Dreizehn - Hohlbein, Wolfgang; Hohlbein, Heike

Wolfgang Hohlbein Heike Hohlbein 

Dreizehn

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Dreizehn

Die Zahl 13 ist für die 12jährige Anne-Mary, von allen nur Thirteen genannt, immer schon schicksalhaft gewesen und scheint ihr ganzes Leben zu durchdringen. Als Vollwaise wird sie zu ihrem unbekannten Großvater nach Hamburg geschickt, und schon bald merkt sie, dass nicht nur das Verhalten des alten Mannes viele Rätsel aufwirft. Zusammen mit ihrem Freund Frank erkundet Thirteen schrittweise die düsteren Labyrinthe des Hauses, die ein grauenhaftes Geheimnis enthalten. Nun muss sie erkennen, dass es mehr als eine einzige Realität gibt


Produktinformation

  • Verlag: Ueberreuter
  • 2012
  • Ausstattung/Bilder: 2012. 542 S.
  • Seitenzahl: 544
  • Altersempfehlung: ab 12 Jahren
  • Deutsch
  • Abmessung: 216mm x 138mm x 41mm
  • Gewicht: 660g
  • ISBN-13: 9783800056798
  • ISBN-10: 3800056798
  • Best.Nr.: 34571328
Wolfgang Hohlbein, geb. 1953 in Weimar geboren, ist der meistgelesene und erfolgreichste deutschsprachige Fantasy-Autor. Seine Bücher decken die ganze Palette der Unterhaltungsliteratur ab von Kinder- und Jugendbüchern über Romane und Drehbücher zu Filmen, von Fantasy über Sciencefiction bis hin zum Horror. Der Durchbruch gelang ihm 1982 mit dem Jugendbuch 'Märchenmond', für das er mit dem Fantastik-Preis der Stadt Wetzlar ausgezeichnet wurde. 1993 schaffte er mit seinem phantastischen Thriller 'Das Druidentor' im Hardcover für Erwachsene den Sprung auf die Spiegel-Bestsellerliste. Die Auflagen seiner Bücher gehen in die Millionen und immer noch wird seine Fangemeinde Tag für Tag größer. Der passionierte Motorradfahrer und Zinnfigurensammler lebt zusammen mit seiner Frau und Co-Autorin Heike, seinen Kindern und zahlreichen Hunden und Katzen am Niederrhein.

Blick ins Buch "Dreizehn"


Leseprobe zu "Dreizehn" von Wolfgang Hohlbein; Heike Hohlbein

Der Fremde in Reihe dreizehn sollte Thirteen in ziemlich genau fünf Minuten das Leben retten, aber davon wußte sie natürlich in diesem Augenblick noch nichts; ebensowenig wie von all den anderen aufregenden und auch gefährlichen Ereignissen, die in diesem Moment bereits ihren Anfang genommen hatten und Thirteens Leben so gründlich auf den Kopf stellen und durcheinanderwirbeln sollten, wie es nur möglich war.

Hätte sie es gewußt, hätte es auch nichts geändert.

Sie starrte den seltsamen Fremden, der allein in der Reihe vor ihr saß, schon seit einer geraumen Weile an. Etwas an ihm war unheimlich.

Es begann damit, daß er ganz allein in der Sitzreihe im Flugzeug vor ihr saß, obwohl die Maschine so gut wie ausgebucht war. Thirteen erinnerte sich an ein Gespräch am Flughafen, in dem sich eine Frau am Schalter bitter darüber beschwerte, dass sie für sich und ihre beiden Kinder kein Ticket mehr bekommen hatte, so daß sie nun beinahe vier Stunden auf die nächste Maschine warten musste. Trotzdem waren sowohl die beiden Sitze neben dem unheimlichen Mann als auch die beiden Plätze auf der anderen Seite des Mittelganges leer. Entweder, überlegte Thirteen, hatte jemand in der Buchungsstelle am Flughafen einen Fehler gemacht, oder der Mann vor ihr hatte alle fünf Tickets gekauft, um die ganze Reihe für sich zu haben.

