Benutzername: seschat
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Insgesamt 293 Bewertungen
Bewertung vom 21.05.2017
Schluss mit Muss
Mairhofer, Tanja

Schluss mit Muss


ausgezeichnet

Schon der unorthodoxe Untertitel "Antiratgeber" hat mich stutzig gemacht und damit sofort angesprochen. Auch das simple wie einprägsame Cover stach ins Auge.

Inhaltlich hat mir Tanja Mairhofers unverstellter Sprachstil sehr zugesagt. In unmissverständlichen, klaren Worten schildert sie ihr Konzept gegen den derzeitigen Selbstoptimierungswahn. Endlich mal jemand, der sich traut, gegen das nervige "Höher, Schneller, Weiter" die Stimme zu erheben und auf die Bremse zu treten. Mairhofers selbstironische wie umgangssprachliche Ausführungen über Pedanten, Yogis, überambitionierte Eltern und Körper fixierte Menschen fand ich sehr treffend und habe mich das ein oder andere Mal sogar selbst wieder entdeckt. Ihrer Devise des entspannten Laissez-faire konnte ich sofort etwas abgewinnen, weil diese hilft aus dem stressigen Hamsterrad von Mehrfachbelastung einmal auszusteigen - wohl dem, der Zeit dafür hat, aber sich diese zu nehmen ist gut für Körper und Geist.

Die Autorin Tanja Mairhofer hat mit diesem Lebenskonzept sowohl beruflich als auch privat gute Erfahrungen machen können. Denn sie hat sich, aus einfachen Verhältnissen stammend, in Österreich und Deutschland zur Schauspielerin bzw. Moderatorin (u. a. für den Sender KIKA) hochgerabeitet und dabei nicht nur einmal den inneren Schweinehund Schweinhund sein lassen :-) Kurzum, nicht jeden Trend, ob nun Ernährung, Mode oder Lebensführung, mitzumachen, erdet und macht glücklich.

Hier einige Lieblingszitate:
"Aus einem Mops macht man keinen Windhund."

"Ein perfekter Haushalt ist ein Zeichen für ein verschwendetes Leben."

"Die meisten Facebook-Diskussionen gehen an mir vorüber, weil mir meist die Muße fehlt, mich irgendwo reinzuhängen. Außerdem möchte ich mich nicht mit jedem Kleingärtner duellieren, da das soziale Miteinander in den sozialen Netzwerken oft fehlt."

FAZIT
Ein gelungener Antiratgeber für Frauen, die immer und überall perfekt sein wollen und für Fans humorvoller Unterhaltung.

Bewertung vom 21.05.2017
Frühlingsglück und Mandelküsse
Schilling, Emilia

Frühlingsglück und Mandelküsse


ausgezeichnet

INHALT
Die 26-jährige Wienerin Charlotte Paul, genannt Charlie, arbeitet als Patissière im Hotel Elisabethhof und träumt von einer Heirat mit Freund Eddie. Doch Eddie betrügt sie und der arrogante Daniel Eppensteiner soll neuer Hoteldirektor werden. Kurzum, Charlies Leben ist momentan alles andere als leicht...

MEINUNG
Emilia Schillings Debütroman konnte mich durch seine locker-leichte wie witzige Schreibe restlos von sich überzeugen. Mit der Hauptfigur und Ich-Erzählerin Charlie hat Schilling eine absolut authentische Figur geschaffen, mit der man als Leser gern mitfiebert. Ihre Emotionalität, ihre Tollpatschigkeit und ihre Backkunst machten sie ab der ersten Seite sympathisch. Zudem imponierte mir Charlies unerschütterliches Wesen. Ihre Kabbeleien bzw. Gespräche mit Daniel Eppensteiner, dem neuen Hoteleigner, trugen viel Situationskomik in sich, so dass ich bei der Lektüre mehr als einmal herzlich lachen musste. Der attraktive und überhebliche Daniel ist das perfekte Gegenstück zur backenden Chaosqueen Charlie. Seine Abneigung gegen alles Süße macht ihn für Charlie umso interessanter. Doch im Laufe der Handlung öffnet sich der Hotelier immer mehr und zeigt sein wahres Ich - wirklich eine positive Wende. Die zweite wichtige männliche Figur ist Eddie, Charlies Freund. Letzterer stammt im Gegensatz zu Charlie allerdings aus reichem Hause und denkt lieber an seine eigene Karriere als an eine gemeinsame Zukunft mit der Konditorin.
Neben den genannten Hauptfiguren sind Schilling mit Charlies liebenswerten WG-Freundinnen Kati und Jasmin oder dem einfühlsamen Bäcker-Kollegen Alex spannende sowie unterhaltsame Nebenfiguren gelungen, die den Plot allesamt bereichern. Abgesehen von Charlies emotionalen Irrungen und Wirrungen mit Daniel und Eddie geht es in Schillings Roman auch ums Backen. So hat die Autorin jedem ihrer Kapitel ein delikates und prägnantes Backrezept, z. B. Linzer Torte oder Apfelstrudel, vorangestellt. Die lesenden Naschkatzen werden Charlies Kreationen sicherlich sofort nachbacken wollen. Darüber hinaus fand ich das österreichisch-deutsche Glossar gleichsam sehr putzig und informativ. Der traumhafte Handlungsort Wien mit seiner hohen Kaffeehausdichte bot die perfekte Kulisse für diese durch und durch "süße" Geschichte.

