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Eine Frau geht mit einem Messer auf ihren ehemaligen Liebhaber los. Ein vermeintlich seriöser Bauunternehmer wird zum Opfer einer stümperhaften Entführung. Und ein Mann lässt sich für seine Frau beide Knie zertrümmern. Das Verbrechen ist so abgründig wie allgegenwärtig in der "Nacht von Madrid". Selten sieht man es kommen, und immer sind es scheinbare Kleinigkeiten, harmlose Missverständnisse, die zum Schlimmsten führen und tiefe Spuren im Leben aller hinterlassen. Warum sie dennoch geschehen, und welch fatale Konsequenzen sie haben, davon schreibt Paul Ingendaay in seinem neuen Buch. Kühl, mitreißend, unentrinnbar.…mehr

Produktbeschreibung
Eine Frau geht mit einem Messer auf ihren ehemaligen Liebhaber los. Ein vermeintlich seriöser Bauunternehmer wird zum Opfer einer stümperhaften Entführung. Und ein Mann lässt sich für seine Frau beide Knie zertrümmern. Das Verbrechen ist so abgründig wie allgegenwärtig in der "Nacht von Madrid". Selten sieht man es kommen, und immer sind es scheinbare Kleinigkeiten, harmlose Missverständnisse, die zum Schlimmsten führen und tiefe Spuren im Leben aller hinterlassen. Warum sie dennoch geschehen, und welch fatale Konsequenzen sie haben, davon schreibt Paul Ingendaay in seinem neuen Buch. Kühl, mitreißend, unentrinnbar.
  • Produktdetails
  • Verlag: Piper
  • Seitenzahl: 175
  • Erscheinungstermin: 17. September 2013
  • Deutsch
  • Abmessung: 211mm x 134mm x 25mm
  • Gewicht: 328g
  • ISBN-13: 9783492056175
  • ISBN-10: 3492056172
  • Artikelnr.: 38108708
Autorenporträt
Ingendaay, Paul
Paul Ingendaay, geboren 1961 in Köln, lebte als Schriftsteller und Journalist lange in Madrid. 1997 erhielt er den Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik, 2006 wurde er für sein Debüt »Warum du mich verlassen hast« mit dem Aspekte-Preis ausgezeichnet. Nach dem Roman »Die romantischen Jahre« und dem Erzählungsband »Die Nacht von Madrid« erschien von Paul Ingendaay zuletzt die »Gebrauchsanweisung für Andalusien«.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Man sollte den Klappentext von Paul Ingendaays Erzählband "Die Nacht von Madrid" nicht allzu ernst nehmen, in den Geschichten lauert keineswegs überall das Verbrechen, verrät Kristina Maidt-Zinke, und noch dort, wo es vorkommt, ist es eher Nebensache. Vielmehr geht es um Menschen, deren Fehler und Vorzüge von allerlei Krisen ans Licht gebracht werden, berichtet die Rezensentin: um eine alte Dame zum Beispiel, die im Telefonat mit einer Callcenter-Angestellten unerwartet Zuwendung erfährt; oder um einen Mann, der seiner Sitznachbarin im Flugzeug ihre Flugangst ausredet, bei der Landung aber an einem Herzinfarkt stirbt. Es geht um solche zufälligen Begegnungen, deren unvorhersehbare, unbeabsichtigte Folgen dann ein ganzes Leben umkrempeln, fasst Maidt-Zinke zusammen.

© Perlentaucher Medien GmbH
Besprechung von 04.12.2013
Zu früh für Prophezeiungen

Gebrauchsanweisung für Spanien in der Krise: Paul Ingendaays Erzählungen "Die Nacht von Madrid".

