Bona nox - Mozart, Wolfgang Amadeus; Bauer, Jutta
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"Bona nox, bist ein rechter Ochs, bona notte, liebe Lotte ...", so beginnt ein bekanntes Kinderlied, das Mozart gedichtet und komponiert hat. Jutta Bauer macht daraus eine Bilderbuchgeschichte, in der der Ochs und die Nacht einer verirrten Lotte mächtig Angst einjagen wollen. Doch Lotte lässt sich nicht einschüchtern und findet nach Hause in ihr warmes Bett. Gute Nacht, liebe Lotte!
Ein wunderbares Einschlaf- und Angst-Verscheuchbuch, das Kindern auch noch verrät, was "gute Nacht" auf Latein, Italienisch, Französisch und Englisch heißt.
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Produktbeschreibung
"Bona nox, bist ein rechter Ochs, bona notte, liebe Lotte ...", so beginnt ein bekanntes Kinderlied, das Mozart gedichtet und komponiert hat. Jutta Bauer macht daraus eine Bilderbuchgeschichte, in der der Ochs und die Nacht einer verirrten Lotte mächtig Angst einjagen wollen. Doch Lotte lässt sich nicht einschüchtern und findet nach Hause in ihr warmes Bett. Gute Nacht, liebe Lotte!

Ein wunderbares Einschlaf- und Angst-Verscheuchbuch, das Kindern auch noch verrät, was "gute Nacht" auf Latein, Italienisch, Französisch und Englisch heißt.
  • Produktdetails
  • Verlag: Gerstenberg (Gebrüder
  • Seitenzahl: 32
  • Altersempfehlung: ab 4 Jahren
  • Deutsch
  • Abmessung: 125mm x 145mm
  • Gewicht: 92g
  • ISBN-13: 9783806751000
  • ISBN-10: 3806751005
  • Artikelnr.: 14174916
Autorenporträt
Wolfgang Amadeus Mozart wurde als Sohn von Leopold Mozart in Salzburg geboren. Er unternahm bereits in jungen Jahren mit seinem Vater und seiner Schwester Konzertreisen durch ganz Europa und wurde dadurch als Wunderkind berühmt. 1769 trat er in den Dienst des Erzbischofs in Salzburg ein. Ab 1781 lebte Mozart in Wien, wo er seine größten Erfolge als Opernkomponist feiern konnte.
Rezensionen
Besprechung von 19.10.2005
Lotte pupt
Zum antipädagogischen Subtext eines Mozart-Kanons

Das Mondkalb, das Christian Morgenstern noch so kluge Ratschläge zu geben wußte, hat sich ausgewachsen zu einem massiven Mondochsen. Ein norddeutsches Fleckvieh, schwarzweiß. Trägt die goldene Sichel zwischen den Hörnern, glotzt der kleinen Lotte nächtens frech ins Fenster hinein. Die klettert ins Freie, wird vom Ochsen, der von Wolfgang Amadeus Mozart noch "ein rechter Ox" genannt wurde, verfolgt und schon fast stiermäßig auf die Sichelmondhörner genommen. Doch da besinnt sich das Kind.

Es erinnert sich offenbar an den abgesunkenen Originaltext des bekannten Mozart-Kanons, dessen alsbald ins Niedliche verbogene, von allen Unanständigkeiten bereinigte Textfassung von Jutta Bauer hier Zeile für Zeile mit passenden Bildern versehen worden ist. Zu den Worten "Pfui pfui, good night, good night" läßt das Lottchen so gewaltig einen fahren, daß der Ochse auf den Rücken fällt und seine Verfolgung einstellen muß. Worauf Lotte heimkehrt zu den Eltern, die ihr Kind, nichts ahnend von den wahren Zusammenhängen, wieder mit einem harmlosen "Schlaf fei gsund und bleib recht kugelrund" in Schlummer singen.

