Jedes Kind will lernen. »Kinder wollen Erfahrungen machen, lustvoll
und freiwillig, aber nur dann, wenn sie auf Grund ihrer Entwicklung
das Bedürfnis danach haben und es selbstbestimmt tun dürfen.« Remo
H. Largo weiß, wie Kinder lernen. Der international renommierte
Kinderarzt und Autor der Bestseller »Babyjahre«, »Kinderjahre« und
»Schülerjahre« macht sich stark für eine kindgerechte Erziehung.
Und er fordert einen individuellen Unterricht, der der Vielfalt
unter den Schülern gerecht wird. Denn jedes Kind ist einzigartig:
»Nur eine Pädagogik, die das individuelle Potenzial jedes Kindes
möglichst gut auszuschöpfen vermag, verhilft den Kindern dazu, jene
eigenständigen, kreativen und lernbereiten Individuen zu werden,
die sich in der Zukunft erfolgreich behaupten können.« Eine
leidenschaftliche Ermutigung für Eltern und Lehrer
Für Remo H. Largo steckt schulisches Lernen in einer Sackgasse:
Fixiert auf Inhalte, wird immer mehr Stoff in immer kürzerer Zeit
in die Köpfe der Schüler "hineingestopft". Die zentrale
Frage einer kindgerechten Pädagogik bleibt dabei ungestellt: Wie
lernt das einzelne Kind? Aufbauend auf seinen jahrzehntelangen
Forschungen, plädiert Largo für einen achtsamen und
vertrauensvollen Umgang mit Kindern, denn: Lernen geht
anders.
Kinder entwickeln sich nicht nach Normvorstellungen, Tabellen und
Klassenstufen: Jedes Kind ist einzigartig. Largo fordert eine
Erziehung in Elternhaus und Schule, die die Kompetenzen und
Fähigkeiten eines jeden Kindes möglichst umfassend ausbildet. Das
setzt Zeit, Gelassenheit, Zuversicht und Selbstbewusstsein bei
allen voraus, die ein Kind erziehen. Nur eine solche Erziehung
macht Kinder wirklich fit für die Anforderungen der Zukunft, weil
sie ihre natürliche Lernbereitschaft bewahrt und gelernt haben,
selbstbestimmt zu handeln.
Remo H. Largos an den tief greifenden gesellschaftlichen
Veränderungen orientierte Erkenntnisse können nicht ohne Folgen für
das Bildungssystem bleiben: Die Schule muss sich mit aller
Konsequenz am einzelnen Kind orientieren. Und Eltern sollten sich
nicht beirren lassen, sondern vehement eine kindgerechte Schule
fordern
Gleich drei Bücher hat Reinhard Kahl gelesen, die ihm zeigen, wie "hochtourig, aber wirkungsschwach" die deutsche Schulmaschine läuft. Die ihm aber auch alle drei neue und verheißungsvollere Wege aufzeigten. Die Lehrerin Sabine Czerny hat dadurch traurige Berühmtheit erlangt, dass sie dafür bestraft wurde, das ihre Schüler und Schülerinnen zu gut abschnitten. Wohlgemerkt: Das Problem war nicht, dass Czerny zu freundlich Noten vergab, sondern dass sie zu erfolgreich motivierte. Das widersprach der Gauß'sche Normalverteilung und durfte nicht sein. Der Erziehungswissenschaftler Horst Rumpf prangert die Verödungen an, die das Lernen im Schulbetrieb erfahren hat. Keine aufregende Lernerfahrungen mehr nirgends. Und schließlich schildert der Kinderheilkundler Remo Largo, wie Kindern durchs Stopfen jeder Lernhunger genommen wird. Dem Rezensenten haben alle drei Bücher gezeigt, wie tief verschüttet sinnvolle Lernkonzepte in den Schulen lagern und lobt sich diese "pädagogische Müllabfuhr".
"Remo H. Largo ist der Anwalt der Kinder." Frankfurter Allgemeine Zeitung
Remo H. Largo, geb. 1943 in Winterthur, war bis zu seiner Emeritierung 2005 Professor für Kinderheilkunde und leitete fast drei Jahrzehnte die Abteilung Wachstum und Entwicklung des Kinderspitals Zürich. Selbst Vater von drei erwachsenen Töchtern, ist er Autor zahlreicher wissenschaftlicher Arbeiten, die sich mit der kindlichen Entwicklung und deren möglichen Störungen befassen. 1987 wurde Remo Largo mit dem Fanconi Preis der schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie für sein Schaffen ausgezeichnet; jüngst ist er mit dem 2002 erstmals vergebenen Preis SBAP des Schweizer Berufsverbands für Angewandte Psychologie geehrt worden.