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Ein Haus auf dem Land Als er in Berlin auf Wohnungssuche ist, erfährt Jan Brandt, dass das Haus seines Urgroßvaters in seinem ostfriesischen Heimatdorf Ihrhove kurz vor dem Abriss steht. Der Eigentümer, ein Bauunternehmer, sieht keinen Grund, das Alte zu erhalten, wo sich durch etwas Neues der Gewinn um ein Vielfaches steigern lässt. Jan Brandt droht der Verlust der Heimat - und er nimmt den Kampf auf, um den Gulfhof zu retten, das Symbol seiner Herkunft. Eine Wohnung in der Stadt Berlin hat sich verändert. Das bekommt Jan Brandt, der sich Ende der Neunzigerjahre vor der Provinz dorthin…mehr

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Produktbeschreibung
Ein Haus auf dem Land Als er in Berlin auf Wohnungssuche ist, erfährt Jan Brandt, dass das Haus seines Urgroßvaters in seinem ostfriesischen Heimatdorf Ihrhove kurz vor dem Abriss steht. Der Eigentümer, ein Bauunternehmer, sieht keinen Grund, das Alte zu erhalten, wo sich durch etwas Neues der Gewinn um ein Vielfaches steigern lässt. Jan Brandt droht der Verlust der Heimat - und er nimmt den Kampf auf, um den Gulfhof zu retten, das Symbol seiner Herkunft. Eine Wohnung in der Stadt Berlin hat sich verändert. Das bekommt Jan Brandt, der sich Ende der Neunzigerjahre vor der Provinz dorthin geflüchtet hatte, am eigenen Leib zu spüren - ihm droht der Rauswurf aus der Mietwohnung. Grund: Anmeldung von Eigenbedarf. Er begibt sich auf die Suche nach einem neuen Ort, an dem er bleiben kann, einer neuen Heimat. Und muss feststellen, dass sich die einstige antikapitalistische Utopie in eine Schlangengrube verwandelt hat, in der die Mieter nahezu alles für eine bezahlbare Wohnung tun würden - und müssen. Die eBook-Ausgabe des Bestellers - erweitert um ein Kapitel in ,Ein Haus auf dem Land'.

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  • Produktdetails
  • Verlag: DuMont Buchverlag GmbH
  • Seitenzahl: 448
  • Erscheinungstermin: 17.05.2019
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783832184520
  • Artikelnr.: 54522949
Autorenporträt
Jan Brandt, geboren 1974 in Leer (Ostfriesland). Sein Roman >Gegen die Welt< (DuMont 2011) stand auf der Shortlist des Deutschen Buch-preises und wurde mit dem Nicolas-Born-Debütpreis ausgezeichnet. Bei DuMont erschienen außerdem >Tod in Turin< (2015), >Stadt ohne Engel< (2016), >Der magische Adventskalender< (2018) und >Ein Haus auf dem Land/Eine Wohnung in der Stadt< (2019).
Rezensionen

buecher-magazin.de - Rezension
buecher-magazin.de

Wie man es auch dreht und wendet, es geht um den Verlust von Heimat. Jan Brandt hat zwei Bücher in einem geschrieben, die ein Thema umkreisen und ein Ganzes ergeben. Wo man anfängt zu lesen, bleibt jedem selbst überlassen. In "Eine Wohnung in der Stadt" lässt er die Neunzigerjahre in Berlin wieder lebendig werden. Vom Bezug der ersten Ruine folgen wir Brandt bis zur Eigenbedarfskündigung der langjährigen Kreuzberger Mietwohnung 2016. Dies ist das Ereignis, das alles ins Wanken bringt. Jeder, der schon mal in einer Großstadt eine Wohnung gesucht hat, kennt den nun einsetzenden Besichtigungsmarathon, den Brandt voll Galgenhumor beschreibt. Elf Monate ist er ohne Rückzugsort und stürzt sich im zweiten Buch "Ein Haus auf dem Land" in einen aussichtslosen Kampf um sein ehemaliges Familienhaus in Ostfriesland. Der Hof, in dem die alten Familiengeschichten zu Hause sind, wird ihm zur persönlichen Mission. Zusammen sind die Bücher weit mehr als ihre einzelnen Teile aus persönlichen Erinnerungen, gesäumt von Immobilienbarometer-Zahlen und Familienchronik. Sie erzählen von einer Entwurzelung, die symptomatisch ist für unsere Zeit, in der das Recht auf bezahlbaren Wohnraum die Großstädter auf die Barrikaden bringt und die ländlichen Regionen zu Geisterorten für Pendler mutieren.

