Rammstein kultivieren einmal mehr das Erfolgsrezept aus harten
Tönen und kontroversen Texten - und werden, was sie nie sein
wollten: berechenbar. Zwei Jahre hat die Skandal-Truppe an ihrem
vierten Album gebastelt - und sich letztlich doch nur selbst
kopiert. "Reise, Reise" klingt exakt wie seine Vorgänger
und Rammstein immer nur wie Rammstein. Was gleichermaßen Fluch wie
Segen ist. Schließlich haben die Ost-Berliner ihre eingefleischten
Kritiker wie Fans, aber sie sind auch in sich festgefahren und
konservieren nur noch den eigenen Status quo. Eben
wuchtig-aggressiver Industrial-Rock mit fiesen Metal-Gitarren,
polternden Drums, bombastischen Keyboards und Till Lindemanns
martialischem Schreigesang. Die bewährte Mischung, die Produzent
Jacob Hellner zu einem opulenten Breitwand-Sound aufbläst, und die
einmal mehr von bewusst kontroversen Texten lebt. Sei es die erste
Single "Mein Teil", die den Kannibalenprozess von
Rothenburg thematisiert, "Dalai Lama (Flugangst)" oder
auch das sarkastische "Amerika", das sich als Abgesang
auf den texanischen Kriegsverbrecher George W. Bush erweist. Damit
treiben Rammstein das beliebte Spiel mit der Kontroverse auf die
Spitze und können sich gerade in Übersee zahlreicher
Missverständnisse und patriotischer Hasstiraden sicher sein. Aber
darauf stehen die Berliner ja. Fazit: Neue Platte, alte
Masche.
Quelle/Copyright: Entertainment Media Verlag