Permanent Record - Snowden, Edward
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Edward Snowden riskierte alles, um das System der Massenüberwachung durch die US-Regierung aufzudecken. Jetzt erzählt er seine Geschichte.
»Mein Name ist Edward Snowden. Sie halten dieses Buch in Händen, weil ich etwas getan habe, das für einen Mann in meiner Position sehr gefährlich ist: Ich habe beschlossen, die Wahrheit zu sagen.«
Mit 29 Jahren schockiert Edward Snowden die Welt: Als Datenspezialist und Geheimnisträger für NSA und CIA deckt er auf, dass die US-Regierung heimlich das Ziel verfolgt, jeden Anruf, jede SMS und jede E-Mail zu überwachen. Das Ergebnis wäre ein nie
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Produktbeschreibung
Edward Snowden riskierte alles, um das System der Massenüberwachung durch die US-Regierung aufzudecken. Jetzt erzählt er seine Geschichte.

»Mein Name ist Edward Snowden. Sie halten dieses Buch in Händen, weil ich etwas getan habe, das für einen Mann in meiner Position sehr gefährlich ist: Ich habe beschlossen, die Wahrheit zu sagen.«

Mit 29 Jahren schockiert Edward Snowden die Welt: Als Datenspezialist und Geheimnisträger für NSA und CIA deckt er auf, dass die US-Regierung heimlich das Ziel verfolgt, jeden Anruf, jede SMS und jede E-Mail zu überwachen. Das Ergebnis wäre ein nie dagewesenes System der Massenüberwachung, mit dem das Privatleben jeder einzelnen Person auf der Welt durchleuchtet werden kann. Edward Snowden trifft eine folgenschwere Entscheidung: Er macht die geheimen Pläne öffentlich. Damit gibt er sein ganzes bisheriges Leben auf. Er weiß, dass er seine Familie, sein Heimatland und die Frau, die er liebt, vielleicht nie wiedersehen wird.
Ein junger Mann, der im Netz aufgewachsen ist. Der zum Spion wird, zum Whistleblower und schließlich zum Gewissen des Internets. Jetzt erzählt Edward Snowden seine Geschichte selbst. Dieses Buch bringt den wichtigsten Konflikt unserer Zeit auf den Punkt: Was akzeptieren wir – und wo müssen wir anfangen Widerstand zu leisten?

  • Produktdetails
  • Verlag: S. Fischer
  • Artikelnr. des Verlages: 1023931
  • Seitenzahl: 428
  • Erscheinungstermin: 17. September 2019
  • Deutsch
  • Abmessung: 221mm x 152mm x 40mm
  • Gewicht: 623g
  • ISBN-13: 9783103974829
  • ISBN-10: 3103974825
  • Artikelnr.: 57098541
Autorenporträt
Snowden, Edward
Edward Joseph Snowden wurde 1983 in Elizabeth City, North Carolina, geboren und wuchs im Schatten des NSA-Hauptquartiers in Fort Meade, Maryland, auf. Als ausgebildeter Systemingenieur hat er für CIA und NSA gearbeitet. Für seinen Dienst an der Öffentlichkeit hat er mehrere Preise erhalten, darunter den Right Livelihood Award (Alternativer Nobelpreis) für die Gestaltung einer besseren Welt, den Whistleblower-Preis der Vereinigung deutscher Wissenschaftler, den Ridenhour Prize for Truth-Telling und die Carl-von-Ossietzky-Medaille der Internationalen Liga für Menschenrechte. In den USA wird Snowden per Haftbefehl gesucht.
Rezensionen
Besprechung von 15.09.2019
Ist das Monster kontrollierbar?
Edward Snowden erzählt glänzend, wie er erwachsen wurde, während die digitale Welt ihre Unschuld verlor

