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"Wir stehen dauernd zwischen Entsetzen und Angst", schreibt Walter Zweig 1937 an seinen Vater, als er von seiner endgültigen Löschung aus der Anwaltsliste erfährt. Ihm und seiner Familie bleiben nur die Flucht vor den Nazis und die Auswanderung nach Kenia. Der Abschied und die Zerstörung aller Hoffnung reißen tiefe Wunden. Dennoch wird die Zeit in Afrika für seine Tochter Stefanie mit die glücklichste in ihrem Leben. Raffiniert montiert Stefanie Zweig Briefe von verschiedenen Absendern und erzählt eindrucksvoll die Geschichte ihrer Kindheit und Jugend. Atmosphärisch dicht verwebt sie…mehr

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  • Größe: 3.93MB
Produktbeschreibung
"Wir stehen dauernd zwischen Entsetzen und Angst", schreibt Walter Zweig 1937 an seinen Vater, als er von seiner endgültigen Löschung aus der Anwaltsliste erfährt. Ihm und seiner Familie bleiben nur die Flucht vor den Nazis und die Auswanderung nach Kenia. Der Abschied und die Zerstörung aller Hoffnung reißen tiefe Wunden. Dennoch wird die Zeit in Afrika für seine Tochter Stefanie mit die glücklichste in ihrem Leben. Raffiniert montiert Stefanie Zweig Briefe von verschiedenen Absendern und erzählt eindrucksvoll die Geschichte ihrer Kindheit und Jugend. Atmosphärisch dicht verwebt sie Zeitgeschichte mit den prägenden Erlebnissen in Afrika und dem Schicksal ihrer Familie.

Dieser Download kann aus rechtlichen Gründen nur mit Rechnungsadresse in A, B, BG, CY, CZ, D, DK, EW, E, FIN, F, GB, GR, HR, H, IRL, I, LT, L, LR, M, NL, PL, P, R, S, SLO, SK ausgeliefert werden.

  • Produktdetails
  • Verlag: Langen - Mueller Verlag
  • Seitenzahl: 368
  • Erscheinungstermin: 06.09.2012
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783784481296
  • Artikelnr.: 37490269
Autorenporträt
Stefanie Zweig wurde 1932 in Leobschütz in Oberschlesien geboren, 1938 musste die Familie vor dem Terror der Nationalsozialisten fliehen und emigrierte nach Kenia. 1947 kehrte die Familie nach Deutschland zurück. Stefanie Zweig arbeitete als Journalistin und leitete 30 Jahre lang das Feuilleton einer Frankfurter Tageszeitung. 1995 erschien ihr autobiografischer Roman "Nirgendwo in Afrika", der zum Bestseller wurde und in der großartigen Verfilmung von Caroline Link 2003 den Oscar als bester fremdsprachiger Film gewann. Stefanie Zweig lebt in Frankfurt am Main. Stefanie Zweig wurde 1932 in Leobschütz in Oberschlesien geboren, 1938 musste die Familie vor dem Terror der Nationalsozialisten fliehen und emigrierte nach Kenia. 1947 kehrte die Familie nach Deutschland zurück. Stefanie Zweig arbeitete als Journalistin und leitete 30 Jahre lang das Feuilleton einer Frankfurter Tageszeitung. 1995 erschien ihr autobiografischer Roman "Nirgendwo in Afrika", der zum Bestseller wurde und in der großartigen Verfilmung von Caroline Link 2003 den Oscar als bester fremdsprachiger Film gewann. Stefanie Zweig lebt in Frankfurt am Main.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 16.09.2012

Noch einmal zurück nach Afrika
Die Schriftstellerin Stefanie Zweig wird achtzig und legt eine Biographie in Briefform vor. Die Liebe zur Literatur entstand im Internat

VON HANS RIEBSAMEN

Am Ende ihrer späten, aber umso glanzvolleren Karriere als Schriftstellerin hat Stefanie Zweig noch einmal ihre ganze Familie nebst Freunden, Dienstpersonal und Haustieren um sich versammelt. In ihrem neuen Buch mit dem Titel "Nirgendwo war Heimat", das pünktlich zu ihrem 80. Geburtstag am 19. September erscheint, begegnet ihre Lesergemeinde wieder all jenen alten Bekannten, die sie in Zweigs Welt-Bestseller "Nirgendwo in Afrika" und einem halben Dutzend weiterer Romane aus der Feder der Frankfurter Autorin kennengelernt hat.

