Benutzername: sommerlese
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Bewertungen

Insgesamt 767 Bewertungen
Bewertung vom 26.06.2017
Für jetzt und immer
Rößner, Susanne

Für jetzt und immer


sehr gut

Susanne Rößner hat neben ihren Krimis ihren zweiten Roman geschrieben. Er trägt den Titel "Für jetzt und immer" und erscheint im Piper Verlag.


Die junge Lena ist Erzieherin und wird aufgrund eines Vorfalls, den sie gar nicht verschuldet hat, suspendiert. Ihre freie Zeit verbringt sie viel in der Natur, sie liebt ihre Heimat am Tegernsee sehr. Sie trifft einen attraktiven, aber unmöglichen Mann, der sich scheinbar bequemerweise auf einen Behindertenparkplatz stellt. Solche Typen kann sie nicht ausstehen und das macht sie deutlich. Nun hat sie genug Freizeit, aber leider noch keinen neuen Job. Bei einer Radtour trifft sie auf die kleine Mia, die sich von anderen Kindern absondert und in einem hohlen Baum versteckt. Lena gewinnt ihr Vertrauen und merkt, wie sehr dieses Kind an Problemen zu knabbern hat. Lena mischt sich bewusst ein und erhält nach Disput einen Job bei Mias Familie. Sie sieht auch den nervigen Unbekannten wieder...

Bei diesem Roman zeigt Susanne Rößner, dass sie neben spannenden Krimis auch sommerliche Liebesromane mit problembehafteten Figuren schreiben kann.

Die Geschichte geht um die junge Lena, die als Erzieherin nur das Wohl ihrer Schützlinge in Auge hat, aber an schwierigen Eltern und der Leitung der Einrichtung scheitert. Auch die 9-jährige Mia ist ein Kind, dem seine familiäre Situation zu schaffen macht und die sich eigentlich nur nach einer liebevollen Familie sehnt. Doch ihre Verwandten sind aus verschiedenen Gründen dazu nicht in der Lage und erkennen nicht die Hilfeschreie des Kindes.

Lena gewinnt das Vertrauen von Mia und lernt auch die Verwandten näher kennen. Vieles wird in der Familie verschwiegen, um nach außen eine harmonische, unproblematische Fassade aufrecht zu erhalten. Das widerstrebt Lena und sie sagt dazu deutlich ihre Meinung. Sie hat das Herz auf dem rechten Fleck, aber sie sagt auch, wenn sie etwas stört und stösst damit auch auf Gegenwehr. Ihren Job als Kindermädchen macht sie erstaunlich gut, Mia verändert unter ihrer Anleitung ihr verstocktes Wesen und kann sich endlich öffnen und Gefühle zulassen. Mias Onkel Leo ist ein attraktiver Mann, doch mit ihm gerät Lena regelmäßig aneinander.

Die Charaktere sind vielseitig gezeichnet, es gibt fiese, nette und unmögliche Figuren, sodass für reichlich Unterhaltung gesorgt wird.
Mir gefällt der flüssige Schreibstil, der locker zu lesen ist und damit einem Sommerroman gerecht wird.

Hier werden Probleme geschildert, die wie in so vielen Familien auf dem Rücken von Kindern ausgetragen werden. In solchen Fällen ist eine therapeutische Betreuung eigentlich angeraten, im Buch wird jedoch Lena mit diesem Fall betreut, als Erzieherin hat sie einen guten Draht zu Kindern und sie wird zur Mittlerin zwischen dem Kind und ihren Betreuern.


Bei diesem Roman geht es um das Wohl eines Kindes, die Charaktere, das Setting am Tegernsee und die interessante Familiengeschichte sorgen für gute Unterhaltung. Etwas Liebe liegt auch in der Luft und somit sorgt Susanne Rößner für angenehme Lesestunden.

Bewertung vom 25.06.2017
Als die Liebe endlich war
Schenkel, Andrea Maria

Als die Liebe endlich war


ausgezeichnet

Andrea Maria Schenkel veröffentlichte den Roman "Als die Liebe endlich war" im Jahr 2016, er erscheint als Taschenbuchausgabe 2017 im Diana Verlag.

