Peter Zadek und seine Bühnenbildner - Plessen, Elisabeth; Loepelmann, Götz; Spoerri, Daniel; Pabst, Peter; Badora, Anna; Grützke, Johannes
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Der Bühnenboden ist ein Zauberort, sagt Peter Zadek. Im Lauf seines langen Theaterlebens haben ihm mehrere Künstler den Ort hergestellt, da seine Neugier auf neue Räume, die ihm wie Wohnungen waren, nicht versiegte. In diesem Buch äußern sich die Bühnenbildner im Gespräch mit Elisabeth Plessen über ihre Zusammenarbeit mit Peter Zadek, die Entstehung einzelner Bilder, die Intensität des gesteigerten Lebens im kreativen Prozess: Wilfried Minks, Götz Loepelmann, Peter Pabst, Daniel Spoerri, Johannes Grützke, Anna Badora stellvertretend für Horst Sagert, Rouben Ter-Arutunian, Karl Kneidl und die…mehr

Produktbeschreibung
Der Bühnenboden ist ein Zauberort, sagt Peter Zadek. Im Lauf seines langen Theaterlebens haben ihm mehrere Künstler den Ort hergestellt, da seine Neugier auf neue Räume, die ihm wie Wohnungen waren, nicht versiegte. In diesem Buch äußern sich die Bühnenbildner im Gespräch mit Elisabeth Plessen über ihre Zusammenarbeit mit Peter Zadek, die Entstehung einzelner Bilder, die Intensität des gesteigerten Lebens im kreativen Prozess: Wilfried Minks, Götz Loepelmann, Peter Pabst, Daniel Spoerri, Johannes Grützke, Anna Badora stellvertretend für Horst Sagert, Rouben Ter-Arutunian, Karl Kneidl und die Lightdesigner André Diot und Susanne Auffermann. Selbstzeugnisse des Regisseurs sind ihnen gegenübergestellt. Fünfzig Jahre deutscher, europäischer Theatergeschichte passieren in Wort und Bild Revue.
  • Produktdetails
  • Verlag: Akademie Der Künste
  • Artikelnr. des Verlages: 5039, Best.-Nr.5039
  • Seitenzahl: 216
  • Erscheinungstermin: 4. Oktober 2012
  • Deutsch
  • Abmessung: 272mm x 236mm x 20mm
  • Gewicht: 1010g
  • ISBN-13: 9783883311913
  • ISBN-10: 388331191X
  • Artikelnr.: 36257814
Autorenporträt
Elisabeth Plessen, 1944 in Holstein geboren, studierte in Paris und Berlin Geschichte, Philosophie und Germanistik. Ausgedehnte Reisen führten sie nach Westindien, Südamerika und in die Sowjetunion. Veröffentlichung zahlreicher Romane. Bekannt wurde sie auch als Übersetzerin von Theaterstücken. Sie lebt mit ihrem Partner Peter Zadek in der Toskana und in Berlin.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Ein schönes Zeugnis sowohl von Peter Zadeks Euphorie und Leidenschaft fürs Theater, als auch von den Problemstellungen in Sachen Form, Inhalt, Stil gibt dieser von Zadeks Lebens- und Arbeitsgefährtin Elisabeth Plessen herausgegebene Band über Zadek und seine Bühnenbildner laut Irene Bazinger ab. Zur Wunderkammer wird das Buch für Bazinger dadurch, dass es Plessner gelingt, mittels Befragung Beteiligter (von Johannes Grützke bis Wilfried Minks), Zadek-Zitaten, eigenen Impressionen, Fotos, Figurinen und Skizzen zu den Geheimnissen des Theater überhaupt vorzudringen.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 14.01.2013

Warum soll man in Kulissen denn nicht wohnen?

Welttheateralbum mit einem großen Regisseur: Ein grandioser Bildband von Elisabeth Plessen stellt "Peter Zadek und seine Bühnenbildner" vor.

