Entwicklungslinien ökonomischen Denkens über Systemwettbewerb - Pitsoulis, Athanassios

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Systemwettbewerb ist ein komplexes und kontrovers diskutiertes wirtschaftswissenschaftliches Thema, bei dem es um das Konkurrenzverhältnis zwischen Anbietern von Rechtssystemen geht. Diese haben sowohl einen Einfluss auf die Standortentscheidung potenzieller Investoren, die Kosten inländischer Exportprodukte, die Steuersätze und staatlichen Budgets, als auch auf die Betriebskosten des Wirtschaftssystems. Spielarten dieses Konkurrenzverhältnisses, so zum Beispiel der Wettbewerb lokaler Gemeinwesen um die Bezieher hoher Einkommen oder der Standortwettbewerb von Staaten um internationale…mehr

Produktbeschreibung
Systemwettbewerb ist ein komplexes und kontrovers diskutiertes wirtschaftswissenschaftliches Thema, bei dem es um das Konkurrenzverhältnis zwischen Anbietern von Rechtssystemen geht. Diese haben sowohl einen Einfluss auf die Standortentscheidung potenzieller Investoren, die Kosten inländischer Exportprodukte, die Steuersätze und staatlichen Budgets, als auch auf die Betriebskosten des Wirtschaftssystems. Spielarten dieses Konkurrenzverhältnisses, so zum Beispiel der Wettbewerb lokaler Gemeinwesen um die Bezieher hoher Einkommen oder der Standortwettbewerb von Staaten um internationale Direktinvestitionen, werden von Vertretern miteinander konkurrierender ökonomischer Paradigmen untersucht. Je nachdem, welche Ebene des Wirtschaftssystems untersucht wird und welches grundsätzliche Verständnis von Wettbewerb zugrunde gelegt wird, kommen manche Ökonomen zu dem Ergebnis, dass Systemwettbewerb einen heilsamen Einfluss auf reformunwillige Regierungen ausübt, während andere die möglichen negativen Folgen des Systemwettbewerbs hervorheben. Die wirtschaftspolitische Beratung sieht sich in einem Dilemma: Sollte beispielsweise die institutionelle Reform der EU so erfolgen, dass Systemwettbewerb zwischen den Mitgliedern gestärkt wird, oder sollte dieser durch Harmonisierung nationalen Rechts ausgeschaltet werden? Sind möglicherweise sogar die üblichen Staatsformen überholt und liegt die beste Antwort auf die Herausforderungen des Systemwettbewerbs in einer Föderation kleiner funktionaler Regionen mit verfassungsmäßig verbrieftem Sezessionsrecht? Welche Theorie des Systemwettbewerbs wenn es überhaupt eine solche gibt ­ liefert das beste wirtschaftspolitische Entscheidungsmodell? Zur Beantwortung dieser Fragen ist neben einem tiefgehenden Verständnis der ökonomischen Theorie auch ein Verständnis des ökonomischen Wissenswandels nötig, denn die wirtschaftspolitischen Handlungsempfehlungen ändern sich mit der Entwicklung des theoretischen Verständnisses. Im Rahmen dieser Arbeit werden die Erkenntniswege der neoklassischen und der klassisch-evolutorischen Wettbewerbssicht in Bezug auf den Systemwettbewerb strukturiert miteinander verglichen, um zu beleuchten, warum welche Denkschulen innerhalb dieser beiden großen Strömungen zu voneinander abweichenden Ergebnissen über den Ablauf und die Beurteilung der Wirkungen des Systemwettbewerbs kommen. Ziel der Arbeit ist, die Entwicklungslinien des Wissenswandels aufzuzeigen und dessen Bestimmungsgründe zu analysieren, also warum welche theoretischen Erklärungsansätze und Politikempfehlungen von anderen abgelöst wurden.
  • Produktdetails
  • Hochschulschriften Nr.85
  • Verlag: Metropolis / Metropolis Verlag
  • Seitenzahl: 255
  • Erscheinungstermin: Juni 2004
  • Deutsch
  • Abmessung: 209mm x 134mm x 19mm
  • Gewicht: 317g
  • ISBN-13: 9783895184635
  • ISBN-10: 3895184632
  • Artikelnr.: 13235180
Rezensionen
Besprechung von 20.06.2005
Systemwettbewerb
Verschiedene Erkenntniswege ökonomischer Theorien

Athanassios Pitsoulis: Entwicklungslinien ökonomischen Denkens über Systemwettbewerb. Metropolis-Verlag, Marburg 2004, 255 Seiten, 36,80 Euro.