1938 macht sich Familie Schwarz von Regensburg auf nach Shanghai, dem Ziel vieler anderer europäischer Juden, die vor dem Nationalsozialismus geflohen sind. In Genua bleibt Erwin jedoch zurück, seine Heimatliebe siegt und er lässt Grete mit den Kindern Carl und Ida allein auf die weite Reise gehen. Nach dem Ende des Krieges geht Carl nach Amerika und beginnt dort ein neues Leben mit seiner Frau Emmi, die ebenfalls aus Deutschland stammt. Nach 60 gemeinsamen glücklichen Jahren holt sie 2010 die Vergangenheit ein.

"In einer Welt, in der die eine Hälfte uns verfolgt, und die andere uns nicht haben will ist ein Ort, der uns nur als Fremde sieht, wohl wirklich das Paradies." Zitat Otto Knoll

Von Andrea Maria Schenkel kenne ich bereits ihre hervorragenden Krimis Tannöd, Kalteis und Finsterau. Doch nach der Lektüre dieses Romanes muss ich sagen, dass sie das Metier der unterhaltenden historischen Romane ebenfalls hervorragend beherrscht.

Andrea Maria Schenkel verbindet hier eine Liebesgeschichte vor historischem Hintergrund mit Schauplätzen wie München, Shanghai und Brooklyn und zeichnet lebendige und sehr detaillierte Charaktere, deren Lebenswege tief berühren und fesseln. Sie vermag es, schwierige Zeitgeschichte anschaulich und begreifbar werden zu lassen. Jeder Geschichtsunterricht mit ihr wäre eine wahre Freude gewesen.

Das Buch zeigt eine jüdische Familie auf ihrem Weg in ein vermeintlich besseres Leben, nach Shanghai. Es erzählt von Judenverfolgung, Reichskristallnacht, Weltkriegsszenario, von einer neuen Heimat in Amerika, von Liebe, Kindheit und unterschiedlichen Zielen. Es zeigt aber auch die Geschichte von Erna, die im Zeitraum 1938 bis 1948 bei ihrer Tante Marga in München den Nationalsozialismus aus nächster Nähe miterlebt.

Am Ende des Buches verknüpfen sich die Handlungsstränge und man erkennt, welche Auswirkungen der Krieg auf die Figuren hatte. Manche Menschen wollen vergessen, andere verändern sich oder verschweigen ihre frühere Identität.

Dieser Roman hat mich tief ergriffen und wird mich noch lange beschäftigen. Die historischen Bezüge sind so unglaublich klar erzählt und die Schicksale der Figuren stehen absolut im Fokus.
Diese Schicksale zeigen lebensnahe Begebenheiten, die man so nicht in den Geschichtbüchern findet.


Ich möchte eine Empfehlung für dieses Werk von A. M. Schenkel aussprechen, denn hier wird ein schwieriges Stück Zeitgeschichte durch die Romanfiguren begreifbar gemacht und das auf eine unterhaltsame, wie eindringliche Art und Weise.

Bewertung vom 23.06.2017
Dem Kroisleitner sein Vater
Schult, Martin

Dem Kroisleitner sein Vater


weniger gut

Dieser Krimi hat mich durch die interessant klingende Leseprobe sehr angesprochen und ich hatte mich auf die Lektüre sehr gefreut. Leider hatte ich so meine Schwierigkeiten mit dem Inhalt und bin auch ziemlich enttäuscht.

Der Autor hat sich bei diesem offiziell als Krimi eingestuften Buch zusätzlich auch noch mit einem bunten Genremix von Berg- und Familiendrama und Heimatroman ausgetobt. Das wird dann nicht nur inhaltlich zu viel, sondern für den Leser auch schlicht und ergreifend unüberschaubar. Wo liegt denn nun das Hauptaugenmerk, habe ich mich häufig gefragt. Dabei gefällt mir Martin Schults flüssiger Schreibstil mit seinem originellen Ton sehr gut, die teilweise mundartlichen Dialoge sind lebendig und manchmal auch humorvoll.

