Du bellst vor dem falschen Baum - Holofernes, Judith
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Tiere haben die Sängerin Judith Holofernes schon immer fasziniert: Grandiosere Komiker gibt es für sie nicht. Deren Ernsthaftigkeit, Grazie und Witz beschreibt sie nun auch in Gedichten. Mal albern, mal voll poetischem Überschwang, leichthändig und kratzbürstig-komisch erzählt Holofernes dabei mindestens genauso viel über Menschen.
Neben ihrem Solodebüt "Ein leichtes Schwert" überraschte Judith Holofernes ihre Fans 2014 mit ersten Tiergedichten auf ihrem Blog. Das hat eine bestechende innere Logik - schließlich versteckte sie schon in ihren Songtexten ständig Tiergedichte. Und sie weiß,
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Produktbeschreibung
Tiere haben die Sängerin Judith Holofernes schon immer fasziniert: Grandiosere Komiker gibt es für sie nicht. Deren Ernsthaftigkeit, Grazie und Witz beschreibt sie nun auch in Gedichten. Mal albern, mal voll poetischem Überschwang, leichthändig und kratzbürstig-komisch erzählt Holofernes dabei mindestens genauso viel über Menschen.

Neben ihrem Solodebüt "Ein leichtes Schwert" überraschte Judith Holofernes ihre Fans 2014 mit ersten Tiergedichten auf ihrem Blog. Das hat eine bestechende innere Logik - schließlich versteckte sie schon in ihren Songtexten ständig Tiergedichte. Und sie weiß, wovon sie spricht: Immerhin wuchs sie mit bis zu sieben Tieren auf. Lemur, Faultier, Tuberkelhokko und Labradoodle - alles, was nicht bei drei auf dem Baum ist, wird nun von ihr angedichtet. Die zunächst auf ihrem Blog erschienenen Gedichte und zahlreiche neue Texte werden nun in ein außergewöhnliches Buch ausgewildert, kongenial illustriert mit den ebenso schönen wie absurden Collagen der Künstlerin Vanessa Karré.
  • Produktdetails
  • Verlag: Tropen
  • 4. Aufl.
  • Seitenzahl: 104
  • 2015
  • Ausstattung/Bilder: 104 S. m. zahlr. farb. Illustr. 246 mm
  • Deutsch
  • Abmessung: 250mm x 180mm x 16mm
  • Gewicht: 409g
  • ISBN-13: 9783608501520
  • ISBN-10: 3608501525
  • Artikelnr.: 42679539
Autorenporträt
Judith Holofernes ist Sängerin, Gitarristin, Songwriterin und Autorin. In den vergangenen zehn Jahren wurde sie hauptsächlich als Frontfrau der Band "Wir sind Helden" berühmt. 2013 veröffentlichte sie ihr erstes Soloalbum.
Rezensionen
Besprechung von 02.12.2015
Was kann der Hokko denn dafür?
„Du bellst vor dem falschen Baum“: Judith Holofernes, die Frontfrau
der Band „Wir sind Helden“, schreibt Gedichte über Tiere
VON BURKHARD MÜLLER
Wer Judith Holofernes bei ihren Auftritten erlebt, und sei es nur auf Youtube und sei es nur, weil er, wenn er ihre Gedichte gelesen hat, neugierig geworden ist, was sie sozusagen hauptamtlich treibt – der kann nicht umhin zu bewundern, wie sie einen musikalischen Auftritt in einen ganz und gar sprachlichen und persönlichen verwandelt. Nicht nur Frontfrau der Gruppe Wir sind Helden ist sie, sondern sie schreibt die Lieder und trägt sie vor, während die andern Band-Mitglieder im Hintergrund ein bisschen klimpern und klappern. Mehr lässt ihre starke Anwesenheit weder optisch noch akustisch zu. Es sind Lieder, das heißt musikalische Darbietungen, in denen sich das Wort nach vorn arbeitet, und bei ihr noch mehr, als es bei Liedern generell der Fall zu sein pflegt. Holofernes hat eine große Stimme; was nicht heißt, dass sie singen kann, denn ihr Gesang als solcher tönt recht dünn; sondern dass sie in ihrer Stimme Präsenz erlangt, wie es sonst Schauspielern vorbehalten ist, die ihr Metier verstehen.