Im Anfang ist - die leere Bühne. Egal, ob das Stück, das darauf stattfinden wird, aus der Antike stammt oder aus dem Vormonat, immer fängt im Theater alles als Tabula rasa an. Aus dem Nichts müssen die reproduzierenden Künstler dann ihre eigene Welt erschaffen: Der Regisseur, die Schauspieler, die Musiker - und natürlich die Bühnenbildner, die den Wörtern, Figuren, Gefühlen, Gedanken einen halbwegs festen Ort einrichten. Trotz ihrer Berufsbezeichnung entwerfen sie als Architekten des wechselnd Flüchtigen weitaus mehr als Bilder. Man könnte ihr Werk als konkrete Utopien bezeichnen, die einer Inszenierung den nötigen Halt gewähren und den interpretatorischen Horizont öffnen.

Der große Peter Zadek nannte die Räume, die ihm seine jeweiligen Bühnenbildner bauten, sogar Häuser, in denen er wohnen konnte. Seine langjährige Lebens- und Arbeitsgefährtin Elisabeth Plessen hat nun den Fotoband "Peter Zadek und seine Bühnenbildner" herausgegeben, im Auftrag der Akademie der Künste Berlin, die den Nachlass des 2009 mit dreiundachtzig Jahren verstorbenen Regisseurs übernommen hat. Dieses großformatige Buch ist eine wahrhaftige Wunderkammer: Es dringt zu den Geheimnissen so mancher Inszenierung von Peter Zadek vor und auch zu den Geheimnissen des Theaters überhaupt. Und es ist herrlich leicht und famos anregend zu lesen, denn Elisabeth Plessen lässt die Beteiligten selbst zu Wort kommen, was den Ausführungen einen direkten, bodenständigen Duktus gibt.

Elisabeth Plessen hat mit allen eingehend geredet oder korrespondiert, klug und erhellend gefragt. Da sie als Übersetzerin oder Dramaturgin an vielen der Aufführungen mitwirkte, hat sie einen engen Bezug zu deren Entstehung, Ästhetik, Problematik. Ihren kompetent-informativen "Zeitbogengesprächen" sind umfassende Zitate von Peter Zadek, vor allem aus seinen autobiographischen Büchern, gegenübergestellt, was dem Leser mehrere Blickwinkel auf denselben Gegenstand, sei es eine Idee, eine Szene, eine Herangehensweise erlaubt.

Sehr überraschend ist dabei, welch hohes Vertrauen Zadek seinen Mitarbeitern entgegenbrachte und wie entschlossen er, wenn ihn jemand interessierte, eine gemeinsame Produktion zu realisieren bestrebt war. Das konnte ein gut beschäftigter bildender Künstler wie Daniel Spoerri sein, den es eigentlich gar nicht drängte, Bühnenbilder zu entwerfen - und es für Zadek 1974, 1978 und 1979 dann doch tat. Er hörte damit auf, weil ihn dessen Verhalten manchmal empörte - "Ich lasse mich nicht quälen" -, und weil ihm auf Dauer seine eigenen Projekte näher standen.

Weniger verzwickt war das Verhältnis zum Berliner Maler Johannes Grützke. "Ich habe zum Theater keinen Hang", sagte der, und ergänzte: "Zadek traute mir viel zu, viel zu viel, wie mir schien." Das berühmteste Beispiel der Zusammenarbeit dieser beiden Freigeister war gewiss die "Lulu"-Inszenierung am Schauspielhaus Hamburg 1988, in der es "lauter gemalte und gebaute Dinge von Grützke" gab, so der Regisseur, "fast naturalistisch, aber eben auch räumlich wirksam". Trotzdem hielt Grützke sich bescheiden-kokett lediglich für "Zadeks Maler" und nicht für einen Bühnenbildner.

