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Die reiche Dora Bernstein und ihr Sohn Ben aus Amerika besuchen Iasi, die Wiege der rumänischen Kultur. Eine junge Frau, Suzy, zeigt ihnen die Stadt. Wenig später macht Ben ihr einen Antrag. Sie heiraten, und Suzy fängt an, sich für die Geschichte ihrer neuen Familie und die ihrer alten Heimat genauer zu interessieren. Sie stößt auf ein Mädchen, das 1947 mit 17 Jahren nach Wien gekommen ist. Als Einzige einer angesehenen Familie ist es ihr gelungen, das Pogrom in Iasi und den Holocaust zu überleben. Im Wiener Rothschild-Spital findet sie Zuflucht und erweist sich als begabte Schneiderin. Dort…mehr

Produktbeschreibung
Die reiche Dora Bernstein und ihr Sohn Ben aus Amerika besuchen Iasi, die Wiege der rumänischen Kultur. Eine junge Frau, Suzy, zeigt ihnen die Stadt. Wenig später macht Ben ihr einen Antrag. Sie heiraten, und Suzy fängt an, sich für die Geschichte ihrer neuen Familie und die ihrer alten Heimat genauer zu interessieren. Sie stößt auf ein Mädchen, das 1947 mit 17 Jahren nach Wien gekommen ist. Als Einzige einer angesehenen Familie ist es ihr gelungen, das Pogrom in Iasi und den Holocaust zu überleben. Im Wiener Rothschild-Spital findet sie Zuflucht und erweist sich als begabte Schneiderin. Dort trifft sie einen GI, der ihr den Hof macht. Mit diesem beeindruckenden Familienroman ist ein großartiger Erzähler zu entdecken.
  • Produktdetails
  • Verlag: Zsolnay
  • Artikelnr. des Verlages: 551/05883
  • Seitenzahl: 365
  • Erscheinungstermin: 29. Januar 2018
  • Deutsch
  • Abmessung: 208mm x 128mm x 32mm
  • Gewicht: 451g
  • ISBN-13: 9783552058835
  • ISBN-10: 3552058834
  • Artikelnr.: 49474291
Autorenporträt
Mihuleac, Catalin
Catalin Mihuleac, geboren 1960 in Iasi, ist Romancier und Dramatiker. Darüber hinaus schreibt er regelmäßig für rumänische Zeitungen. Oxenberg & Bernstein ist sein erster Roman auf Deutsch.
Rezensionen
Besprechung von 20.02.2018
Geschichte eines Pogroms

Ein unvergessliches Finale: Das seltsame Lektüreerlebnis von Catalin Mihuleacs Roman "Oxenberg & Bernstein".

Nach 355 Seiten nimmt dieser Roman eine dramatische Wende, also gerade einmal sieben Seiten vor Schluss. Es ist keine inhaltliche Volte, sondern eine stilistische, und sie rechtfertigt alles, was vorher geschah - wieder stilistisch verstanden, nicht inhaltlich. Denn zu rechtfertigen, was am 29. Juni 1941 in der rumänischen Stadt Iasi geschah, ist unmöglich. Damals fand eine Razzia in den jüdischen Haushalten von Iasi statt, eine Woche nachdem das nationalsozialistische Deutschland mit Unterstützung seines Verbündeten Rumänien den Angriff auf die Sowjetunion begonnen hatte und damit auch die mörderische "Endlösung der Judenfrage". 13 266 Menschen starben in den nächsten Tagen, fast ausschließlich Männer, die, sofern sie nicht schon in der Stadt ermordet wurden, in den Deportationszügen unter fürchterlichen Umständen zugrunde gingen. Auf vierzehn Seiten führt Catalin Mihuleac uns nach zwei Dritteln seines Romans "Oxenberg & Bernstein" in das Inferno der Waggons, in denen zwei seiner Protagonisten, der Gynäkologe Jacques Oxenberg und dessen Sohn, sitzen.

