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America is in crisis. In the space of a generation, it has become more than ever a country of winners and losers, as industries have failed, institutions have disappeared and the country's focus has shifted to idolise celebrity and wealth.
George Packer narrates the story of America over the past three decades, bringing to the task his empathy with people facing difficult challenges, his sharp eye for detail and a gift for weaving together engaging narratives.
The Unwinding moves deftly back and forth through the lives of its people, including Dean Price, the son of tobacco farmers who
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Produktbeschreibung
America is in crisis. In the space of a generation, it has become more than ever a country of winners and losers, as industries have failed, institutions have disappeared and the country's focus has shifted to idolise celebrity and wealth.

George Packer narrates the story of America over the past three decades, bringing to the task his empathy with people facing difficult challenges, his sharp eye for detail and a gift for weaving together engaging narratives.

The Unwinding moves deftly back and forth through the lives of its people, including Dean Price, the son of tobacco farmers who becomes an evangelist for a new economy in the rural South; Tammy Thomas, a factory worker in the industrial Midwest attempting to survive the collapse of her city; Jeff Connaughton, a political careerist in Washington; and Peter Thiel, a Silicon Valley billionaire. Their stories are interspersed with biographical sketches of the era's leading public figures, from Oprah Winfrey to Steve Jobs, to create a rich, wise and very human portrait of the USA in these hard times.

The Unwinding portrays a superpower coming apart at the seams, its elites and institutions no longer working, leaving ordinary people to improvise their own schemes for salvation.

George Packer is also the author of The Assassin's Gate, which was named one of the ten best books of 2005 by the New York Times and won the Helen Bernstein Book Award.

'A tour de force . . . A fascinating journey through an America that has largely remained hidden from view. There are echoes of Don DeLillo's Underworld in the scope of Packer's vision and his deft eye for language and detail.' Sunday Business Post


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  • Produktdetails
  • Verlag: Faber & Faber
  • Seitenzahl: 448
  • Erscheinungstermin: 10.06.2013
  • Englisch
  • ISBN-13: 9780571280339
  • Artikelnr.: 38610120
Autorenporträt
George Packer is a staff writer for The Atlantic and a former staff writer for The New Yorker. He is the author of The Unwinding: Thirty Years of American Decline, which was a New York Times bestseller and won a National Book Award. His other nonfiction books include The Assassins' Gate: America in Iraq, and Blood of the Liberals, which won the 2001 Robert F. Kennedy Book Award; and two novels, The Half Man and Central Square. His writing has also appeared in The New York Times Magazine, Mother Jones, Harper's, and other publications. He lives in Brooklyn, New York.
Rezensionen
Besprechung von 18.08.2013
Die Auflösung der Mittelklasse
Collage des Gegenwartsirrsinns: George Packers "The Unwinding" ist das amerikanischste Buch seit langem

Wir befinden uns im Jahr 2007, in North Carolina. Dort, wo der Tabak wächst. Wir sitzen in einem Auto. Zusammen mit Matt Orr, 25, soeben aus dem Irakkrieg heimgekehrt, und mit Matts Vater. Der holt seinen Soldatensohn vom Flughafen ab. Und wie Matt und Dad so durch diese Landschaft fahren, deren Orte freundliche Namen wie "Welcome", "Advance" und "Eden" tragen, da freut sich der junge Mann über die Hügel, die Bäume, das Gras. Im Vergleich zu Wüstengelb, Tarnfarbenbeige und Menschenblutrot kommt ihm das grüngrüne Amerika gerade vor wie die schönste Ecke in Gottes Showroom.

Das Militär hat ihn stark gemacht, glaubt Matt, und will sofort loslegen mit seinem zivilen Leben. Er findet einen Job in einer Fabrik für Kupferrohre. Als er jedoch feststellt, dass man ihm für die schwere körperliche Arbeit weniger bezahlt als schwächliche Schüleraushilfen 1980 bekamen, also zwei Jahre vor seiner Geburt, sucht er sich etwas anderes. Was gar nicht so einfach ist. Er landet bei der Einzelhandelskette Kmart, als "Loss Prevention Manager", Kaufhausdetektiv. Eines Tages muss er dort einen Mann festhalten, der ein Zelt stehlen wollte. Es ist ein Arbeitsloser, der keine Bleibe mehr hat.

