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Späten Ruhm erfährt Eduard Saxberger in vorgerücktem Alter. Ein junger Mann sucht ihn auf und gibt sich als Leser jenes schmalen Bandes zu erkennen, mit dem Saxberger einst für Furore sorgte; der Verehrer lädt ihn in einen Schriftstellerverein ein, denen er als Vorbild gilt. Zuerst beschämt, an das verlorene Vergangene erinnert zu werden, dann fasziniert von den Debatten um die wahre Kunst, schließt sich Saxberger den Literaten an. Aber Neues zu schreiben, bemerkt er bald, schafft er nicht mehr. Ein Jahr nach dem Erfolg von "Anatol" und ein Jahr vor dem Durchbruch mit "Liebelei" werden in…mehr

Produktbeschreibung
Späten Ruhm erfährt Eduard Saxberger in vorgerücktem Alter. Ein junger Mann sucht ihn auf und gibt sich als Leser jenes schmalen Bandes zu erkennen, mit dem Saxberger einst für Furore sorgte; der Verehrer lädt ihn in einen Schriftstellerverein ein, denen er als Vorbild gilt. Zuerst beschämt, an das verlorene Vergangene erinnert zu werden, dann fasziniert von den Debatten um die wahre Kunst, schließt sich Saxberger den Literaten an. Aber Neues zu schreiben, bemerkt er bald, schafft er nicht mehr. Ein Jahr nach dem Erfolg von "Anatol" und ein Jahr vor dem Durchbruch mit "Liebelei" werden in diesem jetzt erstmals veröffentlichten frühen Porträt der literarischen Boheme die Ängste und Zweifel des 32-jährigen Arthur Schnitzler sichtbar.
  • Produktdetails
  • Verlag: Zsolnay
  • 2. Aufl.
  • Seitenzahl: 160
  • Erscheinungstermin: 9. Mai 2014
  • Deutsch
  • Abmessung: 207mm x 135mm x 18mm
  • Gewicht: 267g
  • ISBN-13: 9783552056930
  • ISBN-10: 3552056939
  • Artikelnr.: 40810185
Autorenporträt
Schnitzler, Arthur
Arthur Schnitzler, geboren 1862 und gestorben 1931 in Wien, zählt sowohl als Erzähler als auch als Dramatiker zu den bedeutendsten deutschsprachigen Schriftstellern. Sein Werk wurde und wird in alle Sprachen der Welt übersetzt und auf allen Bühnen gespielt.

Hemecker, Wilhelm
Wilhelm Hemecker ist Universitätsprofessor und Direktor des Ludwig Boltzmann Instituts für Geschichte und Theorie der Biographie in Wien; Mitherausgeber von "Mythos Bachmann" (2011).
Rezensionen
Besprechung von 11.05.2014
Wir Selbstbegeisterten

Eine Novelle von Schnitzler taucht auf, 120 Jahre alt. Über Blogger, blanke Nerven und die Sucht nach Ruhm. Also über unsere Zeit

Sie heißen "Die Begeisterten", sie sind eine Gruppe junger Dichter und Journalisten aus Wien, niemand kennt bislang ihre Namen, ihre Werke, aber sie sind von ihrem kommenden Ruhm und ihrer Bedeutung ganz und gar durchdrungen. Die Welt wird sie kennenlernen, und sie wird danach eine andere sein. Alle, die nicht zur Gruppe der Begeisterten gehören, nennen sie "Die Talentlosen", ahnungslose Würstchen, Neider, Kretins allesamt, weil sie "Die Begeisterten" nicht kennen und nicht anerkennen. Besser hieße die Gruppe "Die Selbstbegeisterten".

Dieser superstolze Dichterverein steht im Zentrum der Novelle "Später Ruhm" von Arthur Schnitzler, die jetzt, hundertzwanzig Jahre nach ihrem Entstehen, erstmals veröffentlicht wird. Der Nachlass des jüdischen Dichters und Dramatikers Arthur Schnitzler, der 1931 starb, war nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland im Jahr 1938 nach England gelangt, wo er heute noch in der Universitätsbibliothek von Cambridge verwahrt wird. Und die Schnitzler-Forscher Wilhelm Hemecker und David Österle haben darin also diesen Schatz entdeckt, der Zsolnay-Verlag gibt das Werk jetzt heraus.

