Benutzername: Wortschätzchen
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Bewertungen

Insgesamt 275 Bewertungen
Bewertung vom 21.06.2017
Die Toten schweigen nicht, 6 Audio-CDs
Cleave, Paul

Die Toten schweigen nicht, 6 Audio-CDs


ausgezeichnet

Tätersuche in Christchurch

Theo Tate, ehemaliger Polizist und nun Privatdetektiv, findet bei einer Exhumierung nicht die erwartete Leiche im Sarg vor, sondern den Körper einer jungen Frau. Als dann noch drei Tote an der Oberfläche des Friedhofssees auftauchen ist allen klar, dass ein Serienmörder sein Unwesen treibt. Eine Sensationsreporterin jagt Tate, der bei der Recherche nicht immer nüchtern ist und auch nicht immer ganz legal handelt. Wie sehr er selbst tatsächlich von der Sache betroffen ist, weiß sie nicht, doch sie will ihn eindeutig vernichten. Und Tate hat nichts mehr zu verlieren …

Stefan Kaminski hat mich von ersten Satz an tief in die Story gezogen. Paul Cleave gibt seinen Charakteren sehr viel Raum und Leben, doch dieser Sprecher schaltet ein Kopfkino sondergleichen ein. Einzig seine Art, wie er Frauen verkörpert, gefällt mir nicht sonderlich, denn sie scheinen bei ihm alle arme Hascherl zu sein und wirken zu verschreckt, stereotyp und hilflos. Keine seiner Frauenfiguren ist tough oder selbstbewusst, wobei ich mir sehr gut vorstellen kann, dass sie es bei Paul Cleave sehr wohl sind. Dennoch – er gibt Tate die perfekte Stimme und was er erzählt, bewegt mich tief. Nein, das stimmt so nicht – es ist wohl eher das, was er nicht erzählt und was der Leser sich zusammenreimen muss und kann.

Ermittler mit einem mehr oder minder großen Knacks sind seit einigen Jahren in. Theo Tate hat ein wenig was von Stefan Bergmann von Hjorth und Rosenfeldt, ist aber – vielleicht weil nicht skandinavisch, sondern dem völlig anders geprägten neuseeländischen Lifestyle entsprechend – energischer und kämpferischer. Als Hörer ist man auch dann geneigt, ihn zu mögen, wenn er etwas macht, das man nicht gutheißen mag. Kurz: er ist trotz allem ein Sympathieträger. Seine nach und nach ans Licht kommende Vergangenheit erklärt vieles.

Die Story selbst ist spannend von Anfang bis Ende. Immer mehr zieht Cleave die Schraube enger an, sodass der Hörer atemlos den Worten lauscht. Immer verworrener und dramatischer wird es, als selbst diejenigen bei der Polizei, die Theo Tate wohlgesonnen waren, diesen ins Fadenkreuz nehmen. Es gibt keine überraschenden Wendungen, aber doch überraschende Erkenntnisse. Besonders gefällt mir die gekonnt dosierte Zugabe eine Prise bissigem, schwarzem Humor.

Es wundert nicht, dass „Die Toten schweigen nicht“ der Auftakt einer Reihe ist. Theo Tate bietet viel Potenzial für einen besonderen Ermittler. Sein Background ist interessant und als Hörer möchte man tatsächlich gerne wissen, wie es mit ihm weitergeht und ob er in ein normales Leben zurückfinden kann. Bisher hatte ich noch kein anderes Hör-/Buch dieses Autoren genossen, werde mir den Namen aber ganz sicher gut merken!