An jenem Tag wird Matt abermals bewusst, dass er selbst viel zu wenig verdient. Er hört sich im Freundeskreis um, verfolgt die Nachrichten. Und kommt darauf, dass niemand im großen Amerika auf ihn gewartet hat. Dass einer wie er, egal, wie fleißig, pünktlich, fit er ist, nie mehr als 8,50 Dollar pro Stunde verdienen wird - gerade genug für sein Untermietzimmer, viel zu wenig, um eine Familie zu gründen, auf ein Auto zu sparen, all die Dinge zu tun, die ein amerikanischer Mann eigentlich tun muss. Die Abende verbringt er vor dem Fernseher, mit ein paar Flaschen Bier. Und mit der Andy-Griffith-Show, einer Serie aus den sechziger Jahren, die an die "Waltons" erinnert. Das Amerika von damals sei ein viel besseres gewesen, meint Matt, und hat keinen Schimmer, wie es weitergehen könnte: mit ihm persönlich und mit dem großen Ganzen.

"Jeder sollte einfach Software-Experte oder Finanzmanager werden", schreibt George Packer in seinem Buch "The Unwinding. An Inner History of the New America", das dieser Tage in den Vereinigten Staaten weit oben in den Bestsellerlisten steht und so leidenschaftlich diskutiert wird, wie es sich auch liest: "Die Eliten nahmen es als gegeben hin, dass es keine Jobs zwischen acht Dollar und einem sechsstelligen Jahresgehalt mehr gab. Sie hatten keine Antworten mehr auf die Probleme der Mittelschicht."

"Unwinding" bedeutet übersetzt so viel wie "Abwicklung" oder "Auflösung". Und wer ein kleines bisschen besser verstehen will, was gerade los ist, drüben, im Großer-Bruder-Staat, der überall Feinde wittert, obwohl er in sich selbst zutiefst zerstritten, sozusagen kurz vorm Ausrasten ist, der sollte dieses Buch lesen. Wenn nicht jetzt auf Englisch, dann in einigen Monaten, wenn es im Fischer-Verlag auf Deutsch erscheint.

Die Globalisierung kommt nach Hause

Es ist vermutlich das amerikanischste Buch, das seit mindestens fünfzig Jahren geschrieben worden ist - und hat doch auch sehr viel mit Europa zu tun, mit der grotesken Jugendarbeitslosigkeit im Süden und mit den um Leiharbeit bereinigten Arbeitsmarktstatistiken im Norden. Letztlich hat es auch mit Bangladesch zu tun, vielleicht sogar mit dem Tahrir-Platz in Ägypten. "The Unwinding" holt die Globalisierung zurück nach Hause - zurück in den Schoß des sogenannten freien Marktes und der sogenannten Krise. Es zeigt, was die Gegenwart im Leben von Menschen anrichtet. Es erzählt also nichts Neues. Doch wie George Packer erzählt, ist bemerkenswert. "The Unwinding" ist eines jener Bücher, die in zweihundert Jahren den Leuten helfen werden zu verstehen, wie unser Leben einmal aussah.

Von dröhnender Thesendrescherei bleibt man bei Packer, der hauptberuflich für den "New Yorker" schreibt, weitgehend verschont. Genau das ist vielleicht das Alleramerikanischste an seinem Buch: Er ist stinkwütend, besonders auf die von ihm identifizierten "Eliten". Aber statt sich selbst zum Experten aufzublasen, erzählt Packer Geschichten. Von real existierenden Menschen. Storys, die sich mehr oder weniger tatsächlich so zugetragen haben beziehungsweise: die ihm eben so erzählt worden sind.