Aber die vielen Handlungsstränge und Ortswechsel werfen zu viele Baustellen der Figuren auf, sodass man als Leser den roten Faden kaum ohne Probleme verfolgen kann. Neben dem Kriminalfall geht es um die Identitätskrise der Sängerin Emma, um ihre Abstammung, weiterhin um Selbstmorde und Sterbehilfe und um alte Briefe, die Geheimnisse aus dem Weltkriegen zutage bringen. Jedes Thema für sich ist durchaus hochinteressant, aber in der Fülle wirkt dieses Durcheinander schier verwirrend.

Ich brauchte eine Weile, ehe ich die handelnden Personen den jeweiligen Themen zuordnen konnte. Schwierig war das wohl auch, weil ich mir kein Bild von diesen Figuren machen konnte, dazu fehlten die speziellen Charakterisierungen. Das machte das Ganze zäh und meine Leselust schwand immer mehr dahin. Zu sehr verwirrten mich auch einige fragwürdige Aktionen der Personen, sie nachzuvollziehen, war mir unmöglich. Richtig sympathisch wurde mir jedenfalls keine Figur und ich blieb mehrfach verwirrt von dem Gelesenen zurück. Spannende Unterhaltung, leider Fehlanzeige!

Bei diesem Buch wurde viel Potential verschenkt, denn es gibt einige interessante Ansätze, die zu einer spannenden Lektüre ausgearbeitet werden könnten.

Mit diesem Buch hatte ich so meine Probleme und da mir auch die Personen weitgehend fremd blieben, konnte ich es nur schleppend lesen. Zu viele Nebenschauplätze haben mir den Blick auf die eigentliche Handlung versperrt.

Bewertung vom 21.06.2017
Frühlingsglück und Mandelküsse
Schilling, Emilia

Frühlingsglück und Mandelküsse


ausgezeichnet

Der Debütroman von Emilia Schilling trägt den Titel "Frühlingsglück und Mandelküsse". Er erscheint im Goldmann Verlag.

Die junge Wienerin Charlotte Paul, genannt Charlie, liebt ihren Job als Patissière in einem 5-Sterne-Hotel und auch privat sieht alles rosarot aus, denn sie träumt schon von der Hochzeit mit Freund Eddie. Als ihr neuer Chef Daniel auftaucht, der sich nichts aus Süßspeisen macht, beginnt ihr Leben kompliziert zu werden und auch mit Eddie kriselt es immer mehr. Ihr Traum, eine Petits-Fours-Messe in ihrem Hotel auszurichten, stösst bei Daniel nicht auf Zustimmung. Charlie sagt jedoch zu und schon ist das Chaos perfekt. Das Leben hält so einige chaotische Überraschungen für Charlie bereit, wird sie dabei ihr Glück finden?


Charlie lebt mit zwei Frauen in einer WG in Wien, ihr Lebensmittelpunkt ist ihre Backstube im Hotel. Dort zaubert sie unverdrossen und mit viel Liebe beim Zubereiten Apfelstrudel, Linzer Torten, Bisquitrollen und ihre berühmten Mandelküsse. Ihr Freund Eddie kommt aus einer vornehmen Familie, dort ist Charlie nicht die erste Wahl und das wird ihr deutlich gezeigt. Eigentlich ist ihr Kollege Alex ihr Seelenverwandter, er ist ihr Stütze im Job und tröstet sie bei Kummer.
Mit ihrem neuen Chef Daniel gerät Charlie gleich am ersten Tag aneinander und von da an versucht sie ihm aus dem Weg zu gehen. Was natürlich erst recht nicht klappt und es kommt zu vielen amüsant-chaotischen Begegnungen, die mich als Leser wunderbar unterhalten haben.

Dieses Debüt ist total gelungen, der Roman hat mich angenehm überrascht und ich habe ihn richtig genossen. Er ist locker und lebensnah geschrieben, hatte eine Handlung, die zwar etwas vorhersehbar war, aber die Charaktere und Vorfälle haben so richtig Spaß gemacht und ich habe den Roman kaum weglegen können.

Als Leser taucht man ein in die Wiener Patisserie und Caféwelt, erliegt dem flotten Schreibstil und humorvollen Erlebnissen der Protagonistin Charlie und erlebt eine rundum kurzweilige Lesezeit.

Die beigefügten Rezepte sind aus der österreichischen Backstube und enthalten häufig Nüsse oder Mandeln. Allergiker sollten hier mit den Nussspezialitäten aufpassen.