Es gibt in diesem Buch, das so vieles auf einmal ist - eine Geschichte der Vereinigten Staaten seit dem 11. September 2001, eine Einführung in die Technologien der Massenüberwachung, ein Plädoyer für einen Journalismus, der Regierungsinteressen nicht dient, sondern sie in Frage stellt, und eine Autobiographie - eine Art Urszene: Edward Snowden ist ein kleiner Junge und wohnt mit seinen Eltern und seiner Schwester in einem alten Haus in Elisabeth City, North Carolina. Als die Familie in dieses Haus einzog, wurde die Hauptetage nach hinten erweitert, so dass Edward von seinem Zimmer aus durch ein Fenster in das Fernsehzimmer sehen kann. Ein Vorhang befindet sich vor dem Fenster.

Seine Lieblingsbeschäftigung besteht darin, diesen Vorhang zur Seite zu ziehen und ins Fernsehzimmer zu spähen, wo eines Abends, als er längst schlafen soll, sein Vater eine rätselhafte Kiste in der Hand hat und ihr ein beigefarbenes Objekt entnimmt, das aussieht wie ein Betonziegel. Der Vater verbindet es durch ein Kabel mit dem Fernseher, der aufleuchtet und damit auch das Gesicht des Vaters. Und der Sohn stellt verblüfft fest, dass der Vater nicht einfach fernsieht, sondern darüber bestimmt, was auf dem Bildschirm geschieht. Gebannt schaut er heimlich zu, bis der Vater ihn hinter dem Vorhang bemerkt, das Fenster öffnet, den Arm ausstreckt, nach ihm greift, ihn mit der Decke zu sich ins Fernsehzimmer zieht - und mit ihm am Commodore 64, einen Hubschrauber steuernd, "Choplifter" spielt.

Von da an ist, wann immer es geht, auch Edwards Gesicht vom Bildschirm erleuchtet. Der Vater, ein Ingenieur für Luftfahrttechnik, der bei der Küstenwache arbeitet, erklärt ihm jede Taste; das Programmieren bringt er sich mit sieben selber bei. Mit dreizehn landet er bei einem Artikel über die Geschichte des amerikanischen Nuklearprogramms, ist mit wenigen Klicks auf der Website des Los Alamos National Laboratory, der Kernforschungseinrichtung, und ihm fällt auf, dass auf der Website eine riesige Sicherheitslücke klafft: eine offene Verzeichnisstruktur. Er stößt auf vertrauliche interne Informationen über Angestellte und macht, was er, eigentlich noch ein Kind, seiner Einschätzung nach tun muss: Er sagt es einem Erwachsenen. Er schreibt dem Webmaster des Labors eine E-Mail. Aber nichts passiert. Er lässt sich mit der IT verbinden, spricht dort aufs Band und buchstabiert seinen Namen dabei so, wie es der Vater manchmal tut, mit dem militärischen Buchstabieralphabet: "Sierra November Oscar Whiskey Delta Echo November". Eines Abends klingelt das Telefon, und das Atomlabor ist tatsächlich dran. Die Mutter, die von nichts weiß, zittert am ganzen Körper. Der IT-Mann am anderen Ende braucht eine Weile, um zu begreifen, dass ein Teenager sie auf die Sicherheitslücke aufmerksam gemacht hat - und bietet dem Jungen einen Job an, wenn er 18 ist.

Edward Snowden, der Whistleblower, der im Juni 2013 als Datenspezialist der NSA und CIA aufdeckte, dass die amerikanische Regierung ein globales System der Massenüberwachung entwickelt und eingesetzt hat, ohne dass Bürger etwas davon wussten oder sich einverstanden erklärt hatten, ist das Kind von Eltern, die dem Militär angehörten. Und das ist für die Geschichte, die er in seinem am Dienstag erscheinenden Buch mit dem Titel "Permanent Record" erzählt, eine wichtige Voraussetzung. Nicht die Rebellion, die Regierungstreue steht am Anfang seiner Biographie. Nicht die Kritik am "Krieg gegen den Terror", sondern der unbedingte Wunsch, seinem Land zu dienen, als nach 9/11 die Vereinigten Staaten in den Krieg ziehen, und Edward Snowden in die Army will.

