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For over a century the Wagners have presided over the Bayreuth Festival, playing host to many of the greatest and ghastliest figures in the arts and politics amidst family in-fighting and political controversy. Drawing on extensive interviews with members of the family and on both archive and recent material, Jonathan Carr presents a balanced but gripping portrait of the Wagners and their circle; a story which presents a mirror of Germany's rise, fall and resurrection.…mehr

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Produktbeschreibung
For over a century the Wagners have presided over the Bayreuth Festival, playing host to many of the greatest and ghastliest figures in the arts and politics amidst family in-fighting and political controversy. Drawing on extensive interviews with members of the family and on both archive and recent material, Jonathan Carr presents a balanced but gripping portrait of the Wagners and their circle; a story which presents a mirror of Germany's rise, fall and resurrection.

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  • Produktdetails
  • Verlag: Faber And Faber Ltd.
  • Erscheinungstermin: 03.02.2011
  • Englisch
  • ISBN-13: 9780571260966
  • Artikelnr.: 38228976
Autorenporträt
Jonathan Carr wurde 1942 in Berkhamsted bei London geboren. Mehr als drei Jahrzehnte war er Auslandskorrespondent der Financial Times, deren Büroleiter in Frankfurt und Bonn er später wurde. Für seine Reportagen aus Deutschland bekam er mehrere Preise. Als Wagner-Kenner und -Liebhaber besuchte er seit 1970 regelmäßig Bayreuth. Jonathan Carr verstarb im Juni 2008.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 09.06.2008

Und täglich grüßt der Killerwal

Jonathan Carr hat zwar noch nicht alle Leichen im Keller der Familie Wagner ausgegraben, aber er erinnert uns in seinem Buch daran, wo sie liegen.

Es klingt wie ein Witz, was die freundliche Dame vom Verlag verspricht: Bei diesem Buch handele es sich um die "erste umfassende Geschichte" dieser interessanten Familie. Unmöglich. Keine andere deutsche Familie, nicht mal die Manns, ist so gründlich bis ins letzte Glied erforscht und so regelmäßig öffentlich durchgehechelt worden wie die derzeit immer noch in zwei zerstrittene Stämme verzweigte Nachkommenschaft des Komponisten Richard Wagner.

Machen wir die Probe aufs Exempel, holen wir das Maßband aus dem Nähkästchen. Das Ergebnis, nichtamtlich und ohne Gewähr, ermittelt jeweils inklusive Ahnherr, aber exklusive Werkausgabe, ergibt für die Mannfamilienbiographik 880 Regalmillimeter, für die der Wagners 1053.

Doch noch während man sich, auf der Bibliotheksleiter stehend, kursorisch vertieft in die geistreichen Analysen von Urenkelin Nike ("Wagner Theater", 1998), die verschraubten Inventuren von Enkel Wolfgang ("Lebensakte", 1994) oder in Wielands unzart geschönten Lebenslauf (dem der Autor Berndt B. Wessling 1997 den Titel "Der Enkel" gab, als habe es nur diesen einen je gegeben); während man die Klagen der Verstoßenen und Vertriebenen (Gottfried Wagner 1997, Friedelind Wagner 1944) sichtet sowie die aus frauensolidarischer Sicht wichtigen Würdigungen abgeschobener Ehefrauen (Gertrud 1998, Minna 2004), dämmert es rasch: Dies alles sind ja nur Teilwahrheiten. Ein Familienmitglied beharkt die anderen (oder lässt sie beharken). Und weil die Wagners seit mehr als einer Generation heillos zerstritten sind und alle ein bisschen verrückt; weil sie über scharfen Verstand und spitze Zungen verfügen, deshalb ist die familienbiographische Lage dieser Sippschaft so besonders uferlos und voller Lücken und Lügen. Die vom Wieland-Sohn Wolf Dietrich 1976 besorgte "Geschichte unserer Familie in Bildern" sackt ganz ab ins Anekdotische, die druckfehlersatte Broschüre "Die Wagners - Macht und Geheimnis einer Theaterdynastie" (2001) hält auch nicht, was der Titel verspricht, und Brigitte Hamanns Rowohlt-Monographie ("Die Familie Wagner", 2005) bleibt naturgemäß kursorisch. Wie gut, dass nun mal einer ganz souverän von draußen hereinspaziert in die gute Stube und die vielen kleinen Stapel schmutzige Wäsche neu sortiert.

