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Jochen Schimmang erzählt die Geschichte von Leo Münks, Verfassungsschützer, und Gregor Korff, Ministerberater. Ihre Köln-Bonner BRD-Welt gerät mit der Wende ins Wanken: Gregor erfährt, dass seine große Liebe, die ihn Mitte der Achtzigerjahre plötzlich verlassen hat, ein Stasi-Spitzel war; und Leo Münks wird ein Freund aus Berliner Studententagen, der ein Germania-Denkmal in die Luft sprengen will, beinahe zum Verhängnis. Schimmang, der Archivar der verschwindenden Dinge, hat einen klugen und sehr spannenden Roman über die letzten Jahrzehnte der Bonner Republik geschrieben.…mehr

Produktbeschreibung
Jochen Schimmang erzählt die Geschichte von Leo Münks, Verfassungsschützer, und Gregor Korff, Ministerberater. Ihre Köln-Bonner BRD-Welt gerät mit der Wende ins Wanken: Gregor erfährt, dass seine große Liebe, die ihn Mitte der Achtzigerjahre plötzlich verlassen hat, ein Stasi-Spitzel war; und Leo Münks wird ein Freund aus Berliner Studententagen, der ein Germania-Denkmal in die Luft sprengen will, beinahe zum Verhängnis.
Schimmang, der Archivar der verschwindenden Dinge, hat einen klugen und sehr spannenden Roman über die letzten Jahrzehnte der Bonner Republik geschrieben.
  • Produktdetails
  • Verlag: Edition Nautilus
  • 2. Aufl.
  • Seitenzahl: 320
  • Erscheinungstermin: Juni 2009
  • Deutsch
  • Abmessung: 214mm x 136mm x 35mm
  • Gewicht: 480g
  • ISBN-13: 9783894015985
  • ISBN-10: 3894015985
  • Artikelnr.: 26384764
Autorenporträt
Jochen Schimmang, geboren 1948, studierte Politische Wissenschaften und Philosophie an der FU Berlin und lehrte an Universitäten und in der Erwachsenenbildung. Von 1978 bis 1998 lebte er in Köln, seit 1993 als freier Schriftsteller und Übersetzer. Jochen Schimmang lebt heute in Oldenburg. Seine schriftstellerische Arbeit wurde mit zahlreichen Preisen und Stipendien gefördert.
Rezensionen
Besprechung von 05.12.2009
Berlin, dieser Emporkömmling

Ein zorniger, wehmütiger Blick zurück auf ein Land, das es nicht mehr gibt: Jochen Schimmang trauert in seinem Roman "Das Beste, was wir hatten" um die Rheinische Republik.

Von Martin Halter

Wie Hitlers Kronjurist klammheimlich zur Identifikationsfigur enttäuschter Achtundsechziger wurde, gehört zu den merkwürdigsten Paradoxa bundesdeutscher Geschichte. Insofern ist es kein Zufall, dass Gregor Korff, der scheue Liebhaber der alten Bundesrepublik, sich in den Irr- und Umwegen von Carl Schmitts politischer Biographie wiedererkennt. "Dezisionismus-Korff", der vom Maoisten zum Spin Doctor der Regierung Kohl konvertierte linke Melancholiker, hat nicht nur über Carl Schmitt und seinen Einfluss im Nachkriegsdeutschland geforscht und gelehrt. Am Beginn seiner Karriere stand 1968 die "Politische Romantik" seiner Generation, am Ende die Einsamkeit des versprengten Partisanen. Dazwischen lag sein Flirt mit der Macht, das Missverständnis eines desillusionierten Intellektuellen, der sich in seiner Zuschauerloge eingerichtet und mit einer "Loyalität ohne Glauben" nach oben gemogelt hatte. Und was für Schmitt die serbische Hochstaplerin, war für Korff Sonja, die Stasi-Agentin: eine Liebesbetrügerin, die ihn närrisch vor Glück machte, ehe sie nach der Wende spurlos verschwand.

