Benutzername: bücherfreund
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Bewertungen

Insgesamt 65 Bewertungen
Bewertung vom 04.06.2017
So, und jetzt kommst du
Frank, Arno

So, und jetzt kommst du


sehr gut

Familie Frank hat das große Geld gemacht. Jedenfalls wird das so den Kindern gesagt, als sie Hals über Kopf mitten in der Nacht nach Südfrankreich zu ihrem "neuen Leben" aufbrechen. Angeblich steinreich braucht der Vater nicht mehr zu arbeiten, die Familie lebt in Luxus und die Kinder sind glücklich. Doch schon bald müssen sie wieder weiterziehen und weiter und weiter und besitzen bald nicht mehr als das, was sie am eigenen Körper tragen. Die Wahrheit wird vor den Kindern so lange geheim gehalten bis es nicht mehr geht.

Ich finde das Buch hervorragend geschrieben. Mir hat dieser unterschwellige Humor, der sich durch das gesamte Buch zieht, sehr gut gefallen. Die Lektüre war daher sehr unterhaltsam, auch wenn es im Buch selber gerade nicht lustig zuging.

Was ich auch sehr gut gelungen fand, ist die Charakterentwicklung, besonders vom Jungen. Als Leser lernen wir ihn schon sehr jung kennen. Im Laufe des Buches wächst er heran und wird zum Teenager. Da aus seiner Sichtweise geschrieben wird, weiß der Leser immer nur so viel, wie der Junge mitbekommt und verstehen kann. Er ist ein sehr guter Beobachter und so versteht der Leser oft mehr als der kleine Junge, der beschreibt und Dinge noch nicht richtig einzuordnen weiß. Doch während er heranwächst, ändert sich auch der Schreibstil passend dazu und wird erwachsener. Er vertraut nicht mehr blind seinen Eltern, sondern beginnt Zusammenhänge zu erkennen und seine eigenen Schlüsse zu ziehen bis er sich schließlich sogar gegen seine Eltern stellt.

Die Charaktere sind überhaupt durchgehend gut entwickelt mit vielen Facetten und Eigenheiten, die auch konsequent durchgezogen werden. Ich habe selten ein Buch gelesen, bei dem ich alle Charaktere so klar vor Augen sehen konnte wie hier.

Einen Punkt muss ich leider abziehen, da die Handlung im Mittelteil teilweise etwas langatmig wurde. Doch das war wirklich nur stellenweise und dank des ausgeprägten Humors, der immer wieder eingeflochten wird, war das auch kein großer Störfaktor.

Mir hat das Buch insgesamt sehr gut gefallen. Es war eine amüsante Lektüre mit sehr interessanten Charakteren. Ich würde es definitiv weiterempfehlen.

Bewertung vom 04.06.2017
Der Freund der Toten
Kidd, Jess

Der Freund der Toten


ausgezeichnet

Dieses Buch hat es mir echt angetan. Erstmal ist die Handlung wirklich spannend. Der junge Mahony kehrt an den Ort zurück, in dem er geboren wurde, um das Rätsel um seine Herkunft zu lösen. Trotz der Ablehnung, die ihm fast überall entgegen schlägt, geht er zielstrebig und unerschrocken vor, um herauszufinden, was nach seiner Geburt mit seiner Mutter passiert ist.

Mahony ist wunderbar einzigartig. Er ist ein Einzelgänger, unabhängig und lässt sich von niemandem etwas vormachen, doch gleichzeitig weiß er genau, wie er sich verhalten muss, um jemanden um den Finger zu wickeln und so zu erreichen, was er möchte. Seine erfrischende Art wird mir bestimmt noch lange in Erinnerung bleiben.
Auch die anderen Charaktere dieser Geschichte sind faszinierend und haben alle ihre ganz eigene Art und Weise, was sie zu wirklichen Individuen macht.

Die Sprache, in der das Buch geschrieben ist, ist absolut schön. Ich habe selten etwas in einem so poetischen Stil gelesen, das gleichzeitig noch so packend und spannend war.

Ich würde dieses außergewöhnliche Buch jedem weiter empfehlen, der auf der Suche nach einer guten Geschichte mit außergewöhnlichen Charakteren ist.

Bewertung vom 04.06.2017
Das Einstein Enigma
Dos Santos, José R.