Beides war gleich unwahrscheinlich.

Das war aber noch nicht alles. Vor einer Viertelstunde hatten die Stewardessen das Essen gebracht, und jetzt waren sie bereits damit beschäftigt, das benutzte Geschirr wieder abzuräumen, und weiter vorne waren zwei weitere Stewardessen bereits dabei, ein kleines Wägelchen mit zollfreien Zigaretten, Schnaps, Parfüm und anderen Waren vollzuladen, die sie gleich verkaufen würden.

Es war, als wäre sie die einzige, die diesen Mann überhaupt sah.

Aber sehen war nicht das richtige Wort. Obwohl er so dicht vor ihr saß, daß sie nur den Arm auszustrecken brauchte, um ihn zu berühren, konnte sie ihn nicht richtig erkennen. Er saß die meiste Zeit reglos da und blickte aus dem Fenster oder starrte einfach ins Leere, wie Fluggäste es oft tun, wenn sie darauf warten, daß die Zeit verstreicht, so daß sie ihn im Profil erkennen konnte, aber wenn sie auch nur einen Moment lang wegsah oder er den Kopf drehte, dann vergaß sie sofort sein Aussehen. Sie konnte nicht einmal sagen, ob er jung oder alt war, gut aussah oder häßlich, nett oder unfreundlich. Natürlich wußte sie, wie unsinnig das war, aber hätte sie den Mann in diesem Moment beschreiben müssen, hätte sie es nicht gekonnt. Er war wie ein Schatten, der selbst in ihrer Erinnerung nur so lange Bestand hatte, wie sie ihn direkt ansah.

Und um das Maß vollzumachen - aber das nahm Thirteen ohne besondere Überraschung zur Kenntnis -, saß er natürlich in Reihe dreizehn ...

Thirteen schloß die Augen und lehnte sich in dem bequemen Flugzeugsessel zurück, so weit es ging. Eigentlich war es Unsinn, sich so viele Gedanken über einen Mann zu machen, den sie noch nie im Leben gesehen hatte und auch niemals wiedersehen würde, sobald das Flugzeug gelandet und sie alle von Bord gegangen waren. Sie hatte wahrlich andere Sorgen. Wenn es nach dem Mann zwei Sitzreihen hinter ihr gegangen wäre, hätte sie in knapp drei Minuten überhaupt keine Sorgen mehr gehabt, weil sie dann nämlich nicht mehr am Leben gewesen wäre. Aber das konnte sie natürlich nicht wissen, und so wanderten ihre Gedanken zurück in die Vergangenheit und damit zu dem Grund, aus dem ein zwölfjähriges Mädchen ganz allein in einer Maschine der British Airways saß und von London nach Hamburg flog. Es war ein sehr trauriger Grund, der Thirteen in den letzten Monaten viel Anlaß zum Weinen und Traurigsein gegeben hatte. Aber das war etwas, was ihr allmählich vertraut war. Wer es nicht selbst erlebt hatte, konnte es wahrscheinlich nicht verstehen, aber Thirteen hätte jedem sagen können, daß Kummer und Schmerz etwas waren, woran man sich gewöhnen konnte. Es machte es nicht besser, aber Leid und Sorgen wurden irgendwann einmal zu Vertrauten, die man als ganz selbstverständlich hinnahm, und vielleicht führte das sogar dazu, daß man irgendwann einmal aufhörte, dagegen zu kämpfen.

Der Mann zwei Sitzreihen hinter ihr griff in die Jackentasche und schloß die Hand um das Messer, mit dem er Thirteens Leben ein Ende zu setzen gedachte, und Thirteen öffnete wieder die Augen und sah aus dem Fenster. Vor ein paar Minuten hatte der Pilot über Lautsprecher durchgesagt, dass sie gerade die Niederlande überflogen, aber von Windmühlen oder Tulpenfeldern war nichts zu erkennen. Unter der Maschine lag eine geschlossene Decke aus flockiger weißer Watte; ein schöner, aber auch langweiliger Anblick. Das würde auch in Hamburg so sein, hatte die Stewardeß gesagt. Thirteen war aber nicht enttäuscht. Sie war auch kaum aufgeregt, obwohl sie es hätte sein sollen - immerhin befand sie sich nach Jahren wieder auf dem Weg nach Hause und zu ihrem letzten lebenden Verwandten.

