Sanfter Schrecken - Ellin, Stanley
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Der Restaurant-Chef, der seinen Stammgästen ab und zu als Spezialität des Hauses einen der Ihren serviert; der kleine Angestellte, der für seinen mächtigen Chef einen Quälgeist aus dem Hochhausfenster fallen lässt; der schizophrene Schachspieler, der die Züge der weißen Figuren ebenso dem Anderen überlässt wie den Mord an seiner Frau: scheinbar harmlose Mitbürger allesamt, deren verborgene Abgründe der amerikanische Kriminalschriftsteller Stanley Ellin in zehn Geschichten vorsichtig und fast liebevoll beleuchtet. Eigentlich mochte Arno Schmidt das Krimi-Genre nicht besonders, aber als ihm 1960…mehr

Produktbeschreibung
Der Restaurant-Chef, der seinen Stammgästen ab und zu als Spezialität des Hauses einen der Ihren serviert; der kleine Angestellte, der für seinen mächtigen Chef einen Quälgeist aus dem Hochhausfenster fallen lässt; der schizophrene Schachspieler, der die Züge der weißen Figuren ebenso dem Anderen überlässt wie den Mord an seiner Frau: scheinbar harmlose Mitbürger allesamt, deren verborgene Abgründe der amerikanische Kriminalschriftsteller Stanley Ellin in zehn Geschichten vorsichtig und fast liebevoll beleuchtet.
Eigentlich mochte Arno Schmidt das Krimi-Genre nicht besonders, aber als ihm 1960 ein Band mit Kurzgeschichten Stanley Ellins zur Übersetzung angeboten wurde, zögerte er nicht - und urteilte ein Jahr später in seinem Essay Die 10 Kammern des Blaubart über den amerikanischen Kollegen: "Falls es ihm gelingen sollte, (und in diesen 10 Geschichten zeigen sich unverächtliche Ansätze), zum Tiefsinn seiner Fabeln und der schlechthin vorbildlich knappen Konstruktion sich auch noch eine dichterische Sprache zu erarbeiten - ja, dann könnte es sein, daß wir binnen kurzem einen neuen, wiederum amerikanischen, Poe begrüßen dürfen. Zeit wäre es."
  • Produktdetails
  • Verlag: Suhrkamp
  • Seitenzahl: 302
  • Erscheinungstermin: 26. März 2019
  • Deutsch
  • Abmessung: 190mm x 119mm x 25mm
  • Gewicht: 316g
  • ISBN-13: 9783518804308
  • ISBN-10: 3518804308
  • Artikelnr.: 54341234
Autorenporträt
Ellin, Stanley
Stanley Ellin wurde 1916 in Brooklyn geboren. Nach einem Literaturstudium veröffentlichte er ab 1948 eine Fülle von Mystery Stories und Romanen, die von Alfred Hitchcock, Jospeh Losey und Claude Chabrol verfilmt wurden. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter dreimal den Edgar Allan Poe Award. Ellin starb 1986 in Brooklyn.

Rauschenbach, Bernd
Bernd Rauschenbach, geboren 1952 in Berlin, arbeitet als geschäftsführender Vorstand für die Arno Schmidt Stiftung, Bargfeld. Mit Susanne Fischer ist er Herausgeber u. a. der Bargfelder Ausgabe der Werke Arno Schmidts.

