Savignyana 02. Vorlesungen über juristische Methodologie 1802-1842. - Savigny, Friedrich C. von
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Unentbehrlich für das Verständnis der theoretischen Fundamente des Denkens Savignys sind die Vorlesungen über Methodologie, die er regelmäßig, vierzig Jahre lang, zunächst als eigenständigen Kurs, später im Rahmen der "Einleitungen zu den Pandekten", hielt. Seine Aufzeichnungen zur Methode werden in dieser Neuauflage um neue Texte ergänzt, insbesondere durch die nach den neuen philologischen Kriterien, die neuere Savigny-Editionen gesetzt haben, revidierte Juristische Methodenlehre. Die Einleitung kommentiert den Funktionswandel von "Methodologie": Aus einem Bestandteil der "Enzyklopädie" wird…mehr

Produktbeschreibung
Unentbehrlich für das Verständnis der theoretischen Fundamente des Denkens Savignys sind die Vorlesungen über Methodologie, die er regelmäßig, vierzig Jahre lang, zunächst als eigenständigen Kurs, später im Rahmen der "Einleitungen zu den Pandekten", hielt. Seine Aufzeichnungen zur Methode werden in dieser Neuauflage um neue Texte ergänzt, insbesondere durch die nach den neuen philologischen Kriterien, die neuere Savigny-Editionen gesetzt haben, revidierte Juristische Methodenlehre. Die Einleitung kommentiert den Funktionswandel von "Methodologie": Aus einem Bestandteil der "Enzyklopädie" wird sie im Laufe der Vorlesungen Savignys zu einem Konzept, das die Jurisprudenz als Wissenschaft begründet.
  • Produktdetails
  • Studien zur europäischen Rechtsgeschichte Bd.174
  • Verlag: Klostermann
  • Erw. Neuausg.
  • Erscheinungstermin: August 2004
  • Deutsch
  • Abmessung: 241mm x 162mm x 24mm
  • Gewicht: 522g
  • ISBN-13: 9783465033349
  • ISBN-10: 3465033345
  • Artikelnr.: 12996601
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 27.08.2004

Gedächtnisstützen des Rechts
Friedrich Carl von Savignys Marburger Vorlesung

Naturwissenschaftliche Ergebnisse kann man meist ohne zusätzliche Spezialkenntnisse anwenden. Taschenrechner benutzt fast jeder. Die Anwendung geisteswissenschaftlicher Einsichten verlangt in der Regel erhebliches Wissen. Ein Zitat aus diesem Buch: "Wie ist überhaupt eine Interpretazion möglich? Sie muß selbst fähig seyn, historisch und systematisch bearbeitet zu werden." Warum ist der Satz eine Sensation? Weil er Interpretation hochmodern versteht, selbstbezüglich als etwas, dessen Wahrheit sich im wissenschaftlichen Diskurs bestätigen muß, und weil ihn der bedeutendste und einflußreichste deutsche Rechtswissenschaftler Friedrich Carl von Savigny (1779 bis 1861) nach den Notizen seines Studenten Jacob Grimm in seiner Marburger Vorlesung "Juristische Methodologie" schon im Wintersemester 1802/1803 gesagt hat, also noch zur guten alten Postkutschenzeit. Savigny abstrahiert ausdrücklich von der "gewöhnlichen Eintheilung der Interpretazion in authentica, doctrinalis und usualis", weil sie Autoritäten voraussetze, den Gesetzgeber und die Rechtsgelehrten. Er will Interpretation also voraussetzungslos beschreiben, indem er sie auf ihre Geschichte und ihre Anschlüsse an die Gesellschaft beschränkt. Diesen Gedanken sollte er später auf das Recht überhaupt anwenden und dadurch zum Begründer der historischen Rechtswissenschaft werden.

Das Prinzip erscheint uns heute wenig originell. Tatsächlich spiegelt es den Wandel von der ständischen zur funktionsorientierten Gesellschaft wider. Die Religion hatte Luther mit seiner Unterscheidung zwischen dem Reich Gottes und dieser Welt auf sich selbst zurückverwiesen. Die Wissenschaft hatte Wilhelm von Humboldt mit der Verpflichtung auf die Wahrheit von allen Nützlichkeiten abgekoppelt. Die Wirtschaft hatte Adam Smith mit "Angebot und Nachfrage" als Antwort auf die Frage nach dem gerechten Preis verselbständigt. In der Politik wollte sich das Volk selbst beherrschen. Die Familie wurde eine Institution der Liebe. Und die individuelle Person entwickelte sich aus der Entdeckung der Gleichheit aller Menschen. Jedesmal ging es um das gleiche Ziel: relative Verselbständigung der Systeme gegeneinander und im Verhältnis zur Gesellschaft. Savigny hat die Erklärung des Rechtes an diese gewaltige Bewegung angepaßt und die Rechtstheorie revolutioniert. Schon das rechtfertigt seinen Weltruhm.

