Benutzername: Wortschätzchen
Wohnort: Kreis HD
Über mich:
Danksagungen: 8 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 232 Bewertungen
Bewertung vom 24.03.2017
Der Kuss der Lüge / Die Chroniken der Verbliebenen Bd.1
Pearson, Mary E.

Der Kuss der Lüge / Die Chroniken der Verbliebenen Bd.1


sehr gut

Der Prinz, der Kopfgeldjäger und die geflohene Braut

Lia ist zarte 17 und die erste Tochter des Königshauses von Morrighan. Sie soll einen ihr unbekannten Mann heiraten. Mit ihrer Zofe flieht Lia und wird in einem kleinen Dorf in einer Taverne angestellt. Der Prinz und ein Kopfgeldjäger suchen nach ihr.

Mein Problem mit gehypten Büchern ist immer jenes, dass sie mich meist enttäuschen. Deshalb versuche ich, den Hype zu verdrängen und das Buch selbst auf mich wirken zu lassen. „Der Kuss der Lüge“ ist ein Jugendbuch, das mit Romance und Fantasy aufwartet und der Auftakt einer neuen Reihe der Autorin Mary E. Pearson. Mir waren ihre Bücher bisher nicht bekannt – allerdings bin ich auch längst der Zielgruppe entwachsen (lese aber dennoch sehr gerne Jugendbücher, zumindest zwischendurch).

Man darf einfach nicht aus den Augen verlieren, dass es ein Jugendbuch ist. Dann kann man mit einigen Komponenten des Buches auch anders umgehen. Mich stört beispielsweise, dass Lia sich zu beiden, Rafe und Kaden, hingezogen fühlt. Ja, sie ist ein junges Mädchen, aber dennoch – das ist so gar nicht meins. Möglicherweise habe ich Lia auch deshalb nicht so richtig ins Herz geschlossen. Doch auch der Beginn der Geschichte macht mich ein wenig wütend: vielleicht wäre es ganz schlau gewesen, sich den zukünftigen Ehemann erst einmal anzusehen, bevor man flieht? Ja, klar, auch ich hätte mich ungern mit 17 mit einem Unbekannten verheiraten lassen, dennoch wäre ich neugierig genug gewesen, mir den zumindest mal heimlich anzugucken.

Der Schreibstil ist gut lesbar, für Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen angenehm und der Kniff, einige Kapitel aus der Sicht von Rafe bzw. Kaden zu erzählen und dann wieder aus der Sicht des Prinzen bzw. des Attentäters machen das Rätsel und Verwirrspiel, welcher von beiden nun der Prinz und welcher der Attentäter ist, sehr spannend. Das gefällt mir wirklich gut. Wie schnell man ahnt oder weiß, wer nun wer ist, tut dem Lesegenuss wenig Abbruch, denn die Wendungen machen auf alle Fälle Spaß.

Die erste Hälfte des Buches hat einige Längen und plätschert teilweise vor sich hin. Das macht die zweite Hälfte jedoch wieder wett. Und wer die vielen Serien und Trilogien der letzten Jahre ein wenig verfolgt hat, wird bemerkt haben, dass diese sehr oft im ersten Band ein wenig schwächeln und dann regelrecht erblühen. Am Ende dieses ersten Bandes freut man sich jedenfalls schon auf die Fortsetzung.

Dennoch würde ich diesen Band mit 3,5 Sternen bewerten. Aufgerundet sind es dann vier.

Bewertung vom 23.03.2017
Ashford Park, 6 Audio-CDs
Willig, Lauren

Ashford Park, 6 Audio-CDs


sehr gut

Auf der Feier zum 99. Geburtstag ihrer Granny Addie nennt diese ihre Enkelin Clemmie plötzlich „Bea“. Clemmie wird neugierig und möchte wissen, wer Bea ist. Doch Addie erholt sich nicht mehr von ihrem Schwächeanfall und so muss Clemmie auf eigene Faust recherchieren. Dabei findet sie heraus, dass Addie ihre Eltern als kleines Kind verloren hat und bei ihren Verwandten aufgewachsen ist. Einzig ihre Cousine Bea, die im Grunde das genaue Gegenteil von Addie ist, nahm sie herzlich auf und sie wurden beste Freundinnen. Doch das Leben und der Krieg haben ihre Spuren hinterlassen. Bea betrügt ihren Mann und verlässt mit Frederick das Land und baut in Kenia eine Kaffeeplantage auf. Dort besucht sie irgendwann Addie, deren alte Leidenschaft für Frederick wieder auflebt …