Diese frühlingshafte Wohlfühl-Geschichte kommt mit allerlei Kalorienbomben in Form von Kuchen, Torten und Petit Fours daher und sie sorgt für eine stimmungsvolle Unterhaltung mit Wiener Flair. Dieses Debüt sollte man sich näher ansehen!

Bewertung vom 19.06.2017
Dirty, Sexy, Love / Dive Bar Bd.2
Scott, Kylie

Dirty, Sexy, Love / Dive Bar Bd.2


weniger gut

Kylie Scott ist die Autorin von "Dirty, Sexy, Love" aus dem LYX Verlag.

Alex Parcs schreibt schon seit Monaten auf einer Datingseite mit Eric Collins, sie fühlt sich ihm durch die E-Mails sehr nahe und plant eine Geburttagsüberraschung. Sie setzt alles auf eine Karte und fliegt zu ihm nach Coeur d´Alene. Es gibt eine Überraschung, allerdings ganz anders als von Alex erwartet.



Zu Beginn hat der Roman noch richtig Fahrt, es geht amüsant und ein wenig verzwickt mit Joe und Alex los. Ihr gemeinsamer Online-Dating-Kontakt stand nämlich unter anderen Vorraussetzungen als angenommen. Joe hat sich als Eric ausgegeben, der in Wahrheit sein Bruder in einer festen Beziehung ist. Doch dann beginnt die Handlung allmählich abzuflachen und ohne Tiefgang vor sich hinzuplätschern.


Joe und Alex fühlen sich körperlich zueinander hingezogen, aber ist das auch Verliebtheit? Sie kabbeln sich, es gibt häufig Schlagabtausch mit spitzen Bemerkungen, die mich amüsiert haben. Aber zwischen den ganzen Sprüchen bleiben sie sich irgendwie fremd. Körperlich sind sie sich da schon näher. Aber echte Liebe ist für mich doch hier kaum zu spüren. Für meinen Geschmack war es einfach zu seicht und erinnert mich an so manche Soap-Serie im TV. Leider nicht mein Ding. Auch wenn mir der Schreibstil durchaus gefallen hat, so hatte ich mir doch eine Geschichte erhofft, die etwas mehr bieten als Alltägliches und ein wenig Sex.


Der Plott allein war für eine witzige und spannende Geschichte ganz gut gewählt. Aber dann geht die Sache plätschernd vonstatten. Die Protagonistin wirkt ziemlich oberflächlich und auch die anderen Charaktere finde ich relativ nichtssagend. Nur seichte Liebesgeschichte reicht mir nicht! Die Sexszenen mögen für einige Leser ganz spannend sein, wenn ich jedoch etwas von "Klöten" höre, ist das für mich überhaupt nicht erotisch. Eher billig und als Stammtischparole gebräuchlich.

Insgesamt ist die Geschichte nicht die romantische Liebesgeschichte, die ich mir erwartete. Die Charaktere bleiben oberflächlich, lediglich Joe zeigt Hilfsbereitschaft für seine Familie und Gefühle für Alex, indem er sie bei einer Krankheit pflegt. Ich hatte das Gefühl, dass sich Alex und Joe für eine tiefe emotionale Bindung aber leider nicht richtig nahe gekommen sind. Auch finde ich es merkwürdig wie Joes Verhalten ab einem bestimmten Moment kippt. Er verändert sich von einem pflichtbewussten und freundlichen Kuschelbär zu einem schweigsamen komischen Typen. Die Veränderung wird aber nicht erklärt.

Die Ausschnitte des vorangegangenen Mailverkehrs zeigen zwar einige Gemeinsamkeiten, aber ich kann nicht nachvollziehen, warum dort persönliches Interesse oder sogar romantische Gefühle entstanden sein könnten.


Dieses Buch hat mich enttäuscht, die Liebesgeschichte ist nicht tiefgründig und mir einfach zu seicht. Dabei hat der Schreibstil der Autorin echtes Potential. Schade!

