Die geistlichen Kantaten des 1.-27.Trinitatissonntages - Petzoldt, Martin

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Der Bach-Kommentar bedenkt in drei umfangreichen Bänden das gesamte geistliche Vokalwerk Johann Sebastian Bachs aus theologischer Sicht. Die bisherige musikwissenschaftliche Forschung bemühte sich aus einem allgemeinen Kenntnisstand von Kirche und Theologie heraus um die Einordnung des geistlichen Vokalwerkes Johann Sebastian Bachs.
Ein theologisches Pendant zu den grundlegenden musikwissenschaftlichen Bach-Forschungen, das vor allem aus der zeitgemäßen Theologie der von Bach vertonten Texte schöpft, fehlte allerdings bisher. Diese Lücke ist nun geschlossen. Auf der Grundlage umfangreicher
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Produktbeschreibung
Der Bach-Kommentar bedenkt in drei umfangreichen Bänden das gesamte geistliche Vokalwerk Johann Sebastian Bachs aus theologischer Sicht. Die bisherige musikwissenschaftliche Forschung bemühte sich aus einem allgemeinen Kenntnisstand von Kirche und Theologie heraus um die Einordnung des geistlichen Vokalwerkes Johann Sebastian Bachs.
Ein theologisches Pendant zu den grundlegenden musikwissenschaftlichen Bach-Forschungen, das vor allem aus der zeitgemäßen Theologie der von Bach vertonten Texte schöpft, fehlte allerdings bisher. Diese Lücke ist nun geschlossen. Auf der Grundlage umfangreicher theologischer Forschungen bietet der Bach-Kommentar dem Leser einen nachvollziehbaren Zugang zu der für Johann Sebastian Bach bedeutsamen Bibelauslegung seiner geistlichen Vokalmusik.

In Vorbereitung sind:
Band II: Die geistlichen Kantaten von Advent bis Trinitatis einschließlich der Oratorien und Kantaten zu Festtagen (Band 14.2., 2005) und Band III: Die Passionen, Motetten, Messen und Magnificat, geistliche Kantaten für Kasualien und ohne Bestimmung (Band 14.3, 2006).
  • Produktdetails
  • Bach-Kommentar
  • Schriftenreihe der Internationalen Bachakademie Stuttgart Bd.14/1
  • Verlag: Bärenreiter
  • Bd.1
  • Best.Nr. des Verlages: BVK1741
  • 2004
  • Deutsch
  • Abmessung: 275mm
  • Gewicht: 1689g
  • ISBN-13: 9783761817414
  • ISBN-10: 376181741X
  • Best.Nr.: 13818346
Autorenporträt
Dr. Martin Petzoldt, Jahrgang 1946, ist Professor für Systematische Theologie an der Theologischen Fakultät der Universität Leipzig. Eines seiner Spezialgebiete ist die theologische Bachforschung. Er ist Vorsitzender der Neuen Bachgesellschaft e.V.
Rezensionen
Besprechung von 13.05.2005
Ach, hätte Lucia Haselböck das doch noch gelesen!
Martin Petzoldt hat einen unentbehrlichen Kommentar zu Bachs geistlichen Kantaten verfaßt

Unter den Verfahren, der theologischen Botschaft Johann-Sebastian-Bachscher Werke auf die Schliche zu kommen, hat das Aufspüren zahlensymbolischer Tonverhältnisse besondere Beliebtheit erlangt. Über das Addieren und Multiplizieren von 3, 4 und 7 zu beträchtlichen Summen hat sich schon Glenn Gould lustig gemacht, als er nach der tieferen Bedeutung der Quersumme seines Namens fragte. Martin Petzoldt gilt die Zahlensymbolik als befremdliche Blüte im Wildwuchs theologischer, liturgischer, hymnologischer und bibelwissenschaftlicher Deutungsansätze. Der Professor für Systematische Theologie und Pfarrer an der Thomaskirche in Leipzig hat den Garten der Bach-Exegese gründlich geharkt und nun den ersten Band einer auf drei Bände angelegten "theologisch-musikwissenschaftlichen Kommentierung der geistlichen Vokalwerke Johann Sebastian Bachs" vorgelegt. Dieser erste Band umfaßt die geistlichen Kantaten des ersten bis siebenundzwanzigsten Trinitatis-Sonntags.

