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2,6 Mio. Mal geteilt: "Die meistdiskutierte Story aller Zeiten." THE GUARDIAN.
Mann und Frau. Mutter und Tochter. Freunde und Freundinnen. In zwölf Stories erkundet Kristen Roupenian das Lebensgefühl von Menschen in einer schönen neuen Welt. Fragile Hierarchien und prekäre Lebenssituationen auf der einen, das Bedürfnis nach Sicherheit und Spaß auf der anderen Seite: Alles ist möglich, aber wer sind wir, wenn wir alles sein können? Mit so viel Einsicht in die Wünsche und Ängste des Einzelnen hat man noch nicht über das Zusammenleben in dieser neuen Zeit gelesen - einer Zeit, in der alles…mehr

Produktbeschreibung
2,6 Mio. Mal geteilt: "Die meistdiskutierte Story aller Zeiten." THE GUARDIAN.

Mann und Frau. Mutter und Tochter. Freunde und Freundinnen. In zwölf Stories erkundet Kristen Roupenian das Lebensgefühl von Menschen in einer schönen neuen Welt. Fragile Hierarchien und prekäre Lebenssituationen auf der einen, das Bedürfnis nach Sicherheit und Spaß auf der anderen Seite: Alles ist möglich, aber wer sind wir, wenn wir alles sein können? Mit so viel Einsicht in die Wünsche und Ängste des Einzelnen hat man noch nicht über das Zusammenleben in dieser neuen Zeit gelesen - einer Zeit, in der alles greifbar ist, und es doch immer schwerer wird, auch nur das Geringste davon zu erreichen.

" 'Cat Person' ist eine Geschichte mitten aus der Grauzone der #metoo-Debatte, die zeigt, wie Kommunikation zwischen den Geschlechtern im 21. Jahrhundert an die Wand fahren kann, wenn die Köpfe hinter den Geräten noch dieselben sind wie in vordigitalen Zeiten." FAZ.

"Kristen Roupenian hat mit ihrer Kurzgeschichte 'Cat Person' einen Nerv getroffen." SÜDDEUTSCHE ZEITUNG.
" 'Cat Person' beschreibt prägnant, wo wir in der Diskussion um das Kräfte- und Machtverhältnis zwischen Männern und Frauen gerade stehen." DER FREITAG

Brillant, lakonisch und bitterkomisch: Das Psychogramm unserer Zeit.

"Einzigartig - zum ersten Mal werden die Befindlichkeiten der Millennials beschrieben." Washington Post
  • Produktdetails
  • Verlag: Aufbau-Verlag; Blumenbar
  • Artikelnr. des Verlages: .641/15057, 641/15057
  • Seitenzahl: 283
  • Erscheinungstermin: 18. Januar 2019
  • Deutsch
  • Abmessung: 211mm x 139mm x 30mm
  • Gewicht: 432g
  • ISBN-13: 9783351050573
  • ISBN-10: 3351050577
  • Artikelnr.: 54577451
Autorenporträt
Kristen Roupenian, Jahrgang 1982, studierte afrikanische Literatur in Harvard, hat für den Friedenscorps in Kenia und als freie Journalistin gearbeitet. Ihre Kurzgeschichte "Cat Person", im November 2017 im New Yorker veröffentlicht, wurde zur viralen Sensation und gilt als eine der meistgelesenen Stories aller Zeiten. Der Erzählungsband "Cat Person" ist ihr Debüt. Friederike Schilbach studierte in München, Paris und Berlin Literaturwissenschaft. Sie arbeitet als Verlagslektorin und lebt in Berlin. Ihre Lieblingsgeschichte in Kristen Roupenians Band ist die letzte - "Beißerin". Nella Beljan hat in Bielefeld, London und Berlin Geschichts- und Literaturwissenschaften sowie Literarisches Übersetzen und Philosophie studiert und wurde in Luxemburg und Regensburg in der Germanistik promoviert. Sie arbeitet als freie Kulturjournalistin und Übersetzerin in Berlin. Ihre Lieblingsgeschichte in Kristen Roupenians Band ist "Nachtläuferin".
Rezensionen
Besprechung von 02.02.2019
Wenn selbst Tinder nicht mehr hilft

Kristen Roupenian, die mit der Kurzgeschichte "Cat Person" einen Internethit landete, versucht es nun mit einem Buch. Die arg zeitgeistigen Erzählungen darin setzen auf Drastik und Küchenpsychologie.