Objektiv ist Jonathan Carr dabei keineswegs. Als langjähriger Bayreuth-Pilger bringt er eine große Liebe zu Wagners Musik mit, macht aber auch kein Geheimnis daraus, dass er den Komponisten charakterlich für ein Monstrum hält, das gern quälte, wen es liebte. Eindeutige Sympathien zeigt der Autor für die Zu-kurz-Gekommenen und für die Rebellen der Familie: für Nike, Gottfried, Friedelind, aber auch für den unterschätzten Siegfried Wagner, dessen Leidenschaften eigentlich außerhalb seiner Bestimmung lagen. Sogar für Cosima findet Carr verständnisvolle Worte, zumindest für jene Zeit, da sie noch nicht die hohe Frau, sondern ein komplexbeladenes Mädchen war, das sich nicht mal ungerne quälen ließ. Mit subtiler Ironie deckt er bereits in der Tribschen-Idylle am Luzerner See die Wurzeln der Barbarei auf, als Cosima und Richard frisch verliebt, aber noch nicht legitim verheiratet sind. Als beim ersten Schrei des neugeborenen Siegfried die Sonne aufgeht, wobei Hausgast Nietzsche Zeuge des Geschehens wird. Und als sogar "Elisabeth Nietzsche, Friedrichs Schwester, die später einen Großteil ihres Lebens damit zubrachte, dessen Schriften zu fälschen, sich erinnert an einen bezaubernden, vollmondbeschienenen Spaziergang am See". So rosarot fängt die Geschichte an. Und sie eskaliert sofort, das Siegfried-Idyll wird mit dem Hurrapatriotismus des Deutsch-Französischen Krieges konfrontiert, die im ersten Glück verborgenen Grausamkeiten und Irrtümer werden ans Licht gezerrt.

Als langjähriger Deutschland-Korrespondent der "Financial Times" hat Jonathan Carr nicht nur ein Interesse daran, herauszufinden, warum die "Taten und Untaten der Wagners seit eh und je ihre Zeit widerspiegeln", er führt auch eine pointensichere Feder. In der "Wagnerschen Familiensaga" tauche "der Antisemitismus gleich einem Killerwal auf und unter", er sei "nie sehr fern", heißt es da zum Beispiel. Und so ist ein ganzes Kapitel noch einmal Wagners judenfeindlichen Schriften und seinen Judenfreundschaften gewidmet, wozu schon stapelweise Sekundärliteratur vorliegt. Aber Carr zeichnet knapp und genau die zeitpolitische Kurve nach von der 1850 noch anonym erschienenen Schrift "Das Judentum in der Musik" zur polemisch verschärften Wiederveröffentlichung 1869 und zeigt den wirtschaftspolitischen Kontext auf: das neu aufgelegte Judenemanzipationsgesetz, das gesteigerte Nationalgefühl, der sich ankündigende Börsencrash von 1873: "War der Meyerbeer-feindliche Wagner der fünfziger Jahre weitgehend ignoriert worden, so lag der antisemitische Wagner der siebziger und frühen achtziger Jahre immer mehr im Zug der Zeit - wenngleich nicht ganz in der Hauptströmung." Was nichts entschuldigt, aber einiges erklärt.

Mit der gleichen Akribie, oft gewürzt von mildem Spott, leuchtet Carr auch Nebenfiguren aus. Zeigt den geistigen Hintergrund von Schwiegersohn Houston Stewart Chamberlain, der sich mit Cosima in der Rassenlehre so gut verstanden hat, verfolgt die Fäden des Strippenziehers Heinz Tietjen, der in Nazibayreuth zweifellos eine weit wichtigere Rolle spielte als "Onkel Wolf" (Adolf Hitler) und in den Winifred mindestens ebenso verliebt war. Von den Verletzungen und Affenlieben in den Kinderstuben ist die Rede, von den Konkurrenzen unter Brüdern und Schwestern, von der Kälte der Mütter, der Feigheit der Väter und viel von der unter den Tisch gefegten Schuld. Am Schluss fordert Carr, dass speziell diese Familie die Verpflichtung habe, in einer "neuen Ehrlichkeit" ihre letzten Leichen selbst aus dem Keller zu holen, die letzten Geheimarchive zu öffnen: vor allem das für die Nazizeit aufschlussreiche Konvolut von Aufzeichnungen Winifreds, das seit dreißig Jahren in München unter Verschluss liegt.

