Mein Leben ohne Gestern - Genova, Lisa

Lisa Genova 

Mein Leben ohne Gestern

Roman

Aus d. amerikan. Engl. v. Veronika Dünninger
Broschiertes Buch
 
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***** ausgezeichnet
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Mein Leben ohne Gestern

Stellen Sie sich vor, all Ihre Erinnerungen - gute, schlechte, schmerzhafte, leidenschaftliche - werden nach und nach aus Ihrem Gedächtnis gelöscht und Sie können absolut nichts dagegen tun ... Anrührend, beängstigend und doch voller Hoffnung: Mein Leben ohne Gestern erzählt die bewegende Geschichte einer Frau, die sich von der eigenen Vergangenheit verabschieden muss, um einer Zukunft entgegenzusteuern, in der vieles nicht mehr da ist und doch etwas bleibt.

Alice ist zufrieden mit ihrem Leben. Sie ist glücklich verheiratet, ihre Kinder gehen längst eigene Wege, auch beruflich hat sie ihren Traum verwirklicht. Doch plötzlich vergisst sie Termine, sie verlegt ihre Sachen, verläuft sich beim Joggen. Ein beängstigender Verdacht beschleicht sie: ein Hirntumor? Als sie erfährt, dass sie an einer frühzeitigen Form der Alzheimer-Krankheit leidet, kann sie es erst gar nicht fassen. Sie ist doch erst fünfzig! Machtlos muss sie dabei zusehen, wie die Erinnerungen ihr mehr und mehr entgleiten. Wie soll sie sich in ihrem eigenen Leben zurechtfinden? Mit beeindruckendem Mut stellt sie sich einer Zukunft, in der vieles nicht mehr da ist und doch etwas bleibt: die Liebe.


Produktinformation

  • Verlag: Bastei Lübbe
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 317 S.
  • Seitenzahl: 317
  • Bastei Lübbe Taschenbücher Bd.16062
  • Deutsch
  • Abmessung: 187mm x 127mm x 30mm
  • Gewicht: 340g
  • ISBN-13: 9783404160624
  • ISBN-10: 3404160622
  • Best.Nr.: 32296496

Leseprobe zu "Mein Leben ohne Gestern" von Lisa Genova

MÄRZ 2005 (S. 273-274)

Alice stand auf dem Podium, mit ihrer getippten Rede in der Hand, und sah auf die Leute, die im großen Ballsaal des Hotels versammelt saßen. Früher konnte sie ein Publikum mit dem Augenmaß abschätzen und mit fast übersinnlicher Genauigkeit sagen, wie viele Leute anwesend waren. Das war eine Fähigkeit, die sie inzwischen nicht mehr besaß. Es waren viele Leute da. Die Organisatorin der Konferenz, wie immer sie hieß, hatte ihr gesagt, über siebenhundert Leute hätten sich für die Konferenz angemeldet. Alice hatte schon oft vor so großen und noch größeren Gruppen gesprochen.

Zu den Zuhörern bei ihren Ansprachen gehörten hoch angesehene Professoren der Ivy-League-Universitäten, Nobelpreisträger und die führenden Denker der Welt auf dem Gebiet der Psychologie und Sprache. Heute saß John in der vordersten Reihe. Von Zeit zu Zeit warf er einen Blick über seine Schulter, während er sein Programmheft immer wieder zu einer festen Röhre zusammenrollte. Erst jetzt fiel ihr auf, dass er sein Lucky-Gray-T-Shirt trug. Im Allgemeinen trug er es nur an den kritischsten Labortagen, an denen er mit einem entscheidenden Ergebnis rechnete. Sie lächelte über seine abergläubische Geste.

Anna, Charlie und Tom saßen neben ihm und unterhielten sich. Ein paar Plätze weiter saßen Mary, Cathy und Dan mit ihren Ehepartnern. Vorn in der Mitte saß Dr. Davis, Stift und Notizblock bereit. Hinter ihnen saß ein Meer von Fachleuten aus dem Gesundheitswesen, die sich der Pflege von Demenzkranken widmeten. Es war vielleicht nicht ihr größtes oder renommiertestes Publikum, aber von allen Vorträgen, die sie in ihrem Leben gehalten hatte, würde dieser, so hoffte sie, die nachhaltigste Wirkung haben. Sie glitt mit den Fingern immer wieder über die glatten, mit Edelsteinen besetzten Flügel ihrer Schmetterlingskette, die auf dem knubbeligen oberen Ende ihres Brustbeins lag. Sie räusperte sich. Sie nahm einen Schluck Wasser.

