Papa, ich will einen Hund - Kahl, Ernst; Muggenthaler, Eva
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Zu Ernst Kahls witzigen Versen hat die bekannte Kinderbuchautorin Eva Muggenthaler phantasiesprühende Bilder geschaffen. Hier erfahren wir, was wir schon immer über die verschiedenen Hunderassen und ihre Eigenheiten wissen wollten. Da entpuppt sich der Mops als Dieb und der Neufundländer als Reisemuffel, der Bobtail als blinde Kuh und der Dackel als lahme Schnecke. Nur über den Zierfisch erfahren wir - leider! - nichts. Ein tierisches Vergnügen für Groß und Klein. Wuff!…mehr

Produktbeschreibung
Zu Ernst Kahls witzigen Versen hat die bekannte Kinderbuchautorin Eva Muggenthaler phantasiesprühende Bilder geschaffen. Hier erfahren wir, was wir schon immer über die verschiedenen Hunderassen und ihre Eigenheiten wissen wollten. Da entpuppt sich der Mops als Dieb und der Neufundländer als Reisemuffel, der Bobtail als blinde Kuh und der Dackel als lahme Schnecke. Nur über den Zierfisch erfahren wir - leider! - nichts. Ein tierisches Vergnügen für Groß und Klein. Wuff!
  • Produktdetails
  • Verlag: Kein & Aber
  • Seitenzahl: 96
  • Altersempfehlung: ab 4 Jahren
  • 2008
  • Ausstattung/Bilder: 2008. 96 S. m. zahlr. bunten Bild. 271.0 mm
  • Deutsch
  • Abmessung: 275mm x 215mm x 15mm
  • Gewicht: 576g
  • ISBN-13: 9783036952512
  • ISBN-10: 3036952519
  • Best.Nr.: 23843649
Autorenporträt
Ernst Kahl, geboren 1949, Maler, Zeichner, Installationskünstler, Schriftsteller, Musiker, Filmemacher und Drehbuchautor - es gibt wenig, was der vielfach ausgezeichnete Hamburger nicht beherrschen würde. Ob in seinen berühmten Bildern für den "Feinschmecker" oder mit seinem "Bestiarium Perversum", Kahls Markenzeichen ist höchstqualitative Beständigkeit in allen Bereichen. 2011 wurde er mit dem "Wilhelm-Busch-Preis" ausgezeichnet.
Rezensionen
Besprechung von 28.11.2008
Klassehund, Rassehund, na und?

Wer mit Kindern über Haustiere diskutiert, sollte auf der Hut sein, sonst ist er ihnen völlig ausgeliefert. Gut, dass es Ernst Kahl und Eva Muggenthaler gibt

Von Andreas Platthaus

Wäre dieses Buch früher erschienen, hätte es übersetzt werden und dem künftigen amerikanischen Präsidenten als Ratgeber dienen können, um sich ein verfängliches Wahlversprechen zu ersparen: den Hund für seine beiden Töchter. Doch der zweifellos rhetorisch begabte Barack Obama stand der ultimativen Forderung der Kinder ("Papa, wir wollen einen Hund!") offenbar weit hilfloser gegenüber als der Vater, der in einem Bilderbuch von Eva Muggenthaler und Ernst Kahl auftritt, das als Titel ebenjene Schreckensbotschaft für alle Familienoberhäupter trägt: "Papa, ich will einen Hund!" Dieser Vater hat erst eine recht barsche Antwort ("Du kriegst einen Zierfisch, und Ruhe ist am Biertisch"), doch danach eine schlaue parat: "Weißt du überhaupt, wie viele Hunderassen es gibt?" Und dann er fängt an, sie alle aufzuzählen.

Eva Muggenthaler aber fängt an, sie sich alle auszumalen. Auf den Seiten des Buches. Da die Illustratorin über eine seltene Vielseitigkeit in ihrem Metier verfügt, entsteht dabei ein Bestiarium der buntesten Art. Und da ihr Mann Ernst Kahl dazu wunderschön alberne Reime schreibt, die über die individuellen Merkmale der einzelnen Hunderassen Auskunft erteilen, entsteht auch ein Bestiarium der muntersten Art. Zusammen ergibt das ein Bestiarium der rundesten Art.

Eva Muggenthaler ist seit ihrem Bilderbuch-Debüt "Der Schäfer Raul" von 1997 eine feste Größe im Metier. Von den zarten Bleistiftzeichnungen und Pastellen jenes hochgelobten Werks aber hat sich das neue Buch ästhetisch meilenweit entfernt - das musste es auch. Die neuen Bilder sind ungebärdig und nervös wie ihre vierbeinigen Protagonisten. Selbst der Schäferhund ist in Wahrheit ein Unruhestifter, denn er beschützt das Schaf vor einem Widder, und beiden Tieren ist die Verärgerung über den stoischen Sittenwächter in der Mitte anzusehen.