Erstveröffentlicht wurde diese Familienbiographie vor einem Jahr in England. Die vortreffliche Übersetzung, die viel angelsächsischen Witz ins Deutsche hinüberzuretten weiß, wurde ebenfalls abgeschlossen, als noch nicht absehbar war, dass ein Generationenwechsel in Bayreuth nun doch (eventuell) unmittelbar bevor steht. Carr schließt die Wagner-Akten also zu einem Zeitpunkt, als Gudrun Wagner noch lebt, Wolfgang Wagner noch nicht mit Tochter Eva versöhnt ist und Katharina Wagner gerade ihre Nachfolgekandidatur mit Thielemann bekanntgegeben hat. Erst kürzlich aber hat er sich journalistisch zu Wort gemeldet und erklärt, der neue Festspielleiter dürfe auf keinen Fall den Namen Wagner tragen: Weder Eva noch Katharina oder Nike wäre die richtige Lösung. Wenn einer, der die Familie Wagner so genau studiert hat, bei allen Sympathien für diese drei Wagner-Urenkelinnen am Ende dann doch zu diesem Ergebnis kommt, kann der Stiftungsrat, der am ersten September entscheiden muss, das nicht ignorieren.

"Und wie weiter?" heißt das letzte Kapitel. Diese Frage ist immer noch aktuell. Bei allem Ernst, der darin steckt, ist dieses Buch aber so flott und spottvoll geschrieben, dass es ein reines Lesevergnügen bereitet. Man erwischt sich, während man es verschlingt, immer wieder bei dem Gedanken: Wäre diese Anekdote nicht eine phantastische Opernszene? Eine prima Operettennummer? Der "Wagner Clan" - das Musical? Auch hier ist die Zeit hoffentlich bald reif.