  Was sie singt/sagt (man weiß nicht recht, wie man dies erstaunliche Ineinander nennen soll), lebt nicht allein kraft der Texte; sondern vor allem davon, wie sie vorträgt. Nähme man die Texte bloß für sich, klänge es oft ein bisschen unbedarft, wie sie alltägliche Situationen aufgreift. Der Auftritt aber verzaubert, was sonst holpern müsste, zur Gegenwart eines Gefühls, dem man sich umso mehr anvertraut, als es bei den Mitteln hapert. Es ließe sich geradezu sagen, Judith Holofernes inszeniere ein starkes Misslingen, von dem sich jedermann sofort berührt und getröstet fühlt: kraft der Menschlichkeit des Unzulänglichen. Sie wird demnächst vierzig und hat zwei Kinder; aber so wirkt sie nicht. Sondern so, als bliebe sie für ewig eine verwundete, verwunderte Fünfzehnjährige, voll früher Offenheit bis in ein Alter, wo die meisten Leute zumachen.
  Wie viel von dieser sympathischen Präsenz schafft es hinüber ins eigentliche Gedicht? Das ist die Frage, an der sich das Schicksal ihres Buchs „Du bellst vor dem falschen Baum“ entscheidet, das sich ausschließlich mit Tieren beschäftigt. Das Gedicht hat keine Melodie, der Verfasser hat sich daraus zurückgezogen und nur ein fragmentarisches Skelett aus Buchstaben hinterlassen, um das sich die Leere der Seite dehnt. Kein performativer Künstler entrinnt diesem Problem, sobald er die höheren Weihen des soliden Buchdeckels sucht und der Zuschauer, Zuhörer plötzlich als Leser dabei ist, wenn sein Idol, sei es Wiglaf Droste, sei es Helge Schneider, mit deutlich reduziertem Gepäck versucht, hinüber in die Ewigkeit zu flutschen.
  Judith Holofernes hat nicht einfach ein Songbook vorgelegt. Ihr war es ernst mit dem Aufbruch in die Schriftform. Gleich beim ersten Gedicht des Bandes führt das dazu, dass sie nur ein Bruchstück ihres Liedes „Nichtsnutz“ übernimmt. Das war ein langes, lustiges, intelligentes Lied. Das Ich bestand darin auf seinem Recht, hienieden zu gar nichts nütze sein zu müssen und sich die Decke über den Kopf zu ziehen, wenn es an der Tür klingelt. Warum soll es der Mensch schlechter haben als das Tier? Beim Tier klingelt keiner, und es lebt trotzdem. Nur in diesem Zusammenhang erhält die hier isoliert abgedruckte Passage ihren vollen argumentativen Sinn: „Ich geh spazieren / auf allen vieren / Ich sprech mit Tieren / die nix kapieren / die alles können / und die versonnen / auf Wiesen pennen / und die versponnen / auf Wiesen rennen / die sich sonnen / und die nichts! nichts! nichts! / beim Namen nennen.“
  Das hat immer noch eine herrliche anarchische Unschuld, vor allem im Schluss mit seinem dreimaligen Ausrufezeichen nach dem „nichts“, das signalisiert: Das, worauf es im Leben ankommt, vollzieht sich unabhängig von Vernunft und also von Herrschaft. Als Fragment jedoch büßt es seinen Bezugsrahmen ein und damit viel von der Brisanz seiner Frage- und Feststellungen.
  Der Impuls dieses starken Interesses am Tier ist ganz bestimmt ein anarchischer. Doch das rebellische Flämmlein brennt schlecht in den heiligen Hallen des thematischen Lyrikbandes. Unter der Hand wird etwas anderes daraus, nämlich ein „Tierleben“, wie es Alfred Brehm (im Ernst), Eugen Roth und Robert Gernhardt (mit leicht ironischem Einschlag) vorgelegt haben. Auf Gernhardt beruft sich Holofernes ausdrücklich. Sie spürt nicht, dass sie selbst in ihrer jugendlichen Quecksilbrigkeit ein ganz anderes Naturell ist. Würde sie doch bloß die Sache nicht so speziesweise abmachen! Das ist so elend ordentlich.
  Ein Gedicht gilt dem Sekretär, einem hochbeinigen afrikanischen Greifvogel. Je ein weiteres dem Fuchs, dem Ozelot, dem Wolf, dem Wiesel und so weiter. Noch eins dem Tuberkelhokko, einem in weiten Kreisen eher unbekannten Hühnervogel. O.k., er hat einen schrägen Namen. Aber trägt der ein komplettes Gedicht? „Machst nichts locker so vom Hokko – / Bist kein Rokko! / Bist verkrampft / Und angespampft!“
  Das ist Schlimmeres als ein Kalauer. Hatte die Autorin nicht besonders betont, dass es bei Tieren nicht auf den Namen ankommt? Hier bleibt vom Tier nichts als der Name, von dem es selbst nichts weiß, sondern nur der Mensch, der das Schildchen am Käfig liest und sich amüsiert. Am Tuberkelhokko hat Holofernes Verrat geübt. Das wollte sie bestimmt nicht, da ist bloß der Reimgaul mit ihr durchgegangen. „Mach dich lokko! / Keinen Bokko? Ekelhokko“. Dieser Ekel liegt allein im Auge oder noch präziser im Gehirn des Betrachters; das hat der Hokko nicht verdient.