Paul Ingendaay, der viele Jahre Kulturkorrespondent dieser Zeitung in Madrid war, geht nicht nur zu Premieren und Ausstellungen, sondern auch in die Stierkampf- und Fußballarenen, in die Grauzonen und Rotlichtbezirke, wo das wahre Leben brodelt und Blut und Tränen fließen. Nach zwei hochgelobten Romanen über Marko Theunissens Jugend im katholischen Internat ("Warum du mich verlassen hast") und seine "Romantischen Jahre" als Versicherungsvertreter in Kleinhoek wagt er sich diesmal in eine Welt, in der es nicht nur um Pubertätsdramen und Lebensversicherungspolicen geht, sondern um richtige Männer und echte Probleme: Eifersuchtsdramen und Erpressung, Raubüberfälle und Messerstechereien. Die ältesten der zehn Erzählungen entstanden noch vor Ingendaays erstem Roman, die jüngsten erst letztes Jahr; sie handeln von entführten Geschäftsleuten und taffen Taxifahrern, Luxus-Callgirls und Callcenter-Angestellten. "Die Nacht von Madrid" ist ein Gegenprogramm zur kleinbürgerlichen Melancholie am Niederrhein: eine Gebrauchsanleitung für Spanien in der Krise.

Paul Ingendaay erzählt von Armut, Einsamkeit und Arbeitslosigkeit, von Suppenküchen, Steuerhinterziehung und organisiertem Verbrechen, von Taxifahrern, die für einen Hungerlohn ihr Leben aufs Spiel setzen ("Eine Art Rettung"), und von Strandgutsammlern an der Atlantikküste, die mit Metalldetektoren das Glück suchen und dabei der Drogenmafia in die Quere kommen ("Zu früh für Prophezeiungen"). Aber die sozialen Milieustudien und traurigen Schicksale der Erniedrigten und Beleidigten interessieren ihn weniger als die psychischen und moralischen Folgen der Krise: die Augenblicke, in denen verzweifelte Menschen über sich hinauswachsen und ihre verhärteten Herzen weich werden. "Mein System ist leben und leben lassen", beschreibt ein Taxifahrer einmal seine Überlebensphilosophie. "Ruhig bleiben, sich nicht einmischen. Nicht über Fußball reden." Die Krise (oder auch nur ein ekliger Käfer in der Küche) bricht die eingefahrenen Gewohnheiten und Reflexe auf, wirft alle Routinen, vertrauten Rituale und Rettungspläne über den Haufen. Aus kleinen Missverständnissen entstehen Verbrechen aus Leidenschaft, Ehedramen, Familienkatastrophen. Aber sie bringen oft auch das Beste im Menschen hervor: Anstand, Zivilcourage, schlichte Herzensgüte, "Tapferkeit und Erkenntnis".

Die titelgebende "Nacht von Madrid", die längste und beste der zehn Erzählungen, ist düster und melodramatisch wie ein Film noir. Emilio war in seiner Jugend ein begnadeter Fußballer, aber nie ein Mannschaftsspieler: Einsam und unnahbar zog er seine Kreise. Ein einziges Mal wollte er mehr als "leben und leben lassen", und schon wurde er schuldlos schuldig. Sein Hochmut, der "einzige freie Mensch unter Sklaven" zu sein, sein Wahn, es mit der Nacht von Madrid aufnehmen zu können, wurden dem "Einzeltier" zum Verhängnis und brachten der Frau, die er liebte (wie fast alle Frauen bei Ingendaay heißt auch die Edelhure Cristina), den Tod. So müssen die Retter und Helfer, die sich in bester Absicht gegen das Schicksal von Schweigen, Lähmung und Angst stemmen, oft teuer für ihren Irrtum bezahlen. In "Auf der Hochzeit eines Freundes" etwa will ein red- und vertrauensseliger Taxifahrer nur die Ex-Freundin des Bräutigams ein wenig trösten: Er macht sich zum Komplizen einer rachsüchtigen Stalkerin und das Fest zur Bluthochzeit.

Manchmal glaubt man rasch zu wissen, wohin der Hase läuft; aber am Ende dreht Ingendaay die Erzählung durch kleine Schlenker und Perspektivwechsel noch in eine ganz andere Richtung. "Es wird nicht lange dauern" beginnt als dilettantische Entführung und endet als Männerdrama; "Eine Mutter" scheint nur eine Satire über Callcenter und Warteschleifen der Verzweiflung zu sein, aber dann findet die einsame alte Frau ausgerechnet in der Servicewüste eine Oase der Menschlichkeit. Die edle Spenderin in "Tina hilft" ist ärmer dran als der in jeder Hinsicht bedürftige Oscar; der spanische Macho auf dem Straßenstrich Kubas hat vielleicht ein empfindsameres Herz als die pragmatisch nüchternen "Mädchen von Havanna".