Das Einstein Enigma


ausgezeichnet

Schon als ich die Kurzbeschreibung des Buches gelesen hatte, wusste ich, dass das genau das richtige Buch für mich ist. Ein altes Manukript von Albert Einstein wird gefunden, der Titel "Die Gottesformel". Doch in dem Manuskript befinden sich verschlüsselte Passagen. Der Kryptanalyt Tomás Noronha soll dabei helfen, diese zu entschlüsseln und hat keine Ahnung, auf was er sich bei diesem Vorhaben einlässt. Das Manuskript soll eine Anleitung zum Bau der Atombombe enthalten, die es dem Iran ermöglicht, auf einfache Weise Atomwaffen herzustellen. Noronha wird gleichzeitig vom Iran und von der CIA angeheuert. Vom Iran, um das Manuskript zu entschlüsseln und von der CIA, um das Vorhaben des Irans auszuspionieren. Noronha verwickelt sich in etwas, bei dem es bald um Leben und Tod geht und evtl. auch einem Beweis für die Existenz Gottes.

Die Handlung ist wahnsinnig spannend. Ich konnte es fast gar nicht mehr aus der Hand legen, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es ausgehen würde. Ich fand auch die wissenschaftlichen Erklärungen, von denen es viele im Buch gibt, sehr interessant. Für manch anderen Leser mögen diese vielleicht etwas zu viel des Guten sein, doch da ich mich sowieso für diese Themen interessiere, war es für mich sehr interessant, mehr über die existenziellen Fragen der Physik zu erfahren.
Bei der ganzen Spannung und Wissenschaft kommen aber auch die Charaktere nicht zu kurz. Besonders Tomás Noronha ist ein sympathischer Charakter, bei dem es auch in die Tiefe geht. Seine Eltern fand ich hingegen ein wenig flach, besonders die Mutter scheint nur aus Klischees zu bestehen, doch diese spielen ja auch nur eine Hintergrundrolle.

Insgesamt war das Buch eine sehr interessante Reise in die Physik auf der Spur des größten Rätsels, das die Welt wohl beschäftigt: die Existenz Gottes. Ich würde das Buch allerdings nur denjenigen weiterempfehlen, die auch wenigstens etwas Interesse an den physikalischen Zusammenhängen in der Welt haben. Sonst könnte das Buch passagenweise etwas langweilig werden.

Bewertung vom 04.06.2017
Ragdoll - Dein letzter Tag
Cole, Daniel

Ragdoll - Dein letzter Tag


gut

Auch wenn die Idee nicht neu ist, ein Killer, der eine Liste seiner nächsten Mordopfer veröffentlicht und am Ende sogar der Hauptermittler selber auf der Liste steht, wurde sie spannend umgesetzt.

Die Charaktere waren mir durchweg sympathisch. Ohne Klischees zu bedienen hatte jede Figur ihre eigenen Macken und persönliche Geschichte, die sie individuell gemacht haben. Mir hat vor allem die Interaktion zwischen den Figuren gefallen, da sie realistisch und unterhaltsam erschien. Ohne die Vorgeschichte zu kennen, hat man als Leser den Eindruck gewonnen, dass die Figuren schon einiges miteinander erlebt haben, was die Figuren noch lebhafter gemacht hat. Dies hatte allerdings auch einen kleinen Haken: dadurch dass die Figuren sich gegenseitig so gut kennen, wird man manchmal als Leser etwas außen vor gelassen, z.B. wenn eine Figur mit einem Namen erwähnt wird, der vorher noch nie erwähnt wurde und man erst mal rätseln muss, wer gemeint ist.

Auch der etwas konfuse Erzählstil hat mein Lesevergnügen etwas gemindert. Ständige Szenenwechsel, die an sich ja nicht schlecht sind, aber hier weiß man als Leser oft nicht, wo man gerade ist oder was überhaupt passiert ist. Da zusätzlich auch dauernd in der Zeit herumgesprungen wird, hab ich öfter den Überblick verloren und musste ganze Passagen mehrmals lesen, um zu verstehen, wann was passiert ist. An manchen Stellen war die Erzählung auch sehr vage, so dass ich mir nicht sicher war, was der Autor mir nun eigentlich sagen wollte.

Zum Schluss hat alles Sinn ergeben. Die Auflösung fand ich auch echt gut, weil es mal etwas anderes war. Doch der Weg dorthin war etwas beschwerlich.