© BÜCHERmagazin, Tina Schraml (ts)

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 25.05.2019

Bitte
wenden
Endlich irgendwo
ankommen, aber wo?
Jan Brandts todtrauriger
und superlustiger Doppelband
„Ein Haus auf dem Land /
Eine Wohnung in der Stadt“
ist das ideale Buch
für eine Gesellschaft
zwischen Entmietung
und Landflucht
VON GERHARD MATZIG
Das Buch ist – einem Wendekreis oder einer Wendejacke durchaus ähnlich – ein Wendebuch. Man kann es sowohl von vorne als auch von hinten lesen. Jan Brandts neues, mehr als 400 Seiten (und auch sonst) starkes Buch hat denn auch zwei Titel, zwei Geschichten und schätzungsweise 232 Schicksale pro Quadratkilometer. Sowie einen Tipp: Wir sollten wenden. Möglichst schnell und möglichst überall. In den Städten, auf den Dörfern.
In „Ein Haus auf dem Land“ beschreibt der Schriftsteller den bisweilen grotesken, bisweilen melancholischen und letztlich grausam sinnlosen Versuch, das 150 Jahre alte Backsteinhaus des Urgroßvaters zu retten. Brandt will im dreieinhalbtausend Einwohner bergenden Ihrhove den „Gulfhof“, das ist eine für Ostfriesland typische, behaglich anmutige Mischform aus Wohn- und Scheunentrakt unter einem Dach, davor bewahren, abgerissen und durch ein schuhschachtelhaft gemeines Immobilienelend ersetzt zu werden.
Zugleich ist dies auch der Versuch, dem Wohnwahnsinn Berlins, wo der Schriftsteller seit Jahren in räumlich zumeist prekären Verhältnissen lebt, zu entkommen. Vom Elend der Mietpreise, Makler und Hausverwaltungen, vom Elend des Schimmels an den Wänden, der Ratten im Keller und der Rapper im Hauseingang sowie der Kreativen auf der Straße erzählt, bitte wenden, „Eine Wohnung in der Stadt“.
Dass die monate- bis jahrelange Suche nach einer passenden und bezahlbaren Wohnung auf dem delirierenden Immobilienmarkt Berlins bisweilen grotesk, bisweilen melancholisch und letztlich grausam (aber noch nicht ganz sinnlos) anmutet: geschenkt. So oder so könnte man denken, dass sich der 45-jährige Autor, der im ostfriesischen Kaff Ihrhove aufgewachsen ist, aber auch in den Großkäffern Köln, München, Berlin und London gelebt hat, nicht so recht entscheiden kann. Zwischen Stadt und Land, Wohnung und Haus, urbanem Stress und ländlichidyllischer Langeweile. Zum Glück, muss man sagen.
Der Poet Brandt scheint insofern einem Gedicht von Kurt Tucholsky wie auch einem Dilemma der Moderne entlaufen zu sein. Tucholsky schrieb („Das Ideal“) von der Sehnsucht, wonach sich das eigene Leben idealerweise am Schnittpunkt von Friedrichstraße, Ostsee und Zugspitze befindet. Wobei zur Grundausstattung – zumindest jener des Jahres 1927 – auch gehört: „eine süße Frau voller Rasse und Verve – / (und eine fürs Wochenend, zur Reserve)“. Man kann die Süße getrost durch Stadt und Land ersetzen.
Unabhängig von solchen Sehnsüchten einer gurgelnd untergehenden Epoche schreibt Brandt: „Die Sehnsucht nach Freiheit und die Sehnsucht nach Sicherheit sind die Fliehkräfte meines Lebens.“ Das steht in der einen Buchhälfte, die der Stadt und dem Wohnen, also dem Leiden gewidmet ist. Während es in der anderen Buchhälfte, die dem Land und dem Leben, also mindestens dem Leiden, wenn nicht gar dem Sterben gewidmet ist, heißt: „Ich hoffte, dass es eine Alternative gäbe, dass ich mich nicht für das Dorf oder die Großstadt entscheiden müsste, dass ein Leben in beiden Welten möglich wäre.“