Das Interessanteste an diesem Buch - man muss das leider so hart sagen, dann ist es wenigstens auch gleich aus dem Weg - ist seine Vorgeschichte. Sie beginnt Ende des Jahres 2017, als der bis dahin unbekannten Autorin Kristen Roupenian etwas nie Dagewesenes gelang: Sie sorgte dafür, dass eine literarische Kurzgeschichte zum Internethit wurde. "Cat Person", die titelgebende Story, wurde im Magazin "New Yorker" abgedruckt, tausendfach geteilt und millionenfach gelesen. Sie erzählt von einem verunglückten Date, von schlechtem Sex und von ungesunden Dynamiken zwischen Mann und Frau, die dafür sorgen, dass die Hauptfigur Margot lieber in den Beischlaf mit Robert einwilligt als in letzter Minute die Wahrheit zu sagen, nämlich die, dass sie jetzt vielleicht doch lieber nach Hause gehen würde. Im Zuge der damals aktuellen Metoo-Debatte traf die Geschichte bei aller sprachlichen Schlichtheit einen Nerv. Und zeigte, dass es keiner akuten Gewaltandrohung bedarf, dass Frauen sich genötigt fühlen, etwas zu tun, was sie eigentlich gar nicht tun wollen. Und welch rückständige Rollenbilder noch in vielen Köpfen stecken, auch wenn sie sich über Smartphones beugen. Das hat man in der Tat so noch nicht gelesen.

Ein Bietergefecht um Millionenvorschüsse später erscheint nun das Buch "Cat Person", und zwar gleichzeitig in den Vereinigten Staaten und in Deutschland. Bei der englischen Originalausgabe setzte man nicht die berühmteste Geschichte auf den Umschlag, dort erscheint die Sammlung von zwölf Kurzgeschichten unter dem Titel "You Know You Want This" - "Du weißt, dass du es willst". Ein Titel, der Roupenians Thema gut zusammenfasst, denn fast immer entgleitet etwas auf drastische Weise, fast immer geht es um Fremdbestimmtheit, Macht und Kontrollverlust. Die Geschichten lesen sich sehr heutig, Menschen daten sich auf Tinder und googeln Symptome, anstatt zum Arzt zu gehen. Das vielzitierte "Lebensgefühl der Millennials", das Roupenian vielen Stimmen zufolge in der Erzählung "Cat Person" eingefangen habe, ist stets präsent.

Das hätte spannend werden können - wenn da eine Autorin geschrieben hätte, die über die entsprechenden literarischen Mittel verfügt. Doch genau daran scheitert dieses Buch ziemlich krachend. Mit der ersten Geschichte geht Roupenian gleich aufs Ganze, sie beschreibt die Dominanz eines Paares über einen gemeinsamen Freund, der nach einer gescheiterten Beziehung Trost und Hilfe sucht und in eine mentale und sexuelle Abhängigkeit verfällt, aus der sich alle Beteiligten nicht lösen können. Bis es zur Katastrophe kommt, wozu es bei Roupenian allzu gerne kommt. Gut, ein Knaller zum Anfang, denkt man sich, aber leider geht das Buch ebenso knallig weiter, Schockeffekt folgt auf Schockeffekt. Es beschleicht einen bald der Verdacht, dass da etwas mit Drastik kompensiert werden soll, was die Autorin mit anderen Mitteln nicht erreichen kann. Wo man sich eine feinere Figurenzeichnung gewünscht hätte, bekommt man nur grobklotzige Psychologie und eine Menge spritzendes Blut.