ELEONORE BÜNING

Jonathan Carr: "Der Wagner-Clan". Geschichte

einer deutschen Familie. Aus dem Englischen von Hermann Kusterer. Hoffmann und

Campe Verlag, Hamburg 2008. 487 S., geb.,

Abb., 22,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 23.07.2008

Ich weiß ein wildes Geschlecht
Am Freitag ist wieder Premiere in Bayreuth. Es ist ein deutscher Fortsetzungsroman: Jonathan Carr erzählt die Geschichte des Wagner-Clans
Am 22. Oktober 1927 frühstückt Harry Graf Kessler, der „rote Graf”, bei Elisabeth Förster-Nietzsche. Und sie hat ihm etwas zu erzählen. Sie habe sich „mit Bayreuth ganz ausgesöhnt. Im vorigen Jahr, während der Festspiele hier für Siegfried Wagner, habe zuerst die Gräfin Gravina (Blandine, Tochter aus der ersten Ehe Cosima Wagners mit Hans von Bülow) vorgefühlt und dann die ganze Familie Wagner bei ihr Besuch gemacht; sie habe für sie ein Frühstück gegeben, und bei diesem sei die Versöhnung dann feierlich besiegelt worden, indem sich alle um den Tisch herum die Hände gegeben hätten und sie die ,Sternenfreundschaft‘ ihres Bruders vorgelesen habe.” Und Kessler kommentiert: „So klingt die große, welterschütternde Fehde Richard Wagner – Nietzsche, der ,Fall Wagner‘, am Kaffeetisch aus, niedlich und ganz im Stil der beiderseitigen Epigonen. Damit auch die Hofatmosphäre, die für Bayreuth so bezeichnend ist, nicht fehle, hat die ,Fürstin von Albanien‘ der Szene beigewohnt und gerührt von der Versöhnung Kenntnis genommen.”
Das ist Wagner und seine Wirkungsgeschichte. Ein Werk von ungeheurer Bedeutung – welcher andere Komponist hätte eine Reaktion auf dem Niveau Nietzsches hervorgerufen? – und seine Nachverhandlung an der Kaffeetafel. Bei der Gemütlichkeit bleibt es nicht. Die Leute, die sich da bei der Hand fassen, sind schon dabei, Wagner und Bayreuth (und Nietzsche natürlich auch) an Hitler auszuliefern.
Und doch darf man sich das Bayreuth dieser Jahre nicht bloß als die Ruine einer großen Idee vorstellen. Für die Neuinszenierung des „Tannhäuser” 1930 wird Arturo Toscanini eingeladen. Und Toscanini, der prominenteste und bestbezahlte Dirigent dieser Jahre, ein Mann der glauben durfte – und so wurde es auch von Dritten gesehen –, es seien die Festspiele, die ihm zu danken hätten und nicht er ihnen: Toscanini verzichtete auf jede Gage aus Respekt vor dem Ort und seiner Tradition.
Waisen in trübgrünem Meer
Das Interesse, das Bayreuth und der Familie Wagner bis heute entgegengebracht wird, hat also Gründe. Die Momente des Fortsetzungsromans gehören sicher dazu, aber da ist vor allem der Eindruck, hier verdichte sich die Geschichte der deutschen Kultur. Was Charles de Gaulle in der Zwischenkriegszeit über Deutschland sagt, „ein erhabenes und zugleich trübgrünes Meer, dem des Fischers Netz wahllos Ungeheuer und Schätze enthebt”, das gilt auch von Wagner und seiner Familie. Jonathan Carr, der de Gaulle zitiert, hat das zum leitenden Gedanken seines Buches über die Familie Wagner gemacht. Carr, langjähriger Deutschland-Korrespondent der Financial Times und Biograph auch von Helmut Schmidt und Gustav Mahler, ist vor wenigen Wochen mit 66 Jahren gestorben.
Was ein Buch wie „Der Wagner-Clan” rechtfertigt, ist nicht allein die krude Tatsache, dass die Bayreuther Festspiele, lange Zeit eine ideologische Großanlage Deutschlands, in dritter und bald wohl in vierter Generation von Mitgliedern der Familie Wagner geführt werden. Noch interessanter ist, in welcher Weise die einzelnen Wagners durch die Familie, deren Unglücke und Pathologien, bestimmt sind. Es beginnt schon mit dem Stifter der kleinen Dynastie. Fünf Monate nach der Geburt Richard Wagners stirbt sein Vater, schnell wächst das Gerücht, der Pflegevater Ludwig Geyer sei auch der physische. Elternlosigkeit, Heimatlosigkeit, das wird ein Grundgefühl nahezu aller Wagnerschen Hauptpersonen. Senta und der Fliegende Holländer, Elisabeth und Tannhäuser, Elsa und Lohengrin, Tristan, Eva (in den „Meistersingern"), Siegmund, Sieglinde und Siegfried (im „Ring”), Parsifal – sie alle sind Waisen, Halbwaisen oder Figuren, die aus dem Nichts kommen, ortlos, heimatlos, bereit, alles aufzugeben.
Das erlebt auch Cosima, uneheliche Tochter des Franz Liszt und der Gräfin d’Agoult. Ihre Eltern trennen sich, führen einen hasserfüllten Kampf um die Kinder, setzen dabei Geld ein und einige Sorgfalt, sind aber von entschiedener Lieblosigkeit. Cosima – der Oliver Hilmes im vergangenen Jahr eine eigene Biographie widmete – ist eine soziale Waise, das kann eine Erklärung sein für ihre überspannte Demut Richard Wagner gegenüber. Das Schicksal setzt sich in Richards und Cosimas Kindern auf verdrehte Weise fort. Als Richard Wagner 1883 stirbt, werden die Töchter ganz auf die Zukunft ihres Bruders Siegfried, des einziges Sohnes, verpflichtet. Auf ihn ergießt sich die Fürsorge der Muter und der drei Schwestern, wie soll er darunter je hervorkriechen?