Petzoldt geht davon aus, daß vor allem die im Vergleich zur Bach-Zeit völlig veränderte heutige Art der Bibelauslegung verantwortlich ist für Mißverständnisse, die sich bei der Kommentierung der von Bach verwendeten Texte und der für diese komponierten Musik ergeben. Es müsse also zunächst einmal ein Zugang zu jener Art der Bibelauslegung gefunden werden, die zu Bachs Lebzeiten die übliche war und der sich die Bachschen Kantatentexte verdanken. Das gängige Verfahren war, die Bibel durch sich selbst auszulegen, also Textstellen zu wortähnlichen oder wortgleichen anderen Passagen in Beziehung zu setzen. Mit dieser Technik ließ sich der Rückgriff auf außerbiblische Quellen vermeiden. Dieses Verfahren, so Petzoldts Ansatz, ist der Schlüssel auch zum Verständnis der von Bach verwendeten Kantatentexte, die von ihren Verfassern nach dieser Technik gestrickt wurden. Autoren mit guter Bibelkenntnis (damals, betont Petzoldt nicht ohne Wehmut, noch die Regel) beherrschten sie ohne Nachschlagen.

Notwendig scheint es Petzoldt auch, angesichts der vielen kunterbunten Ad-hoc-Interpretationen Bachscher Kantatentexte weitere grundlegende Kenntnisse anzumahnen: Die Leseordnungen waren damals andere als heute, und nur wer sie kennt, kann die Kantaten richtig zuordnen und verstehen. Ein liturgischer Kalender soll in den dritten Band der Kommentierung aufgenommen werden. Unerläßlich ist dem Autor auch die Heranziehung der Lutherbibel in ihrer originalen Fassung und nicht etwa einer späteren Überarbeitung. Das alles klingt selbstverständlich, ist es aber nicht.

Petzoldt hat auf dieser soliden Basis eine künftig wohl unverzichtbare Handreichung verfaßt, in der er jeder einzelnen Kantatenzeile eine Bibelstelle zuordnet, die vom Dichter wörtlich wiedergegeben oder auch nur vage assoziiert wird. Von größtem Nutzen ist die Hinzuziehung des zeitgenössischen Bibelkommentars des Johann Olearius. Das Handbuch galt zu seiner Zeit offensichtlich als Standardwerk des Selbstauslegungsverfahrens, wie die große Verbreitung in Sachsen und Thüringen nahelegt; Bach selbst hat es nachweislich besessen. Petzoldt gelingt es, die Vorbildfunktion dieses Bibelkommentars für viele Textpassagen der Bachschen Kantaten nachzuweisen. Die relevanten Stellen aus Olearius gibt er für jede einzelne Kantate an.

Einen eigenen musikwissenschaftlichen Ansatz verfolgt der Theologe Petzoldt nicht; hier verweist er auf die einschlägigen Werke von Alfred Dürr und Konrad Küster. Allerdings betont Petzoldt den komplementären Charakter von Text und Musik und benennt jene musikalischen Strukturen, die von sich aus theologischen Hinweischarakter besitzen: die Zuordnung bestimmter Texte zu Chor oder Solostimmen etwa, die Verwendung musikalisch-rhetorischer Figuren oder die untextierte Zitierung von allgemein bekannten Choralmelodien.

Petzoldts Kommentierung der einzelnen Kantaten erfolgt umfassend: Es werden alle Kantaten angegeben, die Bach für einen bestimmten Sonntag verfaßt hat, deren Besetzung, das Proprium vom Tage, die relevanten Passagen aus der "Olearius-Bibel", Literaturhinweise sowie der komplette Text jeder einzelnen Kantate nebst allen Bibelstellen, auf die sich die einzelnen Textzeilen direkt oder indirekt beziehen. Eine theologisch umfassendere Auskunft auf solch knappem Raum ist kaum denkbar.