Insgesamt ist dies ein spannender Thriller mit einer überraschenden Wendung, wenn man sich erst mal an den Erzählstil gewöhnt hat.

Bewertung vom 04.06.2017
Der letzte Überlebende
Pivnik, Sam

Der letzte Überlebende


ausgezeichnet

Mir fällt es schwer, dieses Buch zu rezensieren, weil ich keine Worte finde. Sam Pivnik schreibt hier über sein Leben und doch liest es sich wie eine unvorstellbare Horrorgeschichte. Eine Horrorgeschichte, die er über Jahre durchleben musste.

Die Lektüre des Buches ist mir teilweise sehr schwer gefallen, weil er sehr detailreich beschreibt, was ihm widerfahren ist. Aber auch wenn es schwer gefallen ist, fand ich es wichtig, dieses Buch zu lesen. Das Grauen des Dritten Reiches wird einem so noch einmal sehr viel näher gebracht. Und es ist so wichtig, dass nicht vergessen wird, was damals passiert ist.

Ich möchte dieses Buch jedem weiterempfehlen. Sam Pivnik hat so eine unfassbare Lebensgeschichte hinter sich, die sich kein Autor ausdenken könnte. Und das Schlimme daran: es ist alles wahr. Es darf nicht vergessen werden und darf sich niemals wiederholen.

Bewertung vom 27.05.2017
Die Zeit der Ruhelosen
Tuil, Karine

Die Zeit der Ruhelosen


sehr gut

"Die Zeit der Ruhelosen" wird aus drei Perspektiven geschrieben: der Offizier Romain Roller, der gerade zutiefst traumatisiert aus Afghanistan zurückgekommen ist, der erfolgreiche Unternehmer Francois Vely, dessen gesamtes Leben durch einen Faux-Pas vor dem Aus steht und Osman Diboula, der sich aus dem Pariser Problemviertel Banlieue hochgearbeitet hat und mittlerweile zum engsten Stab um den Präsidenten gehört. Doch auch seine Karriere ist gefährdet.
Jede dieser drei Figuren hat eine Vergangenheit, die sie stark geprägt hat. Und jede dieser Figuren muss sich nun durch Schicksalsschläge oder eigenem Unvermögen zurück in die Gesellschaft kämpfen und ihren Platz behaupten.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen, da ich die Charaktere gut ausgearbeitet fand und sie mir auch alle in ihrer eigenen Art und Weise sympathisch waren, so dass ich wirklich mit ihnen mitleiden konnte. Es war interessant zu sehen, wie sich die Geschichten der drei sich anfangs völlig fremden Charaktere im Laufe der Zeit immer weiter ineinander verwoben haben. Die Charaktere haben eine Entwicklung durchgemacht, die nachvollziehbar, aber dennoch nicht von Anfang an zu erwarten war. Diese Entwicklung erklärt auch die Länge des Buches. Für Leser, die viel Spannung und Handlung in einem Buch erwarten, könnten manche Passagen vielleicht langatmig sein, doch mir kam es nicht so vor, da mich so vielschichtige Charaktere, die sich stetig weiter entwickeln, interessieren.

Ich würde das Buch auf jeden Fall weiter empfehlen, aber nur an Leser, denen auch die Charaktere und nicht nur die Spannung in einem Buch wichtig sind.

Bewertung vom 24.05.2017
Betrunkene Bäume
Dorian, Ada

Betrunkene Bäume


ausgezeichnet

Erich ist jemand, der die Bäume liebt. So sehr, dass er mit seinen 80 Jahren immer noch nicht aufhören kann mit seinen Forschungsarbeiten. Als junger Mann war er in Sibirien unterwegs, um die Bäume zu erforschen, dem Phänomen der betrunkenen Bäume auf der Spur. Damals hat er etwas getan, wofür er sich immer noch schuldig fühlt und was ihn daran hindert, dorthin zurück zu gehen, noch nicht mal seiner Frau zuliebe, die schon vor Jahren zurück in ihre russische Heimat gezogen ist.
Mittlerweile lebt er fast vereinsamt in seiner heruntergekommenen Wohnung und muss lernen zu akzeptieren, dass er durch sein Alter nicht mehr so unabhängig ist, wie er gerne sein möchte. Erst durch Katharina, einem Mädchen, das von zuhause ausgerissen ist und in die leerstehende Wohnung ihm gegenüber zieht, gelingt es ihm, sich zu öffnen und wieder jemanden in sein Leben zu lassen.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Es ist eine warmherzige Geschichte, die so schön beschrieben wird, dass man die Wärme, die zwischen den auf den ersten Blick so kühlen Charakteren wächst, spüren kann. Mir hat es sehr gefallen, dass die Geschichte nicht chronologisch erzählt wird, sondern dass es zwei Erzählstränge gibt, die Gegenwart und die Vergangenheit, die sich miteinander abwechseln. So erfährt man nach und nach mehr über die Charaktere und deren Vergangenheit, wodurch man ihr Verhalten in der Gegenwart allmählich immer besser verstehen kann.

