Gebrauchsanweisung für Amerika - Watzlawick, Paul

Paul Watzlawick 

Gebrauchsanweisung für Amerika

Der Klassiker

Taschenbuch
 
versandkostenfrei
innerhalb Deutschlands
13 ebmiles sammeln
EUR 12,99
Sofort lieferbar
Alle Preise inkl. MwSt.
Bewerten Empfehlen Merken Auf Lieblingsliste


Gebrauchsanweisung für Amerika

Sie glauben an das individuelle Recht auf Glück und an die Pressefreiheit, wissen weder, dass Fußbälle rund sind, noch können sie gleichzeitig mit Messer und Gabel essen. Warum wir die Amerikaner trotzdem lieben und wie wir in ihrem Land am besten zurechtkommen.

Nehmen Sie nie, wirklich nie die Hand aus der Hosen tasche. Allenfalls zur Begrüßung. Rechnen Sie damit, sowohl von links als auch von rechts überholt zu werden. Denken Sie bei Verabredungen stets daran, auf das »a.m.« oder »p.m.« zu achten. Vergessen Sie bloß Ihre Kreditkarte nicht. Seien Sie überhaupt kreditwürdig! Drehen Sie immer die Heizung auf volle Pulle, und schalten Sie gleichzeitig die Klimaanlage ein. Üben Sie buchstabieren. Machen Sie sich mit Yards, Zoll und Feet vertraut. Fragen Sie keinesfalls nach dem Klo ein Amerikaner geht höchstens mal »to the bath- room«. Seien Sie auch sonst auf einige Tabus gefasst. Und vertrauen Sie blind Paul Watzlawicks Anleitung, die uns Amerika seit 30 Jahren unvergleichlich nahe bringt.


Produktinformation

  • Verlag: Piper
  • 2008
  • 2. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: 158 S. m. 8 Zeichn. v. Magi Wechsler
  • Seitenzahl: 192
  • Serie Piper Bd.7575
  • Deutsch
  • Abmessung: 193mm x 122mm x 20mm
  • Gewicht: 190g
  • ISBN-13: 9783492275750
  • ISBN-10: 3492275753
  • Best.Nr.: 23799848
Paul Watzlawick, geb. 1921 in Villach/Kärnten, Studium der Philosophie und Sprachen. Psychotherapeutische Ausbildung am C. G. Jung-Institut in Zürich. 1960 war er Professor für Psychotherapie in El Salvador; seit 1960 ist er Forschungsbeauftragter am Mental Research Institute in Palo Alto/Kalifornien. Außerdem lehrte er an der Stanford University. 2007 verstarb Paul Watzlawick.

Leseprobe zu "Gebrauchsanweisung für Amerika" von Paul Watzlawick

Amerika - Traum oder nichts?

America ... a design for the whole human race, the last and greatest of all human dreams - or nothing. Francis Scott K. Fitzgerald

Es dürfte kaum übertrieben sein zu sagen, daß sich im Erleben Amerikas für jeden Europäer in einem kleinen, persönlichen Maßstabe eines der beiden konträren Leitmotive der geschichtlichen Auseinandersetzung Europas mit der Neuen Welt wiederholt. Sie selbst, lieber Leser, werden wahrscheinlich keine Ausnahme sein.

Als Kolumbus 1492 in Hispaniola landete, war er überzeugt, vom Osten her - also in westlicher Richtung - an Asien herangekommen zu sein und damit die Richtigkeit seines Weltbildes praktisch bewiesen zu haben. Und obwohl es damals schon klar war, daß in diesem Falle entweder unser Erdball nur drei Viertel seines bereits errechneten Umfangs haben konnte oder die eurasische Landmasse fast doppelt so groß sein mußte, als man sie seit den Tagen Marco Polos kannte, erschütterten diese Widersprüche seine Überzeugung nicht im geringsten. Daran änderte sich für ihn auch dann nichts, als sich herausstellte, daß der neue Erdteil nicht nur nicht Westindien mit seinen fabelhaften Schätzen an Gold und Spezereien war, sondern im Gegenteil ein formidables Hindernis auf dem Weg dorthin, eine gänzlich unvorhergesehene Barriere größten Ausmaßes, im Vergleich zu deren Überwindung der Weg um das Kap der Guten Hoffnung bei weitem das kleinere Übel war. Und wie wir Menschen nun einmal veranlagt sind, "löste" er den Konflikt zwischen dem, was der Fall war, und dem, was seiner Überzeugung nach der Fall zu sein hatte, indem er die nackten Tatsachen auf dem Altare seines Wunschdenkens opferte. Damit aber wurde er zum Stammvater aller Amerikafahrer, die a priori wissen, daß sie auf der anderen Seite des Atlantiks das fabelhafte Neue finden werden, und die dank dieser sich selbst erfüllenden Prophezeiung schon in kürzester Zeit amerikanischer als die Amerikaner werden.

Auf Kolumbus' Euphorie folgte der Katzenjammer. Von Gold war (noch) keine Spur; der neue Erdteil war wüst und leer; und die edlen Wilden waren nicht so edel, wie sie - europäischer Erwartung nach - hätten sein sollen. "Die Existenz Amerikas", schrieb der englische Literaturhistoriker Clive S. Lewis 1954 in seinem Werk English Literature in the 16th Century, "war eine der größten Enttäuschungen in der Geschichte Europas", und umriß damit, was die andere Hälfte der Amerikafahrer erlebt.