Und er tut das auf ein Weise, die man geneigt ist, unerträglich zu nennen, nicht nur wegen der Drastik des Verbrechens, sondern auch des bisweilen burlesken Tons, mit dem dieser Totentanz beschrieben wird: "Damit sich eine wenn auch geringe Note von Zivilisation im Waggon einniste, reißt Carol Drimmer im Geiste Seite um Seite aus der von ihm . . . ins Deutsche übersetzten Anthologie der rumänischen Erzählung. Er faltet die Blätter fein säuberlich und verteilt sie an die Eingesperrten, damit sie ihnen als Premium-Klopapier dienlich seien. Gestern hatte ihn ein Polizist an der Quästur gezwungen, die vom italienischen Konsulat erhaltene Bescheinigung aufzuessen. Er hat sie interessiert zerkaut: Sie hatte den unverwechselbaren Geschmack der Niederlage. Das Klopapier wird von einigen entschieden zurückgewiesen - ich kann überhaupt kein Papier sehen, mein Herr, du träumst, lass mich doch damit in Frieden! -, aber die meisten nehmen es entgegen, benutzen es und überschütten Drimmer mit einem wahren Regen an Komplimenten. Eine großartige und vor allem zivilisierte Initiative, Meister!" Der Wahnsinn hat die eingepferchten, erstickenden Todgeweihten schon im Griff, dementsprechend wahnsinnig ist auch das Panorama in diesem Buch.

Doch schon zuvor hat es einen Ton angeschlagen, der verstört: deftige Schilderungen aus der gynäkologischen Praxis Doktor Oxenbergs und manche Zote mehr - das alles in einem Buch, das zwei jüdische Familiengeschichten durchs zwanzigste Jahrhundert verfolgt: einmal die der aus Iasi stammenden Bernsteins, die es zum Glück schon vor dem Krieg nach Amerika verschlagen hat und die 2001 als erfolgreiche Geschäftsleute zurückkommen, um sich auch im Herkunftsort zu engagieren, und dann die der Oxenbergs, die, Kapitel für Kapitel abwechselnd mit der der Bernsteins erzählt, 1937 einsetzt, also die letzten friedlichen, aber schon antisemitisch vergifteten Jahre schildert, bis dann das Schlimmste eintritt. Dass es eine Person gibt, die über den zeitlichen Abstand hinweg beide Familien verbindet, ist jedem Leser klar. Wer es ist, sicher auch, und zwar bevor die Verbindung explizit hergestellt wird.

Und da kommen wir wieder zu jener Wende von Seite 356. Die besteht in einem Brief, der zum Schönsten und Bewegendsten gehört, was die europäische Literatur zu bieten hat. Gefragt, ob all die Frivolität angesichts des ja absehbaren Mordgeschehens, all die vorherige Flapsigkeit des Sprachniveaus ihm nur dazu gedient habe, größtmöglichen Kontrast zur Humanität und Eleganz dieses siebeneinhalbseitigen Brieftextes zu erzeugen, antwortet Catalin Mihuleac, dass er selbst nicht wisse, wie ihm die Person des Briefeschreibers ins Buch geraten sei; auf einmal habe sie sich eingeschlichen. Der sonstige Tonfall sei von ihm gewählt worden, weil er in Rumänien ein anderes als das übliche Publikum für Romane über die Schoa habe ansprechen wollen, ein junges, eines, das man aufklären müsse über das, was im Land damals geschehen ist, auch in Iasi, wo Mihuleac 1960 geboren wurde. Und diese Aufklärung habe eben andere Stilmittel verlangt als einen bloßen Realismus des Schreckens.

Aber darf man im Schatten der Schoa witzeln? Mihuleac wird selbst unwohl dabei gewesen sein, denn einmal flicht er eine Passage ein, die wie eine Selbstrechtfertigung daherkommt: "Der Bub ist schlau", sagt da seine Ich-Erzählerin der Bernstein-Kapitel, die auch aus Iasi stammende, wegen ihrer Heirat mit einem Bernstein-Sohn zum Judentum konvertierte Suzy, über einen ihrer Schwager. "Er weiß, dass du selber den Ton der Heiterkeit bestimmen musst, wenn sich jemand auf deine Kosten lustig machen will." Der Demütigung der Juden aus Iasi wird im Roman mit den Mitteln des Humors begegnet, wobei die Nähe zum Klischee gefährlich ist.

