Der Baum des Reisenden - Fermor, Patrick Leigh
  • Buch mit Leinen-Einband

Jetzt bewerten

Einige Jahre nach seiner verwegenen Wanderung quer durch Europa bricht Patrick Leigh Fermor zu einer abenteuerlichen Odyssee in die Karibik auf. Mit von der Partie sind seine zukünftige Frau Joan und Costa, der Grieche. Die Reise führt die drei unter anderem nach Guadeloupe, Martinique, Grenada, St Lucia, Haiti und Jamaika. Jede Insel ist anders und Vielfalt am ehesten das einende Prinzip. Die exzentrischen Kulte der Pocomanen von Kingston, die Voodooanhänger auf Haiti, die isolierten Gemeinden verarmter Weißer auf den Inseln der Heiligen - all das und der allgegenwärtige Aberglauben und di…mehr

Andere Kunden interessierten sich auch für

Produktbeschreibung

Einige Jahre nach seiner verwegenen Wanderung quer durch Europa bricht Patrick Leigh Fermor zu einer abenteuerlichen Odyssee in die Karibik auf. Mit von der Partie sind seine zukünftige Frau Joan und Costa, der Grieche.
Die Reise führt die drei unter anderem nach Guadeloupe, Martinique, Grenada, St. Lucia, Haiti und Jamaika. Jede Insel ist anders und Vielfalt am ehesten das einende Prinzip. Die exzentrischen Kulte der Pocomanen von Kingston, die Voodooanhänger auf Haiti, die isolierten Gemeinden verarmter Weißer auf den Inseln der Heiligen - all das und der allgegenwärtige Aberglauben und die Vielzahl der Hexenmeister, die Lieder, Religionen, politischen Programme, die Entwurzelung und Entfremdung macht jede Verallgemeinerung unmöglich. Nichts ist älter als viereinhalb Jahrhunderte und alles wird improvisiert...
  • Produktdetails
  • Verlag: Dörlemann
  • 1., Aufl.
  • Seitenzahl: 640
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 639 S.
  • Deutsch
  • Abmessung: 196mm x 134mm x 56mm
  • Gewicht: 745g
  • ISBN-13: 9783908777458
  • ISBN-10: 3908777453
  • Best.Nr.: 26315654

Autorenporträt

Patrick Leigh Fermor, 1915 geboren, unternahm 1933 als achtzehnjähriger eine legendäre Reise zu Fuß von Rotterdam nach Constantinopel. Im Zweiten Weltkrieg kämpfte er als Verbindungsoffizier in Griechenland und auf Kreta gegen die deutsche Besatzung. Er reiste in die Karibik, wo sein erster und einziger Roman entstand. In der englischsprachigen Welt als Reiseschriftsteller hochgeachtet, lebt er heute in Griechenland, in einem Haus, das er selbst entworfen und gebaut hat.