Im Anhang ist Mozarts Kanon mit Noten abgedruckt: eine Aufforderung zum Nachsingen, was dieses "Einschlaf- und Angst-Verscheuchbuch" besonders wertvoll macht - nur leider wiederum mit dem gefälschten Saubermann-Text. Selbst noch der Kommentar schweigt sich schamhaft dazu aus. Wieder wird nur handelsüblich herumgemutmaßt über das Wunderkindliche an dem "großen Komponisten", der bekanntlich "derben Späßen nie abgeneigt" gewesen sei und auch an diesem Buch "sicher seine wahre Freude" gehabt hätte. Gerade daran darf gezweifelt werden.

Schließlich trägt das Lied im Originaltext nicht nur den Gute-Nacht-Gruß in allen Sprachen vor, die ein reisender Musiker wie Mozart schon als Kind selbstverständlich beherrscht hat. Es enthält auch "böse" Worte: jene drastischen Abschiedsformeln, die keineswegs nur dem herumschweinigelnden "Donnerblitzbub" und Bäsle-Briefschreiber aus Pubertätsgründen unterliefen und deshalb guten Gewissens zensierbar erscheinen, vielmehr in der Familie Mozart gang und gäbe waren. So finden sich in einem Brief aus Paris vom 26. September 1777 am Ende ganz ähnliche Verse, diesmal aber von der Mutter: "Den ganzen dag haben wür visiten, leben wie die fürsten Kinder, bis uns holt der schinder. Adio ben mio leb gsund, Reck den arsch zum mund. Ich winsch ein guete nacht, scheiss ins beth das Kracht, es ist schon über oas ietzt kanst selber Reimen. sch Maria Anna Mozartin."

Briefe wie diese ruhen sicher in verschwiegenen Archiven. Dem "Bona nox"-Kanon von Mozart indes, in aller Munde, paßte man schon im Biedermeier neue, stubenreine Verse an. Wo es bei Mozart noch hieß: "Gute Nacht / scheiß ins Bett, daß' kracht / schlaf fei g'sund / und reck den Arsch zum Mund" - da singen wir seither: "Gute Nacht / s' wird höchste Zeit, gute Nacht / schlaf fei g'sund / und bleib recht kugelrund." Ginge es nach Jutta Bauers hübsch ausgemaltem Büchlein, singen wir auch in Zukunft sauber immer so weiter. Dabei weiß die Illustratorin eigentlich Bescheid: Sie verpaßte selbst dem "Ox" ein bezauberndes, sternförmiges Arschloch ans Hinterteil. Schade nur, daß sie die antipädagogische Wirkung der verborgenen Subtextes unterschätzt hat. Gutenachtsingende Mütter wissen schließlich aus Erfahrung, daß man kleinen Kindern, die ihre anale Phase noch nicht vollends wegsublimiert haben, mit Mozart im Original kurz vor dem Einschlafen ein große Freude machen kann.

ELEONORE BÜNING.

