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Jason ist zwölf, er hasst Menschenmassen, liebt Routinen und interessiert sich für Chaostheorie. Seinen Alltag strukturieren feste Regeln, die nicht gebrochen werden dürfen. Darüber wacht er gnadenlos genau. Jason ist Autist. Seit seinem sechsten Lebensjahr reist der hochintelligente Junge mit Vater Mirco um die Welt, um seinen Lieblingsfußballclub zu finden. Die Fußballtouren entwickeln sich für die beiden zum Lebensprojekt, denn wie es ist, Fan zu sein, begreift man nur im Stadion. Dort gelten ausnahmsweise eigene Regeln. "Wir Wochenendrebellen" erzählt ehrlich und mit viel Humor von einem ganz besonderen Team auf der Suche nach einem Gefühl.…mehr

Produktbeschreibung
Jason ist zwölf, er hasst Menschenmassen, liebt Routinen und interessiert sich für Chaostheorie. Seinen Alltag strukturieren feste Regeln, die nicht gebrochen werden dürfen. Darüber wacht er gnadenlos genau. Jason ist Autist. Seit seinem sechsten Lebensjahr reist der hochintelligente Junge mit Vater Mirco um die Welt, um seinen Lieblingsfußballclub zu finden. Die Fußballtouren entwickeln sich für die beiden zum Lebensprojekt, denn wie es ist, Fan zu sein, begreift man nur im Stadion. Dort gelten ausnahmsweise eigene Regeln. "Wir Wochenendrebellen" erzählt ehrlich und mit viel Humor von einem ganz besonderen Team auf der Suche nach einem Gefühl.
  • Produktdetails
  • Goldmann Taschenbücher .15975
  • Verlag: Goldmann
  • Seitenzahl: 286
  • Erscheinungstermin: 19. August 2019
  • Deutsch
  • Abmessung: 185mm x 126mm x 27mm
  • Gewicht: 318g
  • ISBN-13: 9783442159758
  • ISBN-10: 344215975X
  • Artikelnr.: 54465139
Autorenporträt
Juterczenka, Mirco von
Mirco von Juterczenka, 1977 in Solingen geboren, arbeitet als Manager in der Gastronomie. Das Groundhopping-Projekt, über das er mit seinem Sohn Jason im Blog »Der Wochenendrebell - Groundhopping mit Asperger« schreibt, entstand 2011 und wurde 2017 mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet.
Rezensionen
Besprechung von 14.11.2018
Sportbücher Spielfelder des Lebens – Geschichten über familiäre Bande, politische Pässe und ein Schicksalsjahr
Die Summe
der Rückennummern
Jason ist auf der Suche nach seinem Lieblingsverein.
Keine ganz leichte Sache, denn er ist Asperger-Autist.
Ein Roadmovie in Buchform über Stadien,
Fußball und die tiefe Zuneigung eines Vaters zu seinem Sohn
VON LUDGER SCHULZE
Jason hasst laute Umgebung, Menschenmengen, Fleischtomaten, Kinder, Salami und Gedränge. Jason liebt – zumindest zeitweise – seine Familie, Quantenmechanik, Klatschpappen und Fußball. Jason ist Asperger-Autist und irgendwie Fan. Weil man nur als Fan die Faszination und Emotionalität des Fußballs spüren kann, wie er gelernt hat, und keinesfalls als neutrale Egal-wer-gewinnt-Hauptsache-ein-schönes-Spiel-Instanz, ist er auf der Suche nach seinem Lieblingsverein. Gemeinsam mit seinem Vater Mirco von Juterczenka reist er seit gut sieben Jahren von Stadion zu Stadion und guckt Spiele von der Champions League bis hinunter in die rheinische Bezirksklasse. Über ihre skurrilen, lustigen, derben und mitunter bedrückenden Erlebnisse haben die beiden ein Blog verfasst, für das sie 2017 mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet wurden, und das Beste daraus in einem großartigen Buch zusammengefasst, „Wir Wochenendrebellen“ heißt es.
Roadmovies in Buchform gibt es in Hülle und Fülle und Psychogramme von Fans seit Nick Hornbys Weltbestseller „Fever Pitch“ ebenso. Eines wie die „Wochenendrebellen“ gab es noch nicht. Normalerweise ist Fansein eine Erbangelegenheit, der Lieblingsverein wird vom Opa auf den Vater auf das Kind auf den Enkel übertragen, durch die geografische Lage bestimmt oder durch ein prägendes Ereignis. Bei Jason liegt der Fall anders, denn wie soll er sich für einen Verein entscheiden, wenn er die vielen anderen noch gar nicht kennt? Die Suche danach kann dauern, vielleicht ein Leben lang.
