Im Gehirn gibt es keine Gedanken - Wenke, Matthias

Matthias Wenke 

Im Gehirn gibt es keine Gedanken

Kritik des Reduktionismus

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Im Gehirn gibt es keine Gedanken

Ist unsere Welt ein Hirngespinst? Sind Bewusstsein, Freiheit oder Glaube nur Illusionen, wie manche Hirnforscher behaupten? Sind wir genetisch programmierte Überlebenskämpfer? Diesen und anderen Fragen geht Matthias Wenke mit gründlichen Reflexionen zu Erkenntnistheorie, Biologie, Psychoanalyse, Yoga und Buddhismus nach - aus Sicht der phänomenologischen Philosophie. Der Autor kritisiert die einäugige Vorherrschaft eines naiven Biologismus in den Wissenschaften. Er erweitert aber zugleich unseren Horizont für ein komplementäres Verständnis subjektiver Phänomene und empirischer Fakten. Damit nimmt er die Beziehung von Geistes- und Naturwissenschaften als Forschungsperspektiven erster und dritter Person in den Focus. Es stellt sich heraus: Wir sind leibhaftige Wesen, die nur von ihrem eigenen Sinn her verständlich werden. Über den Autor: Matthias Wenke (M.A.) studierte Chemie, Erziehungswissenschaft, Psychologie, Soziologie und Philosophie an den Universitäten Münster, Marburg, Köln und Hagen.

Was haben Biologie und Hirnforschung mit Phänomenologie oder Buddhismus zu tun? Das Buch bezieht mutig Position im Diskurs der Wissenschaften. Es stellt naturalistische Annahmen gründlich in Frage, zum Beispiel den reduktionistischen Glauben, das Bewusstsein sei nichts als ein Bündel Neuronen (Crick). Phänomenologische Erkenntnisse zeigen nämlich das Gegenteil: Neuronen sind selbst Produkte des Bewusstseins. Der Text beginnt mit einer spannenden und überzeugenden Einführung in die Phänomenologie Husserls und Merleau-Pontys, als Philosophie der im Subjekt erscheinenden Welt. Auf diesem Boden erfolgt eine fundamentale und kritische Analyse des universalen Erkenntnisanspruchs der Naturwissenschaften und verbreiteter Meinungen von der Natur und den Menschen. Daraus werden schlüssig die Konsequenzen phänomenologischer Einsichten für Psychologie und Psychoanalyse hergeleitet, etwa der Abschied vom Konzept des biologischen Unbewussten. Ein umfangreiches Kapitel widmet sich den großen asiatischen Traditionen des Yoga und des Buddhismus und legt offen, dass auch deren Philosophien lupenreine Phänomenologien sind. Als Quintessenz findet man eine integrierende Rahmentheorie, die die verschiedenen Wissenschaftsperspektiven sinnvoll ordnet und verbindet.


Produktinformation

  • Abmessung: 230mm x 150mm x 23mm
  • Gewicht: 455g
  • ISBN-13: 9783826038143
  • ISBN-10: 3826038142
  • Best.Nr.: 23406790
Matthias Wenke M.A., Jahrgang 1965, studierte Chemie, Erziehungswissenschaft, Psychologie, Soziologie und Philosophie an den Universitäten Münster, Marburg, Köln und Hagen. Er ist außerdem Psychotherapeutischer Heilpraktiker und Yogalehrer.

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Bewertung von Hans Jürgen Scheurle aus Badenweiler am 25.12.2008 ***** ausgezeichnet
Buchbesprechung:
„Im Gehirn gibt es keine Gedanken“ von Matthias Wenke, Verlag Königshausen und Neumann, Würzburg 2008.
Die moderne Hirnforschung liefert das Paradigma, an dem der Materialismus heute zu scheitern scheint. Wohl an keiner Stelle lässt sich deutlicher zeigen als gerade in den Neurowissenschaften, dass die oft behaupteten materiellen Ursachen für geistiges und seelisches Erleben im Gehirn gar nicht existieren, obwohl immer wieder das Gegenteil behauptet wird. Gedanken entstehen und „sind da“. Indem wir sie erleben, wissen wir es. „Ich denke, also bin ich“ (Descartes). Dazu sind die heute exakt lokalisierbaren Hirnprozesse notwendig, tragen aber nicht mehr bei als andere lebensnotwendige Organe und Prozesse, die im Organismus stattfinden. Im Gehirn gibt es keine Gedanken.

