49,95 €
versandkostenfrei*

inkl. MwSt.
Sofort lieferbar
0 °P sammeln
    Buch mit Leinen-Einband

Die Ordnung der Welt ist eines der großen Probleme, mit denen die Staaten konfrontiert werden. Wer sorgt für Ordnung in der "Anarchie der Staatenwelt", wenn als Folge von Globalisierung die Beziehungen zwischen den Staaten immer dichter werden und der Bedarf nach internationaler Ordnung wächst? Der Weltstaat ist eine ferne Utopie. Die freiwillige Kooperation der Staaten durch Verträge, die Mitgliedschaft in internationalen Organisationen und die Normen des Völkerrechts stößt immer wieder an Grenzen, wenn wichtige Interessen betroffen sind. Anhand der vergleichenden Analyse großer Mächte - von…mehr

Produktbeschreibung
Die Ordnung der Welt ist eines der großen Probleme, mit denen die Staaten konfrontiert werden. Wer sorgt für Ordnung in der "Anarchie der Staatenwelt", wenn als Folge von Globalisierung die Beziehungen zwischen den Staaten immer dichter werden und der Bedarf nach internationaler Ordnung wächst? Der Weltstaat ist eine ferne Utopie. Die freiwillige Kooperation der Staaten durch Verträge, die Mitgliedschaft in internationalen Organisationen und die Normen des Völkerrechts stößt immer wieder an Grenzen, wenn wichtige Interessen betroffen sind.
Anhand der vergleichenden Analyse großer Mächte - von China der Song-Zeit bis zu den USA heute - formuliert Ulrich Menzel eine Theorie der internationalen Ordnung und leistet so einen maßgeblichen Beitrag zur aktuellen Hegemonie- und Imperiumsdebatte, die nach dem Ende des Kalten Krieges neuen Auftrieb erhalten hat. Zugleich liefert er eine Interpretation des Kalten Krieges als eines Konflikts zwischen amerikanischer Hegemonie und sowjetischem Imperium und der neuen Konstellation zu Beginn des 21. Jahrhunderts, die durch den globalen Ausscheidungskampf der absteigenden Hegemonialmacht USA und des neuen hegemonialen Herausforderers China geprägt ist.
  • Produktdetails
  • Verlag: Suhrkamp
  • Seitenzahl: 1228
  • Erscheinungstermin: 9. Mai 2015
  • Deutsch
  • Abmessung: 218mm x 146mm x 50mm
  • Gewicht: 1168g
  • ISBN-13: 9783518423721
  • ISBN-10: 351842372X
  • Artikelnr.: 36841055
Autorenporträt
Menzel, Ulrich
Ulrich Menzel ist Inhaber des Lehrstuhls für Internationale Beziehungen und Vergleichende Regierungslehre an der TU Braunschweig.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 24.06.2015

Wehe, wenn sie ihre Energie nach außen kehren

Was unterscheidet ein Imperium von einer Hegemonialmacht? Ulrich Menzel geht der Weltordnung auf den Grund und findet dort die Gründe für die Überlegenheit bestimmter Staatsformen.

Begriffe ohne Anschauung sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind blind - diese Formel Kants gilt in besonderem Maße für Arbeiten, die weltpolitische Konstellationen theoretisch zu durchdringen beanspruchen. Es gibt viele Theorien der internationalen Politik, die blutleer bleiben, weil sie ihre Grundthesen nicht oder nur oberflächlich am historischen Material entwickeln, und es gibt eine Fülle von Darstellungen der Weltgeschichte, die eine Ansammlung von Daten und Ereignissen bleiben, weil sie diese nicht mit Hilfe einer Theorie befragen und sortieren.

Dem Braunschweiger Politikwissenschaftler Ulrich Menzel ist beides gelungen: der Entwurf einer Hierarchie der Staatenwelt sowie die Veranschaulichung und zugleich Überprüfung dieser Theorie an einer Fülle von Beispielen, die von der Song-Dynastie in China über das Osmanische Reich an der Gelenkstelle dreier Kontinente bis zu den Vereinigten Staaten in unseren Tagen reicht. Ein solches Unterfangen hat seinen Preis, und der besteht in einem Buchumfang von weit über tausend Seiten, der manchen Neugierigen von der Lektüre abhalten dürfte. Wer sich indes durch die Fülle des Materials mitsamt den Statistiken und Graphiken durchgearbeitet hat, zieht daraus einen großen Gewinn: Ungefähr 1200 Jahre Weltgeschichte werden zur Grundlage für eine Prognose zum weiteren Verlauf des einundzwanzigsten Jahrhunderts.

Ausgangspunkt von Menzels Überlegungen ist die These, dass keineswegs die von der realistischen Schule der internationalen Beziehungen angenommene Anarchie der Staatenwelt der Normalzustand ist, von dem Abweichungen zu erklären sind, sondern dass sich im Verhältnis der Staaten zueinander immer wieder Hierarchien entwickeln lassen, die nach den Typen von Imperialität und Hegemonie zu unterscheiden sind. Menzel begründet den Unterschied zwischen Imperium und Hegemon weniger aus der Form der Herrschaft als vielmehr aus der Art, in der die Ordnungsmacht öffentliche Güter für andere Akteure bereitstellt: Als hegemonial bezeichnet er die Ordnung, in der alle an diesen öffentlichen Gütern teilhaben können und keiner von ihrem Genuss ausgeschlossen wird, während imperial bei ihm die Ordnungen heißen, in denen diese Güter einer begrenzten Anzahl von Akteuren vorbehalten sind, es sich im strengen Sinn also nicht um öffentliche, sondern um Clubgüter handelt.