Rezensionen

Besprechung von 13.10.2009
Gleiche Zutaten, anderes Ergebnis
Erstmals auf Deutsch: Patrick Leigh Fermors Karibik-Buch
Die tropische Vegetation liegt Patrick Leigh Fermor nicht, jedenfalls nicht zu Beginn seiner Reise in die Karibik. Anfänglich wächst seine Abneigung sogar noch; und als dieser Hass auf alles Wuchernde sich während einer Besteigung des Vulkans La Soufrière auf Guadeloupe dann doch in Begeisterung verkehrt, spürt Fermor einen „leichten Schmerz, der stets mit dem Abschied von einem alten Vorurteil einhergeht”.
Dieser Hinweis überrascht, weil Fermor ansonsten erstaunlich vorurteilsfrei ist. Er beobachtet die Menschen und die Inseln auf eine im besten Sinne erwartungslose Art; weiß also nicht schon vorher, was er sehen wird; ist aufgeschlossen, neugierig. Lediglich in organisatorischen Angelegenheiten ist diesem Autor eine auch für den lesenden Begleiter wohltuende Abgeklärtheit zu eigen.
In den Jahren unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg ist Fermor bereits ein routinierter Reisender. Schließlich war er schon als 18-Jähriger im Dezember 1933 aufgebrochen zu seiner legendären Wanderung von den Niederlanden nach Konstantinopel, von der er erst 1937 zurückgekehrt ist. Seine beiden Berichte über dieses Abenteuer, „Die Zeit der Gaben” und „Zwischen Wäldern und Wasser”, haben ihn berühmt gemacht. Sie wurden aber erst 1977 respektive 1986 veröffentlicht.
„The Traveller’s Tree” hat Fermor hingegen unmittelbar nach seiner ein halbes Jahr währenden Fahrt durch die Karibi niedergeschrieben und auch publiziert. Manfred Allié und Gabriele Kempf-Allié haben das literarische Debüt Fermors von 1950 nun erstmals ins Deutsche übertragen. „Der Baum des Reisenden” erscheint im Dörlemann Verlag, der seit fünf Jahren sukzessiv das – gemessen an der bloßen Zahl, nicht jedoch am Umfang der Werke – schmale Œuvre des britischen Reiseschriftstellers teils neu, teils erstmalig zugänglich macht für deutschsprachige Leser.
Patrick Leigh Fermor folgt in seinem Bericht der Chronologie seiner Reise, aus gutem Grund. Denn die Karibik als eine homogene Einheit gibt es bestenfalls erdgeschichtlich gesehen, nicht aber in Bezug auf Besiedelung, Gesellschaft, Kultur. Es gibt nur Guadeloupe, Martinique, Dominica, Barbados, Trinidad und ein knappes Dutzend weiterer Antillen-
Inseln, die Fermor eine nach der anderen erkundet. In einigen Punkten berühren diese Geschichten einander, die Unterschiede jedoch überwiegen. Fermor macht dies an einem simplen Beispiel deutlich, auf Dominica. Die Insel gehörte damals noch zum britischen Kolonialreich, anders als Guadeloupe und Martinique, wo er zuvor war, beide Inseln sind noch heute französische Überseedepartements. „Das Essen in Roseau war ziemlich schlecht. Nach Martinique konnten wir kaum fassen, wie man mit den gleichen Zutaten derart katastrophale Ergebnisse erzielen konnte. Man servierte uns grässliche rosafarbene Suppen und Kartoffeln versteckt unter ,Daddy’s Favourite‘, einer Soße, über die ich mich aus patriotischen Gründen nicht näher auslassen möchte.” Fermor zieht aus einzelnen Beobachtungen keine allgemeinen Schlüsse, denn er lernt schnell: In der nächsten Stadt, hinter der nächsten Meerenge wird vieles ganz anders sein. So ist zum Beispiel das Verhältnis der Kreolen, Mulatten und Neger, wie Fermor sie noch nennt, zueinander auf den einzelnen Inseln unterschiedlich; und auch in ihrem Selbstverständnis gibt es je nach Wohnort große Differenzen.
Mehrmals besucht Patrick Leigh Fermor Gerichtsverhandlungen, sie sind ihm eine aufschlussreiche Quelle für die sozialen Gegebenheiten. Ebenso wie die Lieder, die er zitiert. Die Übersetzer lassen das kreolische Französisch an diesen Stellen stehen, mit seiner Lautverschiebung vom r zum w. Bei aller Akribie der Recherche verbirgt der Autor aber seine Lebenslust nicht, mitunter ist es ihm ein Vergnügen, sich alberne Schauergeschichten auszumalen über Schmuggler und Kannibalen. Und er hat ein Faible fürs Skurrile: Wer einen punch martiniquais trinken will, muss in den Bars nur den Sirup dafür bezahlen. Der Rum ist kostenlos. STEFAN FISCHER
Patrick Leigh Fermor
Der Baum des Reisenden
Eine Fahrt durch die Karibik. Aus dem Englischen von Manfred Allié und Gabriele Kempf-Allié, Dörlemann Verlag, Zürich 2009. 640 Seiten, 33 Euro.
Die Antillen sind keine homogene Einheit, jede der westindischen Inseln ist eigen
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.sz-content.de
…mehr

Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Mit Patrick Leigh Fermors 1950 in England erschienenem Reisebericht über die Karibik bringt der Dörlemann-Verlag das Debüt des Briten nun erstmals auf Deutsch heraus, weiß Stefan Fischer zu berichten. Zunächst kann Fermor der tropischen Vegetation nicht viel abgewinnen. Die Abneigung wandelt sich mit der Besteigung des Vulkans La Soufriere auf Guadeloupe in Begeisterung, und ab jetzt erlebt der Leser einen ausgeglichenen, "im besten Sinne erwartungslosen" Beobachter. Da die Karibik kein homogenes staatliches Gebilde ist, sondern ein Konglomerat unterschiedlicher Inseln mit eigener Bevölkerungsstruktur und Kultur, stattet Fermor in seinem chronologisch aufgebauten Bericht jeder einzelnen von ihnen ("Guadeloupe, Martinique, Dominica, Barbados, Trinidad und ein knappes Dutzend weiterer Antillen-Inseln") einen Besuch ab. Er veranschaulicht verschiedene Essgewohnheiten, Trinksitten, zitiert aus Liedern und dokumentiert  Gerichtsverhandlungen, denn "in der nächsten Stadt, hinter der nächsten Meerenge wird vieles anders sein", so der Rezensent.

© Perlentaucher Medien GmbH