Geopolitik und Governance - Grewlich, Klaus W.
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Der zentralasiatische Raum liegt im Schnittpunkt strategischer Interessen von Russland, China und USA. Die Zentralasiaten selbst sind von "Figuren" zu "Spielern" geworden. An die Stelle des "Great Game" des 19. Jahrhunderts traten Auseinandersetzungen wie der Wettstreit um den Zugang zu Energie (Öl & Gas), der Kampf ums Wasser (Trinkwasser, Bewässerungsfeldbau, Hydroenergie) aber auch die "Geopolitik" des Organisierten Verbrechens (Drogen). Versinkt die Region "Zentralasien und Afghanistan" (AFZA) in Korruption, verrottenden Infrastrukturen, Gewalt und defizienter Staatlichkeit oder…mehr

Produktbeschreibung
Der zentralasiatische Raum liegt im Schnittpunkt strategischer Interessen von Russland, China und USA. Die Zentralasiaten selbst sind von "Figuren" zu "Spielern" geworden. An die Stelle des "Great Game" des 19. Jahrhunderts traten Auseinandersetzungen wie der Wettstreit um den Zugang zu Energie (Öl & Gas), der Kampf ums Wasser (Trinkwasser, Bewässerungsfeldbau, Hydroenergie) aber auch die "Geopolitik" des Organisierten Verbrechens (Drogen). Versinkt die Region "Zentralasien und Afghanistan" (AFZA) in Korruption, verrottenden Infrastrukturen, Gewalt und defizienter Staatlichkeit oder mobilisiert sie Kräfte in Richtung Reform, Herrschaft des Rechts und regionaler Ordnung ("Governance")? Was kommt in der Region vom Hindukusch bis zum Kaspischen Meer nach Abzug der Koalitionstruppen aus Afghanistan? "Geopolitik und Governance" konzentriert sich auf die - für Europa wichtige - "Energie-Governance" (Energiesicherheit) und die "Wasser-Governance" (Wassernutzungsrecht) mit dem Ziel, das Ringen um den Zugang zu Energie völkerrechtlich zu befrieden und Interessengegensätze zwischen den "Öl- und Gasmächten" Kasachstan, Turkmenistan und Usbekistan und den "Wassermächten" Kirgistan, Tadschikistan (und Afghanistan) auszugleichen. Fruchtbar gemacht wird ein Governance-Modell, das "Multiebenen"-, "Multiakteur"- und "Multiinstrumental"-Analysen umfasst - mit Bezug zur "vernetzten Sicherheit". Wie Kohle & Stahl im Nachkriegseuropa, bilden "Wasser & Energie" im AFZA-Raum ein Substrat regionalen Friedens unter der Herrschaft des Rechts. - Lesen sollten das Buch Vertreter der international tätigen Energie- und Wasserwirtschaft; Politiker, Diplomaten und Entwicklungsexperten; in "Netzindustrien" aktive Anwälte, Ingenieure und Finanzfachleute sowie an Staatslehre, Sicherheitspolitik und Völkerrecht Interessierte.
  • Produktdetails
  • Verlag: Nomos
  • 1. Auflage
  • Seitenzahl: 163
  • Erscheinungstermin: 28. Juli 2011
  • Deutsch
  • Abmessung: 229mm x 154mm x 17mm
  • Gewicht: 256g
  • ISBN-13: 9783832967512
  • ISBN-10: 3832967516
  • Artikelnr.: 33719469
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 10.10.2011

Krisenregion Zentralasien
Plädoyer gegen Europas außenpolitische Mattigkeit

Unter Rückgriff auf die mythenreiche Geschichte der geopolitischen Rivalität zwischen England und Russland um Macht und Einfluss in Zentralasien und Nordindien während des 19. Jahrhunderts baut Klaus W. Grewlich die zentralasiatischen Konfliktkulissen der Gegenwart auf: Unterdrückung und Zwang im Inneren; verrottende Infrastruktur; enormes Ausmaß an staatlicher Korruption; weitreichende Überschneidungen von Politik und organisierter Kriminalität; Energiereichtum, der das besondere Interesse der regionalen Großmächte Russland und China sowie der Vereinigten Staaten auf sich gezogen hat; sich abzeichnende intra-regionale Wasserkonflikte, die untrennbar mit selbstgemachten Umweltproblemen von potentiell katastrophalen Ausmaßen verbunden sind; zu erwartende Folgeprobleme des Abzugs der internationalen Stabilisierungstruppen aus Afghanistan.

