Der ununterbrochene Dialog - Derrida, Jacques; Gadamer, Hans-Georg

Jacques Derrida Hans-Georg Gadamer 

Der ununterbrochene Dialog

Hrsg. u. Nachw. v. Martin Gessmann
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Der ununterbrochene Dialog

Jacques Derrida und Hans-Georg Gadamer lernten sich in den frühen 80er Jahren kennen, und seit dieser Zeit entspann sich eine kontroverse Auseinandersetzung über die Hermeneutik, die Kunst der Interpretation, insbesondere über die Endlichkeit unseres Verstehens. Als Gadamer starb, hielt Derrida im Februar 2003 die Festrede zur Gedenkfeier der Universität Heidelberg. Mit einer eindringlichen Celan-Lektüre führt Derrida vor, wie das Gespräch mit Gadamer über seine letzte Unterbrechung hinaus am Ende zu einem ununterbrochenen Dialog werden könnte. Dem Band beigefügt sind Kommentare Gadamers zu Celans Gedichtfolge Atemkristall sowie Materialien aus der Zeit der ersten Begegnung. In Derridas Reflexion über den Abschied und das Abschiednehmen kommt es hier zu einer letzten, vielleicht entscheidenden Annäherung.


Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2004
  • 3. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: 109 S.
  • Seitenzahl: 109
  • Edition Suhrkamp Nr.2357
  • Best.Nr. des Verlages: 12357
  • Deutsch
  • Abmessung: 177mm x 109mm x 14mm
  • Gewicht: 103g
  • ISBN-13: 9783518123577
  • ISBN-10: 3518123572
  • Best.Nr.: 12057995
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 16.04.2004

Vor dem Tod rettet nur das Wuchern des Verstehens
Die Hermeneutik von Kontinuität und Bruch: Jacques Derrida und Hans-Georg Gadamer im Gespräch über einen Vers

Das Verhältnis zwischen Jacques Derrida und Hans-Georg Gadamer läßt sich beschreiben als das einer spannungsvollen Schwebe. Beiden gilt die Sprache als Ausgangsbasis ihres philosophischen Unternehmens, beide bestreiten das Erkenntnisprivileg der methodischen Wissenschaften, und beide orientieren sich an der Kunst, wenn es um die Rechtfertigung einer anderen Form von Erkenntnis geht. Aber sie enden in unterschiedlichen, ja gegensätzlichen Richtungen. Während Gadamer untrennbar mit der Philosophie der Hermeneutik als einer Grundlegung des Verstehens verbunden ist, praktiziert Derrida im Namen der Dekonstruktion die Subversion aller Grundlegungsversuche. Während der eine in der Sprache, das heißt im Gespräch, einen wenn auch schwankenden Boden der Verständigung findet, tun sich für den anderen in der Sprache, das heißt nun in der unendlich rekombinierbaren Zeichenkette, letztlich nur Abgründe der Bedeutung auf.

Es kann daher auch nicht überraschen, daß das erste persönliche …

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Dekonstruktivismus und Hermeneutik scheinen auf den ersten Blick nicht viel gemein zu haben. Erahnt diese im Gespräch einen "schwankenden Boden der Verständigung", tun sich für jene hinter der Sprach nur "Abgründe der Bedeutung" auf. Entsprechend spannungsvoll war das Verhältnis von Jacques Derrida und Hans-Georg Gadamer. Spannungsvoll und nachhaltig. In seiner Festrede zum Gedenken an Gadamer, im Februar 2003 in Heidelberg gehalten, findet Derrida die Formulierung vom "ununterbrochenen Dialog" mit dem Toten. Wiederum geht es dem französischen Oberdekonstruktivisten um die Frage nach der Möglichkeit von Verstehen. Und in gewohnter Manier, so Josef Früchtl, strapaziere er dabei die Geduld seiner Zuhörer. Bei aller Verschiedenheit des Zugriffs auf Sprache und Verstehen habe Derrida und Gadamer doch das Vertrauen auf die Dichtung verbunden als auf "jene ausgezeichnete Form des Denkens, das den Menschen inmitten der allgemeinen, von der Wissenschaft noch verschärften Weltverstellung überhaupt erst wieder einen Weltzugang eröffnet". Anhand eines Verses von Paul Celan macht sich Derrida darum an die verbindende Deutungsarbeit: "Die Welt ist fort, ich muss dich tragen." Und im Zuge dieser Arbeit trete, so das versöhnliche Fazit des Rezensenten, "die Ethik von Dekonstruktivismus und Hermeneutik gleichermaßen" hervor.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 14.06.2004

Die erste Dummheit, der schrecklichste Verrat
Eine Philosophenfreundschaft: Jacques Derrida nimmt Abschied von Hans-Georg Gadamer
Sich im Denken zu orientieren, ist die selbstverständliche Sorge postfundamentalistischer Kulturen. Deshalb bewahren diese Kulturen, wenn sie gut beraten sind, die diskursiven Tugenden der Philosophie. Allerdings ist das Geschäft der Orientierung zusehends anspruchsvoller geworden. Das Jahr 1989 setzte eine dieser Zäsuren, die den einstigen Nimbus der identitätsstiftenden Oppositionen verblassen ließen. Wenig ist übrig geblieben von den intellektuellen Trutzburgen früherer Jahre, von der provokanten Leichtfertigkeit des „anything goes”, von dem Eifer substanzialistischer Normenbegründung oder dem hochfahrenden Getöse der Ideologiekritik.
Neue Denkordnung
Offenbar ist die Landschaft des Denkens eben dabei, sich eine neue Ordnung zu geben. Ein Beispiel für die ungeminderte Dynamik des Revirements bot die Gedenkrede, die Jacques Derrida vor gut einem Jahr zu Ehren Hans-Georg Gadamers in Heidelberg gehalten hat. Sie liegt jetzt in der vollständigen, von Martin Gessmann klug kommentierten Fassung vor.
Derridas Rede …

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Jacques Derrida wurde am 15. Juli 1930 in El-Biar in der Nähe von Algier als Sohn jüdischer Eltern geboren und starb am 8.Oktober 2004 in Paris. Während seiner Schulzeit war er antisemitischen Repressionen ausgesetzt. Ab 1949 lebte er in Frankreich und besuchte das Lycée Louis-le-Grand in Paris. Von 1952 bis 1954 studierte er an der École Normale Supérieure, wo er Vorlesungen bei Louis Althusser und Michel Foucault besuchte und sich mit Pierre Bourdieu anfreundete. 1956 gewann er ein Stipendium für einen Studienaufenthalt an der Harvard University. Während seines Militärdienstes von 1957 bis 1959 lehrte er Englisch und Französisch in Algerien. Von 1960 bis 1964 war er wissenschaftlicher Assistent an der Sorbonne. Ab 1965 bis 1984 bekleidete er eine Professur für Geschichte der Philosophie an der École Normale Supérieure. 1981 gründete er die Gesellschaft Jan Hus (eine Hilfsorganisation für verfolgte tschechische Intellektuelle). Im selben Jahr wurde er in Prag verhaftet und erst nach einer energischen Intervention François Mitterrands und der französischen Regierung von der Tschechoslowakei freigelassen. 1983 gründete er das Collège international de philosophie , zu dessen erstem Direktor er gewählt wurde.

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