Als der Zsolnay Verlag bei Ernest Wichner, der für ihn schon mehrere Bücher aus dem Rumänischen ins Deutsche übersetzt hatte, anfragte, wie Wichner Mihuleacs 2014 im Original erschienenes Buch einschätze, riet der zunächst von einer deutschen Veröffentlichung ab; auch ihm, der mit Varujan Vosganians "Buch des Flüsterns" die große Romanschilderung über das Schicksal der armenischen Minderheit in Rumänien übersetzt hat, schien der Ton von Mihuleacs Werk unangebracht, ja unangenehm. Und doch setzte Wichner sich dann nachträglich dafür ein, als er hörte, dass der Autor daheim angegriffen wurde für das Buch, weil es an ein rumänisches Tabu rührt: die Mitwirkung an der Schoa. So übersetzte Wichner "Oxenberg & Bernstein" doch noch, jetzt ist er damit für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert.

Zu Recht, denn ungeachtet seines ursprünglichen Zurückschreckens vor Mihuleacs Sprache hat Wichner sie treu, also genauso schwer erträglich wie im Original, ins Deutsche gebracht. Und wenn man sich löst vom eigenen Widerstand dagegen und bis zur Seite 356 durchhält, dann erweist sich der Roman als eine Auseinandersetzung mit der Geschichte, die man nicht vergessen wird: Nicht nur wird das gigantische Verbrechen am Beispiel eines weitgehend unbekannten Pogroms mit einer Anschaulichkeit geschildert, die man nur von den Größten kannte, von Primo Levi, Imre Kértesz, Jean Améry, Robert Antelme; es wird auch noch eine böse Skizze Rumäniens nach der Revolution von 1989 und all der gesellschaftlichen und kommerziellen Seltsamkeiten der Jahrzehnte seither geboten. Dieser Aspekt verblasst zwar gegenüber der Gewalt des Berichts über das Pogrom von Iasi, aber er profitiert wiederum von Mihuleacs provozierender Sprache, denn all deren Frivolität, Flapsigkeit und Ironie ist dort gar nicht mehr fehl am Platze, wo es "nur" um Bauernschläue und Dreistigkeit, um Korruption und Vetternwirtschaft geht. In den gegenwartsnahen Kapiteln erholt man sich also von denen über die dreißiger und vierziger Jahre. Bis es am Schluss zum erwähnten Brief kommt. Über den Suzy sagt: "Nirgendwo und niemals mehr sonst ist mir eine so zartfühlende Manipulation begegnet. Auf ein paar Seiten." Das stimmt - auch über die Handlung von "Oxenberg & Bernstein" hinaus.

ANDREAS PLATTHAUS

Catalin Mihuleac: "Oxenberg & Bernstein". Roman.

