Leseprobe zu "Pikante Geheimnisse" von Agnes Pfeiffenthaler
"Am 2. Februar wird Lichtmess gefeiert - das ist im Jahreskreis der Tag, an dem es wieder eine Stunde länger hell ist. Das Licht kehrt zurück, es wird gemessen, es ist messbar!
In früher Zeit wurde zu Lichtmess an die Knechte und Mägde auch der Jahreslohn ausbezahlt. Da gab es neben Geld oder Goldstücken auch für die Männer ein Leinenhemd. In großzügigen Häusern für den ersten Knecht, wenn er fleißig war, auch mal einen Trachtenjanker.
Für die Frauen gab's neben Geld, Stoffstücke für Kleidung oder für den Brautschrank und immer ein Wachsstöckerl dazu. Auch dieses wurde für den Brautschrank aufbewahrt.
Lichtmess war für die Dienstboten auch der Zeitpunkt die Stelle wechseln zu können.
Auf einigen Höfen wurde das Da-Bleiben für ein weiteres Jahr mit einem so genannten 'Dro-Geld' (Dran-Geld, Zusatzlohn für ein daran gehängtes Jahr ...) belohnt. Ebenso gab's das Dinggeld für neu eingestellte Dienstboten - damit versprachen sie gut 'Ding zu halten' mit dem Hab und Gut der Bauernleut.
Ein ganz schöner Brauch - an den sich unsere Wirtshaus-Mitarbeiter heute noch halten!! ... ist der 'Zugebtag'. Aufgerechnet wurde früher dieser Tag - nun halten Sie sich fest - für die Zeit, die die Dienstboten am stillen Örtchen verbracht hatten.
An diesem Tag wird, ohne Entgelt aber für ein gutes Essen, das Haus von oben bis unten aufgeräumt und geputzt. In unserem Fall kommen die Kellnerinnen und stöbern die Gaststube, putzen die Holzdecken, die Bänke und Tische, decken alles frisch ein, dekorieren die Fensterbänke neu. Alte Kräutersträuße werden verbrannt, Spinnweben entfernt ...
An Lichtmess werden auch heute noch mancherorts die Kerzen für den Jahresbedarf am Marien-Altar geweiht.
Da gibt's die schwarze Wetterkerze, die immer dann angezündet wird wenn ein Gewitter am Himmel steht. Die weiße, dicke Hauskerze für jeden Anlass, besonders wenn jemand im Haus krank ist oder gar im Sterben liegt ..."