Sie berührte die Schmetterlingsflügel ein letztes Mal, als Glücksbringer. Heute ist ein besonderer Anlass, Mom. »Guten Morgen. Mein Name ist Dr. Alice Howland. Ich bin allerdings weder Neurologin noch Allgemeinärztin. Ich habe meinen Doktortitel in Psychologie. Ich war fünfundzwanzig Jahre lang Professorin an der Harvard-Universität. Ich habe kognitive Psychologie gelehrt, ich habe auf dem Gebiet der Linguistik geforscht, und ich habe auf der ganzen Welt Vorträge gehalten. Heute bin ich jedoch nicht hier, um als Expertin für Psychologie oder Sprache zu Ihnen zu sprechen.

Ich bin heute hier, um als Expertin für die Alzheimer-Krankheit zu Ihnen zu sprechen. Ich behandle keine Patienten, führe keine klinischen Versuche durch, untersuche keine DNA-Mutationen und berate keine Patienten mit ihren Familien. Ich bin eine Expertin zu diesem Thema, weil bei mir vor etwas über einem Jahr die früh einsetzende Alzheimer-Krankheit diagnostiziert wurde. Ich fühle mich geehrt, diese Gelegenheit zu haben, heute zu Ihnen zu sprechen und Ihnen, wie ich hoffe, einen Einblick davon zu vermitteln, wie es ist, mit Demenz zu leben. Bald, auch wenn ich dann immer noch wissen werde, wie es ist, werde ich nicht mehr imstande sein, es Ihnen gegenüber auszudrücken.

Kundenbewertungen zu "Mein Leben ohne Gestern" von "Lisa Genova"

3 Kundenbewertungen (Durchschnitt 4.7 von 5 Sterne bei 3 Bewertungen ***** ausgezeichnet)
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Bewertung von http://gottagivethembooks.wordpress.com am 03.08.2011 ***** sehr gut
Alice Howland, Anfang 50 ist verheiratet, Mutter von drei erwachsenen Kindern und eine sehr erfolgreiche Linguistik-Professorin in Harvard. Ihr Leben läuft nach Plan, ihre Karriere ist auf dem Höhepunkt.

Bis ihr plötzlich in einem Vortrag ein Wort nicht einfällt. Als sich diese Aussetzer häufen schiebt sie es auf hormonell bedingte Wechseljahrsbeschwerden. Erst als sie eines Tages beim Joggen ihrer täglichen Strecke orientierungslos den Weg nach Hause nicht mehr findet, beschließt sie, einen Arzt zu konsultieren.

Die Diagnose ist hart und gibt wenig Anlass zur Hoffnung: eine früh einsetzende Form der Alzheimer-Krankheit.

Alice weiß, ihr Leben und das ihrer Familie wird sich von Grund auf ändern. Alice Mann – John – ebenfalls Wissenschaftler, hat hart damit zu kämpfen seiner Frau nicht helfen zu können und ihre Kinder müssen sich nicht nur mit der Krankheit der Mutter sondern auch mit der 50 %igen Möglichkeit abfinden, das Alzheimer-Gen geerbt zu haben.

Dieser Roman war mein spontanster Buchkauf des Jahres. Der Klappentext verrät nicht wirklich viel und trotzdem war mir in der Buchhandlung sofort klar, dass ich dieses Buch kaufen würde.

Über einen Zeitraum von zwei Jahren habe ich in diesem Buch Alice und ihre Familie begleitet und zugesehen wie die aktive, selbstbewusste und intelligente Frau von Monat zu Monat immer weiter abbaut.

Nüchtern und trotzdem alles andere als lieblos schildert Lisa Genova in ihrem Erstlingswerk Alice Kampf um ihr Leben aus deren Sicht. Man spürt in beinahe jedem Satz, wie es Alice von Kapitel zu Kapitel immer schwerer fällt zunächst die Anzeichen, dass mit ihr etwas nicht stimmt zu ignorieren; nach der Diagnose dann die verzweifelten Versuche sich mit der Krankheit zu arrangieren und möglichst in ihrem beruflichen Umfeld nicht aufzufallen.

Die Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet und man kann Johns Hilflosigkeit und Wut ebenso gut spüren wie die bedingungslose Lieber ihrer Kinder.

Je weiter die Krankheit fortschreitet, desto kürzer werden Kapitel und Sätze und desto beklemmender und gleichzeitig aber auch liebevoller wird die Atmosphäre. Selten habe ich ein Buch gelesen, dass sich sprachlich so sehr auf das Leben der Protagonistin einlässt und so sehr deren Verzweiflung und die Unausweichlichkeit ihres Schicksals widerspiegelt. Von Seite zu Seite hat mich die Autorin mit ihrem Schreibstil so mehr in ihren Bann gezogen und wenn ich auch anfangs noch dachte, dass es mich weniger emotionaler berühren würde, als ich erwartet hatte, konnte ich das Buch ab der zweiten Hälfte kaum noch aus der Hand legen.

