Benutzername: Baerbel82
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Bewertungen

Insgesamt 251 Bewertungen
Bewertung vom 19.06.2017
Frankfurter Blutspur (eBook, ePUB)
Aurass, Dieter

Frankfurter Blutspur (eBook, ePUB)


sehr gut

Tatort Frankfurt am Main

Das schon aus „Frankfurter Kaddisch“ bekannte Personal, Hauptkommissar Gregor Mandelbaum und sein Team, ermittelt wieder. Dennoch handelt es sich bei „Frankfurter Blutspur“ um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ist. Der Vorgänger hatte mich begeistert und auch diesmal wurde ich nicht enttäuscht. Worum geht es?
Dieter Aurass geht gleich in medias res: Eine Prostituierte stirbt im Schnee. Ihr wurden die Zehen abgeschnitten. Deshalb konnte sie nicht mehr gehen. Wer hat Vera ermordet - und warum? Kurz darauf wird eine weitere Frau tot aufgefunden. Auch sie wurde grausam verstümmelt. Zudem hat der Täter in beiden Fällen eine blutige Botschaft hinterlassen. Geht ein Serienkiller in der Mainmetropole um?
Über das Wiedersehen mit Gerichtsmedizinerin Dr. Sonja Savoyen, Gregor, Computernerd Schmuddel und Mutti Jutta, Küken Jenny und Bedenkenträger Dieter, habe ich mich sehr gefreut, denn sie sind mir ans Herz gewachsen. Neu dabei, Irina Petrowska und Frank Grothebaum von der Sitte.
Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Gregor und Sonja sind inzwischen ein Paar. Der Kommissar, der am Asperger-Syndrom, einer milden Variante des Autismus leidet, hat in Sachen sozialer Interaktion und Kommunikation viel von ihr gelernt. Grothebaum ist ein Ekelpaket, ein Kotzbrocken - und er ist korrupt. Aber ist er deshalb auch ein Mörder?
Die Geschichte lässt sich flott und flüssig lesen. Immer mal wieder finden sich Bezüge zum Vorgänger. Das macht Lust auf mehr für die, die den ersten Band (noch) nicht kennen. Rückblenden in die 60er Jahre aus der Sicht eines kleinen Jungen, verleiten zu unterschiedlichen Spekulationen und Deutungen.
Neben dem Kriminalfall thematisiert der Autor Homosexualität. Und hat deshalb in seinem aktuellen Roman eine lesbische Liebesgeschichte eingebaut. Auch der Humor kommt nicht zu kurz. Zitat: »Uups«, bemerkte er [der Täter] und wirkte noch immer amüsiert, »so war das nicht geplant. Ich befürchte, wir werden nun das durchführen müssen, was die Damen und Herren von der Polizei eine Verfolgungsfahrt nennen.«

Fazit: Ein realitätsnaher Who-Done-It-Krimi mit einem durchgängigen Spannungsbogen.

Bewertung vom 16.06.2017
Teufelskälte / Kommissar Tommy Bergmann Bd.2
Sveen, Gard

Teufelskälte / Kommissar Tommy Bergmann Bd.2


sehr gut

Hölle, Hölle, Hölle

„Teufelskälte“ von Gard Sveen ist der zweite Fall für den Osloer Kommissar Tommy Bergmann. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ist. Den Vorgänger, „Der letzte Pilger“, hatte ich mit Begeisterung verschlungen und auch diesmal wurde ich nicht enttäuscht. Worum geht es?
November 2004. Die junge Prostituierte Daina wurde brutal misshandelt. Bevor sie stirbt, kann sie Tommy noch einen Namen nennen, Maria, Edel Maria. Tommy ist geschockt. Denn der Modus Operandi erinnert ihn an Kristiane. Das junge Mädchen wurde 1988 tot im Wald in einem Müllsack abgelegt. Doch der Täter befindet sich in einer geschlossenen Anstalt, nachdem er den Mord an Kristiane und eine Reihe ähnlicher Taten gestanden hatte.
Hat Anders Rask einen Komplizen, der sich noch auf freiem Fuß befindet, oder wurde er unschuldig verurteilt?
Zusammen mit seiner neuen Kollegin Susanne Bech rollt Tommy den alten Fall erneut auf. Bei den damaligen Ermittlungen wurden Fehler gemacht. Susanne ist alleinerziehende Mutter der fünfjährigen Mathea und hat somit eine empfindliche Schwachstelle. Auch Tommy hat Schwächen. Er neigt zu Gewaltausbrüchen. Deshalb hatte sich seine Frau von ihm getrennt. Doch nun befindet sich Tommy in Therapie. Mit menschlichen Abgründen kennt er sich also bestens aus.
Die Morde sind grausam. Mit detaillierten Beschreibungen hält der Autor sich aber zum Glück zurück, so dass Raum bleibt für das Kopfkino des Lesers. „Teufelskälte“ ist gut konstruiert und spannend erzählt. Ein klassischer Krimi. Ein bisschen gemein ist allerdings, dass am Ende vieles offen bleibt. Zitat: „Seele in Flammen, tanzendes Blut. Wo bin ich, Tommy?“ Im Nachwort kündigt der Autor an, dass es einen Folgeband geben wird.