Mir gefallen Romane, die in der Jetztzeit und der Vergangenheit spielen und eine Brücke zwischen den Zeiten bauen, sehr gut. Lauren Willigs „Ashford Park“ ist das erste Buch der Autorin, das ich gelesen (bzw. gehört) habe. Das liegt nicht zuletzt daran, dass ich die Sprecherin Ulrike Hübschmann sehr mag. Hier jedoch hat sie für meinen Geschmack die einzelnen Epochen sprachlich nicht so voneinander getrennt, wie das schön gepasst hätte. Das komplette Hörbuch habe ich ihren Tonfall und die Sprachmelodie als veraltet bzw. für die Vergangenheit passend, aber nicht für die Gegenwart, empfunden. Ich hätte mir gewünscht, dass sie Clemmies Part moderner, flotter, frecher, frischer gelesen hätte. Ihr Stil passt perfekt zu Addie und Beas Part in Ashford Park und Kenia, aber nicht zu Clementine in unserer Gegenwart. Das hat mir das Hören teils etwas erschwert.

Die Aufteilung der Autorin der Episoden in den diversen Zeiten erfordert ein konzentriertes Hören, da man sonst die Zusammenhänge leicht verliert. Es baut sich nach und nach ein Konstrukt auf, aus dem zwangsläufig nicht alle schadlos hervorgehen können. Doch wie groß und weitreichend das alles ist, wird erst gegen Ende so richtig deutlich und überrascht den Leser/Hörer dann umso mehr.

Bei den Charakteren wird mir durchweg ein wenig zu sehr schwarz-weiß gemalt. Es gibt keine Menschen mit Fehlern, sondern nur Gut oder Böse. Viele sind sehr kalt und man wundert sich, woher Clemmie ihre soziale und fürsorgliche Ader haben mag. Insofern mochte ich kaum einen Charakter wirklich gern. Einzig Clemmie war mir sympathisch. Das war aber wieder recht klischeehaft, da Clemmie eigentlich in New York lebt und London einzig für den Geburtstag ihrer Granny Addie besucht.

Sehr gut gefallen haben mir die Abschnitte, die in Kenia spielen und in denen von dem Leben dort, den Nöten der Einheimischen, der Arbeit auf der Plantage erzählt wurde. Diese machen allerdings nur einen kleinen Teil der Story aus.

Auch schön ist, dass es zwar einen gewissen Anteil Lovestory gibt, dieser aber nicht überwiegt und nicht ins Kitschige abdriftet. Alles in allem waren dies 459 Minuten Hörbuchunterhaltung, die mir gut gefallen haben. Deshalb ziehe ich nur einen Stern ab und bewerte deshalb mit 4 Sternen.

Bewertung vom 23.03.2017
Unsere Hälfte des Himmels
Linden, Clarissa

Unsere Hälfte des Himmels


sehr gut

Die Story: In den 1930ern kämpfen zwei junge Frauen dafür, ihren Traum vom Fliegen zu verwirklichen. Was heute niemanden mehr überraschen würde, war damals fast unmöglich, doch Johanna und Amelie, die nahezu unzertrennliche Freundinnen sind, erkämpfen sich einen Ausbildungsplatz als Fliegerinnen von Motorfliegern. Amelie verliebt sich in Felix und Johanna kann damit nicht umgehen, denn sie will niemanden zwischen sich und Amelie lassen. Das Drama nimmt seinen Lauf.