Was tut man, wenn man weiß, dass man nach und nach den buchstäblich den Verstand und sich selbst verlieren wird? Man kämpft und man hofft und man liebt bis zum Schluss.

4 Sterne und ein Danke an Lisa Genova für einen Roman, der mich berührt hat – auch noch Tage nachdem ich die letzte Seite gelesen hatte.

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Bewertung von Trullabiene aus Bocholt am 14.10.2010 ***** ausgezeichnet
Das Buch geht wirklich unter die Haut. Es macht einem bewusst wie es Menschen mit dieser Krankheit geht, bzw auch den angehoerigen. Zudem werden auch viele Reaktionen aller Angehoerigen und betroffenen sehr gut vermittelt. Sehr lesenswert.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Broschiertes Buch

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Bewertung von R.E.R. am 12.07.2010 ***** ausgezeichnet
Immer noch Alice

Alice Howland ist Anfang fünfzig und Professorin für Psychologie an der Universität Harvard in Boston. Ebenso ihr Mann John. Beide sind erfolgreiche Wissenschaftler, ihr Leben ist geprägt von ihrer Arbeit. Zeit für Privatleben und die drei erwachsenen Kinder bleibt kaum. Plötzlich passieren der sonst immer gut organisierten Alice unerklärliche Peinlichkeiten. Mitten in ihrem Vortrag fehlt ihr plötzlich das richtige Wort um den Satz zu beenden. Auf ihrer morgendlichen Joggingrunde, weiß sie auf einmal nicht mehr den Weg nach Hause. Was wie die Nebenwirkungen der beginnenden Menopause aussieht, entpuppt sich bei der ärztlichen Untersuchung als ein Frühstadium der Alzheimer Krankheit. Für Alice beginnt nach der Diagnose ihr “Leben ohne gestern”.

Lisa Genova geht es langsam an. Zunächst sehen alle Zwischenfälle nach zufälligen Kleinigkeiten aus. Dieses Gefühl lässt auch Alice Mann an der Richtigkeit der Diagnose zweifeln. Für den Leser ist die Verschlechterung der Situation natürlich besser nachvollziehbar. Das Buch ist in Monate unterteilt. Beginnend im September 2003 zeigt die Autorin Schritt für Schritt bzw. Monat für Monat was es heißt an dieser Krankheit zu leiden. Alice verliert ihr Gedächtnis, ihre Sprache, ihre Selbständigkeit. Stück für Stück und Tag für Tag etwas mehr.

An einer Stelle sitzt sie mit Mann und Tochter am Frühstückstisch. Einen Bagel vor sich auf dem Teller. Sie geht im Geist durch, was sie vor sich auf dem Tisch sieht. Und bleibt an einer Schüssel mit einer weißen Masse hängen. Sie weiß, das sie diese weiße Masse gerne auf ihrem Bagel isst, aber sie hat keinen Namen mehr dafür. Sie bittet also ihr die Schale mit der weißen Masse zu reichen. “Frischkäse” sagt die Tochter.

Vor kurzem wurde bei uns das Gesetz zur Präimplantations-Diagnostik verabschiedet. Auch darüber regt das Werk zum Nachdenken an. Die Alzheimer Krankheit wird genetisch übertragen. Alice älteste Tochter ist eine Genträgerin, die mit ihrem Mann gerade über eine Schwangerschaft nachdenkt. Bevor sie sich künstlich befruchten lässt, werden die Embryonen auf das mutierte Gen untersucht. So können die werdenden Eltern ausschließen, dass ihre Kinder die Krankheit einmal bekommen. In Deutschland ist diese präventive Diagnose und die Selektion betroffener Embryonen jetzt auch möglich. Vorher war sie es nicht.

Besonders eindrucksvoll aber ist, der Autorin in die Gedankenwelt von Alice zu folgen. Genova, die selber in Harvard in Neurowissenschaft promoviert hat, kann die Vorgänge in Alices Gehirn fachlich erläutern und zugleich menschlich schildern. Dadurch nimmt man Alice immer als vollständige Persönlichkeit wahr. So wie es der Titel im Original verheißt: “Still Alice”. Alice ist immer noch sie selbst. Sie kann ihre Veränderung ja nicht nachvollziehen. Sie weiß nicht mehr was gestern war.

“Mein Leben ohne Gestern” ist ein eindringliches und einfühlsames Plädoyer für mehr Verständnis gegenüber Menschen die an der Alzheimer Krankheit oder Demenz leiden. Und für die pflegenden Angehörigen.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Broschiertes Buch

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