In diesem Buch kann man einen Ausschnitt aus der weltgeschichtlichen Wende miterleben. Es enthält in chronologischer Ordnung die Notizen Savignys für Vorlesungen über Methodologie, also nicht etwa Vorlesungsmanuskripte, die Savigny nur abgelesen hätte, sondern Gedächtnisstützen für die freie Rede. Unter Methodologie ist weniger die "Kunst der Gesetzesauslegung" zu verstehen und mehr "Rechtstheorie" im heutigen Sinn. Savigny hat die Vorlesung praktisch von 1802 bis 1842 gehalten. Vom Winter 1827/1828 bis zum Winter 1841/1842 scheint er seine Notizen nicht mehr erneuert, sondern nur noch korrigiert zu haben. Die Methodologie-Vorlesung 1802/1803 und eine Vorlesung "Einleitung zu den Institutionen" im Winter 1803/1804 hat Jacob Grimm gehört und aus dem Gehörten jeweils eine Vorlesungsnachschrift gefertigt. Beide Nachschriften hat der Herausgeber an der chronologisch richtigen Stelle in die Sammlung aufgenommen. Deshalb kann sich der Leser in das Abenteuer stürzen, die Entwicklung Savignys zu verfolgen und seine Notizen mit der Nachschrift Grimms zu vergleichen.

Der Herausgeber Aldo Mazzacane, ein angesehener italienischer Savigny-Forscher, hat dem Werk eine umfangreiche, einfühlsame und erklärungsstarke Einleitung vorangestellt, die leider etwas wenig Rücksicht auf Leute nimmt, die nicht Savigny-Spezialisten sind. Das kann man kaum kritisieren. Das Buch ist eben kein Taschenrechner. Aber ein Lesetip für Nicht-Spezialisten wird erlaubt sein. Nicht-Spezialisten sollten mit den beiden verhältnismäßig leicht lesbaren Nachschriften Jacob Grimms beginnen und sie mit den entsprechenden Notizen Savignys vergleichen. Dann sind sie schon fast Fachleute und können mit großem Gewinn die Einleitung Mazzacanes lesen.

GERD ROELLECKE

Friedrich Carl von Savigny: "Vorlesungen über juristische Methodologie 1802-1842". Herausgegeben von Aldo Mazzacane. Neue, erweiterte Auflage. Vittorio Klostermann Verlag, Frankfurt am Main 2004. XII, 315 S., br., 54,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Gerd Roellecke würdigt Friedrich Carl von Savigny als denjenigen, der in der Rechtswissenschaft den Schritt vollzogen hat, den Luther für die Religion und Adam Smith für die Ökonomie gegangen sind. Jedes Mal, schreibt er, ging es um die "relative Verselbständigung der Systeme gegeneinander und im Verhältnis zur Gesellschaft". Wie Savigny den "Wandel von der ständischen zur funktionsorientierten Gesellschaft" in seiner Disziplin einleitete, erläutert der Rezensent an dessen "hochmoderner" Auffassung von Interpretation als "selbstbezüglich", also "als etwas, dessen Wahrheit sich im wissenschaftlichen Diskurs bestätigen muss". In den chronologisch geordneten Vorlesungsnotizen könne der Leser nachträglich am Vollzug dieser "weltgeschichtlichen Wende" in der Rechtswissenschaft teilnehmen - sofern er denn ein klein wenig Vorwissen mitbringt. Denn auf Laien nimmt Aldo Mazzacane in seiner "umfangreichen, einfühlsamen und erklärungsstarken" Einleitung keine Rücksicht. Doch Roellecke verrät einen Trick: Zuerst die Mitschriften lesen, die Jacob Grimm von den Vorlesungen Savignys angefertigt hat, diese dann mit den zeitgleichen Notizen des Professors vergleichen - und dann könne man auch die Erläuterungen des Herausgebers verstehen.

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