1971 reist Amelies Tochter Lieselotte nach Frankfurt. Nach einem Unfall liegt ihre Mutter im Koma. Lieselotte weiß nicht viel über die Vergangenheit ihrer Mutter und noch weniger, wer ihr leiblicher Vater ist. Das Mutter-Tochter-Verhältnis war nicht sehr innig. Lieselotte macht sich mit Amelies Nachbarin auf Spurensuche und entdeckt eine ganz andere Amelie, als die, die sie ihr Leben lang kannte …

Das Buch ist in beiden Zeitebenen sehr interessant, zeigt es doch die Probleme, die beide Frauen (Mutter und Tochter) in ihrer eigenen Zeit haben und hatten. So unterschiedlich sie sind, so ähnlich sind ihre Kämpfe, Träume und Wünsche, ihre Leiden und Sehnsüchte. Doch obwohl sie sich so sehr gleichen, konnten sie nicht miteinander darüber sprechen.

Der Stil von Clarissa Linden liest sich sehr gut und flüssig. Nichts wird überspannt oder überzogen dargestellt. Alle Situationen sind glaubwürdig und schlüssig dargestellt. Das Thema ist natürlich kein leichtes, sodass man hin und wieder doch eine kleine Auszeit braucht, um es zu verarbeiten.

Romane, die auf zwei Zeitebenen spielen, sind momentan sehr angesagt und ich mag sie auch wirklich gern. Die Vergangenheit hat immer Auswirkungen auf unsere Gegenwart und es ist faszinierend, das so klar und fokussiert in einem Roman ebenfalls zu erleben.

Die Zeit des Nationalsozialismus ist immer ein schwieriges Thema. Ich gebe zu, es belastet mich, Schicksale der Menschen damals bewegen mich sehr und ich dosiere solche Bücher für mich sehr sparsam. Ich möchte diese Zeit nicht verdrängen, doch bin ich sehr froh, dass sie Vergangenheit sind. Es ist jedoch wichtig, dass künftige Generationen wissen, wie abgrundtief schlecht viele damals waren und wie leicht sie zu Verrätern wurden. Schon allein deshalb brauchen wir Romane wie diesen.

Wunderschön und sehr informativ finde ich auch das angehängte „Nachwort und Hintergrund“. Es zeigt, dass sich die Autorin intensiv mit den Themen Frauenbewegung, Kommunikation und der Aufarbeitung des Nationalsozialismus beschäftigt hat und sehr gut recherchiert hat. So wird die Story dichter und zeigt ein zwar fiktives, doch aber realitätsnahes Stück Zeitgeschichte. Von mir bekommt „Unsere Hälfte des Himmels“ vier Sterne.

Bewertung vom 21.03.2017
Ragdoll - Dein letzter Tag
Cole, Daniel

Ragdoll - Dein letzter Tag


sehr gut

Detective William Oliver Layton-Fawkes, besser bekannt als Wolf, ist kein durchschnittlicher Ermittler. Im Gegenteil, er polarisiert. Und wenn es sein muss, rastet er auch komplett aus und landet in der Psychiatrischen Klinik. Kein Wunder, dass ihn nicht alle Kollegen in ihrer Nähe haben wollen. Doch als eine entsetzliche Collage an Leichenteilen, die Ragdoll, gefunden wird und diese direkt auf Wolfs Wohnung zeigt, wird er zum Mittelpunkt der Ermittlungen. Besonders, weil Wolfs Exfrau, die Journalistin Andrea Hall eine Liste zugespielt wird. Eine Liste mit den Namen der nächsten Opfer. Und auch Wolf steht darauf …

Wieder einmal hat ein Autor einen Protagonisten mit einem ganz besonders schwierigen Charakter erschaffen. Das ist inzwischen so weit verbreitet, dass es langsam ein wenig langweilig wird. Doch Wolf ist ein Extremfall und ich bin gespannt, wie der nächste Teil dieser neuen Serie sein wird, denn das Ende hier ist im Grunde kein Cliffhanger und deutet auch nicht wirklich auf eine Fortsetzung hin. Also lasse ich mich überraschen!

Der Spannungsbogen ist genial gestaltet. Denkt man anfangs, dass der Mörder sich selbst eine Fall gestellt hat mit der Liste, staunt man doch, wie es sein kann, dass die Ermittler immer zwei Schritte hinterherhinken. Dass Edmunds dann auf den einzig logischen Schluss kommt, ist unvermeidbar. Doch der Showdown setzt dem Ganzen dennoch die Krone auf.