Grützkes Vorliebe für riesige Prospekte, die dann manchmal in die Szenerien anderer Kollegen gehängt wurden, schätzte Wilfried Minks, Purist einer reinen, reduktionistischen Formensprache, nicht sonderlich. Er akzeptierte sie allerdings, wenn Zadek dies wünschte, mit dem er seit 1960 fast vierzig Inszenierungen schuf. "Ohne ihn wären wir alle, die das Theater lieben, sehr viel ärmer, ich persönlich ganz hilflos", schrieb Zadek über seinen Freund, der für ihn nicht nur "poetische und funktionelle", oft symmetrisch-abstrakte, extrem helle Räume kreierte, "in denen ich meine komplizierten psychologischen Spiele abspielen lassen konnte", sondern bei "Frühlings Erwachen" 1965 in Ulm auch erstmals während der Vorstellung das Licht im Saal nicht abschalten ließ.

So breit das Spektrum des OEuvres von Peter Zadek, der weder vor Tschechow noch vor Sarah Kane, weder vor Klassikern noch vor Boulevardstücken Angst hatte, so facettenreich ist auch das Register seiner Bühnenbildner. "Wenn Leute meinen, bei mir einen Stil zu erkennen, dann frage ich mich, was ich falsch gemacht habe", äußerte er einmal über seine Arbeiten, die er in völlig unterschiedlichen, sowohl spartanisch wie üppig ausgestatteten, in illusionistischen wie realistischen Entwürfen zu entwickeln vermochte.

Götz Loepelmann, ursprünglich Bildhauer, wurde von Zadek "nicht gleich als Bühnenbildner" engagiert, "sondern einfach, um etwas mit ihm zusammen zu machen". Unter anderem interpretierten sie zusammen vier Dramen von Ibsen, darunter "Hedda Gabler" und "Baumeister Solness", ehe es aus künstlerischen Gründen zum Bruch kam. Mit Horst Sagert ("in meinen Augen der Märchenerzähler unter den Bühnenbildnern"), den Zadek am Deutschen Theater in Berlin (Ost) kennengelernt hatte, klappte es unter den schwierigen Umständen der geteilten Stadt bloß bei "Der Widerspenstigen Zähmung" 1981 an der Freien Volksbühne in Berlin (West).

Am weitesten wagte sich vielleicht Peter Pabst vor, der seinen kreativen Beitrag einerseits quasi abschaffte, andererseits kühn verdichtete - indem er in Zadeks legendärer Inszenierung von Tschechows "Ivanov" 1990 im ersten Akt lediglich einen einzelnen Stuhl auf die bis zur Brandwand leere Bühne des Wiener Akademietheaters stellte. Der ausgebildete Schneider Pabst betont das einfache Denken Zadeks wie Pina Bauschs, für die er ebenfalls regelmäßig Bühnenbilder entwarf, und das nach seiner Meinung mit "Ehrlichkeit auf der Bühne" und mit "Nichtschummeln" zu tun hatte.

Stets unterwegs zu neuen Ufern, versuchte der Regisseur mit all diesen Künstlern sowie mit den - im Buch auch vertretenen - Lichtdesignern André Diot und Susanne Auffermann, jedesmal am Nullpunkt anzufangen - ohne Trapez, ohne List, ohne bewährte Lösungen. Wie tief muss die Bühne bei einem Tschechow-Stück sein? Wie sieht Othellos Venedig aus? Wie viel naturalistisches Dekor verträgt eine Komödie von Molière? Welchen Einfluss haben bestimmte Materialien für die Ausdrucksmöglichkeiten der Schauspieler? Was erzählen Farben?

Lebendig, offen und plausibel gibt Elisabeth Plessen keine bündigen Antworten auf solche Fragen, aber sie schafft mit zahlreichen Stimmen, eindrucksvollen Aufführungs- und Probenfotos, Figurinen und Skizzen ein Problembewusstsein für Form und Inhalt, Stilistiken und dramaturgische Herausforderungen im Theater. Dass selbst Peter Zadek auf der Bühne oder in seinen Filmen manches bisweilen misslang, wird ebenso wenig verschwiegen wie dass sich Mitarbeiter mitunter unterdrückt fühlten, ihn schon mal "Diktator" (Loepelmann) nannten oder der "Rücksichtslosigkeit" (Spoerri) ziehen.