Der Reim zum Schäferhund wird übrigens fortgesetzt mit "Der Yorkshire tut, was er nicht darf". Dazu sieht man einen auf den Hinterbeinen erhobenen Terrier mit der für seine Rasse evolutionär unvermeidlichen roten Schleife im Kopffell, der versonnen am Hinterteil einer vorgebeugten Dame schnüffelt, während diese sich gerade eine Parfümprobe aufsprühen lässt. Der Hund ist das einzige bunte Element in einer ansonsten in blassblauer und schwarzer Tinte gehaltenen Ladenlandschaft, und gegenüber den langnasigen und auftoupierten Zerrbildern der Damenwelt, die Eva Muggenthaler in der Parfümerie versammelt, darf er als einzig normales Wesen gelten. Und so schaut denn auch seine Herrin, die am anderen Ende der Leine selbst eine Duftnote ausprobiert, recht versonnen durch ihre riesigen Brillengläser zu dem kleinen Unruhestifter hinüber. Kahl und Muggenthaler haben einen Heidenspaß daran, ihre Hunde - sechsundsiebzig Rassen sind es insgesamt - in die verfänglichsten Situationen zu bringen. Da wird gebissen und geschissen, geschubst und gepupst, gefinkelt und gepinkelt.

Der Porcelaine braucht nur selten einen Föhn.

Auf Rhythmik oder Grammatik nimmt Kahl, der mit allen Wassern gewaschene Humorist, der Monat für Monat die letzte Seite im Satiremagazin "Titanic" mit den aberwitzigsten Szenen vollzeichnet, dabei keine Rücksicht, und mit der korrekten Aussprache fremdländischer Hundebezeichnungen hält er sich nicht lange auf: "Der Porcelaine / braucht nur selten einen Föhn." Gerade dadurch entsteht eine improvisiert wirkende Suada, die tatsächlich einem aus dem Stegreif verzweifelt nach immer noch mehr Hunderassen suchenden Vater eingefallen sein könnte und in die kurzerhand auch See- und Flughunde, Dingos und Promenadenmischungen einbezogen werden.

Doch was für prachtvolle Tiere macht Eva Muggenthaler dann aus ihnen! Da liegt etwa ein distinguiertes haariges Wesen auf einem Polsterstuhl vor dem Fernseher, schlürft durch einen Strohhalm einen Milchshake und sieht sich einen Schiffsuntergang an. Dazu reimt Kahl: "Aus Tibet kam zu uns der Lhasa. / Er sieht hier mehr, als er je da sah." Und was für Nonsens lassen sich die beiden Autoren einfallen. Da heißt es etwa: "Der Leonberger / hat mit Leo immer Ärger." Dazu sieht man eine Reihe von Hundehütten, jede mit ordentlich eingehegtem Rasen, in der sich zwischen Mausi, Blacky und Fiffi die Aufschriften "Leo" und "N. Berger" finden. Aus letzterer Hütte hinaus schaut ein missmutiges Tier in den Garten des Nachbarn Leo, wo zwei Knochen liegen, während der eigene Vorplatz leer ist. Aus der Hütte von Leo wiederum ragt das Hinterteil eines Hundes heraus, und so darf man die sichtbaren Körperteile zum Leonberger zusammensetzen - als gespaltene Persönlichkeit.

Wir lernen den pfeilschnellen Whippet kennen, den schreckhaften Highlander oder den verspielten Appenzeller. Wir sehen einen feigen Wachhund, der beim Einbruch das Frauchen wecken geht. Wir sehen bisweilen auch nicht, worauf es ankommt. So im Falle des griesgrämigen Tiers, das beim Zungenvergleich mit hechelnden Kollegen die Schnauze geschlossen hält: "Die lange Zunge des Chow Chow / ist nicht rötlich, sondern blau."

Man kann sich lang an der Vielzahl dieser Hunde erfreuen. Das kleine Mädchen aber mag nach sechsundsiebzig Seiten nicht mehr und lässt sich auf den Zierfisch ein. Da fängt der Vater wieder an: "Weißt du überhaupt, wie viele Zierfischarten es gibt?", und schon ist wieder eine Doppelseite gefüllt, diesmal mit gereimtem Fisch. Doch dann entscheidet sich das Mädchen für etwas ganz anderes: für jenes Tier, dem man mittels eines kleinen Daumenkinos unten rechts auf den Seiten zusehen kann, wie es am Ende den Fisch frisst, der zuvor einen Hund gefressen hat. Welches Tier das ist? Selber lesen!

Ernst Kahl, Eva Muggenthaler: "Papa, ich will einen Hund!" Kein & Aber, Zürich 2008. 91 S., geb., 16,90 [Euro]. Ab 6 J.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Hingerissen sowohl vom Ton als auch von den Bildern dieses Kinderbuchs zeigt sich Rezensent Hans ten Doornkaat, der hier ein ?kleines Gesamtkunstwerk? anzuzeigen hat. Denn die kalauernden Reime zum Thema Tier begeistern ihn mit der darin zum Ausdruck kommende ?Kunst des Lapidaren? ebenso, wie die gut hundert Illustrationen, mit denen ihm die Illustratorin Eva Muggenthaler und ihr ?wilder Stil? ähnlich genial wie F.K. Wächter oder Saul Steinberg entgegentritt.

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