Richtig schlimm wird es bei der Geschichte "Ein netter Typ", die mit folgendem Satz beginnt: "Seit er 35 war, konnte Ted beim Sex nur einen hochkriegen und steif bleiben, wenn er sich vorstellte, dass sein Schwanz ein Messer war und die Frau, mit der er gerade schlief, sich daran aufschlitzte." Eigentlich ist Teds Geschichte interessant. Er ist der titelgebende nette Typ, von Kindheitstagen an ein eher unansehnlicher kleiner Nerd, der seine Probleme hat, bei Mädchen zu landen, und darüber so frustriert ist, dass er sich eine Netter-Kumpel-Strategie zurechtlegt, damit überhaupt jemand mit ihm redet. Unter dem netten Kumpel jedoch schlummert Aggression, und darunter schlummert ein Junge, der geliebt werden will. Als sich endlich doch Mädchen für ihn interessieren und schließlich auch sein Jugendschwarm Anna, bekommt er seine Identitäten sexuell und auch sonst nicht mehr recht sortiert. Da man von Partnern erwartet, dass sie in einer Beziehung sie selbst sind, steht Ted vor dem Problem, dass er das mittlerweile selbst nicht mehr weiß. All das wird in einer alles erklärenden Plaudersprache erzählt, wie man sie von Jugendromanen erwarten würde, ohne Tiefe und ohne Geheimnis. Und leider wird man das Gefühl nicht los, dass Nella Beljan und Friederike Schilbach beim Übersetzen arg aufs Gas treten mussten, damit die deutsche Fassung rechtzeitig fertig wird.

Wenn die Ted-Geschichte noch grundsätzlich interessant und nur schlecht umgesetzt ist, so gleiten viele der Erzählungen ins Triviale ab oder muten an wie Fingerübungen aus dem Schreibseminar. Ein Kindergeburtstag entgleitet, ein Junggesellinnenabschied entgleitet, ein Tinderdate entgleitet, alle auf mehr oder weniger interessante Weise. Ein allzu schlichtes Kunstmärchen widmet sich einer eitlen Prinzessin, das kann beispielsweise Karen Duve um Welten besser. Und Humor hat sie dazu auch noch, denn der fehlt Roupenian vollkommen, ebenso wie jede Wärme. Sie schreibt eiskalt, im schlechtesten Sinne. Warum sollte man sich für ein Personal interessieren, das der Autorin selbst offenbar so völlig egal ist? Die Teds und Lauras und auch die Prinzessinnen sind allesamt nur Platzhalter für dunkle Phantasien, ohne die Chance, sich ansatzweise zu entwickeln. Sie sind sich selbst schutzlos ausgeliefert, und dem Blick des Lesers. Auf diese Weise kriecht man niemandem unter die Haut, da hilft wohl wirklich nur, irgendetwas aufzuschlitzen.

Vielleicht wird man Kristen Roupenian einmal zugestehen, die Literatur für ein paar bislang unbeackerte Themenfelder geöffnet zu haben, weil sie einen guten Blick für das hatte, was mit dem Hilfsausdruck "Lebensgefühl der Millennials" nicht eben elegant umschrieben ist. Warten wir also geduldig auf den Autor oder die Autorin, dem oder der auch die angemessene Sprache und das Gefühl für den Aufbau von Szenen und Figuren zur Verfügung stehen. Oder auf die Verfilmung als Serie, die HBO bereits angekündigt hat. Roupenians "Cat Person" fährt in dieser Form jedenfalls krachend an die Wand, um mit einem angemessen destruktiven Bild zu schließen.

ANDREA DIENER

Kristen Roupenian:

"Cat Person". Storys.

Aus dem Amerikanischen von Nella Beljan und

Friederike Schilbach.