Auch Ingendaay ist nicht der coole, harte Hund, als der er sich manchmal gibt. Sein Vorbild, der Minimalist Raymond Carver, schrieb mit lakonischer Trockenheit über Suff, Scheidungen und Verzweiflung in den Vorstädten (und das, was Ingendaay einmal in einer Besprechung "symbolische Wiedergutmachungen und Epiphanien" nannte). Ingendaay neigt bei ähnlichen Gelegenheiten doch hin und wieder zum Zeigen, Erklären und Trösten: "Warum ist der geliebte Mensch oft fern von uns, wenn Gott uns prüft?" In seinen Romanen durfte der Internatszögling und Versicherungsvertreter Marko schon mal sentimental und geschwätzig werden; auf der kurzen Prosadistanz fallen Abschweifungen und romantisches Pathos schwerer ins Gewicht.

Symptomatisch dafür ist die Erzählsituation, oft ein Treffen alter Freunde oder ein Telefongespräch unter Freundinnen. Der lange Anlauf vor der eigentlichen Story, die informelle, quasimündliche Rollenprosa, die "doppelt codierten Botschaften" sorgen für atmosphärische Dichte, gehen aber auch auf Kosten der lakonischen Tiefenschärfe. Unter Freunden, an der Bar, zündet man gern noch eine Zigarette an und bestellt noch ein Bier nach, wenn einer von Schuld und Sühne zu erzählen beginnt. Aber die Nacht von Madrid ist eigentlich zu kurz für Gesten kommunikativer Gemütlichkeit und zu dunkel für tröstliche Fragen wie "Was ist mit der Welt, wenn es keinen Anstand mehr gibt?"

MARTIN HALTER

Paul Ingendaay: "Die Nacht von Madrid".

Erzählungen.