Bewertung vom 17.06.2017
Schwarzwasser / Kreuthner und Wallner Bd.7 (6 Audio-CDs)
Föhr, Andreas

Schwarzwasser / Kreuthner und Wallner Bd.7 (6 Audio-CDs)


sehr gut

Wallners siebter Fall

Opa Manfred ist seit Stunden verschwunden und da trifft Wallner fast der Schlag, als die Leiche eines alten Mannes gefunden wird. Am Tatort findet Wallner Opa Manfred dann aber quicklebendig – als Tod verkleidet. Die Leiche ist Klaus Wartberg. Während der Ermittlungen stellt sich heraus, dass es gar keinen Klaus Wartberg gibt. Wer also ist der Tote wirklich – und vor allem: warum wurde er getötet und von wem? Während Kreuthner einer Tatverdächtigen zur Flucht verhilft und wie gewohnt alles verschlimmbessert, wurstelt sich Wallner durch Aussagen und Hinweise und findet Erstaunliches heraus …

Der Wechsel zwischen den verschiedenen Zeitebenen ist mir beim Hören manchmal etwas arg schwer gefallen, zumal man mit sehr vielen Charakteren und somit Namen zu tun hat. Dass man immer wieder schmunzeln oder gar lachen muss, gefällt mir sehr, lenkt mich persönlich aber auch manchmal etwas vom eigentlichen Geschehen ab. Dennoch ist das Hörbuch auch durchweg spannend – immer wieder passieren völlig unerwartete Dinge. So ein klein wenig Achterbahnfahrt ist ebenfalls integriert: nichts ist so, wie man zunächst glaubte. Das ist ganz große Kunst und gefällt mir sehr – auch wenn ich am Ende komplett durcheinander war! Klingt schräg? Ja, ist es auch – aber dennoch ist das großartig. Das muss man ja auch erst mal so hinbekommen!

Die Ereignisse von vor 20 Jahren sind die Ursache für das, was 2016 am Tegernsee geschieht. Was in diesen Jahren alles noch passierte, ist eine logische Aneinanderreihung von Reaktionen, die man recht gut nachvollziehen kann, auch wenn das Ende nicht gut ausgeht für alle daran beteiligten. Der Aufbau sowie die Grundidee sind ganz nach meinem Geschmack.

Michael Schwarzmaier liest dieses Hörbuch unbeschreiblich gut ein. Alle Charaktere haben quasi ihre eigene Stimme, dazu noch diverse Dialekte. So bringt er wirklich Lebendigkeit in die Story und man hat die Figuren sehr gut vor Augen. Es gibt viele sehr gute Sprecher, doch so gut können die wenigsten eine so große Anzahl Figuren unterschiedlich vertonen. Das ist ein absoluter Volltreffer und macht das Zuhören zu einem wahren Genuss.

Bisher habe ich die Reihe um Wallner und Kreuthner nicht verfolgt. Nur „Totensonntag“ hatte ich gehört und war davon wenig begeistert. Inzwischen weiß ich, dass dies zwar mitten in der Serie entstand, aber die Vorgeschichte dazu darstellt. Und mit solchen nachträglich aufgetauchten Vorgeschichten habe ich bisher noch nie gute Erfahrungen gemacht. Insofern freue ich mich sehr, dass ich Andreas Föhr mit „Schwarzwasser“ noch mal eine Chance gegeben hatte.

Das Private rund um die Figuren nimmt nur ein wenig Raum ein und lenkt nicht allzu sehr vom Kriminalfall ab. Ich persönlich hatte zwischendurch einen völlig falschen Verdacht und vermute, das wollte der Autor auch bezwecken. Obwohl Kreuthner ein „Schluri“ ist, sympathisiere ich mit ihm ein wenig, denn wirklich böse ist er nicht, nur eben gerissen und sehr speziell. Ähnlich ist es mit den anderen Charakteren. Sie sind alles Originale und sehr gut ausgearbeitet. Bleibt also festzuhalten, dass ich wirklich gut unterhalten worden bin und somit gebe ich dem Hörbuch vier der fünf möglichen Sterne.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 16.06.2017
Ach, wie schön ist doch die Welt, 1 Audio-CD
Erhardt, Heinz

Ach, wie schön ist doch die Welt, 1 Audio-CD


ausgezeichnet

Heinz Erhardt bleibt immer der liebenswerteste Komiker

Die Liebe zu Wortwitzen verdanke ich sicher nicht zuletzt Heinz Erhardt. Meine Mutter mochte diesen legendären Humoristen sehr gern und durch sie lernte ich ihn kennen. Die Filme mit ihm liebt auch mein Mann, obwohl er noch gar nicht geboren war, als diese gedreht wurden.

