Frank Zappa in eigenen Worten - Zappa, Frank
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    Broschiertes Buch

Bereits vor seinem Tod im Dezemnber 1993 war Frank Zappa eine Rocklegende. Dreißg jahre lang war er einer der wichtigsten Innovatoren der Rockmusik. Als hintergründiger Satiriker wurde er zudem zum provozierenden Chronisten seiner Zeit und Sprachrohr einer subversiven Gegenkultur. In diesem Buch kommt Frank Zappa erstmals ausführlich selbst zu Wort. Es enthält seine wichtigsten Äußerungen aus über einhundert Interviews und Privatgesprächen. Dadurch entsteht ein einmaliges Portrait über sein Leben und seine Musik. Das Buch enthält zusätzlich teilweise bislang unveröffentlichte Photos.…mehr

Produktbeschreibung
Bereits vor seinem Tod im Dezemnber 1993 war Frank Zappa eine Rocklegende. Dreißg jahre lang war er einer der wichtigsten Innovatoren der Rockmusik. Als hintergründiger Satiriker wurde er zudem zum provozierenden Chronisten seiner Zeit und Sprachrohr einer subversiven Gegenkultur.
In diesem Buch kommt Frank Zappa erstmals ausführlich selbst zu Wort. Es enthält seine wichtigsten Äußerungen aus über einhundert Interviews und Privatgesprächen. Dadurch entsteht ein einmaliges Portrait über sein Leben und seine Musik. Das Buch enthält zusätzlich teilweise bislang unveröffentlichte Photos.
  • Produktdetails
  • Verlag: Palmyra
  • Originaltitel: Frank Zappa in his own words
  • Seitenzahl: 125
  • Deutsch
  • Abmessung: 191mm x 127mm x 13mm
  • Gewicht: 165g
  • ISBN-13: 9783930378548
  • ISBN-10: 393037854X
  • Artikelnr.: 12507204
Autorenporträt
Barry Miles, geboren 1943 in Cirencester, England, ist einer der profiliertesten englischen Musikjournalisten. In den Sechzigern war er Mitbesitzer der Londoner Indica Gallery, wodurch er viele Stars der Londoner Szene kennen lernte. Er hat unter anderem die Biografien von Paul McCartney, The Beatles, William Burroughs, Jack Kerouac, Frank Zappa, Charles Bukowski und Allen Ginsberg geschrieben.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 28.11.2005

Eine Provokation, die Gitarre spielte
Er las nichts, schaute aber gern exzessiv Horrorfilme: Barry Miles' Biographie über Frank Zappa

Frankfurt am Main, Alte Oper, Mitte September 1993: Das Ensemble Modern führt Frank Zappas avantgardistische Komposition "The Yellow shark" auf - musikalische Kost, die den Rockfan sonst eher die Schultern zucken läßt. Zur mittleren der drei Shows kommt Zappa, vom Krebs bereits schwer gezeichnet, nicht mehr auf die Bühne. Als der Ansager dies verkündet, durchschneidet die lähmende Stille ein Ruf vom obersten Rang der Empore: "Frank, we love you anyway!" Es folgt orkanartiges Gejohle des ganzen Hauses.

Woher kommt die an Affenliebe grenzende Zuneigung zum komplexesten und provokantesten aller Rockmusiker, der zweifellos auch ein beispielloser Egomane war? Erklärungshilfen bot dem deutschen Leser neben den Texten der "Zonx" zuletzt nur noch ein schmaler Band des bekennenden Zappatisten Carl-Ludwig Reichert an. Mit der gelungenen Übersetzung von Barry Miles' Biographie aus dem letzten Jahr ist dieser Notstand ab sofort beendet. Es gliche nichts anderem als einer bekannten Schubladenaufschrift, würde Miles aus den Zeugnissen der bei Zappa über die Jahre gastierenden Musiker nur das Psychogramm eines rücksichtslosen Despoten zeichnen. Schwerer wiegen Andeutungen über eine bizarre Ehe und vor allem die Erinnerungen Moon Unit Zappas, die ihren Vater als Fremden im eigenen Haus erlebte. Angesichts solchen Tobaks hält sich der Biograph mit Hinweisen auf den Privatmenschen Zappa angenehm zurück.

Dafür setzt er den Leser eingangs auf eine Spur, die sich, summiert man das ganze Buch, als eine rhetorische Volte herausstellt. Zappa habe einen lebenslangen Haß auf die Autoritäten seines Landes gehegt, weil er gleich zu Beginn seiner Laufbahn von einem Polizisten hereingelegt worden war, der bei ihm ein Tonband mit pornographischen Tönen bestellte, um ihn verhaften und für zehn Tage ins Bezirksgefängnis sperren zu können. Die Anekdote ist bekannt und griffig, doch den eigentlichen Antrieb des Artisten verfehlt sie: Der ist in der Begegnung mit der klassischen Moderne in Gestalt einer Platte Edgar Varèses zu suchen, von dem Zappa ein Leben lang umgetrieben wurde. Was Zappa lernte, lernte er von der Musique concrète - die Tempiwechsel, der Reiz nie zuvor gehörter Töne und die Faszination notierter Musik, die vom Orchester wie von einer phantastischen Maschine gespielt werden kann, lassen sich darauf zurückführen. Zappa opferte dieser Liebe so gut wie jede freie Minute und jeden überzähligen Dollar seines Lebens.