Die Charaktere sind wirklich einzigartig. Besonders Erich ist ein sehr interessanter Charakter, den man wahrscheinlich bis zum Schluss nicht ganz ergründen kann. Er liebt die Natur so sehr, dass er in seinem Schlafzimmer unter echten Bäumen schläft. So jemand bleibt einem einfach im Gedächtnis. Ich bin froh darüber, dass ich ihn ein kleines Stückchen auf seinem Weg begleiten durfte.

Bewertung vom 15.05.2017
Das Buch der Spiegel
Chirovici, E. O.

Das Buch der Spiegel


ausgezeichnet

Ich bin wirklich begeistert von diesem Buch. Es fing schon sehr interessant und ungewöhnlich an, nämlich mit dem Anschreiben und den ersten Kapiteln eines Manuskripts. Der Autor des Manuskripts behauptet, über ein echtes Verbrechen zu schreiben, in das er selber zum Teil verwickelt war. Vor kurzem hat er neue Erkenntnisse gewonnen, wodurch er sich dazu gezwungen sieht, die Erlebnisse aufzuschreiben und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, da er es nicht länger für sich behalten kann.

Dieses Manuskript macht sehr schnell Lust auf mehr. Als das Manuskript plötzlich abbricht, möchte man am liebsten sofort weiterlesen, um herauszufinden, wie es weitergeht. Doch das Problem ist: der Autor ist mittlerweile verstorben und der Rest des Manuskripts verschollen. Also macht sich der Literaturagent Peter Katz selber auf die Suche, weil er das Buch unbedingt verlegen möchte.

Diese Idee für einen Buchanfang finde ich wirklich genial. Es ist für einen Leser eine ganz neue Situation, denn normalerweise weiß man ja, dass man ein vollständiges Buch kauft. Doch in diesem Fall ist bis kurz vor Schluss nicht sicher, wohin die Reise überhaupt geht und wie viel man vom eigentlichen Manuskript erfahren wird. Das fand ich als Leser besonders spannend und reizvoll.

Das Buch ist insgesamt in drei Teile gegliedert. Jeder Teil wird aus der Sicht eines anderen Charakters erzählt, der seine eigenen Nachforschungen bezüglich des Manuskripts angestellt hat. Als Leser rätselt man mit, denn zum Schluss muss ja alles irgendwie zusammenpassen, oder nicht?

Warum das Buch diesen Titel hat - "Das Buch der Spiegel" - kommt erst kurz vor Schluss ans Licht. Doch die Auflösung ist wirklich genial und passt perfekt zu diesem Buch.

Bewertung vom 15.05.2017
Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster
Pásztor, Susann

Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster


sehr gut

Anhand des Klappentextes hätte ich erwartet, dass dies ein Buch ist, in dem der Tod im Mittelpunkt steht. Fred Wiener hat erst vor kurzem seine Ausbildung zum ehrenamtlichen Sterbebegleiter abgeschlossen und wird nun mit seinem ersten Fall beauftragt: Karla. Sie hat nur noch wenige Monate zu leben und möchte diese nicht in einem Krankenhaus verbringen. Sie ist sich selber unsicher, ob sie einen Sterbebegleiter überhaupt braucht und verhält sich daher Fred Wiener auch erst mal distanziert. Ich kann mir vorstellen, dass diese Beziehung zwischen den beiden ziemlich realistisch geschrieben ist.