Sämtliche relevanten Figuren sind ausnehmend gut aufgebaut. Die Spannung zwischen Andrea und Emily ist eine ganz besondere, denn noch immer denkt Andrea, Wolf hätte sie in der Ehe mit Emily betrogen. Emily dagegen wünscht sich genau das mehr als alles andere, ohne es erreicht zu haben.

Edmunds versucht sich als Neuer in der Abteilung, während seine Verlobte nicht mit seinem neuen Job umgehen kann, zumal sie schwanger ist. Wolf selbst kämpft mit seiner eigenen Vergangenheit und einem alten Fall, der ihn einfach nicht loslassen will.

Die Story hat viel Tempo und überrascht immer wieder. Die Wendungen sind erstaunlich, aber nicht an den Haaren herbeigezogen. Alles ist sehr gut aufgebaut und stimmig in sich. Man liest das Buch erstaunlich schnell weg. Dennoch verliert die Story im letzten Drittel ein wenig. Es lässt sich schlecht greifen, denn die Spannung ist nach wie vor da. Dennoch war ich stellenweise dann einfach nicht mehr einhundertprozentig bei der Sache und driftete zeitweise gedanklich ab. Hier hätte eventuell ein wenig gekürzt werden sollen, um das Ganze nicht zu überdehnen.

Dass die Story in London spielt, ist erstaunlich. So schwungvoll und rasant sind die Engländer selbst in Thrillern nur äußerst selten. Auch eine Spur des guten alten schwarzen britischen Humors findet sich immer wieder, besonders in den Dialogen zwischen Baxter und Wolf. Das gefällt mir sehr und ist mit ein Grund, warum ich „Ragdoll – Dein letzter Tag“ mit vier Sternen bewerte.

Bewertung vom 19.03.2017
Welcher Baum ist das?
Spohn, Margot

Welcher Baum ist das?


sehr gut

Bestimmungsbücher sind immer eine Sache für sich. Man muss sich in den Gedanken der Ersteller einarbeiten, um zielsicher die Bestimmungsmerkmale angehen zu können. Hier wird mit einem Farbcode gearbeitet, der die erste grobe Einteilung ermöglicht. Danach orientiert man sich an der Blattform, um den zu bestimmenden Baum eingrenzen zu können. Die Blüten und Früchte helfen zusätzlich.

Ich finde dieses Buch sehr gelungen. Es bietet eine Masse an Informationen auf kleinstem Raum. Allerdings hat es auch ein hübsches Gewicht und das will bei Wanderungen oder gar Spaziergängen dann auch getragen werden.

Man erfährt die wichtigsten Informationen über die Bäume und ihre Früchte. Wer mehr darüber wissen möchte, benötigt dann ein anderes Nachschlagewerk. Wären mehr Informationen untergebracht, könnte man den Ratgeber nicht mehr mitführen, dann wäre er eindeutig zu schwer.

Aufgrund der Vielzahl der Bäume sind die Fotos etwas kleiner ausgefallen, doch bin ich der Meinung, man kann alles gut genug erkennen, um sich bei Bedarf anschließend anderweitig mehr Wissen aneignen zu können.

Für die gesunde Neugier von Otto Normalverbraucher ist dieses Buch klasse. Schnell kann man auch als kompletter Laie die Bäume bestimmen. Wer wie ich immer wieder vergisst, wie die Arten heißen, hat hier eine tolle Gedächtnisstütze.

Sehr schön auch die kostenlose App mit den Erklärfilmen.

Mir persönlich fehlen allerdings Angaben zu Allergien. Einige Bäume und Büsche lösen bei mir extreme Hautreaktionen aus. Dazu findet sich im Buch leider nichts. Gerade das wäre aber interessant.

Insgesamt gebe ich dem Naturführer vier Sterne.

Bewertung vom 17.03.2017
Dornen und Rosen / Das Reich der sieben Höfe Bd.1
Maas, Sarah J.