Fazit: Alles in allem ein spannender, abgründiger Who-Done-It-Roman, der jedoch nicht an den Vorgänger heranreicht.

Bewertung vom 07.06.2017
Tödliches Treibgut / DCI Jim Daley Bd.1
Meyrick, Denzil

Tödliches Treibgut / DCI Jim Daley Bd.1


sehr gut

DCI Jim Daley ermittelt in Schottland

„Die Leiche bewegte sich im selben Rhythmus wie der Seetang und das Treibgut,…“ so beginnt der Schottland-Krimi „Tödliches Treibgut“ von Denzil Meyrick. „Es handelte sich um den nackten Körper einer Frau,… Wer war die tote Frau? Was war ihr zugestoßen - und warum?“ D.C.I. Jim Daley und sein Partner DC Scott aus Glasgow ermitteln.
Die Hauptrolle spielt die raue, schottische Landschaft. Das idyllische Fischerdorf Kinloch und die Strände der Kintyre-Halbinsel. Die Menschen leben seit Generationen in einer verschworenen Gemeinschaft. Die Ermittler stoßen schon bald auf ein Gespinst aus Lügen und Intrigen. Nichts ist, wie es scheint, keiner so unschuldig, wie er tut. Fast jeder in Kinloch hat ein dunkles Geheimnis.
Jim, dessen Ehe in einer Krise steckt, bekommt Besuch von seiner Frau Liz. Weitere Menschen sterben. Und plötzlich wird der Fall für Jim sehr persönlich...
„Tödliches Treibgut“ ist nicht einfach nur Krimi, sondern vor allem spannendes Drama. Der Tonfall ist (wie das Wetter) Moll. Der Plot ist angenehm vertrackt und wird sauber entwickelt, die Ermittlungen werden ausführlich und nachvollziehbar geschildert, die Schauplätze plastisch beschrieben, die Figuren wirken lebendig. Alles in allem ein erfreulich unblutiger Krimi, der mich gut unterhalten hat.
Nichtsdestotrotz hat mir ein bisschen der (trockene) Humor gefehlt. Das können Stuart MacBride und Ian Rankin einfach besser. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Für Leser, die testen wollen, ob Story und Stil gefallen, gibt es ein Prequel, „Die Mädchen von Strathclyde“. Eine düstere Geschichte aus dem Glasgow der 80er Jahre um eine tote Prostituierte.

Fazit: Atmosphärisch dichter Kriminalroman. Rau. Pur. Schottisch.