An dieser europäischen Ambivalenz hat sich von der Entdeckung Amerikas bis in unsere Tage herein wenig geändert. Es ist das weitgehend unverschuldete Geschick der USA, von uns Europäern immer wieder in der unterschiedlichsten Art und Weise zum Ideal gemacht und sofort dann verdammt zu werden, wenn es unseren naiven Vorstellungen entweder überhaupt nicht entspricht oder auch nur ganz einfach anders ist, als es laut uns sein sollte. Amerika ist die große Projektion Europas, an der jeder von uns in der einen oder anderen Weise teilnimmt (und auf die - damit es gleich hier gesagt sei - die Amerikaner immer wieder bereitwillig hereinfallen, sei es als Moralprediger, als Utopisten à la Präsident Wilson oder Präsident Roosevelt, deren Kur schlimmer als die Krankheit ist, oder als Weltpolizisten); eine Projektion, die absurderweise gerade bei jenen Europäern am heftigsten und maßlosesten auszufallen pflegt, die die USA noch nie betreten haben.

Menschliche Konflikte sind eben wechselseitig. Die wirklich folgenschweren Fehlperspektiven, die das Zusammenleben der Nationen in irrationalster Weise vergiften können, sind ihrem Wesen nach von stereotyper Ähnlichkeit, werden aber immer "den anderen" angelastet. Ein Buch wie das vorliegende ließe sich genausogut aus amerikanischer Sicht über die Europäer schreiben: Die Franzosen sind undankbar, grundsätzlich antiamerikanisch und denken hauptsächlich an l'amour. Die Schweizer sind peinlich sauber, produzieren Schokolade und Kuckucksuhren und sind auf diese einfache Weise zu den berüchtigten Gnomen von Zürich geworden (der Ausdruck wurde allerdings meines Wissens von Londoner Bankiers geprägt). Jeder mir bekannte Witz über die Einfältigkeit und Langsamkeit der Friesen oder der Berner kursiert in den Staaten als Vignette "typisch polnischer" Eigenschaften. Wenn man als Österreicher weder Walzer

tanzen noch Ski fahren kann, macht einen dies in amerikanischer Sicht geradezu seines Bürgerrechts verlustig. Die Italiener sind charmant, befassen sich mit der Herstellung von Pizza, Pasta und Panettone und kneifen Touristinnen selbst dann in den Popo, wenn sie mit Mafia-Aufträgen unterwegs sind. (Ungezwickt aus Italien zurückzukommen ist für so manche Amerikanerin ein traumatischer Beweis mangelnden Sex-Appeals.) Überhaupt nimmt man von Italienern, Spaniern und Lateinamerikanern an, daß sie alle Valentinos (Latin Lovers) sind; eine Erwartung, die schon manchem Latino zum Verhängnis wurde, da die Amerikanerin, die sexuell freier ist als ihre lateinischen Schwestern, sich nicht nur schmachtende Blicke, sondern überdurchschnittliche konkrete Leistungen erwartet. Aber auch das Gegenteil kann ihm passieren, nämlich daß er eben diese viel freiere Haltung der Amerikanerin als unverblümte Einladung mißversteht. Und der Deutsche? Seine "typischen" Eigenschaften sind in ein weitreichendes Prisma aufgespalten: Der nicht mehr ganz so zuverlässige, aber immer noch wichtigste Nato-Verbündete; der Phoenix, dem immer noch die Asche der neueren Vergangenheit anhaftet und der schon wieder marschiert; eine Nation, deren fast beunruhigende Produktivität und - wenn auch etwas angeschlagene - Prosperität den puritanischen Beweis des Wohlwollens Gottes erbringt, es gleichzeitig den Deutschen aber zur "Pflicht" macht, die Berg- und Talfahrten des Dollars zu finanzieren; der Deutsche, der nicht nur ein ausgeprägtes Pflichtgefühl besitzt, sondern darüber hinaus auch überpünktlich und sehr gewissenhaft ist. Gleichzeitig jedoch steht er für Biertrinken, Lederhosen, Heidelberg-Romantik und die Kuckucksuhr. Das Grundschema ist immer dasselbe: Je weniger man vom anderen weiß, desto überzeugter ist man, ihn zu kennen.

Und nun, bevor Sie sich anschnallen, Ihre Sitzlehne hochstellen und das Flugzeug zur Landung ansetzt, noch rasch ein Hinweis: Wo immer im folgenden von Amerika die Rede ist, sind damit die Vereinigten Staaten (und nicht auch Kanada und Lateinamerika) gemeint.

6 Marktplatz-Angebote für "Gebrauchsanweisung für Amerika" ab EUR 4,80

Zustand Preis Porto Zahlung Verkäufer Rating
leichte Gebrauchsspuren 4,80 1,30 Banküberweisung anemone4711 100,0% ansehen
gebraucht; sehr gut 6,40 2,00 Selbstabholung und Barzahlung, PayPal, Banküberweisung Buchhandlung Vaternahm 99,6% ansehen
gebraucht; sehr gut 6,45 1,50 offene Rechnung texxt - bücher anders 99,2% ansehen
gebraucht; wie neu 8,45 1,50 Banküberweisung, PayPal Buchkontor_Rose nheim 100,0% ansehen
wie neu 10,80 1,50 Banküberweisung Fachbuchhandlung für Psychologie 100,0% ansehen
12,00 1,60 Selbstabholung und Barzahlung, PayPal, Nachnahme, Banküberweisung, offene Rechnung (Vorkasse vorbehalten) Antiquariat partes antiquares 99,2% ansehen
Mehr von