Aus dem Rumänischen von Ernest Wichner. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2018. 366 S., geb., 24,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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"Ein mitreißender Roman, schöpfend aus einem ungeheuren Sprachreichtum, in einzigartig schillernden, ebenso kraftvollen wie poetischen, vielfach auch sarkastischen Bildern, die staunen machen." Friedemann Kluge, neues deutschland, 26.04.18 "Ironie und Frivolität, beißende Kritik an den USA wie an Rumänien amalgamiert der Autor zu einem gerade für Deutsche tief bewegenden Versuch über den Holocaust." Katrin Hillgruber, Der Tagesspiegel, 14.03.18 "'Oxenberg & Bernstein' bewährt sich als bewegtes Drama, anrührende Tragödie, unterkühltes Melodram, ironische Märchengeschichte." Alfred Pfoser, Falter, 14.0318 "Das alles liest sich unverschämt deftig und politisch unkorrekt, mitunter zotig. Doch Mihuleacs stilistische Gratwanderung, in der traumwandlerisch sicheren und gewandten Übersetzung Ernest Wichners, erscheint so kühn wie letztlich überzeugend: Gerade der scheinbar leichtfertige burleske Erzählton bringt das grauenvolle Geschehen umso beklemmender zum Vorschein." Sigrid Löffler, Deutschlandradio,12.03.18 "Mihuleac, der in der bestechenden Übersetzung von Ernest Wichner erstmals von einem deutschsprachigen Publikum entdeckt werden kann, schätzt die Zuspitzung, den manchmal frivolen, zuweilen derben Ton. Das Forcierte dieser Prosa ist jedoch kein Selbstzweck. Mihuleac taucht tief ein in die Atmosphäre einer Zeit, die bald von einer mörderischen Hetze beherrscht wird." Holger Heimann, SWR2 Lesenswert, 11.03.18 "Ein Überraschungserfolg: auch weil da ein Erzähler sein Handwerk beherrscht, trickreich mit doppelten Böden hantiert und Erheiterndes aus der Gegenwart (im Ausland "liebt man die Rumänen wie Salz in den Augen") mit Erschütterndem aus der Vergangenheit verwebt." Walter Mayr, Der Spiegel, 10.03.18 "Das geht unter die Hand, weil Mihuleac überzeugende ästhetische Mittel gewählt hat: Er treibt den Sarkasmus an seine Grenze, lässt das Schlimmste zu blutiger Groteske und erzählerischer Halluzination werden". Jan Koneffke, Berliner Zeitung, 10.03.18 "Mihuleac erzählt auf unterhaltsame Weise, ohne Scheu vor Kolportage und in einem sarkastisch-frechen Ton, von einem mörderischen Antisemitismus." Jörg Plath, Deutschlandfunk, 02.03.18 "Dem eleganten Stilisten Mihuleac ist mit 'Oxenberg & Bernstein' das Kunststück geglückt, die von der Mehrheit seiner Landsleute tabuisierten Fakten in Gestalt eines frivolen, amüsanten rumänisch-amerikanischen Liebesepos zu präsentieren." Katrin Hillgruber, Cicero, März 2018 "Eine Auseinandersetzung mit der Geschichte, die man nicht vergessen wird: Nicht nur wird das gigantische Verbrechen am Beispiel eines weitgehend unbekannten Pogroms mit einer Anschaulichkeit geschildert, die man nur von den Größten kannte, von Primo Levi, Imre Kértesz, Jean Améry, Robert Antelme; es wird auch noch eine böse Skizze Rumäniens nach der Revolution von 1989 und all der gesellschaftlichen und kommerziellen Seltsamkeiten der Jahrzehnte seither geboten." Andreas Platthaus, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.02.18 "Ein besseres Buch werden Sie in diesem Jahr nicht lesen. Es stimmt einfach alles, jede Person, jeder Satz, jedes Wort. Catalin Mihuleac hat ein Meisterwerk verfasst." Gabriel Rath, Die Presse, 28.01.18…mehr

Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Ilma Rakusa zeigt sich irritiert von dem flapsigen Ton, in dem Catalin Mihuleac vom Schicksal der jüdischen Bevölkerung Rumäniens im Jahr 1941 berichtet. Die brillante Übersetzung des mitunter grellen Witzes im Buch macht ihr die Lektüre auch nicht leichter. Der Grund, warum der Autor die Tragik des Pogroms in solcher Drastik zu fassen versucht, leuchtet ihr nicht ein. Die aus der Gegenwart der überlebenden Erzählerin in die Vergangenheit der Jahre 1937 bis 1947 springende Handlung macht Rakusa indessen auch mit Mihuleacs Menschenkenntnis und seinem dramaturgischen Geschick bekannt. Schade nur, dass er den ermüdenden Ton erst gegen Ende des Romans aufgibt, meint Rakusa.

© Perlentaucher Medien GmbH