Erst allmählich vollzieht sich die Wandlung. Es ist ein persönliches Umdenken, das mit dem politischen Umbruch in den Jahren nach dem 11. September 2001 einhergeht; mit der Umstellung der Geheimdienste auf Digitaltechnik und der Ausweitung der Cyberspionage, die Edward Snowden in Anlehnung an Mary Shelleys Roman den "Frankenstein-Effekt" nennt: die Schöpfung eines unkontrollierbaren Monsters. Snowden selbst ist, nachdem er aufgrund einer Verletzung beim Militär bald wieder ausscheidet und im Hauptquartier der CIA in Langley, Virginia, mit 22 eine rasante Karriere beginnt, bei der Kreation des Monsters ganz vorne mit dabei, zunächst, ohne es sich bewusst zu machen.

Während der Vorbereitung einer Konferenz über die Frage, wie chinesische Geheimdienste diejenigen der Vereinigten Staaten ins Visier nehmen und wie das verhindert werden kann, tauchen mit einem Mal Dinge auf, die ihn beunruhigen. "Wenn etwas gemacht werden kann, wird es vermutlich gemacht oder ist womöglich längst gemacht worden", lautet die elementare Regel des technischen Fortschritts. Edward Snowden kann sich nicht vorstellen, dass die Vereinigten Staaten so viele Informationen über das Treiben der Chinesen besitzen, ohne genau die gleichen Dinge zumindest ansatzweise auch selbst getan zu haben. Während er all das Material über China durchstöbert, beschleicht ihn das Gefühl, dass er in einen Spiegel blickt und darin die Vereinigten Staaten entdeckt: "Was China offen mit seinen eigenen Bürgern machte, machte Amerika womöglich im Geheimen mit der ganzen Welt." Er beginnt nach Spuren zu suchen, die seinen Verdacht bestätigen. Und er findet sie. Er hat Zugang zu den sensibelsten Daten.

Wie Snowden diese buchstäbliche Enttäuschung, die zugleich die Geschichte seines Erwachsenwerdens ist, mit der Veränderung der digitalen Welt parallel montiert, ist das Spektakuläre seiner Erzählung. "Permanent Record" ist keine rührselige Beichte oder Rechtfertigung. Überhaupt macht Snowden es sich in diesem so gut geschriebenen Buch (im Nachwort dankt er dem Schriftsteller Joshua Cohen, der ihm neun Monate lang Schreibunterricht gegeben und ihm geholfen habe, seine "ausufernden Erinnerungen und kurzen Manifeste in ein Buch zu gießen") nicht einfach, ist sich der Widersprüche bewusst und artikuliert diese auch: "Es ist schwierig, einen großen Teil seines Lebens damit zu verbringen, die eigene Identität zu verbergen und dann plötzlich eine Kehrtwendung zu machen und ,persönliche Enthüllungen' in einem Buch der Öffentlichkeit mitzuteilen." Indem er das Persönliche politisch motiviert, nimmt man es beim Lesen als Kehrtwende aber nicht wahr - selbst dort nicht, wo er erzählt, wie er mit Anfang zwanzig auf der Website HotOrNot.com Linsday Mills kennenlernt, seine heutige Ehefrau. Oder wo er am Ende die Tagebuchaufzeichnungen seiner Frau einfließen lässt.

Das Word Wide Web ist zu Beginn seines Buchs eine grenzenlose Gemeinschaft. Mit dem Internet heute, betont Snowden, habe das nichts mehr zu tun. Und es sei wichtig zu wissen, dass dieser Wandel das Ergebnis systematischer Bestrebungen einiger weniger gewesen sei, die es eilig hatten, Kommerz in E-Commerce zu verwandeln und eine Blase erzeugten, die nach der Jahrtausendwende zum Kollaps führte. Unternehmen erkannten, dass Menschen, die online gingen, an Kommunikation und Austausch interessiert waren und begannen daraufhin, auch dies zu vermarkten: "Dies war die Geburtsstunde des Überwachungskapitalismus und der Tod des Internets, wie ich es kannte", schreibt Edward Snowden. "Das neue Produkt waren WIR."