Eine Sensation ist es vielleicht nicht, auch wenn man sich wieder einmal wundert, was alles so in den Literaturarchiven der Welt verborgen liegt. Es ist wohl eher sogar so, dass sich nur noch wenige an diesen Text erinnern würden, wenn er in einer der zahlreichen Novellensammlungen Schnitzlers enthalten wäre, die heute in den Antiquariaten verstauben.

Aber er ist ja nirgendwo enthalten, und wir können ihn heute also lesen wie einen neuen Text von Arthur Schnitzler, herübergerufen aus der Zeit, als die Wiener Moderne noch hypermodern war. Aus dem Zentrum der Welt, in der sie entstand. Im Wiener Kaffeehaus, im "Café Griensteidl", 1894. Arthur Schnitzler schrieb mit.

"Später Ruhm" ist zunächst einmal die Geschichte eines Dichters, Eduard Saxberger, siebzig Jahre alt, der früh im Leben Gedichte schrieb und veröffentlichte. Er hatte keinen Erfolg, wurde darüber aber nicht trübsinnig, sondern Beamter. Er selbst hat seine frühe Dichterei schon fast vergessen, als eines Tages ein junger Mann in seiner Wohnung auf ihn wartet. Es ist einer der Begeisterten, und er ist - begeistert. Er schwärmt den vergessenen Dichter an, er habe dessen Gedichtband "Wanderungen" gelesen, er sei erschüttert und seine Freunde alle auch, man bewundere ihn, er müsse ihren Kreis mit seinem Besuch beehren.

Saxberger kann es nicht fassen. Er selbst hat ja seit Jahren an das Dichten nicht mehr gedacht. Was das denn für Leute seien, zu denen er ihn da mitnehmen wolle? Der Begeisterte erklärt: "Es ist ein Kreis junger Schriftsteller, die sich seitab von der großen Heerstraße halten. Wenn ich Ihnen die Namen derselben sage, würde Ihnen nicht viel geholfen sein. Man kennt diese Namen heute noch nicht. Wir sind einfach Künstler, nichts weiter als das, und unsere Zeit wird kommen."

Und ihre Zeit kam. Nicht mehr in der Novelle, da sind sie und bleiben es, ein Haufen sich selbst überschätzender, kritikresistenter, geltungssüchtiger Aufblasdichter. In der Wirklichkeit aber, die Schnitzlers Novelle zugrunde liegt, wurden sie groß, ja riesenhaft, und ihre Vorstellungen, die sie sich vom Leben machten und von ihrer Bedeutung, traf bei den meisten ein. Seit Anfang der 1890er Jahre trafen sie sich im "Café Griensteidl", Peter Altenberg, der große Kaffeehausphilosoph, Felix Salten, der neben "Bambi. Eine Lebensgeschichte aus dem Walde" auch den pornographischen Roman "Josefine Mutzenbacher" schrieb, Hugo von Hofmannsthal, der damals noch zur Schule ging und mitunter von seinem Vater ins Café gebracht wurde, der "Prophet der Moderne" Hermann Bahr und eben Arthur Schnitzler, der damals noch als Arzt arbeitete, gleichzeitig aber schrieb - vor allem Dramen, die auch schon mit ein wenig Erfolg aufgeführt worden waren. Jetzt, 1894, ist er an einem Scheidepunkt seines Lebens, sein Vater, der die literarischen Ambitionen des Sohnes ebenso missbilligt hatte wie dessen weitschweifiges Liebesleben, war ein Jahr zuvor verstorben. Arthur Schnitzler stand vor dem Absprung zum reinen Künstlertum. Da schrieb er die Novelle des alten Mannes, der dem frühen Ruf des Künstlerlebens nicht gefolgt war, der sich von der Erfolglosigkeit hatte entmutigen lassen und sein Leben abends in der Kneipe "Blaue Birne" vertut.

