»Notstandsgesetze von Deiner Hand« - Ensslin, Gudrun; Vesper, Bernward

Gudrun Ensslin Bernward Vesper 

»Notstandsgesetze von Deiner Hand«

Briefe 1968/1969. Mit e. Nachbemerk. v. Felix Ensslin

Hrsg. v. Caroline Harmsen, Ulrike Seyer u. Johannes Ullmaier
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Produktbeschreibung zu »Notstandsgesetze von Deiner Hand«

Anfang 1968, Gudrun Ensslin verläßt Bernward Vesper und zieht mit ihrem sieben Monate alten Sohn Felix zu Andreas Baader. Bald darauf brennen in Frankfurt zwei Kaufhäuser; Baader, Ensslin und Thorwald Proll werden als mutmaßliche Brandstifter verhaftet, Felix ist bei Vesper, die Geschichte der RAF nimmt ihren Lauf.
In keinem anderen Dokument kommt man ihrer Entstehung so nah, wie in den hier erstmals vollständig veröffentlichten Briefen, die Vesper und Ensslin bis zu ihrer bedingten Freilassung und Flucht Mitte 1969 gewechselt haben. Nach allen Glorifizierungen und Pathologisierungen, Verflimungen und Deutungen besteht nun die Möglichkeit, sich am Original ein eigenes Urteil zu bilden, Epochales und Banales, Mythos und Historie unvoreingenommen zu sondieren und einen großen, tragischen Liebes-Brief-Roman zu entdecken, der zugleich Realität war.

Produktinformation


  • Verlag: Suhrkamp
  • 2009
  • Neuauflage.
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 289 S. m. Faks.
  • Seitenzahl: 289
  • Edition Suhrkamp Nr.2586
  • Best.Nr. des Verlages: 12586
  • Deutsch
  • Abmessung: 178mm x 111mm x 20mm
  • Gewicht: 182g
  • ISBN-13: 9783518125861
  • ISBN-10: 3518125869
  • Best.Nr.: 25549941

Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension

Mit großem Interesse hat Ina Hartwig diese Briefe von Gudrun Ensslin und Bernward Vesper gelesen, die sie im Aufmacher der Dezember-Beilage bespricht. Sie stammen vornehmlich aus der Zeit, als Ensslin wegen des Kaufhausbrandes im Gefängnis sitzt, ihren Lebensgefährten und Vater des gemeinsamen Kindes Felix hatte sie bereits für Andreas Baader verlassen. "Heißkalt" nennt Hartwig die Briefe in ihrer Mischung aus "Selbsterfüllung, Egotrip, Erotik und ideologischer Verhärtung", und sie kann dem Historiker Gerd Koenen nur zustimmen, der darin "Urszenen des deutschen Terrorismus" erkannt hat. Aber auch literarisch findet Hartwig die Briefe aufschlussreich: Vesper, dem Sohn des Nazi-Schriftstellers Will Vesper attestiert sie eine deutliche Begabung, bei Ensslin sieht sie vor allem ihre wechselhaften Stimmungen in stilistisches Wünschelrutengängertum umschlagen, sie schwanke ständig zwischen Innerlichkeit und Kollevbeschwörung, zwischen Härte und Genuss, zwischen der Absage an alle Konventionen und Mütterlichkeitseruptionen ("Knuff, puff, schmus das Pütsche-Monstre von der Mama"). Schließlich erkennt Hartwig mit diesem Briefwechsel, mit welcher Lust die RAF "Sexus, Gewalt und Praxis" vereinte, und darin auch die "Pervertierung der deutschen Romantik im Hass".