Genaugenommen war sie allerdings nirgendwo zu Hause.

Nicht richtig.

Thirteen - die eigentlich gar nicht Thirteen hieß, sondern Anna-Maria oder, wenn es nach ihrer Mutter ging, Anne-Mary - war in diesem Land geboren, in einem kleinen Ort, irgendwo bei Hamburg. Sie erinnerte sich nicht daran, aber sie hatte Bilder gesehen, und ihre Mutter hatte oft davon erzählt, und Thirteen würde nie das glückliche Leuchten in ihren Augen vergessen, wenn sie von der Vergangenheit und besseren Zeiten erzählte.

Aber das war lange her. Thirteens Vater war gestorben, als sie fünf Jahre alt war, und ein knappes Jahr später war Thirteens Mutter mit ihrer Tochter wieder in ihre Heimat zurückgekehrt. Und von da ab schien sich ihr Lebensweg in eine langsame, aber unaufhaltsam abwärts führende Spirale zu verwandeln.

Thirteen hatte am Anfang nicht viel davon mitbekommen - sowenig wie jetzt von dem Mann, der sich zwei Sitzreihen hinter ihr umständlich auf den Mittelgang des Flugzeuges hinausarbeitete und die rechte Hand in der Jackentasche hatte -, denn sie war noch sehr jung gewesen, und ihre Mutter hatte ihr Bestes getan, um Thirteen vor dem Schlimmsten zu bewahren. Aber sie wurde älter, und nach und nach begriff sie doch, wie es um sie beide stand. Aus dem Haus, in das sie nach ihrer Übersiedlung nach England gezogen waren, mußten sie nach einer Weile wieder ausziehen, zuerst in eine große, dann in eine kleinere und schließlich in eine ganz kleine "Wohnung. Nach und nach ging es nicht nur finanziell, sondern auch gesundheitlich mit ihrer Mutter bergab. Sie verlor einen Job nach dem anderen, mußte immer schlechter bezahlte Stellungen annehmen und dadurch natürlich noch mehr arbeiten, was sie noch kränker und verbitterter machte. Im letzten Jahr hatten sie oft miteinander gestritten. Thirteen hatte sogar ein paarmal mit dem Gedanken gespielt, von zu Hause wegzulaufen. Erst als es zu spät war, hatte sie erkannt, daß es zum größten Teil wohl die Sorge um sie gewesen war, die ihrer Mutter so zugesetzt hatte; und eine unbestimmte, aber quälende Furcht, die ihr ganzes Leben überschattete. Vor vier Monaten schließlich war ihre Mutter gestorben, für Thirteen vollkommen überraschend, für sie selbst - wie sich erst hinterher herausstellte - erwartet. Sie war seit langer Zeit krank gewesen. Thirteen machte sich schlimme Vorwürfe, daß sie in den letzten Monaten so oft mit ihr gestritten hatte.