Ergebnisse sind für ihn nicht zwingend das Auswahlkriterium. Ihn faszinieren andere Dinge, die Summe der Rückennummern einer Mannschaft, die eingespielten Jingles bei Eckbällen, die Länge des Bahnsteigs in der jeweiligen Stadt oder die Farbe der Fußballschuhe.
Das Wichtigste sind Regeln, eiserne Regeln. Eine Regel beispielsweise besagt, dass Bestandteile des Essens einander nicht berühren dürfen, die Sauce nicht das Fleisch, das Gemüse nicht die Kartoffeln. Eine minimale Abweichung kann zur maximalen Eskalation führen. Als der Bistro-Kellner im ICE einmal die Tomatensauce über die Spaghetti kippt, statt sie gesondert in einem Schälchen zu bringen, rastet Jason aus. „Die Scheiße kannst du alleine fressen“, brüllt er. „Ich bin Asperger-Autist. Das bedeutet für mich, dass ich mich so ziemlich über alles aufregen kann“, erklärt er. Über alles und überall, im Wartezimmer beim Arzt, an der Supermarktkasse oder an der Bushaltestelle. Für den Vater ist der kreischende, um sich schlagende Jason eine Herausforderung, die er mit buddhahafter Gelassenheit bewältigt. Selbst dann, wenn der Sohn in gnadenloser Direktheit über den Papa urteilt: „Ich hoffe, ich seh’ den Arsch nie wieder“, erzählt er seinem Kuscheltier.
Die irrwitzigste Geschichte mit der Kapitelüberschrift „Welcome to the hell of St. Paulis Sanitärbereich“ ist extrem lustig und anrührend zugleich. Jason muss mal, was nicht so einfach ist, weil auch dieser Vorgang strengen Ritualen unterliegt. Im Stehen pinkeln – undenkbar. Und sitzen – ausschließlich auf weißen Klobrillen. So edel sind die Einrichtungen auf St. Pauli leider nicht. Die Sache eskaliert, weil Jason sich hartnäckig weigert, die ordinäre Pissrinne zu nutzten, lieber würde er sich einnässen. Am Ende einer schier endlosen Diskussion geht Juterczenka in die Hocke, stützt sich mit den Armen nach hinten ab und lässt seinen Sohn unter den Augen zweier ungläubiger Pauli-Fans auf den Oberschenkeln sitzen. Der Vater, im wahrsten Sinne des Wortes angepisst, kehrt stinkend auf die Tribüne zurück.
Szenen wie diese sind es, die einen Tränen lachen lassen oder beinahe zu Tränen rühren. Und sie machen deutlich, dass „Wochenendrebellen“ weniger ein Buch über Fußball ist als eines über die Liebe. Über die tiefe Liebe und unbedingte Loyalität eines Vaters, der kaum etwas unversucht lässt, um seinem Sohn das Leben zu erleichtern, um dessen Probleme zu lösen. Dass man dabei Einblicke in den Alltag einer Familie mit einem sehr außergewöhnlichen Kind erhält und eine ganz andere Seite des Fußballkosmos kennenlernt, ist lehrreich und unterhaltsam gleichermaßen.
Beinahe, beinahe hätte Jason, mittlerweile 13 geworden, übrigens doch schon seinen Herzensklub gefunden. In Gelsenkirchen sah es schwer danach aus, bis das Volk den alten Schlachtruf anstimmte: „Steht auf, wenn ihr Schalker seid!“ Prompt nahm Jason auf dem Betonboden Platz, denn: „Ich muss sitzen. Ich bin kein Schalker.“
Mirco von Juterczenka: Wir Wochenendrebellen. Benevento Books. 20 Euro.
Wie soll man sich für einen Verein
entscheiden, wenn man alle
anderen noch nicht kennt?
Das Stadion des FC St. Pauli: Kultstätte für die einen, für andere ein Ort mit ungeahnten Tücken.
Foto: Philipp Szyza / Imago
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Besprechung von 01.11.2018
Diagnose Stadionsucht

Ein Vater und sein autistischer Sohn besuchen seit Jahren eine Fußballarena nach der anderen. Denn der Junge sucht einen Lieblingsverein. Was beide erleben, beschreibt ein ungewöhnliches Buch.