Das Erstaunliche an Schnitzlers Novelle ist nun aber, dass hier nicht etwa der alte Mann, der seine Kunst verleugnet hatte, der Dummkopf oder tragische Held der Geschichte ist, sondern die Jungs aus dem Café. Der alte Dichter findet am Ende halbwegs erschüttert wieder in seine alte Beamtenzufriedenheit zurück, nachdem die Begeisterten ihre Begeisterung für ihn wieder vergessen haben. Doch die jungen Dichter sind allesamt Schaumschläger, die um jeden Preis für sich und ihre Werke Reklame machen wollen, aber sonst nichts zu sagen haben, außer eben, dass sie "abseits der Heerstraßen" dichten, sich modern fühlen und irgendwie beachtliche "Nerven haben". Ungefähr so, wie der junge Hofmannsthal, der in der Novelle als Minidichter Winder auftaucht ("Dieser Herr ist ein Kind und schreibt - alles"), es 1893 in einem Aufsatz beschrieben hatte: "Man hat manchmal die Empfindung, als hätten uns unsere Väter und unsere Großväter nur zwei Dinge hinterlassen: hübsche Möbel und überfeine Nerven. Die Poesie dieser Möbel erscheint uns als das Vergangene, das Spiel dieser Nerven als das Gegenwärtige."

Drei Jahre nachdem Schnitzler seine Novelle über die "Griensteidl"-Welt geschrieben hatte, wurde das berühmte Kaffeehaus, in dem schon Grillparzer gedichtet hatte, abgerissen. Und der damals 23-jährige Karl Kraus, der nicht zu den Jung-Wienern dazugehörte, aber auch immer etwas abseits im Café saß, schrieb seine berühmte Abrechnung mit der Dichtergruppe. "Die Demolirte Literatur" hieß sein Strafgericht, das er so enden ließ: "Der Demolirarbeiter pocht an die Fensterscheiben - es ist die höchste Zeit. In Eile werden alle Literaturgeräthe zusammengerafft: Mangel an Talent, verfrühte Abgeklärtheit, Posen, Größenwahn, Vorstadtmädel, Cravatte, Manierirtheit, falsche Dative, Monocle und heimliche Nerven - Alles muß mit. Zögernde Dichter werden sanft hinausgeleitet. Aus dumpfer Ecke geholt, scheuen sie vor dem Tag, dessen Licht sie blendet, vor dem Leben, dessen Fülle sie bedrücken wird."

Der blasse Kraus ist damals noch nicht der humorlose, schlechtgelaunte Blogger der Bewegung, der er mit dem Erscheinen des ersten Bandes seiner "Fackel" werden wird: Er kommt natürlich auch zur Abschiedsparty, die die von ihm beschimpften Dichter bald darauf im "Griensteidl" feiern. Das erscheint den jungen Leuten dann doch etwas zu mutig. Felix Salten gab Kraus eine Ohrfeige, was die "Wiener Illustrierte Zeitung" am nächsten Tag vermerkte. Und hinzufügte: "Sonst war die Stimmung famos." Auch Schnitzler notierte im Tagebuch, Salten habe "den kleinen Kraus geohrfeigt, was allseits freudig begrüßt wurde".

Der kleine Kraus. Wer weiß, was aus ihm geworden wäre, wenn er nicht am Anfang seiner Laufbahn ein paar hinter die Ohren bekommen hätte. Sondern die Verhöhnten ihn einfach hätten mitfeiern lassen, wie es doch eigentlich Wiener Art sein soll.

Und wie es zum Beispiel der Schriftsteller, Blogger und Neu-Wiener Joachim Lottmann in seinem neuen Wiener Kaffeehausroman "Endlich Kokain" als eine Art idealer "Parallelwelt" beschreibt, in dem politische, erotische und literarische Konflikte sich in einer höheren Harmonie aufzulösen scheinen. "Hier scheint keiner ressentimentgesteuert zu sein", schreibt Lottmann. Und wenn man die Fortsetzung seines Romans auf den Bildern und in den Berichten verfolgt, die er in die sozialen Netzwerke postet, dann kommt es einem manchmal so vor, als sei Schnitzlers Welt des jungen Wien, wie wir sie in seinem neuen alten Text lesen können, gar nicht vergangen. Die Welt der fröhlichen Selbstüberschätzung, der tollen Nerven, der heiteren Gewissheit, genau jetzt am genau richtigen Ort zu sein und genügsam mit bekannten Dichtern am Tisch zu sitzen, die Welt zu bedichten und auf kommenden Ruhm zu hoffen. Lottmann sitzt mit Thomas Glavinic, Dirk Stegmann, Klaus Maria Brandauer aber seltener im "Griensteidl", das 1990 wiedereröffnet wurde, dafür öfter im "Café Anzengruber".

