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»Notstandsgesetze von Deiner Hand«
Briefe 1968/1969. Mit e. Nachbemerk. v. Felix Ensslin
Hrsg. v. Caroline Harmsen, Ulrike Seyer u. Johannes Ullmaier
- Einband: Kartoniert/Broschiert
- Broschiertes Buch
Produktinformation
- Verlag: Suhrkamp
- 2009
- Neuauflage.
- Ausstattung/Bilder: 2009. 289 S. m. Faks.
- Seitenzahl: 289
- Edition Suhrkamp Nr.2586
- Best.Nr. des Verlages: 12586
- Deutsch
- Abmessung: 178mm x 111mm x 20mm
- Gewicht: 182g
- ISBN-13: 9783518125861
- ISBN-10: 3518125869
- Best.Nr.: 25549941
Produktbeschreibung zu "»Notstandsgesetze von Deiner Hand«"
Beschreibung
In keinem anderen Dokument kommt man ihrer Entstehung so nah, wie in den hier erstmals vollständig veröffentlichten Briefen, die Vesper und Ensslin bis zu ihrer bedingten Freilassung und Flucht Mitte 1969 gewechselt haben. Nach allen Glorifizierungen und Pathologisierungen, Verflimungen und Deutungen besteht nun die Möglichkeit, sich am Original ein eigenes Urteil zu bilden, Epochales und Banales, Mythos und Historie unvoreingenommen zu sondieren und einen großen, tragischen Liebes-Brief-Roman zu entdecken, der zugleich Realität war.
24.11.2009
Das wahnsinnige Element
Der Briefwechsel von Vesper und Ensslin / Von Gerd Koenen
Das Private war politisch, damals. Welche existentiellen Verstrickungen das bedeuten konnte, zeigt der Briefwechsel der im April 1968 wegen Brandstiftung in zwei Frankfurter Kaufhäusern inhaftierten Gudrun Ensslin mit ihrem ersten Lebensgefährten, dem Verleger und Autor Bernward Vesper. Während der Recherchen zu meinem 2003 erschienenen Buch „Vesper, Ensslin, Baader. Urszenen des deutschen Terrorismus” hatte mir Elken Lindquist, Vespers letzte Freundin, eine schwarze Mappe übergeben, die bei dessen Selbstmord im Mai 1971 bei ihr zurückgeblieben war. Darin fand sich eben dieser Briefwechsel mit Gudrun Ensslin, der einsetzt, als sie ihn im Januar 1968 endgültig für ein Leben mit Andreas Baader verlassen hatte. Die ursprüngliche, von Ensslin stammende Aufschrift „Notstandsgesetz” hatte Vesper abgewandelt in: „Notstandsgesetze von Deiner Hand”.
Diese schwarze Mappe, deren (indiskrete) Lektüre mich damals von der ersten Zeile an elektrisiert und die meinen Blick auf die Protagonisten dieses exemplarischen deutschen Familiendramas wesentlich verändert hat, …
08.12.2009
Mit großem Interesse hat Ina Hartwig diese Briefe von Gudrun
Ensslin und Bernward Vesper gelesen, die sie im Aufmacher der
Dezember-Beilage bespricht. Sie stammen vornehmlich aus der Zeit,
als Ensslin wegen des Kaufhausbrandes im Gefängnis sitzt, ihren
Lebensgefährten und Vater des gemeinsamen Kindes Felix hatte sie
bereits für Andreas Baader verlassen. "Heißkalt" nennt
Hartwig die Briefe in ihrer Mischung aus "Selbsterfüllung,
Egotrip, Erotik und ideologischer Verhärtung", und sie kann
dem Historiker Gerd Koenen nur zustimmen, der darin "Urszenen
des deutschen Terrorismus" erkannt hat. Aber auch literarisch
findet Hartwig die Briefe aufschlussreich: Vesper, dem Sohn des
Nazi-Schriftstellers Will Vesper attestiert sie eine deutliche
Begabung, bei Ensslin sieht sie vor allem ihre wechselhaften
Stimmungen in stilistisches Wünschelrutengängertum umschlagen, sie
schwanke ständig zwischen Innerlichkeit und Kollevbeschwörung,
zwischen Härte und Genuss, zwischen der Absage an alle Konventionen
und Mütterlichkeitseruptionen ("Knuff, puff, schmus das
Pütsche-Monstre von der Mama"). Schließlich erkennt Hartwig
mit diesem Briefwechsel, mit welcher Lust die RAF "Sexus,
Gewalt und Praxis" vereinte, und darin auch die
"Pervertierung der deutschen Romantik im Hass".
© Perlentaucher Medien GmbH
Rezension
"Aus der RAF und ihren Mitgliedern wurden sofort nach ihrer
Gründung 1970 Gespenster gemacht, denn mit Gespenstern kann man
machen, was man will. Schon deshalb hilft ein Blick in die Zeit,
als die Gespenster noch Menschen waren. Einen solchen ermöglicht
Notstandsgesetze von deiner Hand , benannt nach dem Ordner, in dem
Vesper die über einen Zeitraum von anderthalb Jahren verfaßten
Briefe sammelte. ... Diese Briefe offenbaren (fast) alles. Wer
erfahren will, wieviel Energie Leute in sich entdecken können,
gegen bestehende Verhältnisse anzudenken, wie sie diese Entdeckung
unter Spannung setzte und darauf brachte, sich mit dem Staat
anzulegen, wie sie sich gleichzeitig kleiner und größer und vor
allem gegen Ende immer wieder gegenseitig fertig machten, der wird
nach der Lektüre ein neues Bild der RAF-Protagonisten gewonnen
haben."
Kristof Schreuf Junge Welt
Rezensionen und Kritik
»Ein Beitrag zum etwas besseren Verstehen der Geschichte des deutschen Terrorismus der Nachkriegszeit.«
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