Der Rest war Beobachtung und Strategie. Im heraufdämmernden "Summer of Love" war die Rolle des bösen Buben zu besetzen. Zappa übernahm sie mit Hingabe. Die frühen Platten sind musikalisch durchweg von der populären Doo-Woop-Musik getragen, die Texte jedoch voller Aufforderungen zur Grenzüberschreitung. "Escape from the weight of your corporate logo!" ist der Schlüsselsatz dieser Phase. Provoziert und verspottet wurde nicht die amerikanische Gesellschaft an und für sich, sondern die Rivalen auf dem eigenen Feld, die Hippies, die mit Blumen im Haar und Buttons am T-Shirt gen San Francisco aufbrachen. Zappas Botschaft richtete sich dagegen ans Individuum: Überschreite die eigenen Grenzen, und fang am besten an deinem eigenen Körper damit an. Damit war kein Drogenkonsum gemeint - im Gegenteil, auch der große Napoleon Murphy Brock mußte die Band verlassen, als er sich mit einem Pfeifchen erwischen ließ. Zappas Medium war immer der Körper, bevorzugt natürlich der weibliche, und alles, was sich darüber auf der Bühne sagen und darstellen ließ.

Lokale Radiostationen rund um Los Angeles waren die ersten, die Zappas Musik nicht spielten. Am liebsten zur Schere der Zensur gegriffen hätten auch Frauenrechtlerinnen, eine Riege Ehefrauen von Kongreßabgeordneten gar, die sich an den obszönen Texten stießen. Doch selbst seine schärfsten Kritiker müßten nach der Lektüre des Werdegangs von Frank Zappa anerkennen, wie strategisch geschickt diese Karriere aufgebaut war. Da ist sie wieder, die falsche Spur: Im ersten Moment ging es darum, größtmögliche Aufmerksamkeit zu erregen, in der Phase der Etablierung ging es um eine möglichst unverwechselbare Marke, die mit einem visuellen Auftritt verbunden ist. So lernt es heute, unter dem Namen "Branding", jeder Ökonomie- und Designstudent, doch für die Rockmusik vor vierzig Jahren war das Neuland.

Neben dem klingenden Namen trug Zappa seit der High-School sein wichtigstes Erkennungszeichen, den Musketierbart mit dem nach unten gerutschten Chaplin-Schnäuzerchen. Mit "We're only in it for the money" legte Zappa nicht nur seine Karten auf den Tisch, er stieg auch mit den Beatles in den Ring. Zuvor hatte er Bob Dylan bereits den Ruhm des ersten Doppelalbums weggeschnappt - in den Vereinigten Staaten erschien "Freak out!" einen Monat vor "Blonde on Blonde". Als es dann nach England ging, der Heimat der Pop-art, wurde die Kampagne zur Durchsetzung der Marke Zappa noch systematischer. Auf Geheiß eines amerikanischen PR-Mannes entstand jetzt die bekannteste Zappa-Ikone, der Mann mit den heruntergelassenen Hosen auf der Toilette, der einst von ungezählten Wänden auf die Jugend der Welt herabblickte. Über dieses Foto-Shooting hätte man gerne mehr erfahren.

Dafür gibt die souveräne Übersicht des Biographen an anderen Stellen wertvolle Hinweise. Evident ist, daß Zappa am wenigsten von der Rockmusik seiner Zeit inspiriert wurde. Ein wenig lernte er von Lenny Bruce, doch im Grunde war er Autodidakt. Zappa hatte keine intellektuellen Freunde, er las nicht, und die einzige visuelle Sozialisation, die er seinem Werk auf Dauer integrierte, waren Horrorfilme der fünfziger Jahre. Barry Miles findet für die schlußendlich "bizarre Kombination von kommerziellem Marketing und revolutionärem Pathos" das einzig zutreffende Äquivalent: Zappa, der Warhol der Westküste. Hier wie dort war Ausgang und Ziel zugleich die amerikanische Konsumentenkultur, bei Zappa zusätzlich angereichert durch Elemente von Happenings und Fluxus.

Anders als die Pop-Artisten strebte Zappa nie ins Museum. Sein Nirwana hatte er schon im September 1979 erreicht, einen Betonkasten von zwanzig mal zehn Meter Grundfläche und zweieinhalb Geschossen in den Hügeln der Hollywood-Hills: das eigene Studio. In seiner Kindheit hatte Zappa etwa acht Vororte der Filmstadt kennengelernt, im Schlepptau eines Vaters, den ein manischer Umzugszwang trieb. Nun saß er hier, nach vielen Querelen endlich mit eigenem Label und in "complete control". Seine Bands heuerte und feuerte er nach wie vor nach Bedarf. Anders als andere nahm Zappa Musik nie vor einer Tournee auf. Er ließ mehrere Monate proben, bevor ein Ensemble auf die Reise ging. Jeder Auftritt wurde komplett mitgeschnitten, ehe für den einsamen Regisseur vom Woodrow Wilson Drive die eigentliche Arbeit des "editing" begann.

So kann der Strom neuer Zappa-CDs noch einige Zeit fließen. Der Genius aus Baltimore, der für einen Teil der aufregendsten Musik unserer Zeit gesorgt hat, schwebt seit zwölf Jahren hoch über den Dingen. Dieser Tage, am 21. Dezember, würde er seinen fünfundsechzigsten Geburtstag feiern. Im Ruhestand ist Frank Zappa noch nicht angekommen.

THOMAS MEDER

Barry Miles: "Zappa". Aus dem Englischen von Michael Kellner. Verlag Rogner & Bernhard bei Zweitausendeins, Berlin 2005. 499 S., 24 Abb., geb., 22,- [Euro].

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