Die Sucht nach Ruhm und Aufmerksamkeit ist ja ohnehin keine Erfindung Schnitzlers. Was man aber aus seinem hundertzwanzig Jahre alten Text lernen kann - und was selbst Karl Kraus hätte aus ihm lernen können -, ist ein ironischer Blick auf sich und die Welt. Das macht diese Novelle aus der Wiener Moderne zu einem modernen Text von heute.

VOLKER WEIDERMANN

Arthur Schnitzler: "Später Ruhm". Herausgegeben von Wilhelm Hemecker und David Österle. Zsolnay-Verlag, 140 Seiten, 17,90 Euro. Ab Samstag im Handel

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension

Mit großem Vergnügen hat Judith von Sternburg die frühe Künstlernovelle "Später Ruhm" aus dem Nachlass Arthur Schnitzlers gelesen. Die Rezensentin hebt hervor, dass der Text, der lange als verschollen galt, weder ein unausgegorenes Anfängerstück noch der Geniesteich eines jungen Dichters ist. Die Geschichte um einen biederen Beamten, dessen in jungen Jahren verfasster Gedichtband "Wanderungen", von ihm selbst längst vergessen, nun mehr oder weniger zufällig entdeckt und von jugendlichen Künstlern als "von der Welt missachtetes Meisterwerk" gefeiert wird, ist für die Rezensentin schlicht eine exzellente Satire, die durch eine perfekte Dramaturgie, Witz, Ironie und zahlreichen treffsicheren Pointen punktet.

© Perlentaucher Medien GmbH
Besprechung von 19.07.2014
Die schönsten Seiten des Sommers
Wie schützt man sich
vor Bewunderern?
Die einen nennen es eine Sensation, die anderen sagen, Meisterwerke sähen anders aus. Der Zsolnay Verlag hat die unveröffentlichte Novelle „Später Ruhm“ von Arthur Schnitzler herausgebracht, und man liest die Geschichte vom alten Dichter Eduard Saxberger nicht ohne Rührung. Der junge Wolfgang Meier hat Saxbergers Bändchen „Wanderungen“ angeblich verschlungen und lässt den Alten wissen, dass die literarische Jugend darauf brenne, den Meister neu zu entdecken. Schnitzlers Geschichte ist ein sarkastisches Lehrstück darüber, dass es manchmal besser ist, vergessen zu sein, als von sogenannten Verehrern gedemütigt zu werden.
HILMAR KLUTE
    
  
  
  
Arthur Schnitzler:
Später Ruhm. Novelle.
Paul Zsolnay Verlag, Wien 2014. 160 Seiten, 17,90 Euro, E-Book 13,99 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
"'Später Ruhm' ist eine späte Entdeckung. Es ist schon sehr viel mehr vom großen Schnitzler in dieser Novelle zu erkennen, als ihr Verfasser selbst geahnt haben dürfte." Hubert Spiegel, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.05.14 "Was man aus seinem hundertzwanzig Jahre alten Text lernen kann - und was selbst Karl Kraus hätte aus ihm lernen können -, ist ein ironischer Blick auf sich und die Welt. Das macht diese Novelle aus der Wiener Moderne zu einem modernen Text von heute." Volker Weidermann, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 11.05.14 "Die tragikomische Geschichte vom verzauberten Biedermann, der Anschluss an eine Zeit zu finden sucht, aus der er längst herausgefallen ist, folgt einer schlichten, aber mitreissenden und präzis durchgeführten Psychologie." Andreas Breitenstein, Neue Zürcher Zeitung, 15.05.14 "Ein vorzügliches Stück tüchtig satirischer und psychologisch informierter Literatur." Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau, 16. 05.14 "Ein melancholisch-ironisches Stück, in dem Schnitzler - Anfang 30, den eigenen Ruhm noch vor sich - eine nostalgische Pose probt und zugleich seine eigenen Künstlerfreunde sanft karikiert." Martin Ebel, Tages-Anzeiger, 16.05.14 "Ein neuer Text des großen österreichischen Dramatikers und Erzählers, erstmals überhaupt veröffentlicht, ist für jeden Liebhaber deutschsprachiger Literatur ein Leckerbissen." Mathias Schnitzler, Berliner Zeitung, 20.5.14 "Ein sarkastisches Lehrstück darüber, dass es manchmal besser ist, vergessen zu sein, als von sogenannten Verehrern gedemütigt zu werden." Hilmar Klute, Süddeutsche Zeitung, 21.07.14…mehr