Bewertung vom 18.06.2017
Das geheime Leben des Monsieur Pick
Foenkinos, David

Das geheime Leben des Monsieur Pick


gut

David Foenkinos Roman "Das geheime Leben de Monsieur Pick" war in Frankreich ein paar Monate lang ein Bestseller. Die deutsche Übersetzung erscheint 2017 in der Deutschen Verlagsanstalt.


Im bretonischen Finistère gibt es eine ganz besondere Bibliothek. Sie sammelt Bücher, die nie erscheinen durften. Eines Tages entdeckt dort eine junge Pariser Lektorin ein Meisterwerk, und der Roman wird zum Bestseller. Der Autor, Henri Pick, war der Pizzabäcker des Ortes. Niemand hätte ihm dieses Buch zugetraut.


"Die Bibliothek der abgelegten Manuskripte war sein Lebenswerk, kann man wohl sagen. Seine Errungenschaft gründete auf dem Scheitern der anderen!" Zitat S. 52

Bei diesem Roman hatte ich eine zu hohe Erwartungshaltung, die sich leider nicht erfüllt hat.
Die Idee hinter dem Roman ist die Tatsache, das Schriftsteller, deren Werk nicht zur Veröffentlichung kam, ihre Bücher in der Bibliothek der abgelehnten Manuskripte abgeben. Diese Sammlung ist eigentlich kein Erfolg, aber es gibt natürlich dort Bücher, die vielleicht doch so gut sind, um veröffentlicht zu werden, wie das besagte Buch von Monsieur Pick.

Magali ist dort Angestellte, auch wenn sie Bücher eigentlich nicht so interessieren.
Delphine ist Junglektorin und sucht neue Bestseller. Sie lernt den Schriftsteller Frédéric kennen und gemeinsam besuchen sie die Bibliothek und entdecken dort den hervorragenden Roman von Henri Pick, einem verstorbenen Pizzeria-Bäcker. Nun gilt es die Familie Picks von der Veröffentlichung zu überzeugen.

Die Geschichte geht langsam und humorvoll los, der Erzählstil ist charmant und gefällt mir mit seinen poetischen Wortgefügen recht gut, aber dann irrt die Handlung zwischen verschiedenen Personen hin und her. Es folgen Beziehungsdramen und die hätte ich bei diesem Buch überhaupt nicht erwartet, sie stehen auf den ersten Blick in keinem Zusammenhang. Nun verändern sich aber die Personen durch Picks Roman in ihrer Art und genau diese Entwicklung verbindet die Charaktere auf wundersame Weise. Mir fehlte aber die Spannung und der entscheidende Tiefgang in der Handlung.

Dieses Buch berichtet in amüsanter Weise über die Liebe zur Literatur und zum Leben.

Bewertung vom 18.06.2017
Die Strandräuberin
Thorn, Ines

Die Strandräuberin


ausgezeichnet

Die Autorin Ines Thorn hat nach "Die Walfängerin" einen weiteren historischen Sylt-Roman geschrieben. "Die Strandräuberin" erscheint bei Rütten & Loening.

Rantum/Sylt 1711: Zu dieser Zeit verdienen die Männer auf Fisch- und Walfang den Lebensunterhalt, während die Frauen für Kinder, Küche und Kirche zuständig sind. Jördis und ihre Großmutter stammen aus Island, hängen dem alten nordischen Glauben an und müssen ohne Mann durchs Leben kommen, daher sind sie auf Strandgut angewiesen. Allerdings ist Strandräuberei verboten. Jördis ist mit Inge, der Pastorentochter, befreundet. Beide sind in denselben Mann verliebt, daran droht ihre Freundschaft zu zerbrechen.


"Nun begann die Zeit der Frauen. Die Zeit, in der sie auf der Insel das Sagen hatten...in der sie sich nicht dem Diktat der Männer beugen mussten. So manche Sylterin liebt diese männerlosen Frühlings- und Sommermonate mehr als den Herbst und den Winter." Zitat Seite 192

Ines Thorns hat erneut einen atmosphärisch dichten, fesselnden und sehr dramatischen Sylt-Roman geschrieben, der dem Leser eine Zeit vor Augen hält, als Sylt noch keine Schickimicki-Insel der Reichen war. Damals gingen die Männer auf lange Fisch- und Walfangreisen, um für den Lebensunterhalt ihrer Familien sorgen zu können. Nicht wenige blieben auf See und ihre Angehörigen mussten sich dann mit Strandgut, Treibholz und den Waren gekennterter Schiffe durchbringen.
In diesem Buch geht es um zwei Frauen, Jördis und ihre Großmutter, die aus Island stammen und im kleinen Rantum als Außenseiterinnen gelten. Sie hängen dem alten nordischen Glauben an und sagen mit ihrem Runenorakel die Zukunft voraus. Eigentlich sind beide Frauen sehr beliebt, doch dem Pfarrer sind sie ein Dorn im Auge.

