Sucht nach Leben - Altmann, Andreas

Andreas Altmann 

Sucht nach Leben

Geschichten von unterwegs

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Sucht nach Leben

Kein Kontinent, den Altmann nicht kennt!

Dieser Mann war schon überall, und überall erlebt er was. Andreas Altmann geht mit einer Geisha essen, spielt mal den Sünder im amerikanischen Bibel-TV, mal Gott auf einer Südseeinsel. Er lässt sich in Indien von Quacksalbern wegen Impotenz behandeln und als Zen-Schüler in Kyoto auf den rechten Weg führen.


Produktinformation

  • Verlag: Rowohlt Tb.
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 218 S.
  • Seitenzahl: 218
  • rororo Taschenbücher Nr.25429
  • Deutsch
  • Abmessung: 189mm x 115mm x 20mm
  • Gewicht: 195g
  • ISBN-13: 9783499254291
  • ISBN-10: 3499254298
  • Best.Nr.: 27950528
"Ein Weltentdeckungsbuch." (Deutschlandradio)

»Es ist ein Genuss, die Prosa dieses abenteuerlustigen Menschenfischers zu lesen.« DEUTSCHLANDRADIO

"Es ist ein Genuss, die Prosa dieses abenteuerlustigen Menschenfischers zu lesen." DEUTSCHLANDRADIO
Andreas Altmann, Reporter und Buchautor. Ausbildung am Mozarteum in Salzburg, Schauspieler am Bayerischen Staatsschauspiel und am Wiener Schauspielhaus. Arbeitete als Chauffeur, Tellerwäscher, Nachtportier und Fabrikarbeiter, bevor er anfing, Reportagen zu schreiben. Aufenthalt in einem indischen Ashram, später in einem Zen-Kloster in Japan. Lebte in New York und Mexico City. Träger des Egon-Erwin-Kisch-Preises. Zahlreiche Veröffentlichungen u. a. "Weit weg vom Rest der Welt" und "Im Land der Freien" (beide Rowohlt). Seine Reportagen erscheinen u. a. in der "Zeit", im "Stern", im "FAZ-Magazin", im "SZ-Magazin", in "GEO", "Merian", "Focus" und im "Playboy". Er lebt in Paris.

Leseprobe zu "Sucht nach Leben" von Andreas Altmann

EROS UND SPIELE (S. 73-74)

AH, KAZUKI

Es gibt Worte, die klingen für immer geheimnisvoll. »Geisha« klingt berückend geheimnisvoll. Wann immer ich es einem Mann gegenüber erwähne, weiß ich, was er denkt. Er denkt: »Tut sie es oder tut sie es nicht?« Er wird mit diesem Rätsel im Kopf sterben, denn nur ein paar Tausend Männer leben augenblicklich auf dem Planeten, die je eine Geisha getroffen haben. Und die reden nicht. Wie die Damen, die scheu sind und exklusiv. Seit ich vor Ort war, gehöre ich zu den wenigen Eingeweihten.

Das ist natürlich grandios übertrieben. Sagen wir, ich bin nun einer von jenen, die es um ein Haar hätten wissen können. Wer weder Japaner noch schwerstreich ist, muss sich anstrengen. Aber ich hatte Glück und eine zähe Neugier. Und fand irgendwann in einer Nebenstraße Tokios die achtzehnjährige Junko. Sie war keine Geisha und sie kannte auch keine. Aber sie wusste von jemandem, der vielleicht von jemandem gehört hatte, der bereits einer Geheimnisvollen begegnet war. »Hinter hundert Ecken wirst du ihr nah sein«, sagte sie kichernd und rätselhaft. Ich muss mich kurz fassen.

Müsste ich alle Irrwege durch das wunderbare Japan beschreiben und alle wunderbaren Japanerinnen, die hochprofessionell zu allem bereit waren, nur nicht zu den Künsten einer Geisha, der Leser würde nie bei der Lösung des fernöstlichen Puzzles ankommen. Wochen und mehr als hundert Ecken später, an einem Dienstagabend, war ich am Ziel. Schiebetüren öffneten sich und Kazuki stand vor mir. Und verbeugte sich vor dem Fremden. Der sich tiefer verbeugte. Tout comme il fallait: ihr Kimono mit dem Obi, der große Gürtel mit der großen Schlaufe, das weiß geschminkte Gesicht, die Perücke.

Und das Abendessen für einen Shogun, so verschwenderisch, so harmonisch zubereitet stand es im Hotelzimmer. Seit über zweihundert Jahre gibt es Geishas, »Kunst-Personen«, von denen drei Fertigkeiten verlangt werden: unterhalten können, tanzen und ein Instrument spielen. Eben Frauen, die engagiert wurden, um das ii kimochi, das gute Gefühl, herzustellen. Die »wahren« Geishas hielten sich daran. Kam es tatsächlich zu einer intimen Beziehung, entstand daraus eine richtige Affäre, der Kunde wurde ihr offizieller Liebhaber, ihr Danna, ihr Gönner.

Der flinke One-Night-Stand fand nicht statt. Sagen wir, er war die Ausnahme. Wie wahr würde Kazuki sein? Wir saßen am Boden, vor mir der opulent gedeckte Lacktisch mit den achtzehn Schalen voller kleiner Wunder. Der heiße Sake würde Ruhe bringen. Ein leichter Anfang. Sie schenkte mir ein, ich ihr, so ist es Brauch. Bald redeten wir, Gedanken gingen hin und her und umgehend brach das Glück aus. Weil keine gackernde »Hostess« müde machte, sondern eine Frau mit Esprit von Japan und japanischen Gedanken erzählte.

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