FAZIT
Eine sommerlich-leichte Story, deren 350 Seiten wie im Flug gelesen sind und die gute Laune macht.

Bewertung vom 20.05.2017
Eine Hochzeit in den Highlands (eBook, ePUB)
Collins, Katherine

Eine Hochzeit in den Highlands (eBook, ePUB)


weniger gut

INHALT
Caroline reist mit ihrer Kollegin Sina von London nach Schottland. Dort ist inmitten der Highlands auf dem Anwesen Farquhar eine Hochzeit geplant, wobei im Vorfeld der Veranstaltung die Location geprüft werden muss. Carolines Aufgabe ist es dabei, schöne Fotos zu schießen bzw. einen kleinen Film zu drehen. Doch dies ist gar nicht so leicht, wenn man einen maulfaulen Verwalter an seine Seite gestellt bekommt. Zwischen dem einsilbigen Schotten Kendrick und der kommunikativen Hochzeitsplanerin Caroline liegen Welten, Konflikte sind also vorprogrammiert...

MEINUNG
Katherine Collins' Liebesroman "Eine Hochzeit in den Highlands" konnte mich leider so gar nicht von sich überzeugen, was einerseits an den eindimensionalen Figuren und andererseits am seichten, vorhersehbaren Plot lag. So schön und idyllisch der Handlungsort Schottland auch sein mag, die ungewöhnliche Liebesgeschichte zwischen Caroline und Kendrick wurde von der Autorin sehr unrealistisch dargestellt. Das ungleiche Paar fand m. E. zu schnell zueinander und der Schluss wurde überdramatisch zugespitzt; vom schwülstigen Happyend ganz zu schweigen. Hier hätten mehr Zeit und damit ein gemäßigtes Erzähltempo Wunder gewirkt.

FAZIT
Wenig glaubwürdige sowie klischeehafte Liebesgeschichte, von der ich mir im vor der Lektüre eindeutig mehr versprochen hatte.

Bewertung vom 15.05.2017
Griechisches Geheimnis / Kommissar Nick Zakos Bd.3
Bettermann, Stella

Griechisches Geheimnis / Kommissar Nick Zakos Bd.3


sehr gut

INHALT
Nick Zakos dritter Fall entführt den sympathischen Kommissar ins griechische Heimatland seines Vaters. In Athen wird Zakos' Stiefmutter Dora des Mordes an einem Rechtsanwalt beschuldigt, was der Münchener Kriminologe nicht glauben kann und dazu führt, dass er kurzerhand selbst an den Ort des ominösen Geschehens reist.

MEINUNG
Stella Bettermanns Erzählung lebt vom griechischen Lebensgefühl, das vor allem auf familiären Zusammenhalt und Traditionen basiert. So steht beispielsweise die Taufe von Nicks Sohn an. Doch die Sache ist etwas verzwickt, denn Nick lebt getrennt von der Kindsmutter...So viel zum Privatleben der Hauptfigur. Beruflich ist Nick ein bedachter Ermittler, der aber trotzdem nicht alles sofort durchschaut. Letzteres ist der Spannung nur zuträglich. Auch die charakterlich unterschiedlichen Nebenfiguren, wie Nicks Polizeikumpel Ali oder die griechische Journalistin Marina, bringen Farbe in den vertrackten Kriminalfall. So zeigt sich der exakte Umfang des Mordfalls erst gegen Ende des Romans, was rein handlungstechnisch ein guter Schachzug von Bettermann gewesen ist. Allerdings trat der Plot ab dem zweiten Drittel mächtig auf der Stelle und hätte etwas mehr Tempo benötigt. Nichtsdestotrotz entschädigte die überraschende Auflösung des Falls am Buchende für den vorherigen, etwas drögen Grundtenor.

