Produktbeschreibung zu Das erschöpfte Selbst
Die Ausbreitung von Depressionen, der steigende Konsum von
Antidepressiva und die Zunahme der Alkoholabhängigkeit in den
westlichen Gesellschaften sind für Alain Ehrenberg Reaktionen auf
die allgegenwärtige Erwartung eigenverantwortlicher
Selbstverwirklichung. Damit hat das Projekt der Moderne, die
Befreiung des Subjekts aus überkommenen Bindungen und Traditionen,
eine paradoxe Verkehrung erfahren. War die Neurose die
pathologische Signatur eines repressiven Kapitalismus, so ist die
Depression die Kehrseite einer kapitalistischen Gesellschaft, die
das authentische Selbst zur Produktivkraft macht und es bis zur
Erschöpfung fordert. Ehrenberg untersucht in einer erhellenden
Kombination von Psychiatriegeschichte und Zivilisationsdiagnose,
welchen psychischen Preis die Individuen für diese Verkehrung heute
zu zahlen haben.
Produktinformation
- Verlag: Suhrkamp
- 2008
- Neuauflage.
- Ausstattung/Bilder: 2008. 335 S.
- Seitenzahl: 335
- Suhrkamp Taschenbücher Wissenschaft Nr.1875
- Best.Nr. des Verlages: 29475
- Deutsch
- Abmessung: 178mm x 108mm x 25mm
- Gewicht: 204g
- ISBN-13: 9783518294758
- ISBN-10: 351829475X
- Best.Nr.: 23308159
"Ehrenbergs Befund: Sich als Individuum zu befreien habe nervös gemacht, sich aber mit seinem eigenen Selbst behaupten zu müssen mache depressiv - denn jedem sitze das Scheitern im Nacken, das inzwischen als individuelles Versagen gilt. Wenn eine Demokratie immer noch mündige Bürger braucht, dann ist dieses Buch eine Lektüre für Demokraten." Elisabeth von Thadden Die Zeit
»Ehrenbergs Befund: Sich als Individuum zu befreien habe nervös gemacht, sich aber mit seinem eigenen Selbst behaupten zu müssen mache depressiv - denn jedem sitze das Scheitern im Nacken, das inzwischen als individuelles Versagen gilt. Wenn eine Demokratie immer noch mündige Bürger braucht, dann ist dieses Buch eine Lektüre für Demokraten.«
Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension
Mit einem langen Versuch, das Erleben des Depressiven zu beschreiben, beginnt Eberhard Rathgebs Besprechung dieser Studie von Alain Ehrenberg. Die Vermutung, dass er die hier ausgebreiteten Ergebnisse der Sozialpsychologie inadäquat findet, wird im weiteren Verlauf bestätigt. Vor allem interessiert Rathgeb die Frage: "Was ist das, ein Selbst?" Das heißt auch: Welche Freiheiten hat ein Selbst und welche Schuld trägt es an der Depression. Kritik übt der Rezensent an der impliziten Unterstellung Ehrenbergs an der Vorstellung des "wirklichen, authentischen Selbst", die die Annahmen des Autors durchzieht. Die Idee, dass der Zustand der Welt allein schon genügen könnte, einen depressiv werden zu lassen, sie taucht bei Ehrenberg, bedauert Rathgeb, "gar nicht auf". Zudem sei das Buch ausführlich, und in dieser Ausführlichkeit "langatmig". Besonders deprimierend findet Rathgeb zudem den aufgekratzten Spätmarxismus von Axel Honneths Vorwort. Es scheint nur noch um die "Psychologisierung der sozialen Beziehungen" zu gehen, und das, schließt der Rezensent seine mäandernde Besprechung, "wäre eine Katastrophe".
© Perlentaucher Medien GmbH
 | Besprechung von 26.11.2004 |
Scharfe Thesen
NICHT ICH SPRECHE, die Depression spricht durch mich - ein Gedanke, der schon manch einem Depressiven geholfen hat, sich nicht mit der Depression, die ihn umklammert, zu verwechseln - sondern wie Alain Ehrenberg durchzuatmen und auf bessere Zeiten zu hoffen. Diese Faustregel, so wertvoll sie individualpsychologisch ist, hat im weltpolitischen Maßstab enttäuscht. Seit Bushs Wiederwahl ist nämlich klar, daß nicht Bush durch Amerika spricht, sondern Amerika spricht, wenn Bush spricht. Dennoch ließ sich Jürgen Habermas zu keinerlei Antiamerikanismus hinreißen, als er gegen die Bush-Regierung früh die Alternativlosigkeit des Rechtsstandpunktes verteidigte und seine diesbezügliche Einlassung in dieser Zeitung dann auch als Buch vorlegte. Aber schon Heinz Dieter Kittsteiner wußte in seiner klugen Analyse zu Heidegger und Marx: Die Hirten des Seins wohnen nicht in der Peripherie, sondern im Zentrum der verwüstenden Moderne. Es sind jene, die Politik als Gottespolitik betreiben und jedenfalls das Wasser ihrer Geschichtsphilosophie auf die Mühlen der irdischen Geschäfte leiten wollen. In letzterem sind alle drei vereint: der Bush, der Marx und der Depressive.
gey
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Alain Ehrenberg ist Soziologe am Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS) in Paris.
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