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 24.11.2009

Das wahnsinnige Element
Der Briefwechsel von Vesper und Ensslin / Von Gerd Koenen
Das Private war politisch, damals. Welche existentiellen Verstrickungen das bedeuten konnte, zeigt der Briefwechsel der im April 1968 wegen Brandstiftung in zwei Frankfurter Kaufhäusern inhaftierten Gudrun Ensslin mit ihrem ersten Lebensgefährten, dem Verleger und Autor Bernward Vesper. Während der Recherchen zu meinem 2003 erschienenen Buch „Vesper, Ensslin, Baader. Urszenen des deutschen Terrorismus” hatte mir Elken Lindquist, Vespers letzte Freundin, eine schwarze Mappe übergeben, die bei dessen Selbstmord im Mai 1971 bei ihr zurückgeblieben war. Darin fand sich eben dieser Briefwechsel mit Gudrun Ensslin, der einsetzt, als sie ihn im Januar 1968 endgültig für ein Leben mit Andreas Baader verlassen hatte. Die ursprüngliche, von Ensslin stammende Aufschrift „Notstandsgesetz” hatte Vesper abgewandelt in: „Notstandsgesetze von Deiner Hand”.
Diese schwarze Mappe, deren (indiskrete) Lektüre mich damals von der ersten Zeile an elektrisiert und die meinen Blick auf die Protagonisten dieses exemplarischen deutschen Familiendramas wesentlich verändert hat, liegt unter …

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"Aus der RAF und ihren Mitgliedern wurden sofort nach ihrer Gründung 1970 Gespenster gemacht, denn mit Gespenstern kann man machen, was man will. Schon deshalb hilft ein Blick in die Zeit, als die Gespenster noch Menschen waren. Einen solchen ermöglicht Notstandsgesetze von deiner Hand , benannt nach dem Ordner, in dem Vesper die über einen Zeitraum von anderthalb Jahren verfaßten Briefe sammelte. ... Diese Briefe offenbaren (fast) alles. Wer erfahren will, wieviel Energie Leute in sich entdecken können, gegen bestehende Verhältnisse anzudenken, wie sie diese Entdeckung unter Spannung setzte und darauf brachte, sich mit dem Staat anzulegen, wie sie sich gleichzeitig kleiner und größer und vor allem gegen Ende immer wieder gegenseitig fertig machten, der wird nach der Lektüre ein neues Bild der RAF-Protagonisten gewonnen haben."
Kristof Schreuf Junge Welt

»Ein Beitrag zum etwas besseren Verstehen der Geschichte des deutschen Terrorismus der Nachkriegszeit.«

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Gudrun Ensslin Bernward Vesper 

»Notstandsgesetze von Deiner Hand«

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Briefe 1968/1969. Mit e. Nachbemerk. v. Felix Ensslin

Hrsg. v. Caroline Harmsen, Ulrike Seyer u. Johannes Ullmaier

  • Einband: Kartoniert/Broschiert
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Produktinformation
  • Verlag: Suhrkamp
  • 2009
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  • Ausstattung/Bilder: 2009. 289 S. m. Faks.
  • Seitenzahl: 289
  • Edition Suhrkamp Nr.2586
  • Best.Nr. des Verlages: 12586
  • Deutsch
  • Abmessung: 178mm x 111mm x 20mm
  • Gewicht: 182g
  • ISBN-13: 9783518125861
  • ISBN-10: 3518125869
  • Best.Nr.: 25549941

Produktbeschreibung zu "»Notstandsgesetze von Deiner Hand«"

Beschreibung

Anfang 1968, Gudrun Ensslin verläßt Bernward Vesper und zieht mit ihrem sieben Monate alten Sohn Felix zu Andreas Baader. Bald darauf brennen in Frankfurt zwei Kaufhäuser; Baader, Ensslin und Thorwald Proll werden als mutmaßliche Brandstifter verhaftet, Felix ist bei Vesper, die Geschichte der RAF nimmt ihren Lauf.
In keinem anderen Dokument kommt man ihrer Entstehung so nah, wie in den hier erstmals vollständig veröffentlichten Briefen, die Vesper und Ensslin bis zu ihrer bedingten Freilassung und Flucht Mitte 1969 gewechselt haben. Nach allen Glorifizierungen und Pathologisierungen, Verflimungen und Deutungen besteht nun die Möglichkeit, sich am Original ein eigenes Urteil zu bilden, Epochales und Banales, Mythos und Historie unvoreingenommen zu sondieren und einen großen, tragischen Liebes-Brief-Roman zu entdecken, der zugleich Realität war.