Postum kommt in Zweigs neuem Werk ihr heiß geliebter Vater Walter Zweig noch einmal ausführlich zu Wort, der mit Frau und Tochter den späteren Mördern seines Vaters, seiner Schwester, der Schwiegermutter und einer Schwägerin gerade noch ins Exil nach Kenia entkommen ist und dennoch auf der Farm in Afrika und später als Soldat der englischen Armee unentwegt von einer Rückkehr in ein von den Nazis befreites Deutschland träumt. Wir hören ihre kapriziöse Mutter Jettel unschuldig erklären, dass der von ihrem schon in Mombasa schwitzenden Ehemann dringend angeforderte Eisschrank in Deutschland nicht zu bekommen sei und sie sich deshalb mit dem Geld ein Abendkleid gekauft habe.

Stefanie Zweig schenkt ihrem Publikum eine Wiederbegegnung mit dem treuen Familienfreund Josef Greschek, der den jüdischen Exilanten in Kenia berichtet, daheim in Leobschütz erzählten sich die Leute, der Herr Doktor Zweig sei von einem Löwen gefressen und die Frau Doktor von einem Neger mit einer Keule erschlagen worden. Noch einmal singt der von der kleinen Steffi und ihren Eltern so ins Herz geschlossene schwarze Koch Owuor auf der Farm Ol' Joro Orok das ihm von Walter Zweig beigebrachte Lied "Ich hab' mein Herz in Heidelberg verloren". Und auch der Hund Rummler, benannt nach einem Obernazi im oberschlesischen Leobschütz, darf siebzig Jahre später noch einmal stinken und furzen.

Zur Buchmesse im vergangenen Jahr hat Stefanie Zweig den vierten und letzten Teil ihrer Rothschildallee-Saga vorgelegt, der vom Glück und vom Unglück der Frankfurter jüdischen Familie Sternberg handelt. Es hätte durchaus ihr letzter Roman sein können, schließlich war die Autorin damals schon 79 Jahre alt. Doch Stefanie Zweig, diese disziplinierte Arbeiterin, die ihr Leben lang nichts anderes getan hat, als Worte aneinanderzureihen und aus ihnen Geschichten zu formen, hat sich noch einmal an ihren Schreibtisch in ihrem Haus an der Rothschildallee gesetzt. Herausgekommen ist ihre und ihrer Familie Biographie. Eine Biographie in Briefform.

Briefe waren das wichtigste Kommunikationsmittel jenes Jahrhunderts, das Stefanie Zweig in "Nirgendwo war Heimat" vor unseren Augen abrollen lässt. Als sie 1932 in Leobschütz zur Welt kam, konnte man sich nicht einfach mal anrufen oder ins Auto steigen und jemanden besuchen. Ein Privattelefon besaßen nur reiche Leute in den Großstädten. In Afrika, wo die kleine Steffi auf einer gottverlassenen Farm aufwuchs, waren jene fünfzig Kilometer zwischen Ol' Joro Orok und ihrem Internat am Nakurusee nicht mit dem elektrischen Draht überbrückt. Diese für unsere heutigen Verhältnisse geringe Distanz stellte für die Zweigs eine kleine Weltreise dar. Ein Nachbarfarmer, der ein klappriges Auto sein Eigen nannte, nahm Steffi freundlicherweise am Ende der Ferien immer mit, wenn er seine Tochter in der Nakuru-School ablieferte. Den Kontakt mit ihren Eltern, mit ihrer Tante in Amerika, mit Freundinnen und Bekannten, hat die "treue Tochter" Stefanie schriftlich gehalten.

Briefe waren für die Zweigs in ihrem Exil ein Überlebensmittel, ihr Nabel zur Welt. Wochen, manchmal sogar Monate konnte es dauern, bis ein Brief etwa aus Breslau eintraf, wo die Mutter Jettels und eine Schwester dem Furor der nationalsozialistischen Verfolger - am Ende vergebens - zu entgehen versuchten. Es war denn auch jedes Mal ein Festtag, wenn Post von Tante Suse Klein aus New York, vom guten Greschek aus Deutschland oder von Oscar Hahn von dessen Farm im kenianischen Gilgil eintraf. Diese Briefe haben die Flüchtlinge auf Ol' Joro Orok und später in ihrem Hotel in Nairobi wieder und wieder gelesen, wochenlang haben sie von solchen Lebenszeichen der Verwandten und Freunde gezehrt.