Die schier unlösbare geopolitische Problemverknotung nimmt der Autor als realistische Ausgangslage für ein Plädoyer an die Adresse der Europäer, Zentralasien nicht sich selbst und anderen Interessenten zu überlassen, sondern die eigenen Interessen ins Spiel zu bringen. Diese konzentrieren sich auf die Öl- und Gas-Ressourcen in der Region, denn Europa bleibt, aus verschiedenen Gründen, noch viel zu tun, um eigene Energiesicherheit zu erreichen. Im diplomatischen Dienst konnte Grewlich persönliche Erfahrungen in Zentralasien sammeln. Das kommt dem ganz nüchtern geschriebenen ersten Teil sehr zugute.

Im zweiten Teil wird diese Nüchternheit merklich aufgeweicht. Hier geht es um "Governance", was ein etwas glitschiger Begriff ist. Ob man damit wirklich die regionalen Probleme entknoten kann, sei dahingestellt. Aber schön wäre es, gäbe es einen verstärkten - und erfolgreichen - Außendruck auf die regionalen Akteure, in ihren Staaten mehr Rechtsstaatlichkeit zu etablieren, würde ein multilateraler Energie-Vertrag die Interessen aller Beteiligter optimieren und käme es schließlich zur regionalen Kooperation zwecks Regelung der gemeinsamen Wassernutzung. Immerhin nimmt man dem Autor ab, dass die EU eher als andere Akteure die zentralasiatischen Regierungen dazu bringen könnte, sich schrittweise auf solche Governance-Perspektiven einzulassen. Allerdings beklagt er die Mattigkeit, mit der die Regierungen Europas und die EU ihre Ziele in dieser Region verfolgen. Ob realistische Aussichten bestehen, dass sich dies in naher Zukunft ändern kann, muss bezweifelt werden.

WILFRIED VON BREDOW

Klaus W. Grewlich: Geopolitik und Governance. Energie, Wasser, Herrschaft des Rechts in Zentralasien und Afghanistan. Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2011. 163 S., 49,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Klaus Grewlich hat ein Buch über Zentralasien geschrieben, berichtet der Rezensent Janek Schmidt, in dem sich der kürzlich verstorbene Diplomat mit der geopolitischen Rolle der zentralasiatischen Länder, die maßgeblich von deren natürlichen Rohstoffen geprägt ist. Drei Rohstoffe seien von besonderer Bedeutung: Wasser, Öl und Gas. Durch die ungleiche Verteilung des Wassers geraten manche Länder in die Abhängigkeit von ihren Nachbarn stromaufwärts, die mit Staudämmen Energie zu gewinnen suchen. Die Öl- und Gasstaaten wiederum werden von der EU, Russland und China gleichermaßen umworben, die durch Pipelines ihre eigene Versorgung sicherstellen wollen, was zu neuen Auseinandersetzungen führe, erklärt der Rezensent. Schmidt lobt, dass Buch sei noch immer hoch aktuell und bedauert nur, dass Grewlich sich hin und wieder durch "Wortungetüme" als Beamter verrate.