Warum ist es am Rhein so schön? Selbst der kaltblütige "Meisterdenker" aus der norddeutschen Provinz wird Rheinländer aus Überzeugung und sentimental, wenn er an das "blühende Provisorium" denkt, dem er seine politische Karriere und sein privates Glück verdankt. "Dies ist mein Land, an dem ich mein Wohlgefallen habe", die Wahlheimat, in der Gregor nach langen Lehr- und Wanderjahren seinen Frieden fand. Als die Mauer fällt und das größere Deutschland auch "größer zu denken" beginnt, zerbricht sein wohltemperiertes, unschuldiges Idyll und mit ihm sein richtiges Leben im falschen. Gregor erlebt die Wiedervereinigung als Vertreibung aus dem Paradies und zugleich als ferne, fremde Parallelaktion, die ihn nichts angeht; mit Musil zu reden: "Seinesgleichen geschieht." Kohls Wort vom glücklichsten Moment deutscher Geschichte ist für ihn Drohung und Hohn: "Das Beste, was wir hatten" sind nicht die blühenden Landschaften vor uns, sondern was hinter ihm liegt und unwiderruflich verloren ist: ein deutscher Staat, "so vernünftig, so wenig extrem, so gemäßigt", so kommod und zivil wie keiner zuvor; eine gesicherte Existenz als Politikberater des CDU-Innenministers, die watteweiche "Trance" und ironische Distanz erlaubt; dazu Reisen, Rotwein und Zigarren, ein Häuschen in Königswinter, Freunde und jede Menge Frauen. Gregor war mit sich und der Welt im Reinen, und wenn er mit Peter Glotz einen Abend verplauderte, mit dem Weltgeist im Bunde: Glotz verstand, dass ein kluger Linker, der ohne Ehrgeiz, fast gegen seinen Willen an die Fleischtöpfe des Politikbetriebs gespült wird, seinem Selbstekel ab und zu in kleinen, karriereunschädlichen Eklats Luft verschaffen oder wenigstens beim Bob-Dylan-Konzert Tränen hinter der Sonnenbrille weinen muss. Jochen Schimmang, seit seinem "Schönen Vogel Phönix" ein getreuer Chronist der Romantiker und Partisanen der alten Bundesrepublik, stimmt auch in seinem neuen Roman seinen Schwanen- und Sirenengesang auf die beste aller Welten an, abgeklärt, skeptisch und unversöhnt wie immer, verführerischer denn je.

1968 floh Gregor (wie Schimmang) nach Berlin, ins Schlupfloch aller Geschichts- und Wehrdienstverweigerer, um Politik und Weltrevolution zu studieren. Beim Fußball und in einer K-Gruppe fand er Genossen nach seinem Geschmack. Alle kehren früher oder später an den Rhein zurück. Leo Münks wechselt die Seiten und wird Verfassungsschützer in Köln. Carl Schelling taucht als Archivar im Kölner Stadtarchiv unter und träumt davon, das Niederwalddenkmal, den preußischen Stachel im rheinischen Fleisch, in die Luft zu sprengen. Uli Goergen, der schon beim Fußball so lässig aus der Tiefe des Raums kam ("Ich kann nur Ironie"), wird Philosophieprofessor, Jugendfreund Nott, mit dem Gregor einst im Schuppen Beckett spielte und die Fuchs-Schwestern verführte, Rechtsanwalt. Acht Jahre lang genießt Korff seine provisorische Freiheit im Windschatten der großen Politik, dann dreht der Wind und schlägt ihm den Mantel der Geschichte ins Gesicht.