Lucia Haselböck hat für ihr Bach-Textlexikon einen anderen Ansatz gewählt: Sie sieht die Texte der Kantaten, Oratorien und Passionen als einen literarischen Korpus mit gemeinsamem Vokabular; dieses erläutert sie in lexikalischer Form. Sie konnte, wie sie selbst betont, das grundlegende Werk Petzoldts nicht mehr zu Rate ziehen, zu eng lagen die Veröffentlichungstermine beieinander. Womöglich hätte Haselböcks Buch anders ausgesehen, wenn sie den "Bach-Kommentar" hätte konsultieren können. So aber finden sich dort, wo es um präzise theologische Analyse gegangen wäre, immer wieder genau jene saloppen Urteilen aus heutiger Sicht, die Petzoldt beklagt. Haselböck moniert die nach "heutiger protestantisch-theologischer Auffassung" verkürzte Theologie mancher Texte, ohne sich näher damit zu befassen.

Was ihren literaturwissenschaftlichen Ansatz betrifft, so verwundert zweierlei: zum einen die Nonchalance, mit der sie die Frage nach den Autoren der Kantatentexte wegen eines angeblich alles beherrschenden Zeitstils als nebensächlich abtut, zum anderen die sprachliche Unbeholfenheit, mit der sie darangeht, den gegenwärtigen Rezipienten die "oftmals unverständlichen" Texte zu erläutern. Im Bemühen, dem Leser die literarischen Verfahren der Bach-Zeit näherzubringen, gerät sie allzuoft selbst sprachlich ins Trudeln. Man mag aus manchen Einträgen Nutzen ziehen. Zum Stichwort "Geist" wäre wohl einiges anzumerken gewesen. Wer aber wie Lucia Haselböck "Geistesfreudigkeit" als "Freude des menschlichen Geistes" erklärt, der praktiziert ein Verfahren der begrifflichen Selbstauslegung, das in dieser Schlichtheit selbst der geistlichen barocken Dichtung fremd war.

MICHAEL GASSMANN

Martin Petzoldt: "Bach-Kommentar". Theologisch-musikwissenschaftliche Kommentierung der geistlichen Vokalwerke Johann Sebastian Bachs. Band I: Die geistlichen Kantaten des 1. bis 27. Trinitatis-Sonntags. Schriftenreihe der Internationalen Bachakademie Stuttgart, Band 14.1. Bärenreiter-Verlag, Kassel 2004. 726 S., geb., 46,- [Euro].

Lucia Haselböck: "Bach-Textlexikon". Ein Wörterbuch der religiösen Sprachbilder im Vokalwerk von Johann Sebastian Bach. Bärenreiter-Verlag, Kassel 2004. 225 S., br., 19,95 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Als "unentbehrlichen Kommentar zu Bachs geistlichen Kantaten" würdigt Rezensent Michael Gassmann diesen ersten Band einer auf drei Bände angelegten "theologisch-musikwissenschaftliche Kommentierung der geistlichen Vokalwerke Johann Sebastian Bachs", den der Theologe Martin Petzoldt nun vorgelegt hat. Überzeugend findet Gassmann insbesondere Petzoldts Zugang zu Bachs Kantaten über die seinerzeit übliche, für ein angemessenes Verständnis der Kantatentexte unverzichtbare Bibelauslegung. Auch berücksichtige Petzoldt die zu Bachs Zeiten anderen Leseordnungen und ziehe die Lutherbibel in ihrer originalen Fassung und nicht etwa einer späteren Überarbeitung heran. "Das alles klingt selbstverständlich", betont Gassmann, "ist es aber nicht." Die Kommentierung der einzelnen Kantaten lobt er als "umfassend". Petzoldt gebe alle Kantaten an, die Bach für einen bestimmten Sonntag verfasste, deren Besetzung, das Proprium vom Tage, die relevanten Passagen aus der "Olearius-Bibel", Literaturhinweise sowie den kompletten Text jeder einzelnen Kantate nebst allen Bibelstellen, auf die sich die einzelnen Textzeilen direkt oder indirekt beziehen. Das Resümee des Rezensenten: "Eine theologisch umfassendere Auskunft auf solch knappem Raum ist kaum denkbar."

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