Ines Thorns Erzählstil ist unterhaltsam, flüssig und bildgewaltig. Sie schafft es erneut, die Landschaft Sylts, religiöse Ansichten der Bevölkerung und dramatische Ereignisse dieser Zeit vor dem inneren Auge des Lesers realistisch entstehen zu lassen.
Die Spannung der Geschichte beginnt schon mit dem Prolog und wird durchgängig gesteigert.
Daran haben die speziell gezeichneten Charaktere einen großen Anteil. Ihre Geschichte verfolgt man nur zu gern. Die Heldin ist Jördis, sie ist schön und mutig, aber mittellos. Sie ist eine gewitzte Strandräuberin und als sie 16 wird, verlobt sie sich mit ihrer großen Liebe, dem Schmied Arjen. Auf den hat auch ihre Freundin Inge ein Auge geworfen. In Inges Verhalten brechen sich Neid und Eifersucht den Weg, das lässt keine Sympathien des Lesers entstehen. Sie ist die fiese Natter im Buch und versucht, das eigene Glück auf Kosten von Jördis zu erreichen.
Der Pfarrer ist ebenfalls ein Anti-Held, er sollte Vorbild sein, ist aber eher ein Intrigant, der seine Macht stärken will, als schwachen Gemeindegliedern zu helfen.
Mit den anderen Figuren entsteht eine runde Geschichte, die man gefesselt verschlingen kann.

Dieser Roman hat mich wieder überzeugt. Er zeigt anschaulich die Schwierigkeiten dieser Zeit, unterhält mit einer verzwickten Liebesgeschichte und liess mich gefesselt lesen. Beste Unterhaltung mit Spannung und Dramatik!

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 17.06.2017
Gartenreiseführer Südwestengland
Howcroft, Heidi

Gartenreiseführer Südwestengland


ausgezeichnet

In diesem kleinformatigen Buch sind rund 59 Gärten und Anlagen versammelt, die von subtropischen Paradiesen, natürlichen Landschafts- und Cottagegärten, botanischen Sammlungen und produktiven Nutzgärten eine Vielzahl an Ausflugs- und Besichtigungsmöglichkeiten für den Englandreisenden anbieten. Die Auswahl hängt ganz von der persönlichen Vorliebe oder Reiseroute ab. Einige Tourenvorschläge und praktische Tipps sorgen für eine gute Vorbereitung der Reise im Vorfeld.

Wer nach England reist, weiß sicherlich, dass dort Gartengestaltung groß geschrieben wird. Wunderschöne Gärten verzaubern und locken den Besucher. 1895 wurde der National Trust gegründet, eine Organisation, die Land und Bauten besitzt und betreut und für den Denkmal- und Landschaftsschutz unverzichtbar wurde.

Die Autorin ist die Persönlichkeit, wenn es um Gartenreisen in England geht. Wer also einen Aufenthalt auf der Insel plant, ist mit der Lektüre ihres Gartenreiseführers Südwestengland bestens informiert und vorbereitet.

Englands Gärten sind weltberühmt, romantisch und voll von botanischen Schönheiten.
Dieses Garten-Reisebuch bietet einen Überblick über traumhafte Gärten und spezielle Landschaften, aber auch Reisetipps zu den südenglischen Grafschaften Dorset, Somerset, Devon und Cornwall.

Dorset ist von der Küste geprägt, die Grafschaft Somerset gilt als Land der Sommerbauern. Im Hochland vom Wind beeinflusst, im Flachland von Überflutung bedroht. In diesem Büchlein finden sich viele wichtige Informationen über die Grafschaften.