Ist so ein Leben möglich? Irgendwo zwischen Leiden und Sterben, zwischen existenzieller Wohnungsnot in der Stadt und den sterbend siechen Lebensräumen auf dem Land? Kann man ein Leben in der vermeintlichen Sicherheit des Dorfes leben, das zugleich eines in der vermeintlichen Freiheit der Stadt wäre? Und kann man sich zugleich der Vergangenheit zuneigen, ohne der Zukunft abhanden zu kommen? Der große Gatsby, F. Scott Fitzgeralds grandiose Erfindung, dem man in Brandts Buch nicht zufällig begegnet, würde sagen: „Aber natürlich kann man das.“
Das ist die Frage. Vor allem dann, wenn man sich eingesteht, dass es weder in der Stadt noch auf dem Land Sicherheit und Freiheit jenseits ihrer klischeehaften Schwundstufen gibt. Und wenn man bedenkt, dass Land und Stadt als die scheinbar größten Antagonisten der Gegenwart, als Bestandteile einer global wirksamen Raum-Dichotomie, sich gar so wesensfremd wie stets behauptet gar nicht gegenüberstehen.
Das Stadtland oder die Landstadt sind vielmehr Orte, die sich eine immerwährende Sehnsucht teilen, die zudem überall in der Welt bekannt ist. Es ist die Sehnsucht nach Heimat. Nach Verortung und Identität. Nach einem Ankommen in einem Dasein, das etwas anderes ist als das Woanderssein. Jan Brandts enorm kluges, genau beobachtetes, todtrauriges, superlustiges und überwältigend anregendes Buch ist daher das Buch der Stunde. Es ist der ultimative Heimatroman – ohne ein Roman zu sein. Denn es ist eine Kunstform eigener Art, ein mitreißendes Amalgam aus Essay, Reportage, Fotoalbum, Tagebuch und Familienchronik. Geschrieben in einer Ära, die zwar ein Heimatministerium, aber kein Wissen um das rätselhafte Wesen der Heimat hervorgebracht hat. Was man darüber wissen und fühlen kann, ja soll und darf, steht nun in diesem Buch. Man sollte mit seinen Wendeseiten das Heimatministerium, das auch für das Wohnen, die Stadt und das Land zuständig ist, tapezieren.
Das Wendebuch wendet man tatsächlich immer wieder, weil einen die Analogien der Fluchtpunkte, die es gar nicht geben dürfte, dazu auffordern. Da sind zum Beispiel Bomba und Berserka, zwei rappende und auch sonst irritierende Nachbarn von Brandt in Berlin-Kreuzberg („SO 36 ist unser Revier“). Dem Magazin Masafaka sagen sie im Buch: „Wir vergessen nie, wer wir sind und wo wir herkommen.“ Das ist – bitte wenden – exakt die Botschaft, die auch Holger, Silke oder Imke, die früheren Klassenkameraden, die in aller Unschuld und Plattheit Gabelstapelfahrer, Lehrerin oder Versicherungsvertreter geworden und daheim in Ihrhove nicht weit entfernt von Discos geblieben sind, die „Old Germany“ oder „Ufo“ oder „Limit“ heißen.
Wer wir sind – das hat viel damit zu tun, wo wir herkommen. Aber auch damit, wo wir hinwollen. Identität als vielleicht wichtigste Ressource der Gegenwart ist immer auch eine Frage des Habitats. Der berühmte Ikea-Satz („wohnst du noch oder lebst du schon?“) ist in Wahrheit nicht weit entfernt von Bloch und Heidegger. Der eine Philosoph sah das Wesen des Bauens im „Wohnenlassen“ (Heidegger), der andere Denker definierte Architektur als „Produktionsversuch menschlicher Heimat“.
Man kann sich selbst in Brandts Wohnproduktionsversuch einschreiben. In einem Land, das viel mehr Provinz als Metropole ist, weil viel mehr Menschen in kleinstädtischen Strukturen leben, begreift man den jugendlichen Hass des Ich-Erzählers auf die Thujaheckenhaftigkeit der Doppelhausexistenz. Die Begrenztheit eines Daseins an der Bundesstraße 70 wird dann auch an der Bar im „Limit“ leider gar nicht limitiert – „die Stadt“, schreibt Brandt, „war mein Sehnsuchtsort“.