Dies ist der Grund dafür, dass Stefanie Zweig jene Briefe, die im Laufe der Jahre verloren gegangen sind, für ihr neues Buch aus dem Gedächtnis rekonstruieren konnte. Sehr viele vermochten sie und ihre Eltern freilich über die Zeit retten. Diese Briefe wie auch amtliche Schreiben, Telegramme und Ausschnitte aus den damaligen Tagebüchern der Autorin bilden die Geschichte der Familie Zweig von der Geburt der Tochter Stefanie Regina bis zur Rückkehr Steffis aus Zürich ab, wo sie als halb verhungerte Schülerin im Sommer 1948 drei Monate lang von der reichen und vornehmen Familie Guggenheim aufgepäppelt wurde.

Stefanie Zweig ist viel mehr als nur die Autorin von "Nirgendwo in Afrika", ihrem ersten Roman für Erwachsene, den sie vor zwei Jahrzehnten verfasst hat und der mit einer verkauften Auflage von mehr als sechs Millionen Exemplaren und Übersetzungen in zahlreiche Sprachen sowie einer mit einem Oscar preisgekrönten Verfilmung einen sensationellen Erfolg hatte. Sie hat danach einen Roman nach dem anderen geschrieben. Alle diese Bücher handeln vom Schicksal jüdischer Deutscher, ob diese nun wie in den weitgehend autobiographischen Romanen in Afrika gestrandet sind und später in den Trümmern Frankfurts ihre zertrümmerte Existenz wieder aufzubauen versuchen oder ob sie in Zweigs fiktiven Stoffen wie der Rothschildallee-Saga zuerst zu Wohlstand und Ansehen kommen, um dann von den Zeitläuften böse durchgeschüttelt zu werden.

Schon vor ihrer Schriftstellerkarriere war Stefanie Zweig als Journalistin und Theater- und Kulturkritikerin eine äußerst produktive Schreiberin. Ihr Handwerk hat sie in Düsseldorf bei der "Jüdischen Allgemeinen" gelernt, ihre Meriten verdiente sie danach bei der "Abendpost-Nachtausgabe", einer qualitätsvollen Frankfurter Boulevardzeitung, als deren Feuilletonchefin sie viele Jahre wirkte. Ihre Tätigkeit dort als Redakteurin sollte die erfüllteste Zeit ihres Lebens werden. Berühmt waren ihre kleinen Glossen, in denen sie über Alltagsereignisse und Begegnungen sinnierte. Tag für Tag verfasste sie einen solchen mit einer gehörigen Portion Humor gewürzten Text, den viele Leser ausschnitten und an Bekannte verschickten. Noch heute versüßt sie den Lesern der "Frankfurter Neuen Presse" einmal in der Woche mit einem solchen launigen Sprachkunstwerk das Leben.

Man mag gar nicht recht glauben, dass für die so stilsichere Stefanie Zweig Deutsch eine Fremdsprache gewesen ist. Die Nakuru-School, wo sie ihre Schullaufbahn begann, war eine englische Schule, weshalb die junge Steffi gezwungen war, sich diese Sprache schnellsten anzueignen. Englisch wurde schnell ihre Muttersprache, ihr Deutsch verlernte sie zusehends. Ihre wöchentlichen Briefe an Vater und Mutter schrieb sie in Englisch, die Eltern, die diese Sprache schlecht verstanden, mussten die Botschaften von ihrer Tochter immer von Bekannten auf einer Nachbarfarm übersetzen lassen.

Als die Familie Zweig im April 1947 in Frankfurt eintrifft, wo der Vater eine Stelle als Richter antritt, kann die Tochter sich wegen ihres miserablen Deutschs kaum verständigen. Die Schule fällt ihr deswegen schwer. Goethe und Schiller kennt sie nicht, ihre literarischen Heroen sind die englischen Klassiker. Sie wundert sich, dass bei ihrem Aufenthalt bei den Guggenheims in der Schweiz der Lehrer in der Schule sie immer vorlesen lässt, auf dass die Schweizer Mitschüler einmal hörten, was richtiges Hochdeutsch sei. In Wirklichkeit hat sie damals noch einen starken englischen Akzent. Ihre Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache verschwinden erst beim Schreiben und Redigieren in der kleinen Redaktion der "Jüdischen Allgemeinen". Plötzlich merkt Stefanie Zweig, wie schön und klar sie in der neuen alten Sprache formulieren kann.

Stefanie war schon als Kind mit den Härten des Lebens in einer extremen Weise konfrontiert, als Sechsjährige wusste sie beispielsweise genau, was ein KZ war. Die Schule erschien ihr, die sie immer hervorragende Noten bekam, als ein Vorhof zur Hölle. Sie litt unter der Trennung von ihren Eltern und von der Farm, die ihr Heimat geworden war.

