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«Ein Bericht aus einem Land, fremder als der Mond.» (Elke Heidenreich)
Jana Hensel war dreizehn, als die Mauer fiel. Von einem Tag auf den anderen war ihre Kindheit zu Ende. Die vertrauten Dinge des DDR-Alltags verschwanden gleichsam über Nacht - plötzlich war überall Westen, die Grenze offen, die Geschichte auch. Eine ganze Generation machte sich daran, das veränderte Land neu zu erkunden. Jana Hensel erzählt von ihrem Leben in der Schwebe zwischen Ost und West.
«Jana Hensel hat der ersten gesamtdeutschen Generation schon jetzt ein kleines Denkmal gesetzt - mit sprachlicher Lakonie,
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Produktbeschreibung
«Ein Bericht aus einem Land, fremder als der Mond.» (Elke Heidenreich)
Jana Hensel war dreizehn, als die Mauer fiel. Von einem Tag auf den anderen war ihre Kindheit zu Ende. Die vertrauten Dinge des DDR-Alltags verschwanden gleichsam über Nacht - plötzlich war überall Westen, die Grenze offen, die Geschichte auch. Eine ganze Generation machte sich daran, das veränderte Land neu zu erkunden. Jana Hensel erzählt von ihrem Leben in der Schwebe zwischen Ost und West.
«Jana Hensel hat der ersten gesamtdeutschen Generation schon jetzt ein kleines Denkmal gesetzt - mit sprachlicher Lakonie, Leichtigkeit und einer Transparenz, die leuchtet.» (Der Spiegel)
«Eine Kindheit vor dem Verschwinden zu retten und somit das kollektive Gedächtnis der >«Das Buch schafft etwas, was zum Überwinden eines großen Missverständnisses der deutschen Einheit beitragen könnte.» (Angela Merkel)

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  • Produktdetails
  • Verlag: Rowohlt Verlag GmbH
  • Erscheinungstermin: 01.06.2012
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783644019010
  • Artikelnr.: 37457937
Autorenporträt
Geboren 1976 in Leipzig, Studium in Leipzig, Marseille, Berlin und Paris. Anschließend (1999) Herausgeberin der Leipziger Literaturzeitschrift "Edit", 2000 der Internatanthologie "Null" (zusammen mit Thomas Hettche). Jana Hensel lebt heute in Berlin.
Rezensionen
Aufstiegskinder aus dem Nirgendwo
Von einem Tag auf den anderen im Jahr 1989 war fast alles anders. Der Osten verschwand, es kam der Westen. Der Osten, das ist für die Zonenkinder, die Generation, die um 1975 in der DDR geboren sind, der Schauplatz ihrer Kindheit. Für Jana Hensel ist es vor allem eine Welt, in die sie nicht mehr zurückkehren kann, nicht einmal auf Besuch.
Vom Verschwinden und Entstehen
Die Geschichte der ersten Ost-West Generation begann damit, dass Gewohntes plötzlich verschwand und Altbekanntes neue Namen erhielt. Der Milchmann in der Schule - er kam nicht mehr, Korbine Früchtchen aus FRÖSI, die "Trommel", die pädagogischen Berufsgruppenspiele, einfach alles, was aus jungen Menschen eine sozialistische Persönlichkeit machen sollte, war auf einmal weg. Die Kaufhalle heißt jetzt Supermarkt und Nikis nennt man T-Shirts. Zugleich entsteht Neues, der Bahnhof wird umgebaut, die Schülerspeiesegaststätte, "Fresswürfel" genannt, wich einem Parkplatz. Schöne neue Welt? Jana Hensel schildert viele Veränderungen mit großem Unbehagen - fast so, als hätte man dieser Generation die Kindheit weggenommen.
Während ihre Kinder an Schüleraustausch-Programmen teilnehmen und nach Frankreich reisen, werden Arbeitsplätze abgewickelt, viele Eltern retten sich in ABM-Maßnahmen oder werden arbeitslos. Was bringt mehr? Studium oder Lehre, Praktikum oder Vorlesung - für Ost-Eltern ist das Leben ihrer Kinder ein Rätsel. Die Zonenkinder und ihre Eltern leben in zwei verschiedenen Welten.
Perspektiven für die Zukunft
Sich orientieren, wissen, was wichtig ist und seine Ziele umsetzen - in der Teenagerzeit werden die Weichen gestellt. Die letzte DDR-Generation erlebte den Aufbruch in den neuen, entscheidenden Lebensabschnitt gleich doppelt - in ihrer Biografie und den radikalen Veränderungen in ihrer Gesellschaft. In Zonenkinder hat Jana Hensel ihre Erinnerungen an damals und ihre Eindrücke von der Zeit des Umbruchs, ihren ersten Begegnungen mit Westdeutschen, ihren Reisen u.v.m. genau festgehalten. Es ist ein fast wehmütiger Abschied von Welt ihrer Kindheit und zugleich ein Dokument des Aufbruchs, einer Zeit, die dieser Generation ungeahnte Freiheiten bescherte. (Birgit Kuhn)
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Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 05.11.2002