FAZIT
Ein stimmiger Griechenkrimi, der neben einem spannenden Mordfall viel Lokalkolorit zu bieten hat.

Bewertung vom 14.05.2017
Solange du deine Füße auf meinen Tisch legst ...
Schumacher, Hajo

Solange du deine Füße auf meinen Tisch legst ...


ausgezeichnet

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Den Autor Hajo Schumacher kannte ich bis zu diesem Erfahrungsbericht über Kindererziehung noch nicht. Ein Fehler, wie ich im Laufe der Lektüre feststellen musste, denn seine lustige, authentische bis kriminalistisch nachforschende Schreibe hat mir ausnahmslos gut gefallen.

Der 52-jährige Journalist und Autor, manche Leser mögen ihn unter seinem "Läufer-Pseudonym" Achim Achilles kennen, ist ein lockerer und erfahrener Familienvater. Letzteres hat er wohl seinen beiden Söhnen Karl (22) und Hans (11) zu verdanken. Denn beide Kinder haben sein Leben nicht leichter, aber bunter gemacht. Gemeinsam mit seiner Frau Mona, die er liebevoll nur Chefin nennt und die in ihren Vierzigern noch ein Psychologiestudium absolviert hat, ist er täglich ums Wohl der beiden Söhne besorgt. In kurzweiliger Art plaudert in seinem Buch "Solange du deine Füße auf meinen Tisch legst.." darüber und schildert Erfolge wie Misserfolge aus dem eigenen Erziehungskosmos. Dabei widmet er sich nicht ausschließlich brisanten Themen aus der Gegenwart, wie z. B. Smartphonesucht, Youtubeeinfluss oder cooler Kleidung, nein, er erforscht auch den Stellenwert von festen Ritualen, Feiern und Werten bei seinen Sprösslingen. Auch wenn er sich hierbei allerhand Gemaule und Häme zuzieht, am Ende geht es ihm vor allem um das harmonische Miteinander, den Zusammenhalt.

Schumachers Einblicke in sein Familienleben in Berlin waren ungemein unterhaltsam, weil sei mitten aus dem Leben stammen und unverstellt daherkommen. So habe ich während der Lektüre geschmunzelt, gelacht, aber auch ein ums andere Mal überrascht die Augenbraue hochgezogen. Denn Schumachers Stammhalter sind nicht nur typische Jungs mit unordentlichen Zimmern und wenig Elan, wenn es Hausaufgaben geht, sondern auch Kinder ihrer von Medien dominierten Zeit und dem Vater in Sachen iPhone & Co um Längen voraus. Auch der Altersunterschied der Kinder ist spannend, da dadurch zwei verschiedene Lebenswelten/-stadien, Schule und Studium, abgebildet werden.

Dass Schumacher an eigenen Perfektionsansprüchen in Sachen Erziehung scheitert, ist mehr als sympathisch und nur allzu menschlich. Denn mal ehrlich, jedes Kind ist ein Individuum und damit kein programmierbarer Roboter. Auch die Unterschiede zwischen Freiheiten und Verboten im Gestern und Heute setzen dem fröhlich-ausgeglichenen Autor zu. So ist für ihn der Generationenkonflikt einzig und allein ein "Papadox". Sicherlich wollte der Autor nie wie sein Vater sein und ertappt sich dann später doch beim Aussprechen des bekannten Satzes (s. Buchtitel).

FAZIT
Ein spaßiger wie realistischer Erziehungsbericht und -ratgeber, der es lohnt, gelesen zu werden.

Bewertung vom 14.05.2017
Du fährst wohin?!
Fletcher, Adam

Du fährst wohin?!


gut

INHALT
Adam Fletcher stammt aus England (Jahrgang 1983) und wohnt mit seiner deutschen Freundin Annett in Berlin. Hier lebt er als freier Autor gern in den Tag hinein und scheut Veränderungen wie der Teufel das Weihwasser. Denn daheim ist's nun einmal am schönsten, was Adams Freundin so gar nicht verstehen kann und ihn dazu ermutigt, auf Reisen zu gehen und andere Leuten und Kulturen kennenzulernen. Was der brave Adam auch macht, doch anders als erwartet, bucht er keine Pauschalreisen in sichere Urlaubsregionen, sondern erkundet gesellschaftliche wie politische Brennpunkte der Welt, so u.a. Nordkorea, Tschernobyl, Transnistrien oder Israel.