Piper Verlag, München 2013. 176 S., geb., 17,99 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Besprechung von 20.02.2014
Krise und
Käfermord
Paul Ingendaays Erzählungsband
„Die Nacht von Madrid“
Zu den willkommenen Nebenwirkungen der Literatur gehören mitgelieferte Antworten auf Fragen, die man nie zu stellen wagte. Zum Beispiel: Turbulenzen beim Fliegen sind nur halb so gefährlich, wie sie sich anfühlen. In Paul Ingendaays Erzählungsband „Die Nacht von Madrid“ gibt es eine Figur, die diesen Sachverhalt so glaubwürdig erklärt, dass man sich als flugskeptischer Leser beruhigt und gut aufgehoben fühlt. Und wenn dieser Mann kurz vor der Landung einen Herzinfarkt erleidet, ist man darüber fast so traurig wie die junge Frau, der er durch sein Zureden auf dem Flug von Madrid nach Oviedo die Angst genommen hat. Sie revanchiert sich, indem sie bis zum Abtransport in die Klinik seine Hand hält. Und sie weint um ihn, obwohl sie nicht mehr erfährt, wie es mit ihm weitergegangen ist.
  Paul Ingendaay mag seine Figuren, und er traut ihnen zu, dass sie in diffizilen Lebenssituationen ihre besten Kräfte freisetzen: Mitgefühl, Zivilcourage oder, wie es an einer Stelle geradezu pathetisch heißt, „Tapferkeit und Erkenntnis“. Das kann dann auch böse ausgehen, wie im Eingangsstück, in dem ein gutmütiger, etwas zu geschwätziger Taxifahrer seiner Devise „leben und leben lassen“ untreu wird, sich in die Angelegenheiten seiner Fahrgäste einmischt und ungewollt zum Komplizen einer rachedurstigen Messerstecherin wird. Oder, noch fataler, in der titelgebenden und zugleich längsten Geschichte, in der die „Nacht von Madrid“ zur Metapher für die Nachtseite der spanischen Hauptstadt wird, für das Rotlichtmilieu, aus dem ein Ex-Fußballer seine Geliebte zu retten versucht – mit tödlichem Ende.
  Der aus Köln stammende Journalist und Schriftsteller Paul Ingendaay, literarisch bisher mit zwei autobiografischen Romanen hervorgetreten, lebt seit vielen Jahren in Madrid; er kennt die Stadt mit ihren leuchtenden und ihren dunklen Zonen gut genug, um ihre Bewohner zu Protagonisten seiner Erzählprosa zu machen. Andererseits ist er geschult an der amerikanischen Short Story, speziell an der kühlen Lakonie eines Raymond Carver, dessen Härte ihm allerdings fehlt. An deren Stelle tritt das Verständnis für menschliche Fehler und Irrtümer, die katastrophale Folgen haben können, zuweilen aber auch Schlimmeres verhindern. Die Mischung aus Coolness und Empathie, in eine Sprache von unprätentiöser Direktheit umgesetzt, ergibt einen ganz eigenen Ton, und vermutlich ist es gerade der Verzicht auf Lokalkolorit, auf Beobachtungen aus der Perspektive des faszinierten Ausländers, der uns die Atmosphäre dieser Alltagsszenen und unerhörten Begebenheiten durchaus „spanisch“ vorkommen lässt.
  Keineswegs lauert, wie es der Klappentext gern hätte, überall das Verbrechen. Die Erzählung „Eine Mutter“ handelt von einer vereinsamten alten Dame, die Probleme mit ihrer Telefonleitung hat und beim mobilen Gespräch mit der Mitarbeiterin eines Callcenters unerwartete Wärme und Zuwendung erlebt. In der etwas zu aufdringlich kafkaesk-psychologisierenden Geschichte „Ein Kind“ ermordet eine gewisse Cristina, die sich zwischen zwei Männern hin- und hergerissen fühlt, immerhin nur einen Käfer. Und in „Tina hilft“ diskutiert ihre Namenscousine (dass bei Ingendaay die meisten, aber wiederum nicht alle Frauen Cristina heißen, verwirrt ein wenig) mit einem Vertreter der „Aktion gegen Armut“ über soziales Gewissen, Hilfsbereitschaft und Verantwortung – mehr geschieht nicht.
  Allgegenwärtig ist hier weniger das Verbrechen als „die Krise“, die bekanntlich in Spanien besonders schmerzhaft zugeschlagen hat. Sie macht die Menschen erfinderisch im Guten wie im Schlechten, bringt ihre verborgenen Stärken und Schwächen ans Licht, fördert klein- und schwerkriminelle Machenschaften und kann ganze Lebensläufe aus der Bahn werfen. Ein Automechaniker, dessen Werkstatt nicht mehr läuft, sucht am Strand mit einem Metalldetektor nach Preziosen; seine Frau findet ein Paket mit geschmuggeltem Marihuana und will damit die Finanzen der Familie aufbessern, doch die Drogenmafia setzt sich gnadenlos auf ihre Spur, und das Überleben muss mit dem Exil bezahlt werden – im heutigen Spanien, wie man hört, kein ungewöhnlicher Vorgang.
  Bei Paul Ingendaay wird daraus eher eine Beziehungsgeschichte als ein Kriminalfall, so wie er auch sonst in den finstersten Konstellationen den „human touch“ sucht und findet. Entführer sind bei ihm armselige Stümper, Machos haben ein empfindsames Herz, Taxifahrer riskieren ihr Leben für ein paar Hunderterscheine, Manager werden spendabel aus Gewissensnot, und über allem schwebt eine Frage, die eigentlich den korrupten Politikern des Landes gilt: „Was ist mit der Welt, wenn es keinen Anstand mehr gibt?“ Da spricht aus dem Wahlspanier Ingendaay dann doch wieder der deutsche Romantiker. Aber vielleicht ist das ein literarisches Symptom dafür, dass Europa zusammenwächst.
KRISTINA MAIDT-ZINKE
  
  
  
  
  
Paul Ingendaay:
Die Nacht von Madrid.
Erzählungen. Piper Verlag, München 2013.
176 Seiten, 17,99 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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»Die Mischung aus Coolness und Empathie, in eine Sprache von unprätentiöser Direktheit umgesetzt, ergibt einen ganz eigenen Ton, und vermutlich ist es gerade der Verzicht auf Lokalkolorit, auf Beobachtungen aus der Perspektive des faszinierten Ausländers, der uns die Atmosphäre dieser Alltagsszenen und unerhörten Begebenheiten durchaus ›spanisch‹ vorkommen lässt.«, Süddeutsche Zeitung, 20.02.2014