Als hinter ihr Unruhe entstand, blickte sie kurz über die Schulter zurück. Ein vielleicht fünfzigjähriger kräftiger Mann mit grauem Haar und einem grimmigen Gesichtsausdruck, der die rechte Hand in der Jackentasche hatte, versuchte sich in die Sitzreihe hinter ihr zu quetschen, obwohl dort alle Plätze besetzt waren. Natürlich wurde dieser Versuch von den Passagieren mit entsprechendem Unmut aufgenommen, und eine der Stewardessen sah bereits stirnrunzelnd in seine Richtung, was ihn aber nicht zu irritieren schien. Er arbeitete sich schräg und mit winzigen Schritten auf den Platz am Fenster unmittelbar hinter Thirteen zu, und als sie für einen Moment seinem Blick begegnete, sah sie etwas darin, was sie bewog, hastig wieder wegzusehen: eine grimmige, verbitterte Entschlossenheit, die etwas in ihr anrührte und zum Erschauern brachte. Sie wandte den Kopf wieder nach vorne und fiel in ihre Gedanken zurück. Nach dem Tode ihrer Mutter hatten sich verschiedene Institutionen um sie gekümmert, am Schluß eine wirklich nette Frau von der Wohlfahrt, die sich voller ehrlicher Sorge des Waisenmädchens annahm, zu dem ein böses Schicksal Thirteen - beziehungsweise Anne-Mary - gemacht hatte. Wahrscheinlich wäre sie jetzt schon auf dem Weg in ein Waisenhaus oder zu einer Pflegefamilie, wenn ...

Ja, wenn es den Brief nicht gegeben hätte.

Einen sehr sonderbaren Brief, der Thirteen nicht nur vollkommen unerwartet erreichte, sondern auch einige Überraschungen enthielt und eine Menge, die sie einfach nicht verstand. Nicht einmal jetzt, nachdem sie ihn ungefähr fünfzigmal gelesen hatte.

Hinter ihr wurden zornige Stimmen laut, auf die Thirteen aber kaum achtete. Sie war zu sehr in ihre Gedanken versunken. Der Brief, den ihre Mutter schon ein knappes Jahr vor ihrem Tode verfaßt und mit der Anweisung, ihn Thirteen zwei Wochen vor ihrem Geburtstag zu übergeben, bei einem Londoner Notar hinterlegt hatte, enthielt nicht nur einen Scheck über eine für Thirteen atemberaubende Summe, sondern auch eine Flugkarte für genau den Flug, den Thirteen jetzt unternahm, und eine Adresse in Deutschland, bei der Thirteen ihren letzten lebenden Verwandten antreffen sollte: einen Großvater, von dessen Existenz sie vor drei Tagen noch nicht einmal etwas gewußt hatte. Und eine Geschichte, die so phantastisch war, daß ...

Ein Schatten legte sich über sie. Hinter ihr erklang ein mehrstimmiger, überraschter Aufschrei, und dann fuhr eine rasiermesserscharfe Messerklinge so dicht an ihrem Gesicht vorbei, daß sie den Luftzug spüren konnte, und schnitt nicht nur den Rückenpolster neben ihrer linken Wange auf, sondern auch Thirteens Gedanken an ihre Mutter und den seltsamen Brief auf der Stelle ab.

Thirteen schrie vor Schreck und Entsetzen auf und versuchte sich zur Seite zu werfen, aber in dem engen Sitz war das kaum möglich. Neben ihrer rechten Schulter war das Fenster, und auf der anderen Seite saß ein ziemlich dicker Mann, der seine liebe Mühe gehabt hatte, sich überhaupt in den schmalen Sitz zu quetschen. Auch er hatte aufgeschrien und starrte jetzt aus hervorquellenden Augen auf das Messer, das auch ihn nur um eine knappe Handbreit verfehlt hatte.

Alles schien gleichzeitig zu geschehen, und doch war es so, als wäre die Zeit stehengeblieben und jede Sekunde dehne sich zu einer Ewigkeit. Die überraschten Rufe hinter ihr wurden zu einem Chor gellender Schreie, und sie hörte heftige Geräusche wie von einem Kampf. Aus den Augenwinkeln sah sie, wie zwei Stewardessen herbeigelaufen kamen, dann hob sie den Kopf und blickte direkt in das Gesicht des Mannes, der sie angegriffen hatte. Er hatte sich so weit über die Rückenlehne ihres Sitzes gebeugt, wie es ging. Mit der linken Hand versuchte er das Messer aus dem Sitzpolster zu ziehen, während er mit der anderen wütend nach Thirteens Haar griff. Er verfehlte sie. Seine Fingernägel fuhren schmerzhaft über ihre Wange, und es war tatsächlich erst dieses heftige Brennen, das Thirteen klarmachte, was hier wirklich geschah: Dieser Mann, den sie noch nie im Leben gesehen hatte, versuchte sie umzubringen!