Dieses Hörbuch zeigt eine etwas andere Seite dieses großartigen Mannes. Die Gedichtchen und Lieder kennen nicht alle so gut, wie seine Wortspielereien. Auch die Vorträge und Sketche haben eine ganz eigene Note. Diese 55 Minuten sind rundum gelungen. Die Zeit vergeht in Nu – und bei aller Fröhlichkeit findet sich auch immer wieder ein Kern Wahrheit. Doch das Leben ist zwar ernst, aber dennoch kann man alles mit Humor nehmen.

Gerade in unserer Zeit, in der alle hektisch und sehr auf sich selbst bedacht sind, gibt die Art von Heinz Erhardt zu denken. Ein bisschen mehr Miteinander und Rücksichtnahme täte uns allen gut. Entschleunigung und ein etwas anderer Blick auf die Dinge, das kann uns Heinz Erhardt fast 40 Jahre nach seinem Tod noch immer lehren.

Ein wunderbares Hörbuch – von mir fünf Sterne!

Bewertung vom 16.06.2017
Karges Land
Storey, Erik

Karges Land


sehr gut

Ganz ohne Weichzeichner – ein harter Thriller

Clyde Barr erhält einen Anruf von seiner Schwester. Dieser ist recht dubios, doch Clyde ist klar, er muss sie retten. Wie und wo, ist nicht klar. Umso gefährlicher wird die Jagd nach dem Drogenboss und die Reise in die eigene Vergangenheit …

Der Ich-Stil gefällt mir immer wieder sehr gut, denn er zieht mich sehr viel intensiver ins Geschehen. Hier passt er zusätzlich zur einfachen, gut lesbaren Sprache, die teils auch brutal ist. Dies passt wiederum zum Geschehen. Ob ganz so viel Blut fließen muss, lasse ich mal dahingestellt. Insgesamt passt es aber zum Buch recht gut und für diejenigen, die Gemetzel mögen.

Spannung ist von Anfang an gegeben, diese zieht sich auch durch die ganze Story. Große Ansprüche stellt dieser Thriller nicht an den Leser, doch genau das macht den Zauber hier auch aus: man kann und darf beim Lesen einfach nur genießen. Es gibt keine pseudo-intellektuellen Verschwurbelungen, einfach nur brutalen, harten Thriller. Das hat auch mal was!

Die Charaktere sind meiner Meinung nach gut gezeichnet. Allie ist irgendwie eine ganz besondere Figur. Vor allem aber ist mir Clyde sehr sympathisch, trotz aller Gewalt und Brutalität. Ich habe ihn auf seiner Suche nach seiner Schwester sehr gern begleitet. Mich erinnert der Stil ein wenig an Joe R. Lansdale, doch fehlt mir dessen extrem großes Herz und seine Art, das Böse in sich zusammenfallen lassen zu können. Dennoch: gute Thriller-Kost!

Weniger schön finde ich, dass hier schon wieder die Geburt einer Serie gefeiert wurde. Das zwingt den Leser fast schon dazu, den nächsten Band zu kaufen. Ich möchte aber nicht eine neue Serie nach der anderen beginnen müssen. Einfach mal ein Buch gut schreiben und am Ende auch fertig sein zu lassen, das gefällt mir sehr viel besser. Das nächste Buch dann mit neuen Protagonisten und Charakteren und Schauplätzen – so kann der Leser ohne subtilen Zwang zum nächsten Buch greifen.

Alles in allem tendiere ich hier zu soliden vier Sternen!

Bewertung vom 09.06.2017
Pull it!
Bothe, Carsten

Pull it!


ausgezeichnet

Die Krönung jedes BBQs: Pulled Meat!

Wir grillen super gern und recht häufig. Und Pulled Meat lieben wir ganz einfach! Da ich kein Schweinefleisch esse, ändern wir gern mal Rezepte ab (tauschen also das Fleisch gegen Rind, Geflügel, Lamm oder Fisch aus). Umso mehr freue ich mich, dass Carsten Bothe hier ein Buch präsentiert, in dem auf alle Fleischarten eingegangen wird. Doch auch Gemüse kann man pullen! Die Rezepte dafür sind überraschend und überzeugend.