Aus ihren Briefen spricht eine Reife, wie sie Jugendliche ihres Alters normalerweise nicht besitzen. Ihre Liebe zur Literatur hat sie im Internat entdeckt, sie verschlang alle Bücher, derer sie habhaft werden konnte, und lernte englische Gedichte reihenweise auswendig. Auf diese Schulung ihres Gedächtnisses führt die Schriftstellerin zurück, dass ihr die Begebenheiten, Namen, Orte ihres früheren Lebens noch immer so lebhaft vor Augen stehen. "Ich schreibe nur über das, was ich kenne", sagt Stefanie Zweig. Dieses kann nicht wenig sein, denn es füllt mittlerweile schon ein Dutzend Bücher.

Ihre außergewöhnliche Geschichte als Kind jüdischer Emigranten in Kenia und ihr Erwachsenwerden als junge Jüdin im Land ihrer früheren Verfolger ist das Kapital der Schriftstellerin Stefanie Zweig. Im Nachhinein können sie und ihre Leserschaft froh darüber sein, dass die "Abendpost-Nachtausgabe" 1988 eingestellt wurde.

Erst danach hat sich die damals fast 60 Jahre alte Journalistin Zweig dazu entschlossen, Schriftstellerin zu werden und ihr angesammeltes Lebenskapital literarisch zu verwerten. Jahr für Jahr wirft dieses ihr Kapital nun reiche Zinsen ab in Form von spannend geschriebenen Büchern. Ihr neues Werk, die Familienzusammenführung in Briefen, ist ihr besonders gut gelungen. Möge es nicht ihr letztes sein.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Noch einmal zurück nach Afrika
Die Schriftstellerin Stefanie Zweig wird achtzig und legt eine Biographie in Briefform vor. Die Liebe zur Literatur entstand im Internat

VON HANS RIEBSAMEN

Am Ende ihrer späten, aber umso glanzvolleren Karriere als Schriftstellerin hat Stefanie Zweig noch einmal ihre ganze Familie nebst Freunden, Dienstpersonal und Haustieren um sich versammelt. In ihrem neuen Buch mit dem Titel "Nirgendwo war Heimat", das pünktlich zu ihrem 80. Geburtstag am 19. September erscheint, begegnet ihre Lesergemeinde wieder all jenen alten Bekannten, die sie in Zweigs Welt-Bestseller "Nirgendwo in Afrika" und einem halben Dutzend weiterer Romane aus der Feder der Frankfurter Autorin kennengelernt hat.

Postum kommt in Zweigs neuem Werk ihr heiß geliebter Vater Walter Zweig noch einmal ausführlich zu Wort, der mit Frau und Tochter den späteren Mördern seines Vaters, seiner Schwester, der Schwiegermutter und einer Schwägerin gerade noch ins Exil nach Kenia entkommen ist und dennoch auf der Farm in Afrika und später als Soldat der englischen Armee unentwegt von einer Rückkehr in ein von den Nazis befreites Deutschland träumt. Wir hören ihre kapriziöse Mutter Jettel unschuldig erklären, dass der von ihrem schon in Mombasa schwitzenden Ehemann dringend angeforderte Eisschrank in Deutschland nicht zu bekommen sei und sie sich deshalb mit dem Geld ein Abendkleid gekauft habe.

Stefanie Zweig schenkt ihrem Publikum eine Wiederbegegnung mit dem treuen Familienfreund Josef Greschek, der den jüdischen Exilanten in Kenia berichtet, daheim in Leobschütz erzählten sich die Leute, der Herr Doktor Zweig sei von einem Löwen gefressen und die Frau Doktor von einem Neger mit einer Keule erschlagen worden. Noch einmal singt der von der kleinen Steffi und ihren Eltern so ins Herz geschlossene schwarze Koch Owuor auf der Farm Ol' Joro Orok das ihm von Walter Zweig beigebrachte Lied "Ich hab' mein Herz in Heidelberg verloren". Und auch der Hund Rummler, benannt nach einem Obernazi im oberschlesischen Leobschütz, darf siebzig Jahre später noch einmal stinken und furzen.