Der Gedanke ließ sie abermals aufschreien. Sie warf sich zur Seite und prallte schmerzhaft mit der Schläfe gegen das Fenster.

Dem Mann war es mittlerweile gelungen, sein Messer aus dem aufgeschlitzten Sitzpolster zu ziehen und zu einem zweiten und diesmal besser gezielten Stoß auszuholen. Thirteen wußte, daß er treffen würde. Sie war vollkommen hilflos zwischen Sitz und Fenster eingeklemmt und konnte kaum den Kopf bewegen, geschweige denn fliehen.

Was sie rettete, war die Geistesgegenwart des dicken Mannes neben ihr. Er griff mit beiden Händen nach dem Arm des Angreifers, und die Messerklinge, die sich bereits knapp vor Thirteens Kehle befand, wurde mit einem Ruck zurückgezerrt.

Der Angreifer gab ein zorniges Knurren von sich und stieß dem Dicken mit aller Wucht den Ellbogen ins Gesicht. Der Dicke heulte auf, krümmte sich in seinem Sitz und schlug beide Hände vor seine blutende Nase, und die Hand mit dem Messer war wieder frei.

Aber Thirteen hatte eine Sekunde Luft. Blitzschnell tauchte sie unter der zupackenden Hand des Angreifers durch, warf sich nach vorne und kletterte auf allen vieren über den dicken Mann auf dem Nebensitz, der vor Schmerz und Wut weiterhin heulte. Die Messerklinge fuhr so dicht über sie, daß sie ein paar Haare verlor. Hastig krabbelte sie weiter, wobei sie dem Dicken aus Versehen auch noch das Knie gegen die blutende Nase stieß. Er heulte laut auf, aber das Geräusch ging in dem allgemeinen Tumult unter, der mittlerweile im Flugzeug ausgebrochen war. Etliche Leute waren aufgesprungen und versuchten herbeizueilen, behinderten sich in der engen Maschine aber nur gegenseitig.

Thirteen kletterte weiter und plumpste kopfüber in den Mittelgang. Sie wälzte sich auf den Rücken und stemmte sich halb in die Höhe, und was sie sah, das ließ ihr Herz vor Entsetzen schneller schlagen. Auch der Mann hatte sich halbwegs hochgerappelt. Sein Gesicht war zu einer Grimasse verzerrt, und sein Blick war der eines Wahnsinnigen. In seinen Augen flackerte eine Mordlust, die etwas in Thirteen schier zu Eis erstarren ließ, denn diese Mordlust war eindeutig auf sie gerichtet, und dieser Gedanke machte Thirteens einzige Hoffnung schlagartig zunichte: nämlich, daß der Fremde vielleicht einfach verrückt war und Amok lief. Er war es nicht. Diese lodernde rote Wut in seinen Augen galt ganz allein ihr.

Während der Angreifer mit weit ausgestreckten Armen abermals auf sie zustürzte, sprang sie hastig auf die Füße und rannte los - und prallte gegen eine Stewardeß. Die junge Frau ergriff Thirteen bei den Schultern und hielt sie fest.

"O Gott!" rief sie entsetzt. "Was ist denn nur los? Was -?! " " Lassen Sie mich los!" schrie Thirteen. Sie zerrte mit aller Kraft, bekam wenigstens einen Arm frei und drehte sich herum.

Auch der Angreifer hatte mittlerweile den Gang erreicht. Vier oder fünf beherzte Männer waren herbeigeeilt, um ihn zu überwältigen, aber der Mann kämpfte mit der Kraft und Rücksichtslosigkeit eines "Wahnsinnigen. Sein Messer zog eine glitzernde Spur durch die Luft und trieb die Männer zurück, und den einzigen, der es trotzdem wagte, sich auf ihn zu stürzen, stieß er mit einer heftigen Bewegung zu Boden. Dann drehte er sich herum und kam mit langsamen, aber entschlossenen Schritten auf Thirteen zu. Das Messer richtete sich drohend auf sie, und die Mordlust loderte in seinen Augen.