Wie es sich für ein gutes Grillbuch gehört, finden sich hier auch Rezepte für Buns & Brötchen und Saucen, Rubs und Beilagen. So hat man alles kompakt in einem Buch.

Die Niedergarmethode hat uns auf Anhieb überzeugt. Da war es klar, dass wir über kurz oder lang auch beim sous-viden landen würden und – nicht nur im Sommer – auch beim pullen. In diesem Buch finden sich Tipps, wie Pulled Meat nicht nur im Smoker, sondern auch mit dem Kugelgrill (oder auch Keramikgrill), im Dutch Oven, im Backofen und mit dem Sous-Vide-Gerät gelingt. Somit ist man rundum flexibel und jeder findet seine perfekte Methode und sein perfektes Rezept.

Die Ideen für die einzelnen Fleischsorten sind kunterbunt und so vielseitig, dass kein Wunsch offen bleibt. Auch ist Carsten Bothe ein Befürworter des Variierens und Probierens. Er lässt dem Leser freie Hand beim Umstellen der Rezepte.

Der Aufbau der Rezepte ist sehr übersichtlich. Zunächst findet sich für jede Fleischart erst einmal ein Grundrezept. Danach folgen dann die Ideen, was mit dem fertigen Pulled Meat alles für Köstlichkeiten gezaubert werden können. Auf der linken Seite findet sich jeweils die Beschreibung des Gerichtes, darunter die Zutatenliste, einige Hinweise, oftmals auch Tipps und natürlich die eigentliche Anleitung. Die rechte Seite ist für die Fotos der fertigen Gerichte reserviert. Da macht eins mehr Appetit als das andere! Ein wunderbares Buch!

Carsten Bothe hat unsere Kochbuchsammlung mit seinem „Pull it!“ sehr bereichert. Nicht alle Rezepte sind nach unserem Geschmack, aber das ist bei jedem Kochbuch so. Dennoch finden wir immer wieder neue Anregungen, neue Kombinationen und neue Impulse. Deshalb soll es auch das verdiente Lob erhalten: die vollen fünf Sterne!

Bewertung vom 08.06.2017
Die Bestimmung des Bösen
Corbin, Julia

Die Bestimmung des Bösen


sehr gut

Morde in Mannheim

Alexis Hall ist Kriminalhauptkommissarin und auf der Jagd nach einem Mörder, der seine Opfer auf eine Weise verhöhnt, die sie nur zu gut kennt. Es ist die Handschrift ihrer Eltern, die vor 23 Jahren ebenfalls ihren Opfern Nagelkronen mit weißen Anemonen geschmückt haben. Kriminalbiologin Karen Hellstern versucht, anhand von Käfern und Maden den Tathergang zu rekonstruieren. Als Alexis immer öfter aufwacht, ohne sich an etwas erinnern zu können, obwohl sie eindeutig barfuß unterwegs gewesen ist, beginnt sie, an die Forschungsergebnisse ihres Onkels zu glauben. Sie trägt ein besonderes Gen in sich, das Kill:gen. Was hat sie getan, ohne es zu wissen? Alexis gerät tiefer und tiefer in den Fall, zumal ihre DNA gefunden wird …

Julia Corbin hat einen sehr detailreich erzählten Thriller geschrieben. Er spielt in Heidelberg und Mannheim. Deshalb sind mir die meisten Schauplätze gut bekannt und ich finde mich quasi blind zurecht. Die sehr genauen Schilderungen kriminalbiologischer Arbeit sind sicher für viele Leser sehr interessant. Mich persönlich haben sie ein wenig gestresst. Manches möchte ich gar nicht so genau wissen. Teils fühlte ich mich deshalb wie in einer Vorlesung.