Tatsächlich fantasiert der junge Autor davon, seine Heimatstadt Ihrhove „abzufackeln“. Aus der Sicht eines sich nach Welthaltigkeit und Aufbruch sehnenden Azubi-Intellektuellen könnte es sich hierbei um ein Art Notwehrexzess handeln. Es ist dann eine zugleich lange Reise sowie ein kleiner Schritt bis hinein in die Hölle der kodifizierten Wohnungssuche: „AB, 3. OG, DuBd, Bk, OH, WBS“ oder „SFL, Kü, Km, GH, hell, ruhig“. Wobei sich „dieses Kaputte, Heruntergekommene ( . . . ) diese Kultur gewordene Negation des bisherigen Lebensentwurfes“ erst als Ankommen und dann als „der postindustrielle Charme der Nachwendezeit“ entpuppt: „Zugedröhnte kotzten und pissten und schissen mir vors Fenster.“ Bitte wenden: „Das Dorf war meine Bestimmung, da kam ich her, da musste ich hin, zurück zu den Wurzeln.“
Das vor dem Abriss stehende uralte und urgroßväterliche Haus in Ihrhove, Ausgangspunkt der Flucht nach Berlin, wird so zum Zielpunkt einer zweiten Flucht, diesmal von Berlin aufs Land. Brandt will das Haus bewahren. Und wenn er dazu zum Fitzcarraldo Ostfrieslands werden muss. Was er einst abfackeln wollte (die Herkunft), will er jetzt vor dem Abriss retten (das Haus). Man kann ihn so gut verstehen – vor allem mit Blick auf die Discountästhetik und Gewerbeversteppung jener deutschen Dörfer und Kleinstädte, die einmal schön, Arbeits-, Lebensraum und Heimat zugleich waren. Sie können es wieder sein. Das wäre auch gut für die Städte, die ebenfalls einmal schön und Heimat zugleich waren. In beiden Sphären könnte man glücklich leben und beheimatet sein. Aber natürlich kann man das.
Der Poet Brandt scheint einem
Gedicht von Kurt Tucholsky
entlaufen zu sein
Wer wir sind,
das hat viel damit zu tun,
wo wir herkommen
In der vermeintlichen Sicherheit auf dem Land leben oder in
der vermeintlichen Freiheit der Stadt?
Irgendwo dazwischen?
Foto: Jörg Buschmann
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Der letzte Winkel eines "durchgedrehten Immobilienmarktes" in Berlin wird hier einerseits ausgeleuchtet, andererseits vom Dorf erzählt und einem familiär angestammten Hof, der ebenfalls unter die Immobilienräder zu geraten droht, schreibt Rezensentin Iris Radisch. Was das Dorf angeht, so ist Provinz durch den Debütroman des Autors, "Gegen die Welt", sattsam bekannt als Ort, den man unbedingt hinter sich lassen muss. Aber im neuen Roman feiert er zunächst Auferstehung als Sehnsuchtsort und Beinahe-Wieder-Heimat. Bis der Erzähler feststellt, dass er doch lieber in Berlin wohnen möchte. Während die Leser in der Stadt auf eine lang andauernde und immer wieder sehr ins Detail gehende Wohnungssuche genommen werden, müssen sie in Sachen Ländlichkeit sich vor allem mit der Vorstellung beschäftigen, warum es wohl nicht gehen sollte, beides zu leben, "Heimat und Aufbruch, Urbanität und Tradition"? Dieser Frage verdankt sich der Titel. Das in entsprechende zwei Teile geteilte Buch nennt Iris Radisch etwas vollmundig einen Text über "die innere und äußere Obdachlosigkeit seiner Generation". Die nostalgische Verklärung der Neunziger, als die westdeutsche Provinzjugend in Berlin noch anti-kapitalistisch, sprich mit billigen Mieten leben und träumen konnte, geht ihr allerdings auf den Keks.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 28.08.2019

