Leseprobe zu "Mein Griechenland" von Wolfgang Hautumm
""Groaben Siie hiier?" Während der Sommermonate kam meist am Freitag gegen Mittag eine Gruppe Wanderer eines Schweizer Unternehmens an unserem Ausgrabungsgelände vorbei. Sie hatten stets dieselbe, durchaus nette Reiseleiterin dabei. Wenn ich dann Lust und Zeit hatte, habe ich ihrer Gruppe etwas über unsere Grabungen und Forschungen erzählt. Es ging aber nicht immer, und dann war sie sehr traurig, denn sie hatte mich in der Regel schon als einen"der letzten lebenden Archäologen"vorangekündigt. Vor dem Ausgang des Tunnels des Eupalinos, dessen Freilegung und Untersuchung unsere Forschungen galten, hatten wir einen 2 x 4 m großen Schnitt gelegt, um die Entstehungsgeschichte des Tunneleingangsbereichs zu klären. Woche für Woche wurde das Loch tiefer, Siedlungsschicht folgte auf Siedlungsschicht. Bei mehr als 4 m Tiefe war ein Ende noch immer nicht absehbar, der jungfräuliche Boden schien nach wie vor in weiter Ferne.
An einem dieser Freitage befand ich mich unten in dem Schnitt und war am Vermessen und Zeichnen, als ich von oben eine Stimme mit Schweizer Dialekt vernahm. Sehen konnte ich niemanden, da die Sonne fast im Zenit stand und mich blendete. "Groaben Siie hiier?"Und ich bekam Lust, in ähnlichem Tonfall zu antworten:"Joa, i groabe hiier!"Es folgte eine der bekannten Schweizer Denkpausen, und dann:"Groaben Siie hiier naach Fuunden?""Joa, i groabe hiier naach Fuunden!"Pause... und dann:"Hoaben Siie schoon woas gefuunden?
Und ich:"Joa, i hoab schoon woas gefuunden!"Pause..."Wohear wissen Siie, dass Siie do ebbes fiinden?"Und da sie mich mit Zeichenbrett und Fotoapparat sahen, gaben sie sich dann selbst die Antwort: "Sicherlich hoaben Sie Bücher, do steaht das herinnen...!"Und dann die letzte Frage: "Woas moachen Siie mit den Fuunden?"Und meine letzte Antwort:"Diie groab i wiader ein!"Ich bin dann über eine Leiter aus dem tiefen Loch gestiegen und habe ihnen einen Überblick über unsere Arbeit gegeben und auch erläutert, dass es in der Tat gelegentlich vorkommt, dass die Fülle der einfachen Keramikfunde es notwendig macht, diese erneut einzugraben, da der Lagerplatz in den Magazinräumen nicht immer ausreicht. Wichtig ist zunächst die abgeschlossene Auswertung und Dokumentation der Funde und die eindeutige Kennzeichnung der wieder eingegrabenen Gegenstände als bereits wissenschaftlich untersucht. Wie macht man so etwas am besten? Wir taten es mit der Beifügung von Coca Cola- und Bierflaschen, da Glas ein sehr beständiges Material ist, und Coca Cola und Bier in späteren Jahrhunderten wahrscheinlich zweifelsfrei unserem Zeitalter zugeordnet werden wird. Außerdem legten wir beschriftete Aluminium- und Stahltäfelchen bei mit Informationen über das Datum der Ausgrabungen und der ausführenden Nation."