Dafür hätten für meinen Geschmack die Blackouts von Alexis mehr Raum einnehmen dürfen. Hier wäre so viel Potenzial gewesen, das leider nicht ausgeschöpft worden ist. Viele Möglichkeiten hätten auch die Beziehungen der Kollegen untereinander und mit Alexis geboten. Gerade Oliver kam in meinen Augen auch recht kurz. Teils trat Alexis immer auf derselben Stelle, was ich schade finde. Ihre Angst vor den Auswirkungen des Kill:gens kann ich verstehen, jedoch bot genau dies eine Menge Möglichkeiten für Handlungen und Wendungen, die dann nicht kamen.

Dafür ergeben sich gegen Ende interessante Wendungen, die meine Enttäuschung teilweise wieder wettmachen. Die Erzählstränge laufen kontinuierlich aufeinander zu und ergeben am Ende einen dicken Strang, der logisch und passend, also in sich stimmig, ist.

Wirklich ins Herz geschlossen hatte ich keinen Charakter, auch nicht die Protagonistin. Sie war mir zu sehr in sich selbst gefangen und blieb daher recht flach für mich. Der Aufbau der Spannung blieb so auch unter einem für mich nötigen Level, zog aber am Ende drastisch an.

Trotz aller Kritik ist die gute Recherche aber zu loben. Gerade für realitätsliebende Leser ist das, was mir zu viel war, genau richtig: die ausführlichen Abhandlungen über die Kriminalbiologie. Deshalb ziehe ich nur einen Stern ab und gebe vier Sterne.

Bewertung vom 05.06.2017
Fenster zum Tod, 6 Audio-CDs
Barclay, Linwood

Fenster zum Tod, 6 Audio-CDs


ausgezeichnet

Zeuge: Internet

Ray Kilbride kümmert sich seit dem Tod des gemeinsamen Vaters um seinen Bruder Thomas. Dieser ist zwar schon über 30, doch ist er in psychiatrischer Behandlung. Er leidet an Schizophrenie. Seine Tage verbringt er damit, an drei Monitoren alle Städte und deren geographischen Besonderheiten quasi auswendig zu lernen. Er ist davon überzeugt, für die CIA zu arbeiten. Eines Tages werden alle Papierkarten verschwunden sein und nur er, mit den Karten in seinem photographischen Gedächtnis, kann der Regierung dann noch helfen. Die Seite Whirl360, eine Art Google Earth, ist deshalb seine Welt. Hier entdeckt er eines Tages einen Kopf in einer Tüte in einem Fenster und ist beunruhigt. Da er nicht aus dem Haus will und ihm sowieso keiner glauben würde, überredet er Ray, nach New York zu fahren und zu sehen, was er über das Haus, die Wohnung und die Bewohner erfahren kann. Ray hilft ihm widerwillig. Was er erfährt, ist seltsam genug, aber dann verschwindet das Bild aus dem Netz und Thomas und Ray geraten in Gefahr …

Linwood Barclay hat nicht nur Hitchcocks „Fenster zum Hof“ genial neu erfunden, sondern auch noch Humor in einen super spannenden Thriller gepackt. Jedenfalls musste ich sehr oft sehr breit grinsen, teils sogar lachen. Doch das darf man nicht falsch verstehen, denn diese Stellen lassen den Thriller nicht ins Lächerliche gleiten, sondern erhöhen noch zusätzlich den Thrill und die Spannung. Das ist einfach genial! Es ist Situationskomik, die wunderbar realistisch ist und den Leser bzw. Hörer noch mehr in den Bann zieht.

Auch eine kleine Romanze ist in diesem Thriller versteckt. Diese nimmt aber nicht so viel Raum ein, als dass sie störend wirken würde. Die Dosis ist exakt bemessen, um perfekt zu passen.

Sehr gelungen finde ich die verschiedenen Erzählstränge. Sie sind in unterschiedlichen Erzählperspektiven gehalten, sodass noch mehr Abwechslung dazukommt. Mich hat das sehr angesprochen und gerade beim Hörbuch hilft es sehr, die Stränge auseinanderzuhalten.