Imperien sind dementsprechend immer damit beschäftigt, unerwünschte Kostgänger auszuschließen, während Hegemonialmächte zur Teilhabe an der von ihnen geschaffenen Ordnung geradezu einladen. Das heißt nicht, dass Letztere Ordnungsaltruisten wären; auch Hegemonialmächte profitieren von der Ordnung, die sie errichtet haben, aber sie tun es auf andere Weise als Imperien.

Menzel entwickelt diese Unterscheidung freilich nicht in der Erwartung, bei der Durcharbeitung der Geschichte auf deren Realisierung in Reinform zu stoßen. Im Gegenteil: Was er an seinen Beispielen beobachtet, von den chinesischen und mongolischen Großreichsbildungen über die italienischen Seerepubliken Genua und Venedig, das Osmanische und das Spanische Reich, dazu die beiden "seaborn empires" Portugal und Niederlande, schließlich Frankreich, Großbritannien und die Vereinigten Staaten, sind Hybride, in denen Hegemonialität und Imperialität unterschiedliche und sich immer wieder auch verändernde Mischungsverhältnisse eingegangen sind.

Die Art der Hybridbildung ist zum geringsten Teil die Folge von politischen Entscheidungen, sondern resultiert zumeist aus naturräumlichen Gegebenheiten, etwa dem Unterschied zwischen einer See- und einer Landmacht, verfügbaren Ressourcen in Verbindung mit Innovationen bei deren Einsatz und schließlich Defiziten und Mängeln, die kompensiert und ausgeglichen werden müssen.

So war das unendliche Weideland der Steppe die Grundlage für den kometenhaften Aufstieg des Mongolenreichs, denn es war die Voraussetzung für den Pferdereichtum der Mongolen, den diese in die unwiderstehliche Schlagkraft ihrer Kavallerie übersetzten. Aber diese Schlagkraft konnte sich auch in innermongolischen Rivalitäten erschöpfen, und deswegen kam es zur Weltreichsbildung erst, als Dschingis Khan die mongolischen Stämme einte und ihre Energie nach außen kehrte: Innerhalb eines halben Jahrhunderts eroberten sie das größte Landimperium, das es je gegeben hat. Dessen Ausdehnung vom Chinesischen Meer bis nach Iran und Mitteleuropa dient amerikanischen Politiktheoretikern heute als das Modell eines Konkurrenten, der den Vereinigten Staaten gefährlich werden könnte, weil er an ihre Stelle treten und sie ablösen könnte. Die Botschaft ist klar: China allein wird dazu nicht in der Lage sein.

Aber was haben die zeitweilig als grausame Eroberer auftretenden Mongolen an öffentlichen Gütern zur Verfügung gestellt? Die Pax mongolica und der infolgedessen erst mögliche Betrieb der Seidenstraße waren, so Menzel, die Grundlage des ersten wirklichen Weltsystems, in dem es zu einem Austausch zwischen China und Europa kam, nicht nur an Luxusgütern und Kenntnissen, sondern auch an Krankheiten und Seuchen wie der großen Pest in der Mitte des vierzehnten Jahrhunderts, der ein Drittel der europäischen Bevölkerung zum Opfer fiel. Die mongolischen Eroberungen schufen, ohne dass sie dies bezweckt hätten, die erste globale Ordnung, und an deren Vorgaben haben sich spätere Ordnungsstifter immer wieder orientiert - auch jene, die weniger mit militärischen als mit kommerziellen Mitteln eine solche Ordnung herstellten.

Die Niederländer und in deren Gefolge die Briten schufen ähnlich großräumliche Ordnungen, aber sie taten das mit gänzlich anderen Mitteln als die Mongolen - schon dadurch, dass sie die Verbindungen auf dem Seeweg und nicht auf dem Landweg herstellten.

Der Blick auf die Kombination von Ressourcen und Innovationen ermöglicht schließlich die Konstruktion von Zyklen, in denen eine Weltordnungsmacht aufgestiegen ist, den Zenit ihrer Machtentfaltung erreicht, um dann abrupt oder allmählich wieder abzusteigen. Eine Erklärung für den Verlauf dieser Zyklen sind für Menzel die Ressourcenüberlegenheit und das Innovationspotential in Relation zu den Konkurrenten um die Weltmachtposition. Der allmähliche Niedergang des Britischen Weltreichs und die Übernahme seiner Rolle durch die Vereinigten Staaten in der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts sind dafür seit längerem das Paradigma, und Menzel hat die an diesem Beispiel entwickelten Überlegungen auf die Geschichte früherer Weltordnungsmächte übertragen.

Ulrich Menzel hat ein großes Buch geschrieben - nicht nur im Hinblick auf seinen Umfang, sondern auch angesichts der Sorgfalt, mit der er das verfügbare Material zur Geschichte der großen Militär- und Handelsmächte durchgearbeitet hat. Zumindest im deutschsprachigen Bereich wird es lange dauern, bis eine Studie zur Weltgeschichte und ihren Ordnungsformen wieder an diese Arbeit heranreicht.

HERFRIED MÜNKLER.

Ulrich Menzel: "Die Ordnung der Welt". Imperium und Hegemonie in der Hierarchie der Staatenwelt.

Suhrkamp Verlag, Berlin 2015. 1129 S., geb., 49,95 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
…mehr
"Menzel hat ein großes Buch geschrieben ... im deutschsprachigen Raum wird es lange dauern, bis eine Studie zur Weltgeschichte und ihren Ordnungsformen wieder an diese Arbeit heranreicht."
Herfried Münkler, Frankfurter Allgemeine Zeitung 24.06.2015