Jeder, der schon einmal in Amerika war und sich etwas näher rangetraut hat, als die Touristen-Schutz-Programme "X-Mas-Shopping in New York" oder "Disney in Florida" erlauben, kennt das: Wie schnell Amerikaner ins Erzählen kommen, spontan, quer über den Kneipentisch. Je schäbiger die Umgebung ist, desto toller sind meistens die Geschichten. Man verhandelt etwa in einem muffigen Autovermietungsbüro, ob man das Navi für umsonst dazubekommt, und prompt erzählt der Automensch, der natürlich Bill heißt: "Ich habe übrigens fünf Kinder in sieben Bundesstaaten. Nein - wait a minute. Es sind sieben Kinder in fünf Staaten." Wenn Bill dann seinen Goldzahn blitzen lässt, weil er seine eigene Entertainment-Nummer irre komisch findet, weiß man, Bill findet einen sympathisch, Bill macht einem gerade ein Kennenlern-Kumpelei-Angebot. Vielleicht hat er überhaupt keine Kinder, nicht mal ein Haustier. Aber darauf kommt es gar nicht an! Wer das nicht versteht, dieses narrative Element der amerikanischen Gesellschaft, der versteht das ganze Amerika nicht.

"The Unwinding" ist voll von solchen Bills. Da ist etwa der Kleinunternehmer Dean Price. Etliche Tankstellen hat er besessen, bis er pleiteging, auch weil monopolartig aufgestellte Billig-Ketten alles plattmachen, was "freies" Unternehmertum im wörtlichen Sinne bedeutet. Aber Dean ist eben Amerikaner, und so hat er gleich eine neue Vision im Kopf: das gebrauchte Frittieröl aus Fettbratereien einsammeln und Bio-Diesel draus machen! "Warum nicht eine Tauschwirtschaft einführen?", fragt Dean, keine "Mass Production" mehr, sondern "Production of the Masses". Interessanterweise werden solche Überlegungen in diesen Tagen auch von den Avantgarden der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften angestellt. Dean ist also ganz vorne mit dabei. Gleichzeitig glaubt er an das Recht auf Selbstverteidigung durch Waffengewalt und kann den Erfolgsratgeber "Denke nach und werde reich" aus dem Jahr 1937 auswendig aufsagen. "Im Grunde will ich nur Farmer sein und meine Ruhe haben", sagt er. Und genau darum geht es doch, wenn das vielfach missbrauchte Wort "Freiheit" im Spiel ist.

Mit der Mittelschicht geht es bergab

Auch von Prominenten erzählt George Packer in seinem Buch, von Oprah Winfrey etwa, Colin Powell, Superausverkaufs-Rapper Jay-Z und Paypal-Gründer Peter Thiel. Die Storys der Reichen und Schönen verschränkt der Autor mit der Geschichte der Occupy-Aktivistin Nelini oder mit den Plots von "Sekretärinnen, die vielleicht 35000 im Jahr verdienen und mit fünf Anlageobjekten zugleich jonglieren" und in der "Housing Bubble" alles verlieren. Heraus kommt eine Collage des Gegenwartsirrsinns. Ein O-Ton-Protokoll aus einem Land, dessen Schnellstraßen "gesäumt sind von Werbetafeln, auf denen Abtreibungen und das Jüngste Gericht nebeneinanderstehen, gleich neben Werbung für Musterhäuser und Fettabsaugungen".

George Packer selbst deutet an, dass er "Kleine Leute"-Schriftstellern wie Raymond Carver oder Dos Passos folgen möchte. Sozialkitsch kann man ihm allerdings nicht vorwerfen. Indem er das Scheitern, die Widersprüche und die Zynismen aus den oberen wie den unteren Etagen aufschreibt, kommt er dem, was man "Zeitgeist" nennt oder auch "Sozialpsychologie", einfach viel näher, als irgendeine Statistik dies jemals könnte.