MEINUNG
Adam Fletchers bunter Reisebericht lebt von den Zufallsbekanntschaften und den damit verbundenen subjektiven Reiseeindrücken des Autors. Nicht mit seinen humorvollen, sondern mit seinen nachdenklichen, manches Mal auch kritischen Tönen konnte Fletcher bei mir punkten.
Nichtsdestotrotz fehlt seinen Ausführungen das rechte Maß und der Autor verliert sich oft in mehr oder weniger interessanten Details. Deshalb empfand ich die Lektüre nicht nur einmal als zu langatmig und dröge. An die faszinierenden Denkmodelle wie Beschreibungen eines Dennis Gastmann, der ein ähnliches Buch mit dem Titel „Atlas der unentdeckten Länder“ geschrieben hat, reicht der Autor leider nicht heran, will er allerdings auch gar nicht. Vielmehr will er sich mit dem Buch selbst etwas beweisen und muss letztendlich feststellen, dass man gar nicht weit reisen muss, um seinen Horizont zu erweitern. Nun ja, diese Erkenntnis ist nicht neu und auch nicht bahnbrechend, aber für Fletcher sicherlich hilfreich gewesen. Mich konnte Flechter vor allem mit seinen Schilderungen über Nordkorea und das eingeschränkte Reisen dort überzeugen. Hier zeigt sich in Perfektion, welche negativen Auswirkungen eine Diktatur auf Bevölkerung und Land haben kann. Auch in den anderen exotischen „Urlaubsorten“ stößt Fletcher mehr als einmal an die Grenzen des Fassbaren bzw. gesunden Menschenverstands, was beim Lesen unweigerlich dazu führt, die eigene, relativ sichere Heimat in einem anderen Licht zu sehen.

Lieblingszitat (S. 249):
„Geschichte ist das, was passiert, wenn Ego auf Zufall trifft.“

FAZIT
Ein humoriges wie nachdenklich stimmendes Buch über einen etwas anderen Selbstfindungstrip :-)

Bewertung vom 05.05.2017
Meerhimmelblau
Weißberg, Clara

Meerhimmelblau


sehr gut

INHALT
Liane (48) ist Bibliothekarin an der Universitätsbibliothek in Darmstadt und hat einige Überstunden angehäuft. Ihre Ehe mit dem kunstsinnigen Oberstudienrat und passionierten Fremdgeher Jochen plätschert so vor sich hin. Während er abends allein ausgeht, bleibt Liane erschöpft von der Arbeit lieber zuhause. Als er dann auch noch ein Sabbatical in Venedig ohne sie plant, steht für Liane fest, so kann es nicht weitergehen. Kurzerhand nimmt sie das Angebot ihrer Kollegin Nele an und kümmert sich fortan um den Hof von Neles Opa an der Schlei. Obschon sie keine Erfahrung mit Tieren und dem nordischen Menschenschlag hat, lebt sich Liane dort schnell ein und beginnt wieder zu leben; was auch am attraktiven Restaurator Fabian liegen mag...

MEINUNG
Clara Weißbergs Roman "Meerhimmelblau" ist mehr als ein kurzweiliger Urlaubsroman vor traumhafter Kulisse, denn die Hauptfigur Liane durchlebt darin eine Sinn- bzw. Lebenskrise. Stück für Stück wandelt sie sich an der Schlei von der fremdbestimmten und inaktiven Ehefrau zur lebenslustigen und offenen Hofsitterin. Erstmals macht Liane wirklich das, was sie möchte und blüht dabei regelrecht auf. Letzteres ist auch kein Zauberwerk, wenn man sich den idyllischen Handlungsort und die hilfsbereite Nachbarschaft, u.a. mit alleinerziehendem Pfarrer und dessen neumalkluger Tochter, vor Augen führt. Kurzum, Liane erfindet sich neu, was natürlich auch Auswirkungen auf ihre Ehe hat, die alles andere als harmonisch ist, wenn jeder nur seins macht. Vor allem Frauen werden diese Geschichte mögen.