Die Charaktere sind wunderbar gestaltet. Besonders Julie, eine ehemalige Schulfreundin von Ray, inzwischen Reporterin, ist hier zu erwähnen. Sie bildet das Bindeglied zwischen Ray, der seinen Bruder oft versehentlich und unbewusst unfair behandelt, und Thomas. Durch sie wird die Bindung der beiden eine andere. Ray selbst, den man anfangs als sehr anstrengend empfindet, wächst so auch dem Leser/Hörer immer mehr ans Herz und irgendwann staunt man, wozu sein Hobby tatsächlich taugt. Die Verwicklungen und Wendungen, die zunächst verwirrend erscheinen, ergeben am Ende einen unglaublich stimmigen Sinn. Der Showdown ist fulminant und rund, das Ende gut ausgearbeitet und für einen Thriller erstaunlich ruhig. Dennoch passt es wunderbar und überzeugt durch die Realitätsnähe.

Ich mag Frank Arnold als Sprecher sehr, doch hier gibt er Thomas eine total nervige Lautstärke und Tonlage. Auch wenn Thomas an Schizophrenie leidet, ist diese Art von Betonung für ihn nicht passend. Das klingt eher nach einem hysterischen Autisten oder aufgedrehtem Mann mit Down-Syndrom – aber selbst für diese beiden wäre das noch zu krass. Dadurch wirkt Thomas, der meiner Meinung nach sehr intelligent ist, als sei er „zurückgeblieben“. Mir tun die Passagen für/mit Thomas extrem in den Ohren weh.

Dennoch mag ich keinen Stern abziehen, denn der Thriller hat mir extrem gut gefallen und ich finde die Grundidee sowie die Umsetzung äußerst gelungen. Ich habe das Hörbuch in nur zwei Sitzungen gehört, so sehr hat es mich gefesselt. Linwood Barclay hat mich wieder einmal komplett mitgerissen und überzeugt. Deshalb gebe ich die vollen fünf Sterne.

Bewertung vom 03.06.2017
Tot war ich gestern / Denton Little Bd.2
Rubin, Lance

Tot war ich gestern / Denton Little Bd.2


ausgezeichnet

Das Chaso geht weiter!

Da hat Denton Little sein eigenes Todesdatum unerwarteter Weise überlebt, doch von Freude kann keine Rede sein: wie sich herausstellt, hat seine leibliche Mutter ihn als Fötus mit einem Virus geimpft, der das Todesdatum auslöscht. Denton kann und soll diesen Virus weitergeben. Sie will damit ihrer Untergrundbewegung ein Druckmittel verschaffen, die Datierungspflicht aufzuheben. Sie selbst ist an ihrem geplanten Todestag abgetaucht. Denton wusste nichts davon und erlebt auf seiner Flucht vor der DIA einige haarsträubende Dinge. Nebenbei erfährt er, dass so gut wie jeder all das wusste, nur er nicht. Doch alles, was er will, ist seinen Freund Paolo zu retten, dessen Todestag ebenfalls bevorsteht. Nur klappt das alles nicht so, wie es seine Mutter geplant hatte. Eine irre Odyssee beginnt …

Nun musste ich doch ein ganzes Jahr auf die Fortsetzung warten – aber es hat sich gelohnt! Denton ist so cool und sarkastisch, wie eh und je – aber es fehlt ihm auch nicht an Selbstironie. Das macht ihn extrem sympathisch.

Lance Rubin geht in diesem Band einem Teil der Fragen nach, die mir nach dem ersten Band lange im Kopf herumschwirrten. Er hat es geschafft, diverse Sichten und Lösungen zu präsentieren, ohne dabei die jugendlichen Charaktere zu altklug oder kindisch werden zu lassen. Im Gegenteil, ich finde, es ist ihm ausgezeichnet gelungen, die Gedanken und Gefühle der 16-18jährigen einzufangen und darzustellen. Besonders V gefällt mir sehr. Sie hat eine ganz eigene Art, mit Gefühlen umzugehen, weiß das auch und steht dazu. Und Denton darf ganz hormongeplagter Junge sein, der aber dennoch versucht, alles richtig zu machen und dabei oft genug grandios – und für den Leser urkomisch - scheitert.