Blumenbar Verlag, Berlin 2019. 288 S., geb., 20,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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» In diesem Buch ist jeder jederzeit in Gefahr, ein sich fundamental falsch verhaltender Mensch zu werden. «
Besprechung von 18.01.2019
Der kleine Unterschied
Die Short Story „Cat Person“ wurde 2017 online millionenfach gelesen und machte die amerikanische Autorin Kristen Roupenian über Nacht berühmt.
Jetzt ist ihr erster Erzählband erschienen. Er zeigt: Auch auf der langen Strecke hält sie das Niveau mühelos
VON FELIX STEPHAN
Im Dezember 2017, wenige Wochen nach den Weinstein-Enthüllungen, erschien im New Yorker eine Short Story, die von einem missglückten Date handelt. Die Geschichte heißt „Cat Person“, stammt von der bis dahin vollkommen unbekannten amerikanischen Autorin Kristen Roupenian, und weil sie in den sozialen Netzwerken millionenfach geteilt, gelesen und diskutiert wurde, handelt es sich mit einiger Sicherheit um die am häufigsten gelesene Short Story der vergangenen Jahre.
In „Cat Person“, erzählt in personaler dritter Person, geht es um die 20-jährige Margot, die studiert und nebenher in einem Programmkino Tickets verkauft, und um den 34-jährigen Robert, dem sie aus dem Ticketschalter heraus ihre Nummer gibt, als er sie darum bittet. Wochenlang schreiben sie sich Nachrichten, verstehen sich in diesem Rahmen erstaunlich gut und treffen sich irgendwann auch physisch. Der erste Eindruck ist kein guter: Robert holt Margot „in einem schmutzigen weißen Honda Civic“ ab, die „Getränkehalter quollen über vor alten Bonbonpapieren“, im Kino versucht er der Ticketverkäuferin gegenüber einen Witz, der „so verunglückte, dass alle drei peinlich berührt waren, vor allem Margot“.
Für ihr erstes Date hat Robert einen schwarz-weißen Holocaust-Film ausgesucht, weil er weiß, dass Margot einen ausgesuchteren Geschmack hat als er und ein schwarz-weißer Holocaust-Film das ist, was er sich unter Hochkultur vorstellt. Natürlich funktioniert das nicht, beharrlich macht sie sich über seine Wahl lustig. Auf eine gewisse Weise aber rührt sie seine Naivität, und auch deshalb kommt es nach dem Kino zu einem ersten Kuss, allerdings: „so unbeholfen, dass Margot kaum glauben konnte, dass ein erwachsener Mann so schlecht küsste“. Mit aller Kraft gelingt es ihr, auch seine sensible Seite anzuerkennen, und als er sie fragt, ob sie mit zu ihm kommt, sagt sie zu.
In Roberts Schlafzimmer aber kommt es zum Wendepunkt der Geschichte. Sie liegt schon auf seinem Bett, als sie ihm dabei zuschaut, wie er sich das Shirt und die Hose auszieht und erst dann feststellt, dass er noch die Schuhe anhat, und also ungelenk seinen untrainierten, haarigen Oberkörper vornüberbeugt, um mit halb heruntergelassener Hose die Schuhe aufzudröseln, und bei diesem Anblick denkt Margot: „O nein.“ Weil es ihr aber so vorkommt, als bedeute es einen größeren Aufwand, Robert jetzt möglichst schonend beizubringen, dass sie sich umentschieden hat, als den Sex einfach über sich ergehen zu lassen, entschließt sie sich „ihre Ablehnung in Unterwerfung niederzuknüppeln“. Beim Sex selbst liefert Robert dann eine Vorstellung ab, bei der Margot ihr Gesicht in das Kissen drücken muss, um einen Lachanfall zu unterdrücken.
Diese Entscheidung der fiktionalen Margot ist vielfach als Ausdruck einer patriarchalen Gesellschaft gedeutet worden, die das männliche Begehren über das Selbstbestimmungsrecht der Frau stellt und die Margot derart internalisiert hat, dass es sie zu dieser scheinfreiwilligen Unterwerfung nötigt. In einem strukturellen Sinne handele es sich deshalb schon um eine Vergewaltigung, selbst wenn Robert gar nicht wisse, dass er Gewalt ausübe.