Bewertung vom 03.06.2017
Sie sind da / Die Brut Bd.1
Boone, Ezekiel

Sie sind da / Die Brut Bd.1


gut

Mix aus Alien und Apocalypse Now

„Die Brut - Sie sind da“ startet spannend, in einem Urwald in Peru. Eine Wandergruppe wird von einer ‚schwarzen Flut‘ verschlungen. Danach lernen wir Mike Rich kennen. Er ist Special Agent in Minneapolis, Minnesota, und wird zu einem Flugzeugabsturz gerufen. Aus einer der Leichen kriecht ‚etwas Schwarzes‘.
Dann ein Sprung nach Indien. Ein Erdbeben scheint sich anzubahnen. Und in China explodiert eine Atombombe. Ein Unfall? Last but not least eine Uni in Washington, D.C. Melanie Guyer ist Biologin. Aus Peru bekommt sie einen Eierkokon geschickt - und ES schlüpft. Wo ist die Verbindung?
Gleich mehrere Handlungsstränge gilt es zu verfolgen, viele Perspektivwechsel sorgen für Dynamik. Gekonnt spielt Ezekiel Boone mit unseren Urängsten: Es geht um Spinnen.
Im Mittelpunkt stehen zwei Frauen und zwei Männer: Die Präsidentin der Vereinigten Staaten, Stephanie Pilgrim, und die Biologin Melanie sowie Melanies Ex Manny, Stabschef des Weißen Hauses, und Agent Mike.
Hauptschauplatz ist Kalifornien: Die Präsidentin verhängt den Ausnahmezustand. Die Menschen rund um Los Angeles sollen in Quarantäne. Die Lage eskaliert…
„Die Brut“ ist ein Endzeit-Thriller mit einem hohen Ekelfaktor. Wie eine Mischung aus den Alien-Filmen mit Sigourney Weaver und dem Kriegsfilm „Apocalypse Now“ von Francis Ford Coppola. Ein typisches Buch für den US-amerikanischen Markt: Militär, Hubschrauber, Waffen.
Die Figurenzeichnung ist gelungen. Mike und Melanie kommen sympathisch rüber. Vielleicht geht da ja was? Die Präsidentin ist schwach. Sie hält die Menschen mit Verharmlosung der Situation hin. Zudem hat sie ein Verhältnis mit Manny.
Das Ende hat mich enttäuscht. Spoiler-Gefahr verbietet allerdings detaillierte Ausführungen in dieser Richtung. „Die Brut - Sie sind da“ ist der erste Teil einer Trilogie. Band 2, „Die Brut - Die Zeit läuft“, folgt bereits im August.

Fazit: Rasantes und actionreiches Popcorn-Lesekino ohne Tiefgang.

Bewertung vom 31.05.2017
AMNESIA - Ich muss mich erinnern
Herrmann, Jutta Maria

AMNESIA - Ich muss mich erinnern


ausgezeichnet

Zwischen Wahn und Wirklichkeit

Nach „Hotline“ und „Schuld bist du“ ist „Amnesia - Ich muss mich erinnern“ der dritte Thriller von Jutta Maria Herrmann über die Abgründe der menschlichen Psyche. Worum geht es?
Helen hat Lungenkrebs. Ihr Freund hat sie verlassen. Weder ihre Mutter, noch ihre jüngere Schwester Kristin wissen, dass Helen unheilbar krank ist. Helen fährt nach Hause, um sich mit ihrer Familie auszusöhnen. Und dann ist da auch noch Leon, Kristins Ehemann, den Helen von früher kennt.
Kristin ist schwanger und wird anscheinend von ihrem Mann misshandelt. Am nächsten Tag ist Leon tot - grausam ermordet. Helen konnte Leon nicht leiden, wegen dieser „unseligen Geschichte“. Aber ist sie deshalb auch seine Mörderin? Helen kann sich nicht erinnern. Durch die starken Medikamente hat sie Blackouts und Wahnvorstellungen…
Die Geschichte wird in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Helen erzählt. Das schafft Nähe und so fiebert man - im wahrsten Sinne des Wortes - mit ihr mit. Was ist wahr und was ist nur das Ergebnis unserer Fantasie? Merkwürdige Dinge geschehen. Wer ist Täter, wer ist Opfer? Und schon ist Helen mittendrin in einem perfiden Spiel.
„Amnesia“ ist ein packender Psychothriller, der ohne Exzesse auskommt. Es gibt keinen psychopathischen Serienkiller, keine Ermittler mit außergewöhnlichen Fähigkeiten und keine willfährigen Opfer. Stattdessen lotet die Autorin komplexe Beziehungsgeflechte aus, mit der Erkenntnis, dass Menschen sich über ihre Schwächen definieren, manche aber auch über sich hinauswachsen.
Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Helen ist mir ans Herz gewachsen. Trotz ihrer Krankheit ist sie eine starke Frau. Ein bewegendes Einzelschicksal, ein mysteriöser Mord und eine große Prise Spannung. Gut finde ich auch, dass es einen Soundtrack zum Roman gibt.

Fazit: Durch und durch ein fesselnder Thriller mit Gänsehautgarantie!