In einfachen und bildreichen Worten vermag es die Autorin, den Leser ab der ersten Zeile für ihre Geschichte samt Handlungsort zu begeistern. Zudem spart sie nicht mit plattdeutschem Wortgut, was ich nicht nur sehr erheiternd, sondern auch interessant fand. Einzig am Tempo der Story hätte man noch feilen können. Hier trat mir die Handlung manches Mal arg auf der Stelle und hätte einfach etwas mehr Spritzigkeit verdient. Doch das harmonische Ende hat mich mit der insgesamt recht beschaulichen Geschichte versöhnt.

FAZIT
Ein wohldurchdachter Frauenroman, der mehr als die allseits bekannte Inselromantik zu bieten hat und dabei ernste sowie nachdenkliche Töne anschlägt.

Bewertung vom 02.05.2017
Durch Nacht und Wind
Lehnberg, Stefan

Durch Nacht und Wind


ausgezeichnet

INHALT
Wir schreiben das Jahr 1797. Die beiden Dichtergrößen Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller ermitteln in einem Mordfall. Der Großherzog von N. wurde tot in seinem Schloss aufgefunden und von einem verfluchten Ring ist die Rede. Nun gilt es, das Verbrechen aufzuklären und an Verdächtigen mangelt es nicht - für Goethe und Schiller eine mehr als willkommene Abwechslung vom Literatenalltag...

MEINUNG
Stefan Lehnbergs historischer Kriminalroman "Durch Nacht und Wind" reißt den Leser ab der ersten Zeile mit, was vor allem am kongenialen Ermittlerduo liegt. Goethe und Schiller sind nicht nur große Geistesgrößen des 18. und 19. Jahrhunderts, sondern auch enge Freunde. Man bewundert einander und disputiert vortrefflich gern miteinander; persönliche Frotzeleien inklusive. Da gerät der eigentliche Kriminalfall schnell in den Hintergrund. Doch zu unrecht, denn die Verbrechersuche ist alles andere als leicht und hält im Stile von Sherlock Holmes allerhand Fallstricke und überraschende Wendungen bereit. Kurzum, der Faktor Spannung wurde nicht vernachlässigt. So erleben die beiden Hobbyermittler einige zeittypische Abenteuer, angefangen von einer Ballonfahrt bis zu einem Pistolenduell. Langweilig ist der Plot somit auf keinen Fall. Zudem hat sich der Autor viel Mühe mit der authentischen Ausgestaltung von Handlungsorten (Weimar, Erfurt, Nürnberg) und -zeit gegeben. Infolge kann der Leser problemlos in die damalige Lebenswelt eintauchen. Doch Lehnberg leistet noch mehr, er schreibt sogar im Stile der Zeit, was altertümliche Schreibweisen von Wörtern wie "bey" und "seyn" belegen. Dadurch schafft er eine wunderbar harmonische Melange aus Fiktion und Wirklichkeit. Vor allem über die Spleens (frühes Aufstehen, verfaulte Äpfel etc.) und z. T. ausweglosen Situationen der beiden Titelhelden konnte ich mich herrlich amüsieren. Lehnberg zeigt damit, dass Krimis rund um Goethe und Schiller durchaus witzig sein können. Besonders Friedrich Schiller, der in die Rolle des Erzählers und spitzfindigen Beobachters schlüpft, hatte sofort mein Leserherz erobert. Aber auch der nimmermüde wie blitzgescheite Goethe belebte die Handlung.

FAZIT
Ein überaus unterhaltsamer Krimi im Stile der Zeit, der eine Fortsetzung verdient hat und darüber hinaus Lust macht, mal wieder die Schriften der "Weimarer Klassik" in die Hand zu nehmen.

Bewertung vom 01.05.2017
Björn Freitag - Smart Cooking
Freitag, Björn

Björn Freitag - Smart Cooking


ausgezeichnet

In Björn Freitag habe ich meinen derzeitigen Lieblingsfernsehkoch gefunden. Seine Unaufgeregtheit, seine Bodenständigkeit und die Einfachheit seiner Gerichte imponieren mir. Daher konnte ich mir sein neuestes Kochbuch "Smart Cooking" auch nicht entgehen lassen.

