" Die Geschichte der Nacht wird, fast überraschend, zu einem ergreifenden und doch wunderbar unkitschigen Liebesroman. Der innere Antrieb von Tóibíns Erzählen: die tiefe Verzweiflung über die Schwäche des Geistes und der Liebe gegenüber der Tyrannei des Physischen."
Richard Kämmerlings, Frankf urter Allgem eine Zeitun g
»Ein politisch brisanter Roman mit einer humanen Botschaft, der außerdem noch eine ungewöhnliche Liebesgeschichte erzählt.« Brigitte
 | Besprechung von 02.11.1999 |
Magst du, bist du, willst duColm Tóibíns Geschichte der Nacht / Von Richard KämmerlingsReisen ist mit Risiken verbunden. Das gilt auch für den Schriftsteller, der ein fremdes Land zum Aufenthaltsort seiner Einbildungskraft und zum Schauplatz eines Romans wählt. Historische Recherche und persönlichen Augenschein vorausgesetzt, können ihm Einblicke in die kollektive Seele eines Volkes gelingen, die dem Einheimischen niemals möglich wären. Im Falle des Misslingens aber, wenn er sein Personal wie in einem Touristikprospekt landestypische Gerichte verzehren und zu Volksmusik tanzen lässt, verspielt er jede Glaubwürdigkeit. Wenn amerikanische Romane in Deutschland oder deutsche in Italien spielen, ist meist Letzteres der Fall. Der irische Schriftsteller Colm Tóibín hat schon in seinem ersten Roman "Süden" (deutsch 1994) bewiesen, dass er die große Kunst beherrscht, das Eigene im Fremden zu beiderseitigem Gewinn zu spiegeln. Als Journalist und Reiseschriftsteller hat sich der 1955 geborene Autor zuerst einen Namen gemacht.
In "Süden" floh eine lebenshungrige Irin vor der Enge der Heimat und den Zwängen ihrer Ehe in die freisinnige …
Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension
Richard Kämmerlings schreibt mit Rührung über diesen neuen Roman des irischen Autors, der als Reiseschriftsteller und Journalist anfing. Er lobt, wie Toibin die Geschichte dieses in Argentinien verlorenen Briten, der seine Homosexualität nicht offen lebt, mit der finsteren Zeit des Militärregimes in Beziehung setzt und "die Spannung zwischen privater und gesellschaftlicher Existenz" aufrecht erhält. Auch die "handfeste Körperlichkeit" der homosexuellen Sexszenen lobt Kämmerlings als niemals peinlich oder abstoßend. Toibin sei hier ein "wunderbar unkitschiger" Liebesroman gelungen. Weniger überzeugt ist Kämmerlings von der zweiten Hälfte des Romans, in der es um Aids geht. Toibins Stärke seien Charakterstudien, aber nicht die Komposition.
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"Unter den irischen Gegenwartsautoren, die sich im Ausland wachsender Beliebtheit erfreuen, zeichnen sich nur die wenigsten durch ein Gespür für die verworrenen Fäden aus, die das persönliche Leben des .... Individuums mit den Geschicken eines ganzen Landes verknüpfen. Einer der wenigen Romanciers, die ein ausgeprägtes Interesse an Machtkonstellationen und den Machinationen der Politik mitbringen, ist der vom Journalismus kommende Colm Tóibín." Hans-Christian Oeser, Neue Zürcher Zeitung, 13.1.00 "Der irische Schriftsteller Colm Tóibín hat schon in seinem ersten Roman ... bewiesen, dass er die große Kunst beherrscht, das Eigene im Fremden zu beiderseitigem Gewinn zu spiegeln. .... Die "Geschichte der Nacht" wird, fast überraschend, zu einem ergreifenden und doch wunderbar unkitschigen Liebesroman." Richard Kämmerlings, FAZ, 2.11.1999 "'Die Geschichte der Nacht' ist ein politisch brisanter Roman mit einer humanen Botschaft, der außerdem noch eine ungewöhnliche Liebesgeschichte erzählt." Ute Stempel, Brigitte, 6.10.1999
Colm Toibin, 1955 in Irland geboren, wurde für seine Bücher mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.