Lance Rubin ist sich selbst treu geblieben. Er hat auch diesmal nicht krampfhaft die Jugendsprache bemüht, sondern sie sehr gut dosiert eingesetzt. Bei den Wendungen in diesem Band kommt man – wie Denton – manchmal kaum hinterher, sich neu auszurichten und zu überlegen, wie Denton wohl jetzt am besten handelt. Einige Dusseligkeiten von Denton hätte ein Erwachsener wohl vermieden – aber dafür anderen Blödsinn angestellt.

Auch diesmal sind Familie und Freundschaft zentrale, wichtige Themen. Die Freundschaft von Denton und Paolo wird in „Tot war ich gestern“ auf eine harte Probe gestellt. Denton selbst wird mehrfach und bei ganz verschiedenen Gelegenheiten in Versuchung geführt. Dennoch schwingt Rubin nicht die Moralkeule, sondern zeigt, dass Teenager eben Teenager sind.

Vom ersten Band übernommen hat der Verlag auch die kleinen Kreuze bei den Seitenzahlen und die Särge bei den Kapitelnummern. So hat man gleich einen Wiedererkennungswert. Super! Ob es einen weiteren Band geben wird, vermag ich nicht zu prognostizieren. Einerseits ist die eigentliche Geschichte abgeschlossen und rund, andererseits ergeben sich dennoch neue Fragen und Möglichkeiten. Ich lasse mich überraschen! Auf alle Fälle würde ich sehr gerne mehr von Lance Rubin lesen.

Ich hatte an diesem Band genauso viel Freude, wie an „Bin mal kurz tot“. Auch diesmal bleiben Fragen im Hinterkopf, die nicht so schnell loslassen. Doch weniger um die Fortsetzung, als um die Zukunft und welche Möglichkeiten auf welchen Gebieten sie uns wohl bringen könnte. Vielleicht ist es nicht die anspruchsvollste Literatur für Jugendliche, aber in meinen Augen um Klassen besser, als so mancher Vampir- oder Endzeit-Roman. Ich bewerte diesen Band ebenfalls mit fünf Sternen.

Bewertung vom 02.06.2017
Toskana
Dalla Zorza, Csaba

Toskana


ausgezeichnet

Anders und besonders!

Kochbücher sind eine meiner Leidenschaften. Je mehr dieser tollen Bücher bei mir landen, desto mehr staune ich über die Unterschiede, die es da gibt. Dieses Buch ist ein besonderes Stück in der Sammlung, denn es ist so viel mehr, als einfach nur ein Buch mit Rezepten aus der Toskana. Es ist eine Liebeserklärung ganz besonderer Art.

Es finden sich sehr viele wunderschöne Fotos in diesem Buch. Doch nicht nur zu den herrlichen Rezepten gibt es Bilder, auch rund um die Toskana selbst. Denn die Autorin hat viel Liebe und Leidenschaft in dieses Buch gesteckt. Sie erzählt von sich und den Menschen der Toskana, vom Zauber der Landschaft und von der Liebe zum Kochen.

Aufgeteilt ist das Buch in die Kapitel: Die Speisekammer, Antipasti, Gnocchi und Pasta, Heiße Suppen, Fleisch und Wein, Fisch, Gemüse, Snacks und Süßes, Obst und Kaffee. Immer gibt es interessante Infos und wunderschöne Bilder – es ist ein Bildband-Reiseführer-Kochbuch sozusagen. Einfach traumhaft schön! Der interessierte Leser lernt viel über diverse Lebensmittel. Dabei ist die Autorin nie lehrmeisterhaft, sondern immer eine liebevolle Freundin, die ihre Erfahrungen gerne weitergibt. So sind auch die Rezepte gestaltet: die Zutatenliste ist das einzig kurzgehaltene. Eine kleine Einstimmung auf das Gericht sowie eine sehr ausführliche Anleitung runden jedes Rezept ab. Nicht kurz, knapp und sachlich, sondern ausführlich und hilfreich, wie eben eine Mama oder eine gute Freundin ein Rezept erklären würden.