© Perlentaucher Medien GmbH

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 02.10.2012

Kampf um Ressourcen
Hydrostan gegen Pipelinestan
Für eine Konferenz, die der Außenminister in Berlin einberuft, wirkte das Thema für manche etwas fern von deutschen Interessen. Doch die Tagung zur „Wasserdiplomatie in Zentralasien“, die vor einigen Monaten im Auswärtigen Amt stattfand, behandelte eine Region im Aufwind. Guido Westerwelle war selbst zuvor in die Gegend gereist, und seine amerikanische Amtskollegin Hillary Clinton war fast zur selben Zeit dort gewesen. Die Länder, die manche nur als die „fünf Stans“ kennen, werden weltweit umworben.
  Das weiß kaum einer so gut wie Klaus Grewlich. Er war deutscher Botschafter in Aserbaidschan und Kirgisistan und hat nun ein Buch über die Region geschrieben. Darin umreißt er Zentralasien als jene trockene Gegend, in der die Flüsse nicht in Ozeane münden, sondern in Seen ohne Abfluss enden oder in Wüsten versickern. Neben Kasachstan und den kleineren Turkmenistan, Usbekistan, Kirgisistan und Tadschikistan gehören dazu Teile Westchinas mit den muslimischen Uiguren sowie Nordafghanistan, wo Turkmenen, Usbeken und Tadschiken leben. Die ganze Region ist so groß wie die EU und hat fast so viele Einwohner wie Deutschland.
  Doch gibt es Bruchlinien. So teilen sich die Bewohner in turksprachige und Farsi-sprechende Gruppen. Die „Wassermächte“ Kirgisistan und Tadschikistan stehen den Öl- und Gas-Staaten Kasachstan, Turkmenistan und Usbekistan gegenüber. Das ist der Konflikt: „Hydrostan“ gegen „Pipelinestan“. Besonders tritt er im Becken des Aralsees auf. Dort kommen 85 Prozent der Zuflüsse aus den Wasserstaaten Kirgisistan, Tadschikistan und Afghanistan. Diese Länder nutzen das Wasser zur Energiegewinnung im Winter und leeren dafür ihre Staubecken. Die Unteranlieger Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan benötigen die Zuflüsse aber zur Bewässerung im Sommer. Bei ihnen gibt es somit im Winter Überflutungen und im Sommer Dürren.
  Ironischerweise könnte sich dieser Konflikt verschärfen, falls ein anderes Ziel erreicht wird: Wenn Afghanistans Wirtschaft floriert, wächst dessen Wasserbedarf. Grewlich erblickt darin eine Chance, „Frieden durch Wasser" zu schaffen. Aus gegenseitiger Abhängigkeit könnten die Staatschefs zu einem rechtlichen Rahmen finden. Allerdings befürchtet Grewlich, dass sich die Autokraten gegen Modelle westlicher Organisationen wie der OSZE entscheiden. Eher würden sie Strukturen der von Moskau und Peking dominierten Shanghai Cooperation Organisation wählen, die keine Bedingungen an Menschenrechte stellt.
  Noch stärker tritt diese Rivalität zwischen West und Ost bei Öl und Gas auf – symbolisiert durch den Wettstreit zweier Pipeline-Projekte: die von der EU angestrebte Nabucco-Röhre von Aserbaidschan bis zur österreichischen Grenze nahe Wien gegen das russische Southstream-Projekt. Dabei hält laut Grewlich Aserbaidschan „den Schlüssel zum Bau von Nabucco“. Von 2020 an könnte das Land jährlich 20 Milliarden Kubikmeter Gas exportieren. Das sind zwei Drittel der Menge, die Nabucco zur Wirtschaftlichkeit braucht.
  Den Rest könnte Turkmenistan liefern, das ein langfristiges Exportpozential von 110 Milliarden Kubikmetern pro Jahr hat. Dieses Gas könnten Tanker über das kaspische Meer zur Einspeisung in Nabucco bringen. Dazu wäre die Zustimmung der Anrainerstaaten nötig, was Moskau ein Veto gibt. Die Alternative wäre der Bau einer Pipeline durch das Kaspische Meer nach Aserbaidschan. Da bereits andere Röhren ohne Zustimmung der Anrainer durch das Kaspische Meer verlegt wurden, sieht Grewlich eine Möglichkeit, dem russischen Veto mit Unterwasserröhren zu entkommen.
  Das Problem ist aber, dass Moskau nicht mehr Europas Hauptkonkurrent beim Buhlen um turkmenisches Gas ist. Denn 2009 weihte der chinesische Präsident Hu Jintao eine Pipeline ein, die von Turkmenistan nach Peking und Shanghai führt. Mit dieser Röhre sollen bald bis zu 80 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr nach China fließen. Der Wettkampf um Nabucco ist daher nicht Brüssel gegen Moskau. Er ist: Wien gegen Shanghai.
  Grewlich liefert einen soliden Überblick, der aktuell ist, obwohl sein Buch bereits 2011 erschien. Leider kommt dabei oft der Beamte in ihm durch, der Wortungetüme wie „Streitbeilegungsinstanzen“ benutzt. Wie zum Ausgleich häuft er dann wagemutig Metaphern aufeinander, wie zum Beispiel: „Den Gorgonenhäuptern der Drogenmafia in die Fratze zu blicken, heißt nicht, die Flinte ins Korn werfen.“ So viel Mut wünscht man sich eher für persönliche Einschätzungen. Mit all seinen Einblicken hätte der Diplomat lieber die Zukunftschancen von Nabucco aufs Korn nehmen sollen – mit oder ohne Flinte.
JANEK SCHMIDT
KLAUS W. GREWLICH: Geopolitik und Governance – Energie, Wasser, Herrschaft des Rechts in Zentralasien und Afghanistan. Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2011. 163 Seiten. 49 Euro.
  
Der Journalist Janek Schmidt analysiert u.a. die Lage in Afghanistan und seinen Nachbarstaaten.
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