"Ich", "wir" und "du" sind die Koordinaten von Snowdens Geschichte. Immer wieder lässt er Passagen einfließen, in denen er seine Leser direkt anspricht, wobei Kay Greiners, der das Buch ins Deutsche übersetzt hat, sich bei der Übertragung des "you" gegen das "Sie" entschieden hat, was kurz irritiert. Doch ist schnell klar, dass derjenige, der hier spricht und mit 22 die "Top secret"-Freigabe des CIA hatte, Wert darauf legt, dass auch eine junge Generation sich angesprochen fühlt. "Permanent Record" ist neben allem anderen eine Einführung in die Techniken der Überwachung.

Den Krimi am Ende kennt man natürlich schon, aus Zeitungs- und Fernsehberichten, vor allem aber durch den Film "Citizen Four" der Dokumentarfilmerin Laura Poitras. Snowden macht sich auf die Suche nach Journalisten, denen er seine Enthüllung der unerlaubten Massenüberwachung zuspielen kann. Er gibt sein bisheriges Leben auf, fliegt nach Hongkong und trifft dort auf Laura Poitras und auf Glenn Greenwald, die ihre investigativen Artikel, noch während sie in Hongkong sind, im "Guardian" und in der "Washington Post" veröffentlichen. Als die Mission erfüllt ist, hat er eigentlich keinen Plan. Bei dem Versuch, Hongkong in Richtung Ecuador zu verlassen, wird Snowden auf dem Scheremetjewo-Flughafen in Moskau festgesetzt.

Ein Whistleblower, schreibt Snowden, sei nach seiner Definition eine Person, "die durch bittere Erfahrungen zu dem Schluss gelangt ist, dass ihr Leben innerhalb einer Institution sich nicht mehr mit den Prinzipien verträgt, die sie in der Gesellschaft außerhalb dieser Institution entwickelt hat. Einer Gesellschaft, der ihre Loyalität gilt und der gegenüber auch die Institution Rechenschaft ablegen müsste." Eine solche Person wisse, dass sie nicht innerhalb der Institution bleiben könne, und sie wisse auch, dass die Institution nicht aufgelöst werden kann. Eine Reform der Institution sei aber vielleicht möglich, also lege sie die Informationen offen, um so öffentlichen Druck zu erzeugen.

Aber da sei eben noch etwas anderes: "Alle Informationen, die ich offenlegen wollte, waren als streng geheim klassifiziert. Ich musste auch offenlegen, dass Geheimhaltung kein absolutes staatliches Vorrecht ist, wie es die Intelligence Community behauptete, sondern dass es ein gelegentlich anzuwendendes Privileg ist, das die Intelligence Community missbrauchte."

Snowdens Enthüllungen haben den Kongress veranlasst, gewisse Gesetze zur Überwachung zu ändern. Ein bestimmtes Massenüberwachungsprogramm ist für illegal erklärt worden. Bis heute befeuert er die Diskussion. Für das Gerichtsverfahren, das ihn zu Hause in den Vereinigten Staaten erwartet, ist das aber irrelevant. Die amerikanische Regierung müsste vor Gericht allein beweisen, dass er Journalisten geheime Informationen verraten hat. Und das ist unstrittig. "Exil", schreibt er an einer Stelle in diesem spannenden, enorm reflektierten und vehement politischen Buch, "ist ein endloser Zwischenstopp."

JULIA ENCKE

Edward Snowden: "Permanent Record: Meine Geschichte". Aus dem Englischen von Kay Greiners. S. Fischer, 430 Seiten, 22 Euro

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