin-Forschung unter sich die Deutungskämpfe der vergangenen Jahrzehnte.«

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