Schmidt, Arno
Arno Schmidt wurde am 18. Januar 1914 in Hamburg geboren. Nachdem er kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs aus englischer Kriegsgefangenschaft entlassen worden war, arbeitete er zunächst als Dolmetscher, von 1947 an als freier Schriftsteller. Nach Stationen in Cordingen, Kastel an der Saar und Darmstadt zog er 1958 mit seiner Frau Alice nach Bargfeld (Kreis Celle), wo er bis zu seinem Tod zurückgezogen lebte. Von 1949 an, als seine Erzählung Leviathan in Buchform erschien, entstanden Romane, Dialoge zur Literatur für den Rundfunk, Essays und biographische Arbeiten, darunter sein Hauptwerk Zettel's Traum, 1334 DIN-A3-Seiten stark und über zehn Kilo schwer. Aufgrund des komplexen Layouts konnte es 1970 nur als Faksimile des Typoskripts erscheinen; erst seit 2010 liegt es in gesetzter Form vor. Arno Schmidt starb am 3. Juni 1979 in Celle. Zwei Jahre nach seinem Tod gründeten seine Frau Alice und Jan Philipp Reemtsma die Arno Schmidt Stiftung.
Rezensionen
"Ellins Buch sollte in Gänsehaut gebunden werden."
Rheinische Post 21.11.2018
Besprechung von 18.04.2019
Leis=sausend
Stanley Ellins ruchlose Geschichten
Wahrscheinlich hätte Arno Schmidt schon aus Prinzip der Behauptung nicht zugestimmt, dass ein Übersetzer eng mit dem Forensiker verwandt ist. Aber wenn man das Lesen als Spurensuche versteht, wäre das Übersetzen eine Ermittlung im Fall des Ursprungstextes.
Im Herbst 1960, Schmidt ermittelte gerade in den frühen journalistischen Texten William Faulkners, erreichte ihn die Anfrage, ob er Kurzgeschichten des amerikanischen Autors Stanley Ellin übersetzen wolle, was Schmidt wahrscheinlich, wie viele andere Anfragen auch, reflexhaft abgelehnt hätte, wäre da nicht das großzügige Honorar von 2000 D-Mark gewesen und außerdem die Behauptung von Seiten des Verlags, Stanley Ellin sei der neue Edgar Allan Poe.
Schmidt sagte zu, notierte aber wenige Tage später: „Also steht die nächste Übersetzung bereits fest – oh leck!“ Auch die Poe-Vergleiche entkräftete er in seinem Tagebuch sofort – „primitiv – kein Vergleich mit ‚Poe‘“ –, revidierte dieses Urteil aber wenige Monate später in einem Brief an Wilhelm Michels und in einer Rezension über den von ihm selbst übersetzten Band in der Anderen Zeitung.
Die Anekdoten um diesen nun neu in der ursprünglichen Arno-Schmidt-Fassung – mit Semikolons als Sprechpausen, „leis=sausenden Gasflammen“ und „Symfonien“ – editierten Band kann man so schön nachvollziehen, weil der Herausgeber Bernd Rauschenbach im Anhang alle Korrespondenzen und „schmidtschen Färbungen“ zusammengetragen hat. Der sonstige Einfluss Ellins auf das Werk Schmidts war überschaubar, wie die von der Arno-Schmidt-Stiftung im Januar online zur Verfügung gestellte, komplett durchsuchbare Fassung der Gesamtausgabe verrät: In „Der Sonn’ entgegen“ und in dem Dialog „Der Titel aller Titel!“ wird er erwähnt.
Dass Schmidt nach der Übersetzung wohl genug von Stanley Ellin hatte, soll aber nichts heißen. Die Neuedition ist nicht nur eine Kuriosität für Arno-Schmidt-Fans, sondern auch eine Wiederentdeckung des in Deutschland halb vergessenen Ellin. Dem tut man mit den Poe-Vergleichen zwar wirklich keinen Gefallen, dennoch sind seine mit außergewöhnlicher erzählerischer Ökonomie sowie nüchterner Kenntnis der Psyche seiner Figuren und Leser konstruierten Geschichten eine kleine Besonderheit.
„Die Spezialität des Hauses“ über ein Restaurant, in dem es unfassbar gutes Fleisch gibt und in dem ein Stammgast nach dem anderen verschwindet, spielt mit den Deutungen der Leser, ohne konkret zu werden, was das Geheimnis der stets verschlossenen Küche ist. Schmidt las die Story in seiner Rezension nicht als Schauergeschichte, sondern als existenzialistische Allegorie. „Hochleistungswerkzeuge GmbH“ ist eine Kafka-Vergleiche provozierende Studie des autoritären Charakters in der modernen Arbeitswelt; in der eiskalt konstruierten Geschichte „Die geordnete Welt des Mr. Appleby“ wird ein Heiratsschwindler mit den eigenen Methoden überführt.
Meist geht es in den Kurzgeschichten um tiefe Konflikte zwischen Mann und Frau, Chef und Angestelltem, Armen und Reichen oder zwischen verschiedenen Lebensentwürfen, die in fiesen kleinen Szenen und mit einfachsten Mitteln zu großer Klarheit kristallisieren. „Ich schätze den ‚Kriminalroman‘ als solchen nicht“, grummelte Arno Schmidt in seiner Rezension. In diesem Fall sprechen die Indizien gegen ihn.
NICOLAS FREUND
Stanley Ellin: Sanfter Schrecken. 10 ruchlose Geschichten. Deutsch von Arno Schmidt. Suhrkamp Verlag, Berlin 2019. 304 Seiten, 22 Euro.
Zwischen Mann und Frau,
Chef und Angestelltem spielen
sich fiese kleine Szenen ab
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