Wolfgang Amadeus Mozart / Jutta Bauer: "Bona nox". Gerstenberg Verlag, Hildesheim 2005. 32 S., geb., 7,50 [Euro]. Für jedes Alter.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Besprechung von 05.01.2006
Schlaf fei g’sund
Mozart im Bilderbuch
Bona Nox! Bist a rechter Ox” .Wer Mozarts lustig-respektloses Schlaflied als Kind nicht gehört oder gesungen hat, kann es sich heute als Klingelton fürs Handy aus dem Internet herunterladen oder auf der Homepage des Gerstenberg Verlags dem vierstimmigen Kanon lauschen. Der Verlag hat dazu eine Art Videoclip im Minibuchformat herausgegeben, und wer könnte den derben, komischen Ton, den dieses kleine, unprätentiöse Lied aufweist, besser illustrieren und interpretieren als Jutta Bauer? Ihre Aquarellbilder besitzen die spielerische Leichtigkeit, mit der auch der große Meister sein Kinderlied niedergeschrieben und komponiert haben dürfte. Scheinbar nebenbei, so der Eindruck, sind Lied und Bilderbuch entstanden - eine kleine Fingerübung für beide, zu Papier gebracht in einem Abstand von 220 Jahren.
Das kleine Büchlein spielt wohl mit der Idee einer Musik-CD, aber es bleibt vor allem ein Bilderbuch, das sich an Mozarts Liedzeilen orientiert. Er hatte beim Texten vor allem nach einer komischen, eingängigen Reimform gesucht: „Bona notte, liebe Lotte / Bonne nuit, pfui, pfui”; das Ende seines Stückes wurde später in eine kinderstubenreine Form gebracht. Jutta Bauer hat sich inspirieren lassen von diesem Wortmosaik aus Wiener Charme und einigen fremdsprachigen Brocken und ein kleines nächtliches Drama entworfen. Im ersten Doppelbild blicken wir in ein spärlich möbliertes Kinderzimmer, in dem die „liebe Lotte” mit offenen Augen im Bett liegt. Das Zimmer ist in kühles, blaues Mondlicht getaucht. Unser Blick fällt durch das große Fenster; draußen steht bereits der „Ochs” mit Hörnern, die sich wie eine Mondsichel wölben. Lottes nächtliches Abenteuer beginnt, als sie (mit einem gezeichneten „Hopp”) aus dem Fenster klettert und den Ochs verfolgen will. Doch der Spieß dreht sich um: der Ochs jagt Lotte über die nächtlichen Wiesen. In den schwarz-blauen Nachtlandschaften sehen wir Ochs und Lotte mal als Schattenriss am fernen Horizont dahin jagen, dann tauchen sie wieder, vom hellen Mondlicht beschienen, in Nahaufnahmen auf. Die Hamburger Zeichnerin hat ihrer Geschichte nicht nur eine besondere Dynamik verliehen, sondern einen genialen Höhepunkt, der ganz im Sinne Mozarts gewesen sein dürfte. Bei seinem deftigen „Bonne nuit, pfui, pfui” erleben wir die clevere Lotte ganz körperlich-sinnlich: sie „bezwingt” den Ochs auf ihre Weise, sodass man auch als Betrachter „Pfui, pfui” rufen müsste. Am Ende des nächtlichen Abenteuers kehrt Frieden ein: das Kind liegt wieder im Bett, die Jalousien des Fensters sind geschlossen und die erleichterten Eltern, die ihr Kind samt Stoffschweinchen vor der Tür aufgesammelt haben, scheinen Mozarts Schlaflied aus vollem Herzen zu singen - „Schlaf fei g’sund und bleib recht kugelrund”.
JENS THIELE
WOLFGANG AMADEUS MOZART: Bona Nox. Mit Ill. von Jutta Bauer. Gerstenberg Verlag 2005. 32 Seiten, 7,50 Euro.
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Jens Thiele kann sich niemand Geeigneteren vorstellen als Jutta Bauer, um das "lustig-respektlose" Schlaflied von Wolfgang Aamadeus Mozart zu illustrieren. Ihre in Aquarelltechnik gezeichneten Bilder hätten genau jene "spielerische Leichtigkeit", die auch Mozarts Komposition und Text auszeichnet. Thiele hat den Eindruck, dass "Bona Nox" und - 220 Jahre später - das vorliegende Bilderbuch "scheinbar nebenbei" entstanden sind, als "kleine Fingerübung" der Zeichnerin Bauer und des Komponisten Mozart. Bauer habe sich an den Liedtext gehalten und daraus ein "kleines nächtliches Drama" entworfen, dass nicht zuletzt durch die häufigen Wechsel zwischen Nahaufnahme und Totale voller Bewegung bleibt und einen "genialen Höhepunkt" aufweist, der nach Thieles Dafürhalten bestimmt Mozarts Zustimmung gefunden hätte.

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