Zur Buchmesse im vergangenen Jahr hat Stefanie Zweig den vierten und letzten Teil ihrer Rothschildallee-Saga vorgelegt, der vom Glück und vom Unglück der Frankfurter jüdischen Familie Sternberg handelt. Es hätte durchaus ihr letzter Roman sein können, schließlich war die Autorin damals schon 79 Jahre alt. Doch Stefanie Zweig, diese disziplinierte Arbeiterin, die ihr Leben lang nichts anderes getan hat, als Worte aneinanderzureihen und aus ihnen Geschichten zu formen, hat sich noch einmal an ihren Schreibtisch in ihrem Haus an der Rothschildallee gesetzt. Herausgekommen ist ihre und ihrer Familie Biographie. Eine Biographie in Briefform.

Briefe waren das wichtigste Kommunikationsmittel jenes Jahrhunderts, das Stefanie Zweig in "Nirgendwo war Heimat" vor unseren Augen abrollen lässt. Als sie 1932 in Leobschütz zur Welt kam, konnte man sich nicht einfach mal anrufen oder ins Auto steigen und jemanden besuchen. Ein Privattelefon besaßen nur reiche Leute in den Großstädten. In Afrika, wo die kleine Steffi auf einer gottverlassenen Farm aufwuchs, waren jene fünfzig Kilometer zwischen Ol' Joro Orok und ihrem Internat am Nakurusee nicht mit dem elektrischen Draht überbrückt. Diese für unsere heutigen Verhältnisse geringe Distanz stellte für die Zweigs eine kleine Weltreise dar. Ein Nachbarfarmer, der ein klappriges Auto sein Eigen nannte, nahm Steffi freundlicherweise am Ende der Ferien immer mit, wenn er seine Tochter in der Nakuru-School ablieferte. Den Kontakt mit ihren Eltern, mit ihrer Tante in Amerika, mit Freundinnen und Bekannten, hat die "treue Tochter" Stefanie schriftlich gehalten.

Briefe waren für die Zweigs in ihrem Exil ein Überlebensmittel, ihr Nabel zur Welt. Wochen, manchmal sogar Monate konnte es dauern, bis ein Brief etwa aus Breslau eintraf, wo die Mutter Jettels und eine Schwester dem Furor der nationalsozialistischen Verfolger - am Ende vergebens - zu entgehen versuchten. Es war denn auch jedes Mal ein Festtag, wenn Post von Tante Suse Klein aus New York, vom guten Greschek aus Deutschland oder von Oscar Hahn von dessen Farm im kenianischen Gilgil eintraf. Diese Briefe haben die Flüchtlinge auf Ol' Joro Orok und später in ihrem Hotel in Nairobi wieder und wieder gelesen, wochenlang haben sie von solchen Lebenszeichen der Verwandten und Freunde gezehrt.

Dies ist der Grund dafür, dass Stefanie Zweig jene Briefe, die im Laufe der Jahre verloren gegangen sind, für ihr neues Buch aus dem Gedächtnis rekonstruieren konnte. Sehr viele vermochten sie und ihre Eltern freilich über die Zeit retten. Diese Briefe wie auch amtliche Schreiben, Telegramme und Ausschnitte aus den damaligen Tagebüchern der Autorin bilden die Geschichte der Familie Zweig von der Geburt der Tochter Stefanie Regina bis zur Rückkehr Steffis aus Zürich ab, wo sie als halb verhungerte Schülerin im Sommer 1948 drei Monate lang von der reichen und vornehmen Familie Guggenheim aufgepäppelt wurde.

Stefanie Zweig ist viel mehr als nur die Autorin von "Nirgendwo in Afrika", ihrem ersten Roman für Erwachsene, den sie vor zwei Jahrzehnten verfasst hat und der mit einer verkauften Auflage von mehr als sechs Millionen Exemplaren und Übersetzungen in zahlreiche Sprachen sowie einer mit einem Oscar preisgekrönten Verfilmung einen sensationellen Erfolg hatte. Sie hat danach einen Roman nach dem anderen geschrieben. Alle diese Bücher handeln vom Schicksal jüdischer Deutscher, ob diese nun wie in den weitgehend autobiographischen Romanen in Afrika gestrandet sind und später in den Trümmern Frankfurts ihre zertrümmerte Existenz wieder aufzubauen versuchen oder ob sie in Zweigs fiktiven Stoffen wie der Rothschildallee-Saga zuerst zu Wohlstand und Ansehen kommen, um dann von den Zeitläuften böse durchgeschüttelt zu werden.