Alles schön und gut, es fehlt trotzdem an Theorie, an Analyse, mäkelten einige amerikanische Kritiker, etwa David Brooks, der im Jahr 2000 mit seinem Buch über "Bobos" - gut und besser verdienende "Bourgeois Bohemians" - bekannt wurde. Ebenjene Bobos sind bei George Packer jetzt Teil des Problems, vor allem die Bobos, die sich als "links" verstehen: "New York und Hollywood und das College-Campus-Leben war für sie jahrelang wichtiger als Washington. Der politische Kampf drehte sich nur um Kultur." Packer markiert sehr klar den Punkt, von dem an es abwärts ging mit der "großartigsten Mittelschicht, die die Welt je gesehen hat". Es war die Clinton-Regierung, die etwa den Glass-Steagall Act gekippt hat, der seit der Großen Depression das Kreditgeschäft regulierte. Und es ist Barack Obama, ein "progressiver Insider, kein populistischer Outsider", dessen Berater "viel zu freundlich zur Wall Street sind".

"The Unwinding" ist ein scharfes, ungeheuer amerikakritisches Buch. Als Amerika-Hasser kann man es hochhalten und rufen: Da seht ihr, was daraus wird! Zugleich ist es aber auch ein höchst patriotisches Buch. Es ist eine zornige, trotzige Liebeserklärung, eine fast schon verzweifelte Beschwörung des ohnehin schon fast zu Tode beschworenen "amerikanischen Traums". Denn der ist, wie George Packer es sieht, eindeutig nicht in den Hinterzimmern von "Corporate America" zu Hause, sondern dort, wo manchmal "schon ein geplatzter Reifen oder ein ausgebliebener Lohnscheck das Leben eines Menschen umwerfen kann". Also praktisch auch bei uns.

KATJA KULLMANN

George Packer: "The Unwinding. An Inner History of the New America". Farrar, Straus and Giroux, New York (Mai 2013)