Bewertung vom 28.05.2017
Blutzucker
Tewes, Leif

Blutzucker


ausgezeichnet

Politischer Thriller mit brisantem Inhalt

Das schon aus „Tag Null“ bekannte Personal, Kommissar Berg und seine Kollegin Landers, ermittelt wieder. Dennoch handelt es sich bei „Blutzucker“ um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ist. Der Vorgänger hatte mich begeistert und auch diesmal wurde ich nicht enttäuscht. Worum geht es?
Leif Tewes thematisiert in seinem aktuellen Roman versteckten Zucker in Lebensmitteln. Auf einer gefährlichen Spurensuche von Frankfurt über Zürich bis nach Kolumbien deckt der Autor skrupellose Machenschaften und Zusammenhänge zwischen Food- und Pharmaindustrie auf. Es geht um Macht und Gier. Aber auch um eine große Liebe - und Rache.
Nicole ist tot. Sie war Journalistin und wollte zusammen mit Paul, einem Lebensmittelchemiker, den tödlichen Betrug mit verstecktem Zucker aufdecken. In Rückblenden wird erzählt, wie sie sich kennen und lieben lernten. Bis zu ihrer Reise nach Kolumbien, wo Nicole von einer Autobombe zerfetzt wird.
Steckt Pauls Arbeitgeber dahinter? WorldFood ist eine globale Lebensmittelfirma, die einen Pharmakonzern für Diabetesmedikamente aufgekauft hat.
Schwere Kost und eine Menge Informationen, dennoch hochspannend und bestens recherchiert. Selbst der Humor kommt nicht zu kurz. Gut finde ich, dass es einen Soundtrack zum Roman gibt.
Auch mit Gesellschaftskritik spart der Autor nicht. Neben dem Kriminalfall gibt es Anspielungen zu weiteren Themen wie Vielschichtigkeit, ohne um Verständnis für Selbstjustiz zu werben. Denn es gibt nicht nur Schwarz und Weiß.
Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Berg und Landers sind mir inzwischen ans Herz gewachsen. Zumal der Kommissar die Verbrecher nicht zwingend immer fängt oder fangen will.

Fazit: Brillanter Roman noir um die zentrale Frage: Was genau essen wir eigentlich?

Bewertung vom 10.05.2017
Brandstifter (eBook, ePUB)
Krist, Martin

Brandstifter (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Der Problemlöser

„Brandstifter“ ist nach „Engelsgleich“ und „Drecksspiel“ bereits der dritte Band um den Ex-Polizisten David Gross, der inzwischen als ‚Problemlöser‘ tätig ist. Laut Martin Krist ist jeder Thriller in sich abgeschlossen, und dennoch sich ergänzend. Ob das geht?
Hauptschauplatz ist wieder Berlin. Drei spannende Handlungsstränge, die zeitlich versetzt sind, gilt es zu verfolgen:
Georg Starke wird vor den Augen seiner Familie brutal ermordet. Wo liegt das Motiv? Da auch die Polizei in den Fall verstrickt zu sein scheint, begibt sich seine Witwe Valentina allein auf eine gefährliche Suche.
In einem weiteren Handlungsstrang lernen wir Luka kennen. Er ist ein Loser, der dringend Geld braucht.
Last but not least gibt es ein Wiedersehen mit David Gross. Er soll den Tod einer jungen Frau aufklären, die bei einem Brand ums Leben kam. Außerdem wird er beauftragt, nach einem Forscher zu suchen, der anlässlich einer Konferenz in Berlin spurlos verschwand.
Was haben all diese Erzählstränge miteinander zu tun?
David ist immer noch auf der Suche nach seiner Frau Caro, die aus ihrer Wohnung verschleppt wurde. Zudem ist das Verhältnis zu seinem Sohn Jan, der an einer seltenen Krankheit leidet, angespannt. David ist also ein bisschen abgelenkt…
Martin Krist ist ein Pseudonym des Schriftstellers Marcel Feige, der seine Krimis und Thriller inzwischen ausnahmslos als Martin Krist veröffentlicht. Gekonnt springt der Autor durch Zeit und Raum. Kurze Kapitel und ständig wechselnde Perspektiven sorgen für Dynamik. Die Geschichte ist komplex, dennoch hochspannend. Nichts ist wie es scheint. Niemand ist, wer er zu sein scheint.
Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. David ist mir inzwischen ans Herz gewachsen. Er mag die Songs von Silly, sein Klingelton ist „Flieg, flieg, fahr aus der Haut…“, und liest Biografien, u.a. „Die Lebensgeschichte des Mahatma Gandhi“, die der Autor unter seinem Klarnamen geschrieben hat.
Mit Valentina bin ich dagegen nicht wirklich warm geworden. Mit ihr konnte ich mich nicht identifizieren, ihr Handeln oft nicht nachvollziehen. Hervorzuheben sind die Cameo-Auftritte von Figuren aus anderen Krist-Romanen, z.B. die von Kommissar Berger und Reporter Sackowitz.
Die Geschichte nimmt viele überraschende Wendungen, und nur schrittweise wird enthüllt, wohin das Ganze führen soll. Erst ganz zum Schluss schließt sich der Kreis. Das macht das Lesen ungeheuer spannend und den vorliegenden Roman zum sogenannten Pageturner. Die Auflösung ist schlüssig, auch wenn ein paar Punkte offen bleiben.
Der neue Thriller von Martin Krist war nicht mein erster und auch sicher nicht mein letzter, denn meine Erwartungen wurden voll erfüllt. Das Ende schreit geradezu nach einer Fortsetzung. Und so bin ich schon gespannt, wie der Autor diese geniale Reihe fortsetzen wird.

