Eine Kinderärztin, die sich mit den Umständen in Algier arrangiert
hat und ein junges Mädchen, das sich einen Teufel darum schert, was
in der arabischen Welt erlaubt ist, treffen aufeinander. Sansals
Hommage an de Frauen ist die vitale Geschichte zweier Heldinnen des
Alltags.
Lamia ist eine alleinstehende Ärztin in den besten Jahren. Ihr
jüngerer Bruder ist ein "Harraga" - seine Spur verliert
sich irgendwo auf dem Weg ins Gelobte Land Europa. Lamia hatte
Glück, zur rechten Zeit am rechten Ort bekleidet sie einen
leitenden Posten in einem Kinderkrankenhaus in Algier. Aber die
Arbeitsbedingungen sind trostlos, die Lebensverhältnisse miserabel.
Und weil Engagement unerwünscht ist und zu nichts führt, hat Lamia
sich mit ihrem eintönigen Leben arrangiert. Ihre Träume und
Hoffnungen sind längst verblasst. Als eines Tages eine unbekannte
16-Jährige vor der Tür steht, gerät Lamias angepasstes Leben
vollkommen durcheinander: Chérifa scheint aus einer anderen Welt zu
kommen. Getrieben von purer Lebensfreude rebelliert sie gegen alle
Bräuche und schert sich einen Teufel darum, was eine junge Frau in
der islamischen Welt tun darf oder besser bleiben lässt. Und schon
bald kommt es zu einem folgenschweren Streit ... Eine bewegende,
bei aller Tragik hoffnungsvolle Hommage an die Frauen Algeriens.
"Der Roman entwickelt sich zunächst fast unmerklich, aber mit starkem Sog zu einer Art Thriller: Die Ärztin versucht das verschwundene Mädchen aufzuspüren, was ihr auch gelingt. Dabei erfährt sie die Geschichte dieses Kindes, das u. a. in der Macho-Welt Algeriens als minderjährige Prostituierte für einflussreiche Freier benutzt worden war. Inhaltlich ist der Roman keine leichte Kost, wäre da nicht Sansals genialer Sinn für die Tragikomödie ... Das ist Literatur, die einen schwindlig macht, - ein unglaublicher Genuss. Sansals Sprache erinnert an die der großen Südamerikaner, besonders an die des ¿magischen Realismus¿ von Gabriel García Márquez." (Lutz Bunk, Deutschlandradio Kultur)
Boualem Sansal, geboren 1949, begann im Alter von 50 Jahren die literarische Karriere des gelernten Ingenieurs und Ökonoms. Boualem Sansals erster Roman wurde von der Kritik gefeiert und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Als Direktor im algerischen Industrieministeriums wurde er jedoch entlassen. In seinem gesamten Werk setzt sich der international renommierte Autor auf bisher ungehörte Weise mit der traumatischen Situation in Algerien auseinander und macht deutlich, dass die Situation in Nordafrika viel mit Europa zu tun hat. 2011 wurde Boualem Sansal mit dem "Friedenspreis des Deutschen Buchhandels" ausgezeichnet und mit dem "Gert Jonke-Preis".
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