Korffs ohnehin aufgebrauchte diskrete Loyalität wird nicht mehr gebraucht, seine ironischen Arrangements genügen den Herren des neuen Deutschlands nicht mehr, und als nach der Wende seine Affäre mit Sonja ruchbar wird, verliert er alles: Amt, Wohnung und Datscha, seinen Seelenfrieden, seine Geliebte, Leos Frau Anita, selbst seinen geliebten Borgward. Das Geschäft des Redenschreibens und Wertepredigens übernehmen jetzt ehrgeizige Professoren wie Jerschel (ein wenig schmeichelhaftes Porträt von Michael Stürmer) und wendige Renegaten wie Peter Schuster (alias Peter Schneider). Desillusioniert und orientierungslos, erinnert sich Gregor seiner vergessenen Ideale und Schmitts Souveränitätserklärungen: Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet. Frieden kann es nur auf der Basis eines geordneten Freund-Feind-Denkens geben.

So radikalisiert sich die personifizierte Mitte. Bei einer Podiumsdiskussion schleudert Gregor Jerschel und Schuster Farbbeutel ins Gesicht, aber der erhoffte Skandal bleibt aus. Als Schelling, der nicht nur im Kino mit den Zähnen knirschen und heimlich die Fäuste ballen will, bei seinen Attentatsvorbereitungen ertappt wird, befreien Gregor, Leo und Anita den tapferen Statthalter ihrer Utopien aus der Untersuchungshaft. Schimmang gönnt seinen Aussteigern aus verlorener Ehre und schlechtem Gewissen sogar ein Happy End im Rahmen der politischen Möglichkeiten: Carl wird in seinem zweiten Leben als Koch in Amsterdam glücklich, Leo, der Held der inneren Sicherheit, kündigt den Staatsdienst ausgebrannt auf, und Gregor findet am Ende im alten Schuppen zwei Jugendliche, die, wie damals, von Liebe und Widerstand träumen.

Schimmang beschreibt Gregors trotzigen "rheinischen Separatismus" und seine Wut auf die opportunistischen Schwadroneure und Karrieristen der Berliner Republik mit grimmiger Sympathie, ohne dabei den roten Faden und die erzählerische Souveränität zu verlieren. Kunstvoll und unaufgeregt verknüpft er reale mit erfundenen Figuren, politische Typen und Haltungen mit individuellen Schicksalen, die offizielle Geschichte der Bundesrepublik zwischen 1963 und 1996, von Boris Becker bis Berti Vogts, mit privaten Geschichten. Schimmangs Blick zurück ist voller Zorn, Wehmut und Trauer, aber frei von Larmoyanz und altklugem Zynismus: keine Hymne auf das selbstzufriedene Glück im rotgrünen Winkel der neuen Bürgerlichkeit, sondern ein literarischer Farbbeutelwurf vom Rhein nach Berlin. "Das Beste, was wir hatten" gehört mit zum Besten, was wir auf dem weiten Feld des politischen Zeit- und Gesellschaftsromans haben.