Die Geschichte ließe sich andererseits aber auch so lesen, dass es Margot ist, die strukturelle Gewalt ausübt, schließlich offenbart sich zwischen den beiden ein deutlicher Klassenunterschied. Es ist Margot, die dem Habitus, der richtigen Einrichtung, dem richtigen Auto so viel Bedeutung beimisst, dass sie nicht in der Lage ist, diese Differenz zu überbrücken. Bei jeder Gelegenheit misst sie Robert an ständischen Signalen, an Geschmacks- und Konsumentscheidungen, und er macht nicht zuletzt deshalb eine so schlechte Figur, weil ihm dieser Unterschied sehr bewusst ist und er angestrengt versucht, ihn zu verschleiern, was ihn erst recht als Tölpel markiert. Spät am Abend lässt er sich sogar dazu hinreißen, sich Margot zu offenbaren und auf seine Gefühle, Zweifel und Sorgen zu sprechen zu kommen, wofür ihn Margot nur noch inniger verachtet. In dieser Lesart dreht sich die Geschichte nicht um toxische Männlichkeit, sondern um eine Epoche, in der Frauen im Schnitt höhere Bildungsabschlüsse haben als Männer, und jetzt vor dem Problem stehen, dass sie mit zunehmender Wahrscheinlichkeit gezwungen sind, nach unten zu daten.
Die Story ist konstruiert wie ein moralphilosophischer Anwendungsfall in sokratischer Tradition, der am konkreten Beispiel Fragen aufwirft nach Gewalt, Schuld und moralischer Relativität. Außerdem warf der immense Publikumserfolg von „Cat Person“ die Frage auf, ob der Autorin eigentlich bewusst war, was sie tat, oder ob sie einfach eine Episode aus ihrem Leben erzählte und ihr das Glanzstück gewissermaßen unterlaufen war, schließlich hatte man sonst noch nie etwas von ihr gelesen.
Dagegen sprach, dass Kristen Roupenian in Harvard afrikanische Literatur und in Michigan Kreatives Schreiben studiert hat. Und dagegen spricht nun auch ihr erster Erzählband. Das Buch heißt wie die berühmte Story und es weist Roupenian als Autorin aus, die im Zweifel alles schreiben kann. Ein Autorensubjekt gibt es in diesem Buch nicht, die Storys klingen wahlweise nach Stephen King, Edgar Allan Poe, Guy de Maupassant, Carrie Bradshaw.
Postmimetische Literatur könnte man das vielleicht nennen, oder vielleicht auch einfach: Fan Fiction. In der Erzählung „Der Junge im Pool“ wird dieses ästhetische Programm, das die Oberfläche feiert, die Medialisierung und das Trostpotenzial der Bilder, ganz explizit verhandelt. Darin geht es um ein paar beste Freundinnen, die an der Highschool die Tradition hatten, regelmäßig gemeinsam ein fürchterliches Vampir-B-Movie zu schauen und den hübschen, jugendlichen Hauptdarsteller anzuhimmeln, der vor allem in einer kitschigen Sexszene im Pool ganz hinreißend aussieht. Jahre später, als erwachsene Frauen, kommen sie wieder zusammen, um einen Junggesellinnenabschied zu feiern, für den die Erzählerin als Überraschungsgast den Schauspieler von damals bucht. Weil er aber als der auftritt, der er wirklich ist – ein erfolgloser Enddreißiger, der an einer Webserie namens „Dadzone“ arbeitet –, gerät sein Besuch langweilig, banal und ziemlich deprimierend.
Die Erzählerin legt also ein paar Hunderter drauf, damit der Schauspieler in den Pool springt und noch einmal für ein paar Augenblicke in die Rolle von damals schlüpft: „Der Junge schwimmt im Schmetterlingsstil, genauso wie im Film 20 Jahre zuvor.“ Glücklicher als die amerikanischen Mittelstandsfrauen in diesem Moment ist in diesem Buch niemand mehr. Nass gespritzt stehen sie am Beckenrand, „eine holt ihr Telefon heraus und fängt an, Fotos zu machen. ,Was ist noch mal der Hochzeits-Hashtag?‘, flüstert sie, aber keine der Frauen antwortet.“
Das ist alles ohnehin schon wirklich gut, aber Roupenian hat in ihre Storys noch eine weitere Ebene eingezogen, die wiederum moralischer und essenzieller nicht sein könnte. Wenn man ein Motiv finden wollte, das sämtliche Texte durchzieht, dann wäre es die Frage nach der Schuld. Nahezu jede Figur in diesem Buch verhält sich amoralisch, selbstsüchtig und zugleich genau so, wie es ihr von der Kultur aufgetragen wird. Sie werden mitleidslos aus Selbstschutz und erniedrigen, traumatisieren, verletzen auf der Suche nach einem Plätzchen in der Komfortzone wiederum andere. Bei Roupenian, und dieser hohe Ernst ist gut verborgen, ist Schuld nichts, das den Einzelnen betrifft, sondern den Menschen an sich.
Kristen Roupenian: Cat Person. Storys. Blumenbar Verlag, Berlin 2019. 282 Seiten, 20 Euro.
Für ihr erstes Date hat Robert
einen schwarz-weißen
Holocaust-Film ausgesucht
Ein einziges Motiv durchzieht
sämtliche Geschichten:
die Frage nach der Schuld
Ihr Erzählband hält, was 2017 ihr Debüt im New Yorker versprach: Die amerikanische Autorin Kristen Roupenian, geboren 1981 in Plymouth, Massachusetts, schreibt moralische Geschichten aus der heutigen Klassengesellschaft.
Foto: picture alliance / AP Photo
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