Der einst jüngste Sternekoch Deutschlands ist für mich ein Sympathieträger schlechthin. Denn selbst das noch so simple Gericht verkauft er mit Stil und Würde. Mit "Smart Cooking" beweist er zudem, dass Kochen durchaus etwas fürs Auge sein kann. Die ausgewählten Fotografien bestechen durch ihre Schlichtheit. Ohne viel Schnickschnack wird hier der Fokus auf die Zutaten und eine harmonische Komposition gelegt. Ich habe jedenfalls sofort Hunger und Lust bekommen, die Rezepte selbst auszuprobieren. Letztere wurden zudem allgemeinverständlich, d.h., übersichtlich und in wenigen Sätzen abgefasst - den eiligen und lesefaulen Koch wird's freuen.

Freitags Konzept des "schlauen Kochens" überzeugt. Einfache Zutaten, eine geringe Zubereitungszeit, geringe Kosten und wenig Kochequipment sind seine Devise. Und ja, es funktioniert und schmeckt. Ob Suppen, Gemüse, Fleisch- und Fischgerichte, der Gastronom hat an alles gedacht und dabei die gute alte Hausmannskost wieder aufleben lassen.

FAZIT
Björn Freitag macht das Kochen einfach, so dass selbst der härteste Kochmuffel einknicken wird :-)

Bewertung vom 01.05.2017
Sie werden lachen
Weber, Katrin

Sie werden lachen


ausgezeichnet

Katrin Weber, Jahrgang 1963, ist aus der sächsischen Kabarettszene nicht mehr wegzudenken. Zusammen mit Bernd-Lutz Lange bildete sie jahrelang ein kongeniales Duo. Nun mischt sie die Bühne mit ihrem Soloprogramm auf und ist damit nicht minder erfolgreich.

Doch was für ein Mensch ist Katrin Weber jenseits des Rampenlichts und woher kommt sie? Gemeinsam mit dem Schriftsteller Stefan Schwarz hat Weber nun das Buch "Sie werden lachen" herausgebracht, das sich aus tragikomischen Episoden/Erinnerungen aus Katrin Webers Vita zusammensetzt. Eines noch vorweg. Ja, ich habe gelacht (S. Buchtitel) und zwar herzlich und das gesamte Buch nonstop.

Katrin Weber ist ein waschechtes Kind der DDR. Sie wuchs in Plauen auf und hat dort nicht nur den Kindergarten des VEB Glühlampenwerks NARVA besucht, sondern auch eine Schneiderlehre gemacht. Hier verbrachte sie eine sorgenfreie Kindheit und kämpfte während der Pubertät mit ihrem jungenhaften Aussehen. Doch aus dem "klaanen schwarzen Deifel" aus Plauen sollte etwas Großes werden. So liebte es Katrin zeit ihres Lebens zu singen und durfte sogar an der Musikhochschule Dresden Gesang studieren. Als die großen Opernträume leider platzten, wurde das Fach Chanson/Musical zu ihrem Steckenpferd. Hier bewies sie ihre unnachahmliche Bühnepräsenz, was tänzerische Defizite weniger ins Gewicht fallen ließ. Doch zwei Stimmband-OPs später, war auch dieser Traum ausgeträumt und Weber brillierte danach mehr und mehr im komischen Fach, wobei ihr Tom Pauls, Bernd-Lutz Lange und andere den Weg ins Kabarett ebneten.

Katrin Weber ist eine sympathische Powerfrau aus dem Osten, die beruflich gern die Diva gibt und es privat eher leise und abgeschieden mag. Ihren Plauener Dialekt wie auch ihre kindliche Albernheit hat sie nie abgelegen können - zwei Dinge, die ihren Erfolg ausmachen. Weber ist stets authentisch und durch ihre Tollpatschigkeit oft unfreiwillig komisch. Unzählige Bühnenstürze und verschusselte Interviewtermine später kann Weber herrlich unverkrampft über sich selbst und ihre Unzulänglichkeiten lachen. Dass sie sich nicht verstellt und über manches herbe Debakel mit einem Lächeln bzw. gehörig Humor hinwegsieht ist ihre Stärke. Wenngleich Schwarz bei der ein oder anderen Episode aus Katrin Webers Leben etwas übertrieben haben mag, so sind diese kleinen, persönlichen Geschichten doch vor allem eines, nämlich ungemein unterhaltsam und zum Schreien komisch. Letzteres lag auch an den eingestreuten Dialektpassagen.

FAZIT
In diesem Buch steckt 100% Katrin Weber und das ist auch gut so, denn Lachflashs am laufenden Band sind garantiert. Wer das Bühnenprogramm "Katrin Weber & Bernd-Lutz Lange - Ganz persönlich" kennt, wird einige Geschichten wiederentdecken, was ich allerdings nicht schlimm fand.