Es ist erstaunlich, wie positiv Carr Siegfried Wagner beurteilt. Dass er ein umgänglicher Mensch war, wird oft berichtet. Als Komponist zahlreicher Opern (vor allem mit märchenhaften Zügen) blieb er immer in der zweiten Reihe, Carr taxiert ihren Kunstwert deutlich höher, als es üblicherweise geschieht. Vor allem aber glaubt er nicht, dass es Siegfried war, der Hitler den Weg nach Bayreuth gebahnt habe. Bemerkenswerte Briefe sprechen für diese Sicht. Es gibt aber auch Zeugnisse, die dem entgegenstehen; Brigitte Hamann in ihrer Biographie Winifreds, der Ehefrau Siegfrieds, breitet sie aus.
Auch die ganz unintellektuelle Atmosphäre in der Familie Siegfrieds und Winifreds – kaum anders als auf einem hinterpommerschen Gutshof, wie es hieß – ließe sich schärfer beleuchten. Mit Winifred hat man dafür gleich eine weitere Figur, die die Familiengeschichte der Wagners so interessant macht. Wieder eine Waise, aufgezogen von dem damals schon sehr alten Pianisten Karl Klindworth und seiner Frau; ihre Kindheit bei den Klindworths ist voller Liebe und Verständnis, dabei wagnerdurchglüht und lebensreformerisch. Während des Ersten Weltkriegs heiratet sie Siegfried, gebiert in rascher Folge vier Kinder und setzt damit die Dynastie fort. Nach dem Tod ihres Mannes 1930 nimmt sie die Festspiele in die Hand, übersteht die Anfeindungen ihrer Schwägerinnen – allesamt in ihrem Leben unglücklich – und richtet sich und die Festspiele ganz auf Adolf Hitler aus.
Es ist ein gewaltiger Stoff, den Carr auf knapp 500 Seiten zu bewältigen hat. Und natürlich ist das moralische Scheitern Bayreuths im Nationalsozialismus eine leitende Frage. Der Erste, dem man sie stellen muss, ist Richard Wagner. Wie steht es mit dessen Antisemitismus? Carr hat die reiche Literatur zur Sache studiert, geht geistig hin und her und kommt zuletzt zu einer freundlichen, aber gut begründeten Antwort. Die antisemtischen Ausfälle sind bekannt, sie sind ekelhaft, aber Wagner habe sich ähnlich auch über Nichtjuden geäußert. Haben Judenkarikaturen Eingang in die Musikdramen gefunden? Die Spur, die Adorno fand oder legte, scheint Carr nicht überzeugend. „Wenn Wagner eine klare Rassenbotschaft überbringen wollte, ist ihm das nicht sehr gelungen.” Auch hier sieht Carr „Wagners Rundum-Ambivalenz in der ganzen Frage”.
Hitlers Spezialgeschmack
Was ganz dazu passt: Hitler war Wagnerianer, aber auf seine Parteigenossen machte er damit wenig Eindruck. Nicht bloß die „alten Kämpfer”, die hochgespülten Schlägertypen, konnte man mit Wagner nicht von der Bierbank hochreißen. Auch die gut ausgebildeten, kulturbeflissenen jungen Männer der SS hielten Wagner für überlebt, schwülstig, für den persönlichen Sparren des „Führers”. Carr fällt auf, wie wenig Hitler über Wagner sprach. Als Kronzeugen seines Antisemitismus benutzte er ihn nicht. Und dabei war Bayreuth doch ein Treibhaus des Rassendenkens, Houston Stewart Chamberlain (wieder ein Waise) mit der Wagner-Tochter Eva verheiratet.
Dass Bayreuth 1945 politisch-moralisch kontaminiert war, das war auch den Söhnen Winifreds klar, als sie nach dem Krieg sich um einen Neubeginn bemühten. Es ist die nächste Generation familiären Unglücks. Zwist zwischen den Brüder Wieland und Wolfgang, Eheprobleme, Spannungen überall. Und wieder findet man bei Carr Szenen, die die seelische Verfassung Deutschlands in einem wagnerianischen Bild zeigen. Die scharfe Modernisierung etwa, die Wieland Wagner in der Villa Wahnfried vornahm: halb Verarbeitung des Geschehenen, halb Verdrängung.
Ganz neu ist in diesem Buch wenig. Der Autor hat sich im Wesentlichen an die bekannte Literatur gehalten, Archivfunde sind Ausnahmen. Das Cosima-Bild ist stark nach den Studien von Franz-Wilhelm Beidler modelliert, das des Nachkriegs-Bayreuth durch Renate Schostacks „Hinter Wahnfrieds Mauern” bestimmt. „Der Wagner-Clan”, das muss man sich vergegenwärtigen, heißt mit genauem Grund so, es ist nicht die Geschichte Bayreuths, so sehr sich die Sphären der Familien und der Festspiele berühren.
Aber das sind keine Einwände. Jonathan Carr hat ein ganz ungewöhnlich interessantes Buch geschrieben, mit all den Vorzügen, die man Biographien britischer Autoren gern und oft zu Recht unterstellt. Carr schreibt zügig, genau, witzig, und er hat – was vielleicht das Schönste ist – einen unbefangenen Blick. Er verharmlost nichts, aber er eifert auch nicht. Er erzählt von einer Familie, deren Mitglieder über mehr als 150 Jahre eine bestimmende Rolle im künstlerischen Leben Deutschlands gespielt haben, durch Abkunft privilegiert, aber mehr noch belastet. Sich davon durch Carr erzählen zu lassen ist eine Freude. Kein Vergnügen aber ist es offenbar, ein oder eine Wagner zu sein. STEPHAN SPEICHER
JONATHAN CARR: Der Wagner-Clan. Geschichte einer deutschen Familie. Aus dem Englischen von Hermann Kusterer. Hoffmann und Campe, Hamburg 2008. 496 Seiten, 25 Euro.
Siegfried und Winifred Wagner mit den Kindern im Garten der Villa Wahnfried in Bayreuth, um 1925. Foto: bridgmanart.com
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