Fazit: Gewalt, Gefühl und ein sympathischer Held. Bestes Erzählkino!

Bewertung vom 01.05.2017
Björn Freitag - Smart Cooking
Freitag, Björn

Björn Freitag - Smart Cooking


gut

Viele Fotos, wenig Rezepte

Björn Freitag, einer der angesagtesten Sterneköche Deutschlands, hat ein neues Kochbuch herausgebracht. „Nicht viel mehr Aufwand als belegte Brote“, das war die Zielsetzung für „Smart Cooking“. Doch das Buch konnte meine Erwartungen nicht erfüllen.
94 Fotos auf 168 Seiten, da bleibt gerade einmal Platz für 70 Rezepte. Der Inhalt gliedert sich in folgende Kapitel:
DIE BASICS-LISTE
EINFACHES MIT FLEISCH
EINFACHES MIT GEFLÜGEL
EINFACHES MIT GEMÜSE
EINFACHES MIT FISCH UND MEERESFRÜCHTEN
EINFACHE SUPPEN UND SALATE
GRUNDREZEPTE
Die Rezepte sind übersichtlich auf 2 Seiten ‚angerichtet‘: auf der einen Seite ein Foto, auf der anderen das Rezept. Diese sind in der Regel für 2 Personen und bestehen aus 4 Arbeitsschritten. Die Rezepte selbst sind sehr abwechslungsreich. Für jeden Geschmack ist etwas dabei.
Die Zutaten für die Gerichte sind problemlos zu beschaffen und auch die Zubereitung wird jedem gelingen.
Mehrwert ist ein Mengenrechner im Internet, mit dem sich die Zutatenliste für die richtige Personenzahl berechnen lässt. Auch Rezeptabwandlungen für Gäste mit speziellen Ernährungsgewohnheiten sind möglich.
Besonders angesprochen hat mich:
Pochierte Eier /
Blattspinat / Toast /
Senfhollandaise
und
Feldsalat / Eier /
Nordseekrabben /
Avocado
Beide Gerichte waren wirklich EINFACH nach zu kochen und haben lecker geschmeckt. Gefallen haben mir auch die Grundrezepte, z.B. für frische Bandnudeln und Basilikumpesto.

Fazit: Ein aufwändiges Buch, dessen Preis-Leistungs-Verhältnis mich nicht überzeugen konnte.