"Legen Sie das Messer weg! " sagte die Stewardeß. "Sind Sie verrückt geworden? Legen Sie doch das Messer weg! "

Der Mann reagierte tatsächlich auf diese Worte - er sprang mit einer plötzlichen Bewegung vor und schwang sein Messer, und Thirteen ertappte sich bei dem völlig absurden Gedanken, daß er dieses Messer eigentlich gar nicht haben durfte: Er wäre nie und nimmer damit durch die Sicherheitskontrolle am Flughafen gekommen.

Trotzdem bewegte sich dieses Messer, das es gar nicht geben durfte, mit tödlicher Zielsicherheit wie eine geschwungene Sense auf ihre Kehle zu, und Thirteen duckte sich im letzten Moment. Die Messerklinge verfehlte sie knapp. Thirteen hörte, wie die Stewardeß aufschrie, duckte sich noch tiefer und stieß dem Angreifer beide Hände vor die Brust.

Der Mann und sie schrien im selben Augenblick auf. Der Mann stolperte einen Schritt zurück und fiel in die Arme zweier Männer, die hinter ihm aufgetaucht waren. Thirteen keuchte vor Angst und sah sich wild nach einem Fluchtweg um.

Es gab keinen. Hinter ihr drängelten sich nicht nur mindestens ein Dutzend Passagiere, die das Geschehen voller Entsetzen - aber auch Neugier - beobachteten, da war auch noch die Stewardeß, die stöhnend auf den Knien lag und die Hand gegen die üble Schnittwunde in ihrer Schulter preßte. Auf der anderen Seite war der "Wahnsinnige, dem es keine besondere Mühe zu bereiten schien, mit den beiden Passagieren fertig zu werden, die ihn festzuhalten versuchten. Der einzige Ausweg, der ihr blieb, war der in die leere Sitzreihe dreizehn - zwei Plätze weit bis zum Fenster auf der einen und drei bis zu dem auf der anderen Seite, wo auch der seltsame, nicht klar erkennbare Mann saß.

Entschlossen trat sie einen Schritt in die kürzere der beiden Reihen hinein, die auf der linken Seite des Flugzeuges. Sie gewann auf diese Weise allerhöchstens zwei Sekunden, aber welche Wahl hatte sie schon?

Der Angreifer schien wild entschlossen, Thirteen umzubringen, auch wenn es sein eigenes Leben kostete. Er hielt mit seinem Messer jeden auf Abstand, der ihr zu Hilfe hätte eilen können, und er kam zugleich unaufhaltsam näher. Thirteen war bis zum Fenster zurückgewichen, aber weiter ging es nicht.

Sie würde sterben; hier und jetzt und ohne zu wissen, warum. "Aber warum denn nur?" stammelte sie. Tränen liefen über ihr Gesicht, ohne daß sie es selbst bemerkte. "Ich... ich habe Ihnen doch gar nichts getan! "

Sie hatte selbst nicht damit gerechnet - aber der Mann blieb tatsächlich stehen, und für einen Moment erschien in seinen Augen ein Ausdruck, als erwache er unvermittelt aus einem tiefen Traum und frage sich, wo er war und was er überhaupt hier tat. Dann loderte die mörderische Glut in seinem Blick wieder heller, und er hob das Messer.

"Du mußt sterben!" keuchte er. "Es muß sein ... Oder alles ist aus."

Er machte einen Schritt in die Sitzreihe hinein, und im selben Augenblick stand der Mann am Fensterplatz auf der gegenüberliegenden Seite des Ganges auf.

Halt!

Der Mann mit dem Messer erstarrte. Auf seinem Gesicht stand blankes Entsetzen geschrieben. Dann drehte er sich zu dem Mann am Fenster herum, und aus dem Schrecken in seinem Blick wurde schieres Grauen.