Dornen und Rosen / Das Reich der sieben Höfe Bd.1


gut

Feyre ist eine junge Jägerin. Ihre Familie ist arm. Es ist Winter und die Nahrung mehr als knapp. Deshalb riskiert sie es, einen Wolf zu erlegen. Sie hat es fast geahnt, es ist ein Fae – und das hat weitreichende Folgen für sie. Feyre wird ins Reich der Fae, Prythian, entführt. Das ist der Handel zwischen den Fae und den Menschen: ein genommenes Leben zu ersetzen.

Der Ansatz ist richtig gut, doch gibt es eine Reihe Längen, die die Story leider stark abwerten. Feyre ist mir nicht wirklich sympathisch, da sie wie ein bockiges kleines Kind macht, was sie will und sich nicht an Regeln halten mag. Leider hat sie ansonsten auch wenig zu tun bei Tamlin in Prythian, obwohl ja gerade hier das große Potenzial liegen würde.

Im zweiten Teil des Buches schlägt plötzlich alles um. Es wird actionreich und teils auch brutal. Doch die Liebesgeschichte bleibt weiter blass, was ich sehr schade finde.

Eine Parallele zu „Die Schöne und das Biest“ sehe ich hier nicht wo wirklich. Im Buch sind alle irgendwie viel zu gutaussehend und gerade Tamlin ist mit „dem Biest“ keineswegs vergleichbar. Und Feyre ist mir als Schöne ein wenig zu naiv. Vielleicht wäre es besser gewesen, diese Werbetrommel nicht so laut zu schlagen, denn dadurch bin ich mit einer vorgefassten Stimmung ans Lesen gegangen und wurde mehr enttäuscht, als nötig gewesen wäre.

Die Welt, die die Autorin hat entstehen lassen, ist sehr gut aufgebaut und stimmig in sich. Zwar sind hier einige Längen entstanden, doch kommt insgesamt einiges an Spannung auf. Dass der Leser lange im Dunkeln tappt, wozu die strikte Trennung der Reiche und wieso Tamlin und das Reich so sind, wie sie sind, mag Spannung aufbauen, hat mich streckenweise aber auch ein wenig genervt.

Einerseits passt der Aufbau der Story zur Tatsache, dass dies der Auftakt einer Reihe ist. Andererseits ist die Story in sich aber auch abgeschlossen und wer mag, kann einfach aufhören zu lesen. Dennoch gibt es eine Art Cliffhanger zum zweiten Band.

Die Figuren sind relativ stereotyp, aber gar nicht so schlecht aufgebaut. Das klingt paradox, passt aber ganz genau zu dem, wie dieses Buch bei mir ankommt. Es reißt mich hin und her. Gute Stellen, öde Längen, brutale Szenen, blasse Liebesgeschichte, es ist ein Mix, der es mir schwer macht, das Buch richtig einzustufen. Irgendetwas fehlt mir hier, um den Zeiger in eine Richtung ausschlagen zu lassen. So ist die fairste Lösung für mich, drei Sterne zu vergeben. Möglicherweise steigert sich die Story in den Folgebänden, doch ob ich sie lesen möchte, weiß ich noch immer nicht mit Sicherheit zu sagen.

Bewertung vom 16.03.2017
Das Brombeerzimmer
Töpfer, Anne

Das Brombeerzimmer


ausgezeichnet

Noras Mann ist seit genau einem Jahr tot. Sie trauert noch immer um ihn und macht, was sie am liebsten tut: Marmelade! Als ihre Freundin Katharina das Ausmaß dieser Leidenschaft entdeckt, fragt sie Nora, ob sie nicht genau damit Geld verdienen möchte. Für Nora ist das unvorstellbar. Doch sie sieht ein, dass etwas geschehen muss. Also beginnt sie, im Arbeitszimmer von Julian aufzuräumen und entdeckt einen Brief von einer ihr unbekannten Großtante ihres verstorbenen Mannes. Es geht darum um ein altes Familienrezept für Brombeermarmelade. Als Julians Vater sehr seltsam reagiert, beschließt Nora, kurzfristig Urlaub zu nehmen und Klara in der Vorpommerschen Boddenlandschaft zu besuchen. Dort begegnen ihr außergewöhnliche Menschen und uralte Geheimnisse …