Die Südküste Devons mit ihrem ausgesprochen milden Klima wird auch die englische Riviera genannt. In "Overbecks Museum and Garden" findet man einen subtropischen Garten in wirklich pittoresker Lage vor.

An diesem speziellen Beispiel möchte ich zeigen, wie die Gärten allgemein im Buch vorgestellt werden.

- Es gibt zuerst die postalische Adresse, Web-Seite und e-mail Adresse, außerdem Fotos.
- Angaben zum Besitzer, stichwortartige Infos zum Garten, wie in diesem Beispiel: suptropischer Garten am Hang, Orangerie, Waldgarten, Frühlingsblüher.
- Entstehungszeit, Gestalter und Größe der Anlage
- Informationen zur Gegend, Besonderheiten der Fauna der Grafschaft, spezielle Angaben zur Pflanzenwelt des betreffenden Gartens und historische Informationen
- Empfohlene Jahreszeit
- Mindestzeit für einen Besuch
- Anfahrt
- Öffnungszeiten
- Eintrittspreise
- Besonderheiten in der Nähe oder Restauranttipps


Heidi Howcroft hat hier 59 unterschiedliche Gärten beschrieben. Dank der wunderbaren Fotografien bekommt man als Leser einen kleinen optischen Eindruck des Gartens. Bei den vielen wunderschönen Zielen hat man die Qual der Wahl zwischen Cottagegärten, Countrygärten und Landschaftsgärten. Die Vielzahl der Möglichkeiten macht die persönliche Auswahl sicherlich schwer, die entsprechende Reiseroute wird die Anzahl dann aber sicher eingrenzen.

Wer eine Gartenreise in Englands Süden plant, trifft mit diesem Reiseführer die richtige Wahl. Aber auch für Gartenliebhaber, die im heimischen Lesesessel Gärten erobern wollen, finden hier interessante Lektüre und Internetseiten mit Anregungen zum Stöbern.

Bewertung vom 14.06.2017
Mirabellensommer
Matisek, Marie

Mirabellensommer


ausgezeichnet

Der Roman "Mirabellensommer" ist der zweite Band von Marie Matisek, er erscheint 2017 als Knaur Taschenbuch.

Die Domaine de Lafleur liegt im Hinterland von Nizza,sie ist berühmt für seine Jasmin- und Rosenfelder, die zur Parfümherstellung dienen.
Hier lebt Marita, die aus Amrum stammt, glücklich mit Lucien Lafleur, dem Parfümeur. Sie hat neue Freunde gefunden, die alteingessene Familie Verbier und die Babajous von der Elfenbeinküste.
Babette Babajou ist ihr eine besonders gute Freundin geworden und auch Gilbert Verbier und Aristide Babajou sind enge Freunde. Als Julie, die Enkelin von den Verbiers zu Besuch kommt, verliebt sich Rachid Babajou in sie. Auf einmal gibt es kulturelle Gräben, die die Freundschaft auf die Probe stellen und plötzlich ist das Liebespaar verschwunden.

"Daneben alles, was Babette zubereitet hatte: Chilipasten, rot, grün und gelb. Pesto und Harissa. Verschiedene Chutneys, die sie aus immer wieder neu kombinierten Obstresten zubereite - sie mixte Birne mit Papaya, Brombeere mit Pflaume, Ananas mit Mirabellen oder Nektarinen mit Zitronen." Zitat S. 145

Schon dieses Zitat zeigt den sommerlich köstlichen Charakter des Buches, dem man sich nicht entziehen kann. Man wird unweigerlich mitgenommen auf die Domaine mit ihren duftenden Jasmin- und Rosenfeldern.
Doch auch in dieser Idylle ist nicht immer alles gold was glänzt. Auch hier gibt es Unstimmigkeiten, Sorgen und Schicksalsschläge zu verkraften.
Marie Matisek führt mit ihrem bildhaften und wunderbaren Schreibstil den Leser geradewegs in die Gemeinschaft der betreffenden Familien. Wir begleiten Babette in ihre Küche und erleben, wie sie als Pflegekraft arbeitet, aber auch wie sie über ihre langjährige Ehe und ihr Leben mit Aristide nachdenkt. Ständig dreht sich alles nur um den Obst- und Gemüseladen, der den Babajous ihre Existenz gesichert hat, aber auch viele Arbeitsstunden abverlangt. Die vier Kinder haben ihr Elternhaus bis auf zwei verlassen und Babette würde gern mehr Zeit mit ihrem Mann verbringen. Der Laden macht ihr da aber einen Strich durch die Rechnung. Auch als andere Ereignisse und Schicksalsschläge sie treffen, lässt sie das nicht trübsinnig werden, sondern sie bildet weiterhin die Säule der Familie und wächst mit ihrem Mann noch näher zusammen. Auch in die anderen Familien erhält man interessante Einblicke, die sie in sympathischem Licht erscheinen lassen.