"Nein!" stammelte er. "Das ... das kann nicht sein. Nicht du .. . nein!"

Thirteen sah ihre neue Chance. Der Mann mit dem Messer war für eine Sekunde abgelenkt, und vielleicht war das ja genug. Mit aller Kraft schwang sie sich über die Rückenlehne des Sitzes und landete ungeschickt auf dem Schoß des Mannes dahinter - es war der Dicke, dessen blutende Nase schon wieder Bekanntschaft mit ihrem Knie machte. Aber der Angreifer hatte die Bewegung bemerkt, fuhr herum und hob abermals das Messer.

Kundenbewertungen zu "Dreizehn" von "Wolfgang Hohlbein; Heike Hohlbein"

9 Kundenbewertungen (Durchschnitt 4.6 von 5 Sterne bei 9 Bewertungen **** ausgezeichnet)
***** ausgezeichnet
 
(5)
***** sehr gut
 
(4)
***** gut
***** weniger gut
***** schlecht
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Bewertung von Katrin am 05.08.2008 ***** ausgezeichnet
Ich war von dem Buch total begeistert. Ich fand es auch nicht verwirrend, was vielleicht daran lag, dass ich es fast am Stück gelesen habe.

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Bewertung von Suzana Pavokovic aus Mülheim an der Ruhr am 23.07.2008 ***** sehr gut
Das war mein 1. Buch von Wolfgang und Heike Hohlbein.
Klasse geschrieben. Sehr aufregend und fesselnd geschrieben.
Das ist die deutsche Antwort auf Stephen King.
Einfach Super.

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Dem Autor für die Bewertung danken
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Bewertung von unbekanntem Benutzer am 11.04.2008 ***** ausgezeichnet
Das ist das erste Buch was ich von Hohlbein gelesen habe und sehr gut, auch wenn die Übergänge zwischen den Welten am Anfang iritieren. Ansonsten ausgezeichnet!

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Bewertung von Anna aus aus Duisburg am 25.01.2006 ***** ausgezeichnet
Am Anfang ist die Geschichte gewöhnungsbedürftig; auch das zeitweise zwei Geschichten parallel geschrieben sind. Aber man findet sich doch schnell in den Inhalt ein und kann sich mit der Hauptperson identifizieren. Zudem ist es sehr spannend. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Obwohl dies ein Jugendbuch ist, lohnt es sich auch für "Erwachsene". Es ist eine spannende und gruselige Geschichte, die durchaus empehlenswert ist. Eben aus Hohlbein Hand geschrieben.

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Bewertung von unbekanntem Benutzer am 06.06.2005 ***** ausgezeichnet
Es lohnt sich auf jeden Fall, dieses Buch zu lesen. Echt spannend. Nur anfangs gewöhnungsbedürftig, dass 2 Geschichten parallel laufen....

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Bewertung von unbekanntem Benutzer am 06.01.2005 ***** ausgezeichnet
Das Buch ist echt spannend, doch manchmal verwirrend! Trotzdem lohnt es sich es zu kaufen!

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Bewertung von Denise D. am 15.07.2002 ***** sehr gut
Es ist zu Aanfang etwas schwieriger zu lesen, man muss ich mit dem ständigen Wechsel der Welten zurecht finden. Doch dann ist es ein Buch, das man nicht mehr so schnell aus den Händen legt.

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Bewertung von Irene Qu. aus Stuttgart am 23.04.2001 ***** sehr gut
Ein wirklich spannender Jugendroman - auch für Erwachsene! Die Hohlbeins verweben ganz unterschiedliche Märchenstoffe mit vielen neuen Ideen. Und endlich ist mal ein kleines Mädchen die Heldin! Das einzige, was den Gesamteindruck stört: Seit wann liegt Hameln in der Nähe von Hamburg?

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Bewertung von Lars Leuschner aus Berlin am 07.11.2000 ***** sehr gut
Ein wundervoller und spannender Roman - nicht nur für Jugendliche!

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