Nora ist eine sehr sympathische Protagonistin. Man fühlt mit ihr, kann ihren Schmerz verstehen und findet ihre Art der Trauerbewältigung unweigerlich sehr ansprechend. Auch die anderen Charaktere sind wie aus dem Leben gegriffen und Randpersonen sind auch deutlich blasser gezeichnet, als die wichtigen Figuren. So muss man sich als Leser nicht allzu viele Namen merken und findet sich sehr leicht zurecht. Überhaupt liest man lockerflockig Seite um Seite weg und wundert sich, wie schnell man am Ende angelangt ist. Auch wenn der Lesestoff nicht hochgeistig ist, er unterhält und tut einfach gut – und genau das wünsche ich persönlich mir von einem guten Buch.

Auch wenn die Liebe im Buch eine gewisse Rolle spielt, möchte ich das Buch dennoch nicht als Liebesroman bezeichnen. Er handelt von Gefühlen allgemein – angefangen von der Trauer über vergangene und mögliche künftige Liebe bis hin zu dem Gefühl für die eigene Familie. Auch zeigt es, wie sich die Zeiten inzwischen verändert haben und wie wir heute vieles mit ganz anderen Augen als in den 1940er Jahren sehen. Mit 29 bereits Witwe zu sein, ist ein harter Schlag. Da wieder Fuß zu fassen erscheint schnell zu schwierig. Insofern ist „Das Brombeerzimmer“ auch ein Buch, das Mut macht – und dabei sehr ergreifend ist, ohne ins Kitschige abzurutschen.

Besonders schön finde ich die eingestreuten Rezepte (für die es am Ende des Buches auch noch ein kleines Register gibt), die Lust aufs Nachkochen machen. Das hätten gern doppelt so viele sein dürfen! Zudem kommt Julian ab und an gewissermaßen auch zu Wort – und das auf eine sehr gelungene Weise.

Das relativ abrupte Ende passt dennoch zur Geschichte und vor allem lässt es Raum für Spekulation: gibt es eine Fortsetzung? Zu wünschen wäre es, denn die „Frauenpower“ ist einfach herzergreifend und die frisch geknüpften neuen Freundschaftsbande hätten ein eigenes Buch verdient. Da die Figuren sich stimmig entwickelt haben, würde ich sehr gerne wissen, wie sie an diesen Ereignissen weiter wachsen und was sie daraus machen.

Wie unschwer zu erkennen ist, gefällt mir „Das Brombeerzimmer“ ausnehmend gut, obwohl ich ansonsten eher in den Genre Thriller oder Krimi zu Hause bin. Mit Rezepten kann man mich immer locken – und hier ist auch das Drumrum wunderbar gelungen. Deshalb vergebe ich die vollen fünf Sterne und empfehle das Buch sehr gerne weiter.

Bewertung vom 12.03.2017
Made at Home Vol. 2 - Frühjahr & Sommer
Defaux, Tina; Kirschbacher, Laura

Made at Home Vol. 2 - Frühjahr & Sommer


gut

Tina Devaux und Laura Kirschbacher haben hier eine Reihe witziger, schöner, praktischer und hilfreicher, teils aber auch zu sehr auf die Vorlagen bezogene Basteltipps zusammengestellt, die von Anna Schneider genial in Bildern festgehalten worden sind.

Das Buch hat eine stabile Ringbindung. So kann man es aufgeschlagen vor sich liegen haben, ohne dass der Buchrücken dabei Schaden nimmt. Außerdem erleichtert das das Kopieren der Vorlagen enorm.

Einige der Tipps sind komplett einfach, andere doch schwieriger. Manche davon regen wieder zu neuen, eigenen Ideen an – die gefallen mir am besten. Die einzelnen Seiten sind aus stabilem Papier, das auch mal eine kleine Attacke verträgt (beim Basteln geht es ja auch gern mal drunter und drüber). Die benötigten Bastelmaterialien sind meist sehr einfach zu bekommen und teils sogar „Abfallprodukte“ aus dem täglichen Leben. Hin und wieder geht der Materialbedarf aber auch etwas ins Geld (ich denke da besonders an das Riesen-Eis-am-Stil als Dekoobjekt).