Für mich ist dies ein absolut sommerlicher Wohlfühlroman, der mit der unvergleichlichen Atmosphäre der Provence punktet und einige interessante Figuren zur Unterhaltung bereithält.
Ein Roman, der aber auch über den entsprechenden Tiefgang verfügt, den ein Buch benötigt, um zu einem 5-Sterne-Buch zu avancieren. Denn es geht um die Selbstfindung, die Ablösung von den Kindern und über tiefe Freundschaften, die dem Leben erst die richtige Würze geben.


Dieser Roman zeigt wie das Leben sein kann, unberechenbar und tragisch, aber auch voller Freundschaften und Liebe. Das Leben ist schön! La vie est belle!

Bewertung vom 13.06.2017
Backfischalarm / Thies Detlefsen Bd.5
Koch, Krischan

Backfischalarm / Thies Detlefsen Bd.5


sehr gut

Bei meinem Urlaub an der Nordsee hatte ich die Gelegenheit, in der Bücherei von Sankt Peter-Ording eine Lesung von Krischan Koch zu seinem neuen Krimi zu erleben. Es war ein humorvoller Abend und mit Krischan Kochs Lesestimme ein echtes Highlight. Der O-Ton des Autors ist variantenreich und gefällt mir richtig gut. Das Hörbuch hat er selbst eingelesen und ich kann es nur empfehlen. Nach der Lesung habe ich mir das Buch in Paperform sofort zugelegt und gelesen.
Herrlicher Humor und da das Wetter im Buch dem aktuellen Sturm unseres Urlaubswetters an der Nordsee entsprach, auch sehr authentisch.

Bei diesem Krimi sind für mich die skurrilen Figuren das Beste. Die überspitzt gezeichneten Personen haben mich immer wieder auflachen lassen, aber auch die Krimihandlung ist nicht zu verachten.
Hier liegt Krischan Kochs Stärke, die Charakteristika so zu überzeichnen, dass man vor Lachen am Boden liegt. Ob Vegetarier, handysüchtige Schüler, überengagierte Elternvertreter, Esotherik-Anhänger oder friesische Bewohner mit Dialekt und norddeutschem Dickschädel: Sie alle werden hier reihenweise durch den Kakao gezogen, bis die Bauchmuskeln schmerzen.

In "Backfischalarm" geht es für die Ermittler Thies Detlefsen und Nicole Stappenbeck um einen Mordfall, der sie in der zweiten Buchhälfte mit brutalen Szenen fordert. Es geht sehr lustig los, aber trotz der schrägen Szenen und amüsanten Figuren sollte man nicht annehmen, hier einen seichten Krimi vorzufinden. Es geht ganz schön brutal zur Sache und sogar Todesangst ist spürbar.

Der Schreibstil ist lebendig, die originellen Personen hat man durch die bildhaften Beschreibungen deutlich vor Augen und besonders das spannende Finale ist Krischan Koch gut gelungen.

Buchreihen-Quereinsteiger werden vielleicht ein Personenverzeichnis vermissen, ich empfehle die Einhaltung der Reihe, dann sind die Beziehungen der Figuren untereinander besser nachvollziehbar.

Die Krimihandlung lässt gut Mitraten, erfahrene Krimileser werden dem Täter vielleicht auf die Schliche kommen. Ich war mit dem Ende dann durch die Brutalität doch nicht ganz zufrieden.

Mit diesem Krimi bin ich erneut gern an die Nordsee gereist, die skurrilen Figuren machen den besonderen Reiz dieser Reihe aus.