Doch eigentlich steht Karla nicht im Mittelpunkt des Buches. Es ist Fred und seine Beziehung zu seinem Sohn Phil, die durch diesen intensiven Lebensabschnitt, den sie gemeinsam durchleben, wieder mehr zusammenwächst. Durch seinen Job, den Phil bei Karla übernimmt, nämlich die Archivierung ihrer riesigen Fotosammlung, bekommt er zum ersten Mal einen Eindruck darüber, was es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen. Nicht nur für die Ausübung des Jobs, sondern auch für Karla, zu der er ein inniges Verhältnis aufbaut. Und man kann sehen, wie gut ihm das tut und wie er an dieser Erfahrung wächst.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Es ist sehr gefühlvoll geschrieben und doch möchte man an einigen Stellen loslachen aufgrund Karlas schrägen Sinn für Humor oder Freds zeitweise hilfloser tollpatschiger Art. Ich finde, der Autor hat hier eine sehr gute Mischung gefunden. Es wirkt alles sehr realistisch, ist nicht überzogen oder überdramatisch.

Einen Stern muss ich leider abziehen, weil ich das Buch insgesamt nicht ganz rund fand. Es wurden ein paar Sachen aus Karlas Leben aufgeworfen, die nicht wirklich zu Ende erzählt wurden. Über manche Dinge hätte ich gerne noch mehr erfahren. Doch wahrscheinlich hätte dies auch nicht anders zu Karla gepasst.

Insgesamt ist es ein sehr schönes, gefühlvolles Buch, das ich auf jeden Fall weiterempfehlen würde.

Bewertung vom 05.03.2017
Der Jahrhunderttraum
Dübell, Richard

Der Jahrhunderttraum


ausgezeichnet

Ich habe die Familie von Briest schon durch den Jahrhundertsturm begleitet und war daher sehr neugierig darauf, wie es mit ihr im Jahrhunderttraum weitergehen würde.

Im Jahrhunderttraum spielen der Sohn und die Enkel von Paul und Louise, um die es im Jahrhundertsturm ging, die Hauptrolle. Paul und Louise sterben am Anfang des Buches in einem Zugunglück. Die Familie ist nicht davon überzeugt, dass es sich dabei wirklich um einen Unfall oder vielleicht doch um Manipulation gehandelt hat und stellt Nachforschungen an. Für Levin von Briest dreht sich hingegen die Welt um den Traum vom Fliegen, nachdem er Otto von Lilienthal bei einem seiner Versuche mit dem Gleiter beobachten durfte.

Im Jahrhunderttraum geht es hauptsächlich um diesen Traum vom Fliegen, auch wenn viele andere Themen der Zeit um 1900 aufgegriffen werden. Das ist auch einer der Gründe, warum ich Richard Dübells historische Romane so gerne mag. Er hat ein unglaubliches Talent, fiktive Personen zu erschaffen und diese auf historische Personen treffen zu lassen. So taucht man als Leser wirklich tief ein in die deutsche Geschichte. Im Jahrhundertsturm war dies hauptsächlich Otto von Bismarck, während es hier nun Otto von Lilienthal und Graf von Zeppelin sind, mit denen man als Leser einige Zeit verbringen darf.

Man merkt, dass Dübell sehr viel recherchiert und ein riesiges Wissen über diese Zeit besitzt. So streut er immer wieder kleine Details ein, die die Handlung so real werden lassen, z.B. erwähnt er nebenbei, dass in Berlin im Jahr 1900 die Post sechsmal am Tag ausgetragen wurde. Diese kleinen Details machen es aus, dass die Geschichte für den Leser real wird.

Am Ende des Buches gibt es ein Nachwort, in dem Dübell einige historisch wichtige Ereignisse und Personen noch mal aufgreift und erklärt, wie viel davon in seinem Roman Wahrheit und was Fiktion war, was sehr hilfreich ist, wenn man (so wie ich) sich darüber Gedanken macht, inwieweit die Handlung des Romans mit der Realität übereinstimmt.

Was mir außerdem sehr gut gefallen hat, ist, dass die Rolle der Frauen nicht zu kurz gekommen ist. Besonders Anthonie von Briest kämpft für die Rechte der Frauen aller Gesellschaftsschichten und muss mit den Konsequenzen leben, die dies für ihre gesamte Familie bedeutet.

Insgesamt ist der Jahrhunderttraum ein sehr gelungener historischer Roman über die Zeit um 1900, in der die ersten Luftschiffe konstruiert wurden und der Traum der Menschen vom Fliegen langsam real wird. Aufgrund der Detailtreue würde ich das Buch jedem Fan historischer Romane empfehlen. Mir hat es wirklich sehr gut gefallen und ich hoffe, dass es noch mehr Teile der Familiensaga geben wird.