Von Ostfriesland nach Berlin und beinahe zurück
Jan Brandt liest im Frankfurter Literaturhaus über Wohnraumprobleme in der Stadt und auf dem Land

Mit der ganzen Sache sei etwas ins Wanken geraten, erzählt Jan Brandt den Gästen im Literaturhaus Frankfurt. "Kann ich mich mit meinem Lebensentwurf weiter verwirklichen?" Was bei dem Schriftsteller, geboren 1974 im ostfriesischen Leer, die Krise auslöste, war etwas mittlerweile Alltägliches: eine Wohnungssuche. In Berlin. Die dauerte mehrere Monate, bezahlbarer Wohnraum war kaum zu finden. Brandt, der eine LA Dodgers-Kappe und ein dunkelblaues Hemd trägt, hat die Suche in dem autobiographischen Buch "Ein Haus auf dem Land/ Eine Wohnung in der Stadt" verarbeitet. Diese Krise ging so weit, dass der Autor überlegte nach Ihrhove zurückzugehen, wo er aufgewachsen ist, zurück zu den Tujenhecken und der Spießigkeit Ostfrieslands, die er in seinem Debütroman "Gegen die Welt" beschrieb.

"Ein Haus auf dem Land/ Eine Wohnung in der Stadt" ist ein Wendebuch mit zwei Erzählsträngen, das im Mai im DuMont Verlag erschienen ist. Brandt stellt darin Anekdoten, die den Wahnsinn der Wohnungssuche in der Hauptstadt kondensieren, der nicht weniger wahnsinnigen Idee, das alte Haus des Urgroßvaters auf dem platten Land zu kaufen und in ein "Literaturhaus" umzuwandeln, gegenüber.

Oliver Elser, der Kurator am Deutschen Architekturmuseum ist, moderiert den Abend. Brandt solle zuerst über die Stadt lesen. Das Publikum, mit Weißwein, Wasser, Fächern ausgestattet, sei mit dem Thema ja vertraut. "Solange ich zur Miete lebe, betrifft es mich", sagt Brandt, "Wohnen ist eine existentielle Frage." Und die habe längst die Mittelschicht erreicht und sei nicht nur für Künstler wichtig, die Fixkosten niedrig halten müssten, sagt Brandt.

Das ernste Thema verarbeitet der Autor auf witzige Weise, im Text, aber auch in der Lesung. Denn Brandt erzählt beinahe genau so viel, wie er liest - manchmal unterbricht er sich selbst, um noch einen Kommentar loszuwerden. Er hat mehr als zwanzig Jahre Erfahrung mit Wohnungssuchen in Berlin.