  Das ist die Kehrseite des kindlichen Blicks: Alles, was anders ist als man selbst, komisch zu finden. „Tiefseefische“, fängt ein Gedicht an, „– auf die Gefahr / dass ich mich einmische – dass euch nie einer sieht / ist doch lang noch kein Grund / so auszusehn, oder? / So ungesund!“ Ungesund sehen diese Fische aber nur aus, wenn man sie aus ihrer heimischen Tiefsee heraufholt, denn dort unten passt das wunderbar, und die Verfasserin sähe rasch noch viel ungesünder aus, wenn sie in den Marianengraben fiele. Mit einem Wort: Da ist leider kein Buch über Tiere herausgekommen, sondern eines über den Zoo.
  Einiges davon machen die Bilder wett. Es sind keine Illustrationen, denn eigentlich handelt es sich um ein Bilderbuch mit Begleittext. Wenn Holofernes vier Seiten lang von der Meise spricht, dabei aber ausschließlich die Redewendung „eine Meise haben“ variiert, verhilft Vanessa Karré dem Vogel zu seinem ursprünglichen Recht, indem sie mehrere Zeichnungen und ein wirklich sehr schönes Farbbild einer jungen, noch unsicheren Kohlmeise dazutut. Besonders mag sie das Collagieren; aus ganz unverwandten Vorlagen fertigt sie Scherenschnitte an, und die Bildebenen treten in verblüffenden Kontrast. Ihre Hunde sind lebendig und witzig und bleiben doch Hunde, anders als der arme Tuberkelhokko. Wenn das Buch doch noch teilweise geworden ist, was es wollte, so verdankt es dies seinen Bildern.
Judith Holofernes: Du bellst vor dem falschen Baum. Gedichte. Mit Bildern von Vanessa Karré. Tropen Verlag, Stuttgart 2015. 104 Seiten, 17,95 Euro. E-Book 13,99 Euro.
Was sie singt, lebt nicht allein
von den Texten, sondern
davon, wie sie es vorträgt
In den Gedichten von Judith Holofernes wirken die Tiere wie im
Zoo gesehen. Dafür entschädigen die Bilder und Zeichnungen von Vanessa Karré –
sie zeigt die Tiere in freier Wildbahn.
Foto: Tropen Verlag
  
  
  
  
Judith Holofernes, geboren 1976 in Berlin, ist Musikerin, Songschrei-
berin und Autorin.
Foto: dpa
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Rezensent Burkhard Müller fürchtet, dass von der tollen Vortragskünstlerin Judith Holofernes in einem Band mit Gedichten nicht viel übrig bleibt. Und so ist es auch, leider, leider, meint der Rezensent. Allerdings liegt das nicht nur an der mangelnden physischen Präsenz der Autorin, sondern auch an der langweiligen zooartigen Ordentlichkeit der Komposition und einem zu Schlimmerem als zu Kalauern neigenden Ton der Texte. Für Müller ist das Verrat am Tier und an der eigentlich anarchischen Idee, einen Gedichtband über Tiere zu machen. Zum Glück gibt es ein paar Illustrationen, die dem Rezensenten Freude machen.

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"Einfallsreich oder ballaballa? Ein bisschen was von beidem und schön verspielt auf jeden Fall... Da treffen Fantasie-Tierwelt-Collagen auf einfache Bleistift-Vogel-Skizzen, comichafte Nagetiere auf surreales Federvieh, naive Elefanten-Zeichnung auf ausgefeilte Unterwasserwelt-Komposition." Simone Höhn, Stuttgarter Zeitung, 9.1.2016 "Ein großartiger Quatsch." Wolfgang Höbel, Literatur Spiegel, November 2015 "Tierisch gut." Britta Heidemann, Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 4.11.2015
»Ein großartiger Quatsch.« Wolfgang Höbel, Literatur Spiegel, November 2015 »Tierisch gut.« Britta Heidemann, Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 4.11.2015