Die Ideen sind mit kleinen Weckern gekennzeichnet, die angeben, wie lange man für das jeweilige Projekt benötigt. Dabei bezeichnen die „15-Minuten-Abschnitte“ nicht exakt die Zeit, sondern von „sehr schnell“ bis „nachmittagfüllend“ den Zeitaufwand.

Die Ideen sind alle auf Frühjahr und Sommer ausgelegt. Besonders viel findet sich für Gartenpartys – zumindest, wenn man sich die Zeit dafür nehmen möchte, all die wirklich hübschen „Kleinigkeiten“ dafür zu basteln. Ein wenig bin ich enttäuscht, denn ich dachte, es finden sich Projekte, die mehr freies Basteln ermöglichen. Hier sind sehr viele Ideen, für die man die Vorlagen (die teils auf der Verlagsseite auch zum Download bereitstehen – wozu man dann online sein muss und einen guten Drucker braucht) verwenden soll/muss. Mir nimmt dann das Wissen, dass hunderte andere eben genau dies auch gebastelt haben, die Freude daran. Das ist dann eher ein „Bastelsatz“ und nichts für mich. Im Grunde sind viele der vorgestellten Ideen gar nicht näher erklärt. Man guck sich ab, was man sieht, und arbeitet es nach.

Ob aber Rezepte in ein Workbook dieser Art gehören, weiß ich nicht so genau. Für mich hat das mit Basteln wenig bis gar nichts zu tun. Ein Eis am Stiel haben wir schon als Kinder gemacht, ganz ohne solch eine Anleitung.

Insgesamt ist das Buch nett gemacht, aber nicht ganz das, was ich erwartet habe. Dennoch sind gute Ansätze dabei. Deshalb gebe ich drei Sterne und werde mir das „Made at Home für die dunkle Jahreszeit“ leider nicht zulegen. Ich möchte das Buch nicht zerschnippeln und auch nichts darin eintragen. Schön wäre gewesen, wenn man die Seiten entnehmen könnte, wie bei einem Ordner. Für den Preis der Bücher müsste da sehr viel mehr drin stecken, das mich richtig und komplett anspricht.

Bewertung vom 11.03.2017
Black Memory
Clark, Janet

Black Memory


ausgezeichnet

Clare wird von indonesischen Fischern aus dem Meer gefischt. Sie hat absolut keine Erinnerung – weder an ihren Namen, noch wie sie in diese Lage kam. Sie landet im Gefängnis und erfährt, sie soll ihr eigenes Kind entführt haben. Doch wo ist Bonnie und was ist mit ihr geschehen? Wieso sollte Clare ihr etwas angetan haben? Als ihr Mann sie mithilfe eines einflussreichen Freundes zurück nach London holt, macht sich Clare auf die Suche nach der Wahrheit. Dabei stellen sich ihr ungeahnte Schwierigkeiten in den Weg. Wem kann sie vertrauen? Wer belügt sie? Clare entdeckt immer erstaunlichere Details …

Dieser Thriller hat das Thema Amnesie als Schwerpunkt. Ja, es gibt eine ganze Reihe Bücher, deren Plot genau dies behandelt. Aber mir gefallen sie noch immer und sie unterscheiden sich bisher auch sehr voneinander. Janet Clark hat mich mit BLACK MEMORY von der ersten Seite an auf eine Reise mitgenommen, die rasant, spannend, informativ und wahrlich erschreckend war. Lesegenuss pur! Hier fliegen die Seiten nur so dahin und es kommt keinerlei Langeweile auf.

Wie Clare selbst dachte ich immer wieder, zwischen Freund und Feind unterscheiden zu können. Lagen doch Fakten vor, die es eindeutig machten, wer ein falsches Spiel mit ihr treibt. Doch immer wieder neue Fakten machten das Bild immer wieder anders und mit jedem Kapitel geriet selbst mir als Leser alles außer Kontrolle. Hier gibt es Wendungen, die einer wildgewordenen Achterbahnfahrt gleichen – Loopings und Talschussfahrten ohne Ende.