Jochen Schimmang: "Das Beste, was wir hatten". Roman. Edition Nautilus, Hamburg 2009. 320 S., geb., 19,90 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Besprechung von 26.01.2010
Glücklich in Bonn
Ein westlicher Wende-Roman: „Das Beste, was wir hatten” von Jochen Schimmang
Der politische Romantiker sei ein ichsüchtiger, rückgratloser, entscheidungsunfähiger und passiver Taugenichts, ereiferte sich Carl Schmitt schon 1919. Der Staatsrechtler und spätere Kronjurist des Dritten Reiches schrieb gegen einen Träumer an, der die Welt von einem Sonnenplätzchen aus betrachtet, gerne in vergangenen Zeiten schwelgt und sich seinen erlesenen Empfindungen hingibt. Man kann sich einen Stimmungsmenschen und guten Esser vorstellen, dem schmallippige Empörung und asketische Schneidigkeit völlig fremd sind – das schlichte Grauen für die Epoche der Stiefelknaller. Die Hauptfigur in Jochen Schimmangs Roman „Das Beste, was wir hatten” ist so ein vergangenheitsseliger Zurückblicker. Das Beste, findet Gregor Korff, war seine Jugend in den Sechzigern, als er heimlich Beckett-Stücke probte. Und noch viel besser erscheint ihm in der Rückschau die Bonner Republik. In ihr hat er ein gutes Auskommen gefunden – als Politikberater und Carl-Schmitt-Experte.
Wir befinden uns am Ende einer Ära: Die achtziger Jahre sind fast vorbei, der Nachsommer der alten BRD ist verblüht, und schon ertönt das Donnergrollen der Berliner Republik. Seit vielen Jahren arbeitet Gregor Korff für den obersten Kreis der Macht; in seinem namentlich nie genannten Chef erkennt man leicht den CDU-Politiker und späteren Bundesinnenminister Rudolf Seiters. Dass „Dezisionismus-Korff”, so nennt man ihn, in seiner Berliner Studienzeit bei einer K-Gruppe aktiv war, passt perfekt in diesen Lebenslauf. Und doch hat es der Roman weder auf den Marsch durch die Institutionen abgesehen noch auf linke Jugendideale, die ausprobiert und abgelegt werden. Es geht vielmehr um ein bundesrepublikanisches Stimmungspanorama, um einen atmosphärischen Abgesang auf das Provisorium, das mit seinem Bescheidenheitsgestus so rheinisch gewitzt daherkommt und dann doch von der preußischen Pompmaschine überrollt wird.
So zumindest sehen es neben Gregor Korff auch dessen Freunde – alle betrauern sie ihre gute Zeit im Zentrum der Republik. Da ist zum einen Leo Münks, ein Mann mit einem rückhaltlos offenen „Heinrich-Böll-Gesicht”. Er arbeitet beim Verfassungsschutz, „beim Amt”, wie er selbst mit matter Ironie sagt. Leo und Gregor kennen sich aus Berliner Studientagen, aber Leo wechselte schon viel früher die Seiten. Als Spitzel observierte er auch den Freund und ermöglichte ihm den Absprung aus seinem politischen Zirkel. Leos Frau ist die Dritte im Bunde, „eine waschechte Kölnerin”, mit der Gregor zeitweise ein Verhältnis hat. Aber erst Gregors Beinahe-Ehefrau bringt Unruhe in den Freundeskreis: Sie wird als Stasi-Spitzel enttarnt, was Gregor den Job kostet. Ganz ähnlich ging auch schon Carl Schmitt einer Betrügerin auf den Leim – in seinem Fall war es allerdings eine serbische Hochstaplerin.
Dieser Liebesverrat ist geschickt eingebettet in das Psychogramm einer Generation, die sich nach ihren Mao- und Stalin-Flirts endlich daheim fühlt im Westen. „Gregor liebte seinen Fußweg zur Arbeit und zurück. Wieder dieses Gefühl: Ich bin am Leben, ich bin angekommen. Unter allen Angehörigen der politischen Klasse, die sich jeden Tag durch diese Stadt bewegten, war er vermutlich der einzige, der mit Überzeugung gesagt hätte: Ich liebe Bonn.” Das ist starker Tobak. Doch der fügt sich nahtlos ein in die Sympathie fürs Rheinische, die den Roman durchzieht. „Das Beste, was wir hatten” ist auch ein Wenderoman aus Westperspektive, der nach all den Ost-Untergangsgeschichten zeigt, wie der alte Westen implodiert. An der Achse Bonn – Berlin ordnen sich alle Gegensätze: Rheinland gegen Preußen, warm gegen kalt, Auf-dem-Teppich-Bleiben gegen nationales Gefuchtel, solide Beständigkeit gegen dubioses Aufschneidertum, David gegen Goliath – nur dass Goliath gewinnt.