"Das ist der Autor als junger Mann", sagt Brandt und lässt eine Pause zum Lachen, "vor seinem Kachelofen." Auf einem Bildschirm zeigt er Fotos, die auch im Buch sind, das 40 Abbildungen enthält, sowie "Exklusivbilder". Brandt ist 1998 nach Berlin gezogen, als die Stadt noch schrumpfte und eine selbstrenovierte Wohnung Abenteuercharme hatte, allerdings "jahreszeitabhängig": Im Winter hieß es Kohlen schleppen.

In der ersten WG lebt Brandt mit einer Mitbewohnerin und der Schlange Lucy zusammen, die er mit aufgetauten Mäusen füttert. Weiter geht es nach Kreuzberg, wo er eine tolle Wohnung findet. Wo ist der Haken? Den findet er kurze Zeit später: Ratten. "Immobilien holen das Schlechteste aus jedem heraus", ist Brandt sich sicher. Man sei Opfer und Täter zugleich. Den Nachmietern erzählt er nichts von der Plage.

Nach etwa zehn Jahren in einer Wohnung - Kreuzberg ist längst Heimat geworden - kommt eine vorgetäuschte Eigenbedarfskündigung und zieht eine Suche nach sich, die fast ein Jahr dauert. "Deswegen wurde ich auch mit meinem Buch nicht fertig", schiebt er ein und scherzt: "Mein Verlag hätte mir einfach eine Wohnung suchen können." Gefragt nach dem eigenen Wohnraum, gibt Brandt zu, dass er einen zu hohen Quadratmeterbedarf habe. Zum Arbeiten brauche er eben ein Büro und Inspirationen um sich: "Ich bevorzuge die Begriffe Archiv und Material, Kram und Zeug wäre die Terminologie meines Vaters."

Der Autor zeigt ein historisches Foto eines Gulfhofs, eines typisch friesischen Backstein-Bauernhauses, der seinem Urgroßvater Jan Brandt gehörte und jüngst zum Verkauf stand. Im zweiten Teil seziert er, wie er voller Illusionen das vom Abriss bedrohte Haus retten will, und erkundet sein "verfluchtes Heimweh nach Historie". Eine Begehung öffnet ihm langsam die Augen, die Substanz ist viel zu schlecht, und so kauft er es dem Bauunternehmer, der wirklich Uwe Tellkamp heißt, nicht ab. Das Geld fehlt eh.

Gibt es ein Stadt-Land-Gefälle? Auch auf dem Dorf seien die Bewohner atomisiert, sagt Brandt. In Ihrhove fehle sozialer Wohnungsbau - genau wie in der Stadt. Ältere Menschen, die irgendwann aus den zu großen Häusern ausziehen, brauchen dann ebenso kleinere Mietwohnungen.

TOBIAS HAUSDORF

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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"Jan Brandts enorm kluges, genau beobachtetes, todtrauriges, superlustiges und überwältigend anregendes Buch ist [...] das Buch der Stunde. Es ist der ultimative Heimatroman - ohne ein Roman zu sein. Denn es ist eine Kunstform eigener Art, ein mitreißendes Amalgam aus Essay, Reportage, Fotoalbum, Tagebuch und Familienchronik."
Gerhard Matzig, SÜDDEUTSCHE ZEITUNG

"[Dieses Buch hat] die Wärme eines alten Kachelofens, der früher in fast allen Ost-Berliner WGs gebrannt hat."
Katharina Teutsch, FRANKFURTER ALLEGMEINE ZEITUNG

"[Dieses Buch ist] eine große Dokumentation des akuten Heimat- und Stabilitätsverlustes, dem er bis in die entlegensten Seelen- und Dielenwinkel eines durchgedrehten Immobilienmarktes akribisch folgt."
Iris Radisch, DIE ZEIT