Das Buch ist sehr dick und sehr schwer, aber es lädt auch zum Schmökern ein. Anders als bei herkömmlichen Kochbüchern finden sich hier nämlich auch durchweg lesbare Texte, die einem kleinen Urlaub aus dem Alltag gleichen. Die Toskana ruft – und zumindest durch die Gerichte kann man diesem Ruf immer wieder folgen.

Ein tolles, außergewöhnliches Kochbuch, das ohne Frage die vollen 5 Sterne verdient hat!

Bewertung vom 02.06.2017
Katzenglück und Dolce Vita
Stellmacher, Hermien

Katzenglück und Dolce Vita


sehr gut

Neuanfang mit Samtpfoten

Karla ist Ende 30 und die Arbeit in der Werbeagentur leid. Sie möchte ihren Traum verwirklichen und Bücher illustrieren. Den Urlaub in der Toskana nutzt sie, um der Verwirklichung des Traumes näher zu kommen. Doch sie hat nicht mit den Plänen des Universums gerechnet. Karla lernt viele außergewöhnliche Menschen kennen, die sie dazu bringen, ihre Einstellungen neu zu bedenken …

Ein wenig irritieren der Titel und der Klappentext. Katzen spielen eine Rolle, doch so dolce ist das vita erst mal gar nicht. Karla ist eine sehr unsichere Frau, die es mir als Leser recht schwer gemacht hat, sie wirklich zu mögen. Viele ihrer Entscheidungen kann ich einfach nicht nachvollziehen. Ihre Bereitschaft, ihre Zukunft selbst aktiv zu gestalten und ein Leben zu führen, das zu ihr passt, ist mir zu gering. Sie hat alles im Kopf, aber bei der Umsetzung braucht sie viele Menschen, die sie anschieben.

Die Gegend und die Charaktere sind zauberhaft dargestellt. Auch die kleinen Zeichnungen, die aus Karlas Feder stammen könnten und aus ihrem Skizzenblock gerissen scheinen, finde ich wunderbar. Ganz besonders schön finde ich, dass das Buch, um da es geht, im Oktober 2017 ebenfalls im Inselverlag erscheinen wird.

Nur Karlas Figur ist mir zu konstruiert. Ihre Einstellung zu Familie und Kindern stammt aus ihrer eigenen Kindheit, doch wenn man ihre Probleme kennt, möchte man sie darauf hinweisen, dass es Kinder mit echten Problemen gibt. Mich hat sie ein wenig sauer gemacht. Nicht nur, weil ich nicht ganz nachvollziehen kann, wie dramatisch sie das sieht, sondern hauptsächlich, weil Karla gern jammert, aber wenig tut. Sie kommt äußerst schwierig in die Puschen und braucht immer wieder Schützenhilfe von ihr bis dahin wildfremden Menschen.

Die drei Katzen, die quasi illegal auf dem Grundstück des Ferienhauses leben, spielen eine wichtige Rolle in Karlas Entwicklung. Deren Schicksal ist Karla schnell das Wichtigste überhaupt. Der Leser erkennt hier schon den Mutterinstinkt, Karla nicht.

Valentina und ihre Nonna sind wahre Engel, die Karla ebenso wie Fabio und seine große italienische Familie immer wieder ein Stück weiter auf den richtigen Weg bringen. Auch ein Taxifahrer entpuppt sich als Schutzengel für Karla, die nicht nur zeichnet, sondern auch im Kochen Erfüllung findet. Die Farben auf dem Papier spiegeln sich bald in Karlas Leben und Kleidung wider. So entsteht dann auch noch ganz nebenbei eine Idee für ein weiteres Projekt.

Der Stil der Autorin liest sich angenehm leicht und flüssig. Auch die immer wieder eingefügten Rückblenden und Erinnerungen passen und bremsen den Lesefluss nicht. Die Kapitel haben eine angenehme Länge, sodass man immer wieder zum Buch greifen kann und mag, um mehr von Karlas Abenteuer zu erfahren.

Ich bin, trotz meiner Kritik, gern mit Karla in ihrer Ape durch die Gegend getuckert. Für schöne Lesestunden am Pool ist dieses Buch genau richtig. Deshalb bekommt es auch vier Sterne von mir.