24.11.2009

Das wahnsinnige Element
Der Briefwechsel von Vesper und Ensslin / Von Gerd Koenen
Das Private war politisch, damals. Welche existentiellen Verstrickungen das bedeuten konnte, zeigt der Briefwechsel der im April 1968 wegen Brandstiftung in zwei Frankfurter Kaufhäusern inhaftierten Gudrun Ensslin mit ihrem ersten Lebensgefährten, dem Verleger und Autor Bernward Vesper. Während der Recherchen zu meinem 2003 erschienenen Buch „Vesper, Ensslin, Baader. Urszenen des deutschen Terrorismus” hatte mir Elken Lindquist, Vespers letzte Freundin, eine schwarze Mappe übergeben, die bei dessen Selbstmord im Mai 1971 bei ihr zurückgeblieben war. Darin fand sich eben dieser Briefwechsel mit Gudrun Ensslin, der einsetzt, als sie ihn im Januar 1968 endgültig für ein Leben mit Andreas Baader verlassen hatte. Die ursprüngliche, von Ensslin stammende Aufschrift „Notstandsgesetz” hatte Vesper abgewandelt in: „Notstandsgesetze von Deiner Hand”.
Diese schwarze Mappe, deren (indiskrete) Lektüre mich damals von der ersten Zeile an elektrisiert und die meinen Blick auf die Protagonisten dieses exemplarischen deutschen Familiendramas wesentlich verändert hat, …

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Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension

08.12.2009

Mit großem Interesse hat Ina Hartwig diese Briefe von Gudrun Ensslin und Bernward Vesper gelesen, die sie im Aufmacher der Dezember-Beilage bespricht. Sie stammen vornehmlich aus der Zeit, als Ensslin wegen des Kaufhausbrandes im Gefängnis sitzt, ihren Lebensgefährten und Vater des gemeinsamen Kindes Felix hatte sie bereits für Andreas Baader verlassen. "Heißkalt" nennt Hartwig die Briefe in ihrer Mischung aus "Selbsterfüllung, Egotrip, Erotik und ideologischer Verhärtung", und sie kann dem Historiker Gerd Koenen nur zustimmen, der darin "Urszenen des deutschen Terrorismus" erkannt hat. Aber auch literarisch findet Hartwig die Briefe aufschlussreich: Vesper, dem Sohn des Nazi-Schriftstellers Will Vesper attestiert sie eine deutliche Begabung, bei Ensslin sieht sie vor allem ihre wechselhaften Stimmungen in stilistisches Wünschelrutengängertum umschlagen, sie schwanke ständig zwischen Innerlichkeit und Kollevbeschwörung, zwischen Härte und Genuss, zwischen der Absage an alle Konventionen und Mütterlichkeitseruptionen ("Knuff, puff, schmus das Pütsche-Monstre von der Mama"). Schließlich erkennt Hartwig mit diesem Briefwechsel, mit welcher Lust die RAF "Sexus, Gewalt und Praxis" vereinte, und darin auch die "Pervertierung der deutschen Romantik im Hass".

© Perlentaucher Medien GmbH

Rezension

"Aus der RAF und ihren Mitgliedern wurden sofort nach ihrer Gründung 1970 Gespenster gemacht, denn mit Gespenstern kann man machen, was man will. Schon deshalb hilft ein Blick in die Zeit, als die Gespenster noch Menschen waren. Einen solchen ermöglicht Notstandsgesetze von deiner Hand , benannt nach dem Ordner, in dem Vesper die über einen Zeitraum von anderthalb Jahren verfaßten Briefe sammelte. ... Diese Briefe offenbaren (fast) alles. Wer erfahren will, wieviel Energie Leute in sich entdecken können, gegen bestehende Verhältnisse anzudenken, wie sie diese Entdeckung unter Spannung setzte und darauf brachte, sich mit dem Staat anzulegen, wie sie sich gleichzeitig kleiner und größer und vor allem gegen Ende immer wieder gegenseitig fertig machten, der wird nach der Lektüre ein neues Bild der RAF-Protagonisten gewonnen haben."
Kristof Schreuf Junge Welt

Rezensionen und Kritik

»Ein Beitrag zum etwas besseren Verstehen der Geschichte des deutschen Terrorismus der Nachkriegszeit.«

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