Geläufig geworden ist der Begriff Systemwettbewerb nach dem zweiten Weltkrieg. Von damals bis 1992 konkurrierten zwei sehr unterschiedliche Gesellschafts- und Wirtschaftssysteme gegeneinander: das unfreie sozialistische System unter sowjetischer Herrschaft auf der einen Seite und das freie demokratische System unter amerikanischer Führung auf der anderen. Dann brach das erste zusammen, und das zweite dehnte sich, unterschiedlich geprägt, auf fast alle Staaten aus. Seitdem konkurrieren die Staaten im wesentlichen mit dem Ordnen, Organisieren, Regeln einzelner Bereiche und Elemente - also damit, wie sie mit dem öffentlichen Haushalt (Steuer- und Ausgabenrecht) verfahren, wie mit den Märkten für Arbeit und Kapital, mit Bildung und Ausbildung, mit Wissenschaft und Forschung, mit Alters- und Krankheitsversorgung, mit Kunst und Kultur, mit ihrem Rechtswesen, wie auch mit ihrem mehr oder minder demokratisch verfaßten politischen System. Sie konkurrieren mit ihren Teilordnungen und folglich auch mit ihrer Ordnung, ihrem System insgesamt.

Für Ordoliberale ist dieser Systemwettbewerb als "Wettbewerb der Ordnungen" ein alter Hut. Gegeben hat es Systemwettbewerb schon immer, nur nannte man ihn nicht so. Systemwettbewerb ist Wettbewerb von Systemen untereinander, ein Wettbewerb von (staatlichen und privaten) Institutionen - Institutionen im Sinne von Regeln - und er ist ein Wettbewerb unter Gebietskörperschaften und Staaten mit ihren Systemen. Soweit der Ausgangspunkt des Buches. Aber bis zu einer allgemein akzeptierten Theorie des Systemwettbewerbs, konstatiert Athanassios Pitsoulis, sei es noch ein weiter Weg. Über vielerlei bestehe noch Unklarheit. Daher beschränkt er sich für sein Buch auf das Ziel, "die Erkenntniswege analytisch strukturiert aufzuzeigen" sowie bestehende Erklärungsdefizite und Schwerpunkte für die weitere Forschung zu benennen. Er trägt zusammen, vergleicht und stellt zur kritischen Diskussion.

Dem Leser werden Einsichten darüber geboten, welche Erkenntniswege ökonomische Theorien auf dem Weg zum jeweiligen Verständnis des Systemwettbewerbs beschritten haben, wie sich die Konzepte herausgebildet, welche Denkschulen das Thema Systemwettbewerb wirtschaftswissenschaftlich wie erörtert haben. Das reicht hinein bis in die Details, zum Beispiel auf welchen Prämissen die jeweiligen Hypothesen aufbauen, in welchem Maß sie übereinstimmen oder nicht, worin sich die Herangehensweisen unterscheiden und wie sich diese Unterschiede auf die Ergebnisse auswirken. Und schließlich geht es noch darum, welche Fragen des Phänomens Systemwettbewerb bislang noch unbeantwortet sind oder über welche Wirkungsprognosen man sich aus heutiger Sicht noch uneinig ist.

Der Autor zeichnet dabei zwei Entwicklungslinien nach: die neoklassische und die klassisch-evolutorische Linie. Eingegliedert in die erste befaßt er sich mit Ansätzen, die in der Tradition des Fiskalföderalismus lokaler Gemeinwesen stehen, mit solchen, die aus der Schweizer Theorie des Wettbewerbsföderalismus stammen, sowie mit solchen, die auf dem Standort- und Staatenwettbewerb der Kieler Schule und auf dem Systemwettbewerb aus Sicht der Neuen Institutionenökonomik aufbauen. Unter der Rubrik der zweiten Linie behandelt Pitsoulis die Österreichische Schule (Joseph Alois Schumpeter, Friedrich August von Hayek), den evolutorischem Liberalismus, die moderne Ordnungsökonomik und den Systemwettbewerb aus evolutorischer Sicht. So wird der alte Hut vom Wettbewerb der Ordnungen mit diesem Buch nicht nur gelüftet, sondern auch gut durchlüftet.

KLAUS PETER KRAUSE

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

In seinem Buch stellt Athanassios Pitsoulis verschiedene Theorien des Systemwettbewerbs vor und zeichnet deren Entwicklungen nach, konstatiert Klaus Peter Krause. Dabei sei der Begriff Systemwettbewerb zwar ein "alter Hut" und unter "Ordoliberalen" als "Wettbewerb der Ordnungen" seit langem bekannt, räumt der Rezensent ein. Dennoch mache Pitsoulis' Darstellung deutlich, dass es so etwas wie eine einheitliche Theorie des Systemwettbewerbs nicht gibt, weshalb er dessen Buch als Einführung in die verschiedenen "Denkschulen" und "Konzepte" für die "weitere Forschung" verstanden wissen will, erklärt Krause. Munter bemerkt er, dass damit der "alte Hut" vom Wettbewerb der Ordnungen nicht einfach nur "gelüftet, sondern auch gut durchlüftet" wird.

© Perlentaucher Medien GmbH