Die deutsche Übersetzung des Buches erscheint voraussichtlich im Sommer 2014 im Fischer-Verlag.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Besprechung von 07.10.2014
Unter Geiern
Die USA sind in schlechtem Zustand, institutionell und im Alltagsleben: George Packer schildert, was aus einem Land wird,
dessen Politiker ihre Meinungen danach ausrichten, welche Lobby ihren nächsten Wahlkampf finanziert
VO N BERND GREINER
Was zum Teufel ist nur mit diesem Land los? „See America, The Land of Decay & Dysfunction“ ist das neue Heft von Foreign Affairs betitelt – die politische Bibel der Ostküstenelite attestiert der eigenen Gesellschaft Verfall und chronische Funktionsstörungen, die Tagespresse bestätigt den Befund in schier endloser Variation: „Mittleres Haushaltseinkommen von Steuerzahlern unter 65 Jahren seit 2000 um 11,2 Prozent gefallen“; „Armutsrate höher als in den 1970er-Jahren“; „Zwölf Prozent der Soldaten im aktiven Dienst krankhaft übergewichtig“; „Pentagon überlässt Polizei seit Mitte der 1990er-Jahre Kriegsgerät im Wert von mehr als fünf Milliarden Dollar“ ( New York Times und Washington Post , 16./17. September 2014). Und in den U-Bahnhöfen der Hauptstadt vergehen keine fünf Minuten ohne Warnungen vor allen möglichen Bedrohungen beim Benutzen von Aufzügen und Rolltreppen oder beim bloßen Warten auf den nächsten Zug. Der Gruß „Have a nice day!“ – war gestern. Heute heißt es stattdessen: „Have a safe day!“
Aus den ungezählten Publikationen über amerikanische Zustände unserer Tage sticht eine Neuerscheinung heraus: Die Collage des Starreporters des New Yorker und Pulitzerpreisträgers George Packer. Vorgestellt werden zwei Städte (Tampa, Florida und Youngstown, Ohio) und 13 Individuen aus allen Schichten, Altersgruppen und Landesteilen, darunter auch Prominente wie Colin Powell und Oprah Winfrey.
  Die Lebenswege der Protagonisten könnten unterschiedlicher nicht sein. Für die einen ist ihr amerikanischer Traum wahrgeworden, andere hecheln ihm umso verbissener hinterher, je mehr ihnen danebengeht. Und dann gibt es noch die Ausgeschlossenen, deren Hoffnung auf das unwahrscheinliche Gelingen am Ende nur noch Selbstbetrug am Rande der Würdelosigkeit ist. Das Mosaik dieser biografischen Fragmente ist weit mehr als die Summe seiner Teile. Es spiegelt tatsächlich, wie es im Untertitel heißt, die innere Geschichte des heutigen Amerika.
Unvergesslich das Porträt von Tammy Thomas, die eine einigermaßen glückliche Kindheit in Youngstown, Ohio verbrachte und seit den späten 1970ern die galoppierende Verwüstung der dortigen Stahlindustrie erlebte. Fotoalben nimmt sie gar nicht mehr in die Hand. „Von den Gesichtern auf den alten Klassenfotos waren mehr als die Hälfte im Gefängnis oder auf Drogen oder tot.“ Wie Packer den Überlebenskampf in Sozialruinen schildert, etwa Tammys willkürliche Kündigung einen Tag vor der Bezugsberechtigung ihrer betrieblichen Krankenversicherung, setzt ein Ausrufezeichen hinter einen verallgemeinerbaren Befund: Keine hochentwickelte Industrienation ist derart unfähig, um nicht zu sagen unwillig, mit den Schockwellen von Industrie- und Finanzkrisen umzugehen.
Allmählich dämmert es Beobachtern aus Presse und Politik, welchen Preis man für die faktische Abschaffung der Gewerkschaftsbewegung zahlt. Sage und schreibe sechs Prozent der Beschäftigten im nichtstaatlichen Sektor können noch mit dem Schutz einer kollektiven Interessenvertretung rechnen, Tendenz fallend. Nicht zuletzt deshalb führen Mittelklassefamilien Tag für Tag einen aufreibenden Kampf um den Erhalt ihres Status quo. Und für die im unteren Drittel kann schon ein platter Reifen den sozialen Ruin besiegeln.
  Wie soll man es nennen, wenn eine Familie (die Gründer von „Walmart“) so viel Geld besitzt wie die unteren 30 Prozent der Amerikaner? Wenn die Schere zwischen privatem Reichtum und öffentlicher Armut sich ständig weiter öffnet? Auch dem sprachgewandten George Packer gehen die Synonyme für „empörend“ oder „obszön“ aus. „Unter Geiern“ wäre auch ein angemessener Titel für sein Buch. – Warum laufen alle Versuche, diesen Problemen politisch beizukommen, seit gut drei Jahrzehnten ins Leere? Ob es um Schulen, Straßen oder Armutsbekämpfung geht, Programme zur Förderung des Gemeinwohls werden vom Kongress zuverlässig bis zur Unkenntlichkeit kleingehäckselt, selbst Obamas Gesundheitsreform droht in der nächsten Legislaturperiode dieses Schicksal. An landläufigen Erklärungen mangelt es nicht: Druck der Globalisierung von außen; institutionelle Bewegungsarmut im Inneren; Gier in Zeiten billigen Geldes. George Packer sieht darin in erster Linie Illustrationen intellektueller Faulheit, bequeme Fluchten in eine vernebelte Welt, in der Politik keine Adresse mehr hat und Akteure namenlos bleiben.