Die Charaktere sind allesamt glaubwürdig und lebensnah gelungen. Von Angela über Paul bis zu Raphael – ich hatte sie alle ganz klar vor Augen, konnte mir sogar ihre Stimmen vorstellen. Das war Kopfkino par excellence! Die Auffälligkeiten in der Wohnung von Paul und Clare, die unfassbaren Entdeckungen, fehlende Dinge – einerseits unfassbar und unglaublich, am Ende aber genial erklärt und ein absolut gelungener Kniff der Autorin. Selten gefallen mir Auflösungen so gut, wie hier.

Bonnies besondere Fähigkeit macht sie zu einer ganz besonderen Romanfigur. Man fragt sich unwillkürlich, ob das im realen Leben tatsächlich so möglich wäre. Und ich bin mir noch immer nicht schlüssig, ob sie mich fasziniert oder erschreckt!

Dass Clare ihre Geschichte in der Ich-Form erzählt, gefällt mir persönlich besonders gut. So werde ich persönlich noch tiefer hineingezogen und fühle mich involviert. Entsprechend stark ist dann auch die Spannung. Erstaunlich, dass es Janet Clark geschafft hat, ganz ohne Einsacker die Spannung von Anfang bis Ende immer weiter ansteigen zu lassen. Genau so muss ein Thriller sein für mich! Das Buch ist in sich schlüssig, temporeich, actionreich (ohne allzu viel Blutvergießen), beängstigend und behandelt in einem Punkt auch ein brandaktuelles Thema, das in den nächsten Jahren sicher noch mehr in den Fokus geraten wird.

Janet Clark hat es geschafft, sich selbst zu übertreffen. Ich bin gespannt, ob sie sich weiter dermaßen steigern wird. Wobei ich schon vollkommen zufrieden wäre, wenn sie dieses hohe Level einfach nur halten würde. Fakt ist, ich freue mich schon jetzt auf weiteren Lesestoff von dieser Autorin.

Kurz und gut: BLACK MEMORY gehört definitiv zu meinen Lesehighlights 2017. Dafür gibt es die vollen fünf Sterne!

Bewertung vom 08.03.2017
Wie man seine voll verkorksten Eltern erzieht / Wie man... reloaded Bd.1
Johnson, Pete

Wie man seine voll verkorksten Eltern erzieht / Wie man... reloaded Bd.1


gut

Luis ist mit seinen Eltern umgezogen und landet auf einer Schule, die völlig anders ist, als seine alte. Dann verändern sich seine Eltern plötzlich und verlangen von ihm Bestnoten und Sonderaktivitäten. Luis möchte aber Comedy-Star werden und geht heimlich zum Casting …

So wirklich lustig fand ich das Buch nicht und ich bin auch nicht wirklich davon überzeugt, ob man 10-12 Jährigen sagen soll, wie man seine Eltern blockiert, heimlich zu Castings geht und es als lustig und witzig hinstellt, keinerlei Interesse für die Schule zu haben. Luis ist ein sehr eigensinniger Junge, der mir wenig sympathisch ist und der keinerlei Argumenten zugänglich ist. Auch am Ende des Buches ist nicht wirklich klargestellt, wozu Lernen gut ist und wie man ein gutes Verhältnis zu Lehrern und Eltern bekommen kann. Das gefällt mir ganz und gar nicht.

Es gibt sehr viel lustigere Bücher für diese Zielgruppe, die Verständnis für die Kids aufbringen und diesen helfen, mit ihrem Schulalltag, den Eltern, der einsetzenden Pubertät und allem Chaos klarzukommen – auf positive Weise. Hier ist die Aussage für mich eigentlich nur: es gibt nur zu lasche oder zu strenge Eltern, bei Schulproblemen wechselt man einfach die Schule und als Junge ist man am besten so rotzig wie möglich zu allen Erwachsenen. Keine gute Idee.

Deshalb kann ich dem Buch auch nur drei Sterne geben, mit Tendenz zu zwei …!