Schon vor ihrer Schriftstellerkarriere war Stefanie Zweig als Journalistin und Theater- und Kulturkritikerin eine äußerst produktive Schreiberin. Ihr Handwerk hat sie in Düsseldorf bei der "Jüdischen Allgemeinen" gelernt, ihre Meriten verdiente sie danach bei der "Abendpost-Nachtausgabe", einer qualitätsvollen Frankfurter Boulevardzeitung, als deren Feuilletonchefin sie viele Jahre wirkte. Ihre Tätigkeit dort als Redakteurin sollte die erfüllteste Zeit ihres Lebens werden. Berühmt waren ihre kleinen Glossen, in denen sie über Alltagsereignisse und Begegnungen sinnierte. Tag für Tag verfasste sie einen solchen mit einer gehörigen Portion Humor gewürzten Text, den viele Leser ausschnitten und an Bekannte verschickten. Noch heute versüßt sie den Lesern der "Frankfurter Neuen Presse" einmal in der Woche mit einem solchen launigen Sprachkunstwerk das Leben.

Man mag gar nicht recht glauben, dass für die so stilsichere Stefanie Zweig Deutsch eine Fremdsprache gewesen ist. Die Nakuru-School, wo sie ihre Schullaufbahn begann, war eine englische Schule, weshalb die junge Steffi gezwungen war, sich diese Sprache schnellsten anzueignen. Englisch wurde schnell ihre Muttersprache, ihr Deutsch verlernte sie zusehends. Ihre wöchentlichen Briefe an Vater und Mutter schrieb sie in Englisch, die Eltern, die diese Sprache schlecht verstanden, mussten die Botschaften von ihrer Tochter immer von Bekannten auf einer Nachbarfarm übersetzen lassen.

Als die Familie Zweig im April 1947 in Frankfurt eintrifft, wo der Vater eine Stelle als Richter antritt, kann die Tochter sich wegen ihres miserablen Deutschs kaum verständigen. Die Schule fällt ihr deswegen schwer. Goethe und Schiller kennt sie nicht, ihre literarischen Heroen sind die englischen Klassiker. Sie wundert sich, dass bei ihrem Aufenthalt bei den Guggenheims in der Schweiz der Lehrer in der Schule sie immer vorlesen lässt, auf dass die Schweizer Mitschüler einmal hörten, was richtiges Hochdeutsch sei. In Wirklichkeit hat sie damals noch einen starken englischen Akzent. Ihre Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache verschwinden erst beim Schreiben und Redigieren in der kleinen Redaktion der "Jüdischen Allgemeinen". Plötzlich merkt Stefanie Zweig, wie schön und klar sie in der neuen alten Sprache formulieren kann.

Stefanie war schon als Kind mit den Härten des Lebens in einer extremen Weise konfrontiert, als Sechsjährige wusste sie beispielsweise genau, was ein KZ war. Die Schule erschien ihr, die sie immer hervorragende Noten bekam, als ein Vorhof zur Hölle. Sie litt unter der Trennung von ihren Eltern und von der Farm, die ihr Heimat geworden war.

Aus ihren Briefen spricht eine Reife, wie sie Jugendliche ihres Alters normalerweise nicht besitzen. Ihre Liebe zur Literatur hat sie im Internat entdeckt, sie verschlang alle Bücher, derer sie habhaft werden konnte, und lernte englische Gedichte reihenweise auswendig. Auf diese Schulung ihres Gedächtnisses führt die Schriftstellerin zurück, dass ihr die Begebenheiten, Namen, Orte ihres früheren Lebens noch immer so lebhaft vor Augen stehen. "Ich schreibe nur über das, was ich kenne", sagt Stefanie Zweig. Dieses kann nicht wenig sein, denn es füllt mittlerweile schon ein Dutzend Bücher.

Ihre außergewöhnliche Geschichte als Kind jüdischer Emigranten in Kenia und ihr Erwachsenwerden als junge Jüdin im Land ihrer früheren Verfolger ist das Kapital der Schriftstellerin Stefanie Zweig. Im Nachhinein können sie und ihre Leserschaft froh darüber sein, dass die "Abendpost-Nachtausgabe" 1988 eingestellt wurde.

Erst danach hat sich die damals fast 60 Jahre alte Journalistin Zweig dazu entschlossen, Schriftstellerin zu werden und ihr angesammeltes Lebenskapital literarisch zu verwerten. Jahr für Jahr wirft dieses ihr Kapital nun reiche Zinsen ab in Form von spannend geschriebenen Büchern. Ihr neues Werk, die Familienzusammenführung in Briefen, ist ihr besonders gut gelungen. Möge es nicht ihr letztes sein.

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