KASSEL (dpa). Jason sagt, er habe "Krieg im Kopf". Es seien so viele rasende Gedanken, dass man nur scheitern könne, wenn er sie ordnen wolle. Jason ist Autist, er hat das Asperger-Syndrom. Und Jason ist Fußball-Fan. Er kann sich nicht für einen Verein entscheiden und muss deshalb zunächst alle sehen. Gemeinsam mit seinem Vater hat er in sechs Jahren etwa 90 Stadien besucht. "Wir Wochenendrebellen", so heißt das Buch, das Mirco und Jason von Juterczenka aus Kassel geschrieben haben.

Es ist vielleicht das wahrhaftigste Buch über Fußball seit Nick Hornbys legendärem "Fever Pitch" ("Ballfieber"). Weil die beiden keine Event-Zuschauer sind, weil der Star-Kult keine Rolle spielt. Und vor allem weil Jason, inzwischen 13 Jahre alt, einen verblüffenden Blick auf den Fußball und seine Fans hat.

"Wieso gibt man nicht jedem einen Ball?" und "Warum versteckt sich nicht einfach einer mit einem Ball hinterm Tor und schießt dann heimlich rein, wenn der Torwart nicht hinschaut?", fragt er. Er will auch wissen, "Warum gibt es nur eine Halbzeit und keine Vollzeit?" oder "Wie groß sind die Löcher im Tornetz?" Mit fünf Jahren hätte er schon gerne Antworten darauf gehabt. Und in Sachen Lieblingsclub möchte er wissen: "Kann man einfach immer am Schluss des Spiels für den Gewinner sein?"

Für ihren Blog haben die beiden im vergangenen Jahr den Grimme-Online-Award erhalten. Die "Wochenendrebellen" standen dieses Jahr bei der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur auf der Liste der besten Bücher des Jahres. Mit dem Erlös des Werkes unterstützen Juterczenkas die Neven-Subotic-Stiftung. Das zu erwähnen ist ihnen wichtig.

"Wir touren durch die Stadien, weil ich dem Sohn damals versprach, er könne sich alle Fußballvereine erst einmal live im jeweiligen Stadion anschauen, bevor er sich entscheidet, welcher Club sein persönlicher Lieblingsverein sein soll", sagt der Vater. "Und heute, knappe sechs Jahre später, sind wir in der eigentlichen Kernfrage noch kein Stück weitergekommen. Das hat mich zu einem sehr glücklichen Menschen gemacht."

Der Gastronomie-Manager hat die Wochenend-Fahrten und Jasons Persönlichkeit auf eine manchmal drastische, immer liebevolle, humorige und eindringliche Weise aufgeschrieben. "Jason hasst laute Umgebungen, Menschenmengen, Kinder, Salami und Gedränge", erklärt Mirco von Juterczenka. Sein Filius hat einen ausgeprägten Regelzwang, das macht viele Dinge schwierig. Zum Beispiel dürfen sich einzelne Bestandteile des Mittagessens nicht berühren - was im ICE-Restaurant schon mal zu einem Eklat führen kann.

Aber Jason ist nicht nur Fußballfan. "Er interessiert sich für die unterschiedlichen Blickwinkel der allgemeinen Relativitätstheorie und lernt gerne spannende Dinge auswendig. Er kann sich nicht die Schuhe binden, er ist ungern allein in einem Raum - und er ist der konsequenteste und ehrlichste Mensch, den ich kenne."

Zum allerersten Spiel geht es zum TSV 1860 München in die Allianz-Arena. Zum "Groundhopping mit Asperger", wie es in dem Blog der beiden heißt, geht es weiter: VfR Aalen, TSG Hoffenheim, Fortuna Düsseldorf, Borussia Dortmund, ein Freundschaftsspiel in der rheinischen Bezirksklasse, "Refugees Welcome Day" in Babelsberg, SC Freiburg und von da aus direkt mit dem Nachtzug zum FC St. Pauli und dann in den Saarbrücker Ludwigspark.

"DFB-Pokal, Champions League, Relegationsspiele, Abschiedsspiele. Wir nehmen mit, was kommt, und ein Ende ist nicht in Sicht", schreibt Vater Juterczenka. "Jason und ich reisen zu Fußballspielen mit bis zu 80 000 Zuschauern, fahren mit Betrunkenen im Schlafwagenabteil quer durch Deutschland, stranden in kleinen Zweitliga-Nestern und dürfen niemals nur eine Minute eines Fußballspiels verpassen." Auf Schalke wurde Mirco von Juterczenka, wie er sagt, "süchtig nach dem Anblick meines faszinierten Sohnes". Durch das Stadion schallte das bekannte "Steht auf, wenn ihr Schalker seid!" Jason saß mit der ihm eigenen Logik auf dem Boden: "Ich muss sitzen, ich bin kein Schalker."

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