Bewertung vom 29.04.2017
Der Näher / Martin Abel Bd.3
Löffler, Rainer

Der Näher / Martin Abel Bd.3


sehr gut

Ein Grab aus Beton

„Der Näher“ von Rainer Löffler ist bereits der dritte Fall für den Stuttgarter Fallanalytiker Martin Abel. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ist. Die Vorgänger hatte ich mit Begeisterung verschlungen und auch diesmal wurde ich nicht enttäuscht. Worum geht es?
Abel wird zur Unterstützung der Polizei nach Gummersbach beordert, ohne Partnerin Hannah. Gleich zwei Handlungsstränge gilt es zu verfolgen: Sandra wird von einem irren Killer gefangen gehalten, der ein perfides Spiel mit ihr spielt. Danach lernen wir Saskia kennen. Sie wird beim Joggen von einem Biker verfolgt. Als sie sich versteckt, macht sie eine grauenvolle Entdeckung: Eine Leiche, die etwas in der Hand hält.
Über das Wiedersehen mit Martin Abel habe ich mich sehr gefreut. Denn ich mag ihn und seine außergewöhnliche Fähigkeiten. Keiner kann sich so gut in die Gedankenwelt von Serienmördern hineinversetzen wie er. Abel erinnert mich ein wenig an den Profiler Tony Hill in den Romanen von Val McDermid. Zudem faszinieren mich Cold Cases immer wieder.
Bald ist klar, ein Psycho hat es auf schwangere Frauen abgesehen, die er „operiert“: Der Näher! Er ist von etwas besessen. Ein kranke Seele, die einen bizarren Traum träumt. Zwischendurch werden Rückblenden eingestreut, die die Geschichte des Killers erzählen. Wie so oft scheint das Motiv in der Vergangenheit zu liegen.
Zu den Stärken des Romans zählt für mich, wenn Martin Abel und dessen außergewöhnliche Fähigkeiten als Fallanalytiker beschrieben werden. Hier hat der Autor gut recherchiert und bringt die teils recht befremdliche Arbeitsweise des Protagonisten sehr spannend und authentisch rüber. Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Man fiebert sofort mit den entführten Frauen mit.
Es wird ermittelt, manch falsche Fährte begangen, überraschende Nebenwege tun sich auf und münden schließlich in einen furiosen Showdown. Dass der Leser der Polizei immer einen Schritt voraus ist, hat mich nicht gestört, denn die wahre Identität des Täters wird erst ganz zum Schluss gelüftet. „Der Näher“ bietet morbide, extreme, zuweilen grenzwertige Unterhaltung.

Fazit: Ein Buch mit einem hohen Ekelfaktor. Blutig und brutal. Definitiv nichts für sanfte Gemüter oder Leute mit einem schwachen Magen.

Bewertung vom 26.04.2017
Die Grausamen
Katzenbach, John

Die Grausamen


ausgezeichnet

Die toten Vier

Unzählige Male schon ist die dreizehnjährige Tessa Gibson in dem noblen Vorort, in dem sie lebt, von ihrer besten Freundin Sarah aus nach Hause gelaufen. Doch in dieser Nacht kommt sie dort nicht an, sondern verschwindet spurlos. Tessas Familie zerbricht - der Fall wird nie aufgeklärt, Tessas Leiche nie gefunden.
Zwanzig Jahre später rollen zwei abgehalfterte Ermittler, die in das Ressort Cold Cases strafversetzt wurden, den Fall neu auf. Gabriel ist Alkoholiker, traumatisiert von einer Familientragödie. Marta, eine ehemalige Drogenfahnderin, hat bei der Verfolgung eines Dealers versehentlich ihren Partner erschossen.
Die beiden stoßen auf eine heiße Spur: Kurz nach Tessas Verschwinden ereigneten sich vier brutale Morde an jungen, weißen Männern. Wo ist die Verbindung? Bei ihren Nachforschungen wird schnell klar, dass die Polizeiführung keinerlei Interesse an der Wahrheit hat. Ein Wettlauf um Leben und Tod beginnt…
John Katzenbach ist mit „Die Grausamen“ erneut ein großer Wurf gelungen. Cold Cases faszinieren mich immer wieder. Der neue Roman ist spannend und unterhaltsam. Eine gute Mischung aus Psychothriller und Krimi. Wechselnde Perspektiven sorgen für Dynamik. Wie man es vom Autor gewohnt ist, lässt sich das Buch flüssig lesen.
Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Gabriel, genannt Gabe, und Marta sind mir sofort ans Herz gewachsen. Und so fiebert man mit beiden Protagonisten mit, wie Katzenbach sie in den vermeintlichen Untergang schickt. Wer ist Täter, wer ist Opfer? Nichts ist, wie es scheint, keiner so unschuldig, wie er tut. Fast jeder hat ein Geheimnis.
Die Geschichte nimmt viele überraschende Wendungen, bis zum unerwarteten Ende. Ein wirklich starkes Buch, das einen enormen Spannungsbogen bietet.

Fazit: Genialer Ermittler-Krimi. Abgründig und packend zugleich!