Ein bisschen eingeschüchtert durch Zadeks Autorität war anfangs auch Karl Kneidl. Das gab sich jedoch bald und Kneidl entwarf 1996 das Bühnenbild zu Tschechows "Der Kirschgarten" in Wien: "Zadek war sehr glücklich, er kam auf der Premierenfeier mit Elisabeth im Arm auf mich zu, sagte: ,Karl, Karl, lass uns tanzen!'" Sowohl von dieser Euphorie und Leidenschaft als auch von den Hindernissen und Mühen legt Elisabeth Plessens Welttheateralbum - mit Werk-, Publikations- und Personenverzeichnis hervorragend ergänzt - ein wunderschönes Zeugnis ab.

IRENE BAZINGER

"Peter Zadek und seine Bühnenbildner". Herausgegeben von Elisabeth Plessen im Auftrag der Akademie der Künste.

Berlin 2012. 208 S., Abb., geb., 24,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 04.06.2013

Spielräume
Ein Buch über Peter Zadek und seine Bühnenbildner
Beschwörung eines Zauberortes und aus dem Alltag gewonnenes Extrakt – das ist die Monografie, die Elisabeth Plessen, Lebenspartnerin von Peter Zadek und Übersetzerin von Shakespeare, Tschechow, Ibsen und anderen Dramatikern, herausgegeben hat. Analysiert, und mit zahlreichen Abbildungen auch großzügig dokumentiert, wird die Zusammenarbeit des Regisseurs mit seinen Bühnenbildern. Mit neun von ihnen – Wilfried Minks, Götz Loepelmann, Daniel Spoerri, Peter Pabst, Horst Sagert, Johannes Grützke, Rouben Ter-Arutunian, Karl Kneidl und André Diot – war Zadek in den fünf Jahrzehnten seiner Theatertätigkeit auf der Suche nach Spielräumen.
  Ende der Vierzigerjahre hatte Zadek sich von Edward Gordon Craigs bahnbrechenden Raumvisionen inspirieren lassen, der Sprengung konventioneller Lösungen ist er zeitlebens treu geblieben. Mit Wilfried Minks hat Zadek Mitte der Sechziger in der Ästhetik der Pop-Art den Bühnenraum revolutioniert und von aller Illustration befreit. Die leer geräumten Szenerien nahmen die Akteure in Besitz, das Publikum sollte den Darstellern in die Augen sehen können, um selbst Vermutungen anzustellen, was sich im Innenleben der Figuren ereignet. Am radikalsten wurde dies mit der fast leeren Bühne von „Ivanov“ (1990) realisiert.
  Plessens Interviews mit den Bühnenbildern zeigen, dass Zadek seine Inspiration direkt aus dem Alltag bezog. Die Rückbindung des Bühnengeschehens an das reale Leben war für den mit vielen Stilen vertrauten Theatermacher eine Grundbedingung. So ließ Zadek die Zwiebel-Szene von Ibsens „Peer Gynt“ (2004) er in einer Imbissbude spielen. Die Idee dazu kam ihm bei einer Rast am Stadtrand von Berlin. Er wollte zunächst dem Besitzer die Bude abkaufen und sie auf die Bühne stellen.
  Die Arbeit mit den Bühnenbildnern war für Zadek eine Form des Dialogs, dem auch die Brüche und Katastrophen der Kommunikation eingeschrieben waren. Es ist Plessens Verdienst, dass sie diese Dimension in Zadeks obsessiver Theaterarbeit nicht verschweigt und das Finden und Erkunden des jeweiligen Raums auch als einen äußerst gefährdeten kreativen Prozess darstellt.
KLAUS DERMUTZ
Elisabeth Plessen (Hrsg.): Peter Zadek und seine Bühnenbildner. Akademie der Künste, Berlin 2012. 216 Seiten, 24 Euro.
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