Dem Geschwurbel setzt er eine griffige These entgegen. Die Institutionen, Gesetze und Normen, die zwischen den Dreißiger- und Achtzigerjahren Amerikas Kapitalismus halbwegs sozialverträglich gemacht hatten, gingen nicht an Altersschwäche zugrunde oder weil sie mit neuartigen Problemen überfordert gewesen wären. Sie scheitern auch nicht mangels Ideen für eine zeitgemäße Renovierung. Vielmehr wurden sie vorsätzlich kaputt gemacht, weil eine neoliberale Elite aus Wirtschafts- und Finanzmagnaten nebst gleichgesinnten Politikern – andernorts würde man von Oligarchen reden – es so wollte. Und weil sie es in Ermangelung starker Gegner auch konnte.
  Sorgsam austarierte soziale Sicherungssysteme blieben ebenso auf der Strecke wie Gesetze zur Sicherung privater Spareinlagen. Was als Brandrodung regulierter Marktwirtschaft begonnen wurde, hinterließ eine Landschaft ohne Schutzwälle, die Politik der Privaten steht in keinem Verhältnis mehr zum öffentlichen Interesse.
Damit ist George Packer beim archimedischen Punkt angelangt, beim Triumph der Lobby-Industrie. 175 registrierte Lobby-Firmen gab es im Jahr 1971, heute sind es knapp 14 000. „Sie führen Interessenvertreter und Politiker zusammen und verbinden sie mit dem Klebstoff der Parteienspende.“ Wohl wahr. Mittlerweile fließen mehr als vier Milliarden Dollar jährlich. Selbst handzahme Journalisten beschreiben den Alltag von Kongressabgeordneten als zweigeteilt: Die eine Hälfte vergeht mit dem Auftreiben von Geld für den nächsten Wahlkampf, die andere mit Kopfzerbrechen darüber, was die Spender wohl vom Abstimmungsverhalten der Empfänger im Parlament halten.
  Der Kongress und viele bundesstaatliche Parlamente sind zur Beute von Lobbyisten geworden. Gesetze werden wie hinderliches Beiwerk behandelt, bei Bedarf auch als fortschrittsfeindlicher Ballast öffentlich geschmäht. Wie jüngst die Abwicklung der Banken- und Immobilienkrise gezeigt hat, ist es den Lobby-Verbänden jedweder Couleur im Grunde egal, wer unter ihnen die parlamentarische Mehrheit stellt. Sie kennen – in Anlehnung an den bekannten Spruch von Margaret Thatcher – keine Gesellschaft, nur auftraggebende Individuen. Allein die diesbezüglichen Passagen, gestützt auf Erfahrungen eines langjährigen Mitarbeiters im Stab von Vizepräsident Joe Biden, geben dem Buch mehr Gewicht als vielen politikwissenschaftlichen Analysen.
Aufgewachsen im Geist des amerikanischen Optimismus und im Glauben an die Kraft zur Umkehr, klopft Packer jede seiner Geschichten auf Indikatoren zur Besserung ab. Mehr als vage Hoffnungen findet er zum eigenen Verdruss nicht.
  Es mag ja sein, wie viele behaupten, dass fünfzig Jahre gezähmter Kapitalismus die Ausnahme waren und die USA jetzt wieder zu ihrer Normalität zurückfinden. Doch können, wie Packer zeigt, selbst historisch zutreffende Beobachtungen politisch in die Irre führen: Eine Großmacht, die ihren Kompass für eine Politik sozialer Gerechtigkeit über Bord wirft, nimmt auch den Rest der Welt für die Kosten dieser Fahrlässigkeit in Haftung.
George Packer: Die Abwicklung. Eine innere Geschichte des neuen Amerika. Aus dem Amerikanischen von Gregor Hens. S. Fischer, Frankfurt a.M. 2014. 510 S., 24,99 Euro.
Gewerkschaften haben in den
USA so gut wie keinen Einfluss.
Das schadet dem Land
1971 gab es 175 registrierte
Lobbyfirmen. Heute sind es
knapp 14 000
Zelte für Obdachlose: besser als nichts. Das Vermögen der Gründer des US-Unternehmens Walmart ist so groß wie das „Vermögen“ der ärmsten 30 Prozent der US-Bürger.
Foto: Justin Sullivan /AFP
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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"Epic, sad and unsettling history of the last four decades in the US... It is a testament to Packer's talents that The Unwinding is powerful, rather than off-puttingly earnest or just depressing, and that it lingers so long after reading. The sense of loneliness - of isolated souls, failed by their institutions, pummelled by the forces of big money - seems to seep under your skin, and to stay there."