Aber ein letztes Aufbäumen gönnt Jochen Schimmang seinen wohlsituierten Melancholikern dann doch. Ein alter Bekannter aus Berliner Zeiten, der fest auf dem Boden seiner freiheitlich-anarchistischen Grundwerte steht, mag sich mit der neuen Nation nicht abfinden. Er arbeitet bei einer klandestinen Zeitschrift namens Res publica mit und plant, das Niederwald-Denkmal mit seiner protzigen Germania in die Luft zu sprengen. Ein klarer Fall von politischer Romantik, denkt der träge Dezisionismus-Korff und zitiert Carl Schmitt: „Ihre Taten sind Zeitschriften.” Dann aber, wir befinden uns mittlerweile in den frühen Neunzigern, geht es plötzlich sehr aktionistisch zur Sache. Der Anarchist wird geschnappt und in einer spektakulären Aktion von Leo und Gregor aus der Haft befreit.
Dass der freundliche Germania-Bomber an einer „Geschichte des rheinischen Separatismus” schreibt, ist natürlich kein Zufall. Schimmangs klug komponierter Roman zieht diese Figur als letzten Trumpf, als stillen Retter, der sich dem großkotzigen Gestus der Berliner Republik verweigert und dafür auch einen historischen Hintergrund zu bieten hat. Nur ist es leider der falsche. Der stille Mann bekämpft den befürchteten Nationalismus mit Lokalpatriotismus; er sucht etwas Besseres als die Nation und findet es, wie auch Gregor, in einem kleineren Stück Heimat. Im Grunde ähnelt er seinem Freund, der sich an blühenden Rheinwiesen romantisch berauscht.
So sehr man diesen Wende-Roman für sein präzises Stimmungsbild preisen kann, so sehr reizt seine Vergangenheitsseligkeit zum Widerspruch. Dass die Berliner Republik mit der Abrissbirne gegen die sozialen Errungenschaften der alten BRD vorgeht – geschenkt. Aber das ist es gar nicht, was der Roman in erster Linie betrauert. Jochen Schimmang, Jahrgang 1948, gilt seit seinem autobiographischen Roman „Der schöne Vogel Phönix” (1979) als Chronist jener 68er, die der „Tristesse der kommunistischen Parteikostümierung” glücklich entkommen sind – so hat er einmal über zwei verschwendete Berliner Polit-Jahre geschrieben. Seither geht es eher ums wohltemperierte eigene Erleben, und tatsächlich sind auch die Aktionen seiner nostalgischen Separatisten nicht „politisch”, sondern gelten eher der Rettung eines Lebensstils. „Das Beste, was wir hatten” bringt eine ästhetische Haltung ebenso selbstironisch wie clever auf den Punkt; mit seinem wehmütigen Blick zurück tappt der Roman aber in die gleiche Nostalgiefalle wie seine Protagonisten. Ja, schön war die Zeit – aber wie kommt man bloß wieder raus aus diesem goldenen Erinnerungskäfig? Mit Nostalgie allein kann man den Großsprechern der Berliner Republik wohl kein Schnippchen schlagen. JUTTA PERSON
JOCHEN SCHIMMANG: Das Beste, was wir hatten. Roman. Edition Nautilus, Hamburg 2009. 320 Seiten, 19,90 Euro.
Die alte rheinische Bundesrepublik, wie war sie doch so schön
Das Licht der Bonner Republik: Kantine im Erich Ollenhauer-Haus, der ehemaligen SPD Parteizentrale Foto: LAIF
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Dies ist ein großer "Zeit- und Gesellschaftsroman" in alter Manier - und zwar, sagt der Rezensent Martin Halter ganz ausdrücklich, einer, der "zum Besten" gehört, das es auf diesem Gebiet gibt. Über Jahrzehnte verfolgt Jochen Schimmang das Schicksal einer Gruppe von Freunden, im Zentrum steht dabei ein Mann namens Gregor, der, von ganz links kommend, sich in der Bonner Republik bequem einrichtet, unter Kohl eine politische Karriere macht und durch die Wiedervereinigung und die neuen Verhältnisse, die sie schafft, ganz aus dem Tritt gerät. Was dabei entsteht, ist ein offenkundig immer wieder auch schlüsselromanartiges Porträt einer Zeit, deren nicht unangenehme Kommodheit Schimmang mit "grimmiger Sympathie" dem Rezensenten noch einmal vor Augen führt. Auch er kann dieser Haltung und dann auch dem ganzen Roman seine Sympathie nicht verweigern.

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