Folgt man diesem spannenden Buch, wird dem Leser eins immer klarer: Phänomenologie ist der Ursprung allen Wissens und das Ziel aller echten Wissenschaft. Was nutzt uns alles Wissen, wenn es nicht zum tieferen Verständnis des Lebens taugt? Das Erleben einer unmittelbar erfahrbaren Welt, wie sie uns in jedem Augenblick erscheint, ist primär und unhintergehbar. Jeder Versuch, die Welt durch Theorien oder dahinter liegende unbekannte „Dinge an sich“ zu erklären, setzt sie zwangsläufig immer schon voraus. Wir leben in einer Welt, die jedenfalls viel mehr ist als der Anteil, der sich theoretisch auf Atome und Moleküle reduzieren lässt. Das wirft die Frage auf, was es denn überhaupt heißt, unsere Welt wissenschaftlich erklären zu wollen.

Ist Wissenschaft gar nicht die Lehre vom Erkennen und Verstehen, sondern die von der Herstellung und Erfindung neuer Objekte, an denen Menschen seit jeher ihre Kunstfertigkeit bewiesen haben? Ist Wissenschaft somit eher vergleichbar mit dem Schaffen von Handwerkern und Künstlern, deren Werke und Objekte zu Recht oft unser Erstaunen und unsere Bewunderung hervorrufen? Wissenschaft, wie sie heute verstanden wird, scheint weniger die Entdeckung als vielmehr die Erfindung von Regeln und sog. Naturgesetzen zu sein. Während man jedoch in Werkzeugen und Maschinen, Kunstwerken und Bauten von vornherein schöpferische Produktionen des Menschen erkennt, treten wissenschaftliche Produktionen (bzw. Theorien und Methoden) dagegen mit einer Art pseudotheologischem Anspruch auf: Sie behaupten Wahrheiten zu enthüllen, die immer schon dagewesen seien, nun aber von der modernen Wissenschaft erst gültig entdeckt worden sind: Es soll eine Welt geben, die an sich hinter den wahrnehmbaren Erscheinungen besteht, die absolut existent und objektiv sein soll, auf die man sich in jeder Hinsicht verlassen und der man sich, zumindest in Teilen, durch den menschlichen Verstand, die Ratio bzw. die exakten Wissenschaften annähern können soll. – Rationalismus ist allerdings kein absoluter Wert, sondern braucht stets einen Bezugspunkt, von dem aus gesehen etwas rational ist. Dieser Bezugspunkt ist die phänomenale Welt, in der man lebt und handelt, in der man etwas wollen oder ablehnen kann.

Gibt es aber eine abstrakte mathematische, gleichsam göttliche Welt hinter den Phänomenen? Wenke kommt zum Schluss, es gibt sie nicht, eine solche ist eine kulturelle Konstruktion, ein intellektuelles Konzept. Primäre Wirklichkeit beansprucht allein die phänomenale Welt, die uns erscheint und in der wir leben. Die reinen Phänomene sind zugleich ein möglicher Zugang zum Absoluten, sofern man für dessen Erleben offen ist und es zulässt (Wenke, Kap. V.) Faszinierenderweise skizziert der Autor hier z. B. den Buddhismus als Beispiel für praktisch gelebte Phänomenologie. – Die phänomenale Welt kann von den Naturwissenschaften allerdings nicht als solche erforscht werden. Diese beschränken sich vielmehr auf effektive, nützliche und praxisbezogene Forschung, welche nicht auf Erkenntnis und Verstehen, sondern vor allem auf technologisches Wissen und absichtsvolle Manipulation von Natur und Mensch ausgerichtet ist.

Das erlaubt nun eine wesentliche Klärung...

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