"Was Heimat und Herkunft ausmacht, wie wir mit unserer Erinnerung umgehen, darüber hat Jan Brandt ein kluges und vielschichtiges Buch geschrieben. [...] Eine furiose Abrechnung und eine spannende Familienchronik, mit Haltung und Humor geschrieben ist es das Buch der Stunde."
Natascha Geier, NDR KULTURJOURNAL

"Pünktlich zur Debatte über Vergesellschaftung großer Vermietungsimperien in Berlin, pünktlich zu Demonstrationen gegen Mietenwahnsinn mit Zigtausenden Teilnehmern."
Jan Bykowski, TAZ

"Jan Brandt wechselt spielerisch den Ton. Mal ist er witzig, mal deprimierend, auf einigen Seiten spürt man seinen Zorn über eine sich verändernde Welt, und immer ist es eine wunderbare Beobachtung von Menschen auf der Suche nach einer Heimat und einem Sinn. Dieses Buch ist so reichhaltig, kein Wunder, dass es gleich zwei Bücher ist."
Danny Marques Marcalo, NDR Kultur

"Jan Brandt wechselt spielerisch den Ton, mal ist er witzig, mal deprimierend, auf einigen Seiten spürt man seinen Zorn über eine sich verändernde Welt - und immer ist es eine wunderbare Beobachtung von Menschen auf der Suche nach einer Heimat und einem Sinn."
Nadine Kreuzahler, RBB

"Ein ausgezeichneter, ruhiger Autor ist das, er macht's nicht nur dann interessant, wenn es um Existenzielles geht - Wohnungsnot, Gentrifizierung, Spekulanten. Brandt könnte bestimmt auch fesselnd über sein Abenteuer berichten, eine Glühbirne zu wechseln."
Peter Pisa, KURIER

"Was Brandt erzählt, sind Geschichten einer Verunsicherung, die freilich nicht bloß privat ist."
Katharina Altmeier, BAYERN 2

"Jan Brandts Buch ist lustig, melancholisch, romantisch und desillusionierend."
Michael Kluger, FRANKFURTER NEUE PRESSE

"Eine Brücke auf das Land und in die Vergangenheit, eine Verbindung zwischen Lebenswelten, die sich immer weniger verstehen, bevor der Riss in der Mauer zu groß wird."
Nantke Garrelts, TAGESSPIEGEL

"Jan Brandt ist ein melancholischer Selbstironiker. So schreibt er oft lustig, öfters bitter, allemal höchst erhellend über eine düstere Wohnzukunft [...] Ein nachdenkliches, sehr bewegendes Buch!"
Till Kaposty-Bliss, DAS MAGAZIN

"'Ein Haus auf dem Land / Eine Wohnung in der Stadt' ist kein Roman, sondern ein geschicktes Verweben von Reportage, Analyse, Familienchronik, Selbsttherapie und Tagebuch, das ungemein spannend zu lesen ist."
Anne Burgmer, KÖLNER STADTANZEIGER

"Das Buch ist geeignet gleichermaßen für Gentrifizierungsgegner, für Wohnungssuchende und Ex-Wohnungssuchende, für Berliner und Ex- und Nicht-Berliner, für Ostfriesen und Nicht-Ostfriesen."
OBERHESSISCHE PRESSE

"[Jan Brandt] hat eine beeindruckend dichte, faktenreiche wie selbstironische Dokumentation über die Gegenwart geschrieben und die Frage gestellt, was Heimat in unsicheren Zeiten bedeutet."
Gunnar Menkens, HANNOVERSCHE ALLGEMEINE

"Jan Brandt hat ein vielschichtiges Buch über neue Lebenswelten und den Konkurrenzkampf auf dem Wohnungsmarkt geschrieben."
Dorothee Krings, RHEINISCHE POST

"Der Autor beschreibt anhand seiner persönlichen Geschichte die Entwicklungen die in Stadt und Land verlaufen und erweist sich dabei als 'exzellenter Beobachter'"
Stefan Lüddemann, NEUE OSNABRÜCKER ZEI
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