Die armen kleinen Gehirne
Was Kinder in der DDR so alles erdulden mußten, will Jana Hensel wissen / Von Peter Richter

Das "Buch einer Generation", das Jana Hensel geschrieben hat, ist vor allem die Geschichte einer atmosphärischen Beruhigung: Am Anfang ist Mistwetter, ist Montag abend in Leipzig, ist ein Mädchen im Anorak, das an der Hand seiner Mutter zur Demonstration geht. Es wird dreizehn in diesem Jahr, als die Mauer fällt. Und in den darauf folgenden, bekanntlich sehr stürmischen Jahren wird es erwachsen. Nach weiteren dreizehn Jahren ist dann endlich alles gut, ist Berlin, der Duft von Frühling und eine zufriedene junge Frau, die sich zu den "ersten Wessis aus Ostdeutschland" zählt. Sie schiebt "Go West" von den Pet Shop Boys ins Autoradio und fährt schließlich in der nämlichen Richtung hinaus aus dem Buch, das sie geschrieben hat, weil ihre "paar Jahre vor dem Fall der Mauer" von nun an "zahlenmäßig in die Minderheit geraten und die DDR für uns, als schauten wir in den Rückspiegel eines Autos, noch ferner, kleiner und immer märchenhafter werden" wird.

Aus der Perspektive des Rückspiegels versucht sie nun eine Sprache zu finden für den Weg, den sie zurückgelegt hat, für die Erinnerungen, die sie bei voller Fahrt unter den Reifen zerstäubt hat, und die erst einmal rekonstruiert werden müssen. Leider erfährt man nicht, um was für ein Auto es sich handelt, mit dem sie da endlich in die Zielgerade ihrer Entwicklung einbiegt. Wenn sie so fährt, wie sie schreibt, läßt das vielleicht auf einen putzigen Mini schließen. Jedenfalls kommt das Buch selbst als launiges Retro-Mißverständnis daher, in Packpapier gewickelt, so wie man sich im Westen womöglich schmunzelnd ein DDR-Buch vorstellt.

Da beschwört jemand etwas, das er am liebsten vergessen will: "Vielleicht werde ich diese ersten, unsicheren und häßlichen Jahre kurzerhand aus unserem Leben streichen. Die Beweisfotos der Lehrjahre würde ich jedenfalls schon jetzt gern vernichten". Da werden ganze Jahrgänge von Individuen zum passiven Formfleisch der wechselnden Verhältnisse gemacht und damit zum späten Stolz ihrer marxistischen Lehrer. Ausgerechnet da, wo sie überwunden, abgewaschen, vergessen werden will, triumphiert die DDR, kommt die Flucht- und Nischengesellschaft doch noch "Vom Ich zum Wir".

So schnell hat noch kein Hippie seinem Gegenüber das Du aufgedrängt, wie dieses Buch dem Leser das Wir. Wie zur Korrektur der umstrittenen Thesen, die der niedersächsische Kriminologe Christian Pfeiffer vor einigen Jahren über die Gewalttätigkeit des Ostens aufgestellt hat, werden "wir" alle noch einmal kollektiv auf den Nachttopf gesetzt, werden aber nicht aggressiv, sondern sehr friedlich. Es ist der Pluralis majestatis roher Krankenschwestern, und die Injektion besteht aus einer großen Dosis Sedativum: Statt Abenteuergeschichten aus dem wilden Osten birgt das Buch vor allem tiefe Sehnsucht nach Müdigkeit und Beständigkeit, viel Spannungs-, Relevanz- und Veränderungs-Ennui: "Wenn mir heute Freunde aus Heidelberg oder Krefeld sagen, sie hätten lange gebraucht, sich daran zu gewöhnen, daß Raider nicht mehr Raider, sondern irgendwann Twix hieß, und wie sehr sie es liebten, in den Ferien für ein paar Tage nach Hause zu fahren, weil man es da zwar nicht lange aushalte, aber alles noch so schön wie früher und an seinem Platz sei, dann beneide ich sie ein bißchen." Beschrieben wird ein Blick zurück im Ekel, der eines Rekonvaleszenten auf seine Krankheitsgeschichte. Eine Emanzipation von der eigenen Herkunft bis hinein in die Terminologie, bis in die Zeitangaben, die "samstags" und "viertel nach fünf" eher auf das Einverständnis von West- als von Ostdeutschen hoffen.

Ostdeutsche, das sind Verlierer: "Jürgen Sparwasser war eine Lüge" ist der mit Abstand hübscheste Satz des Buches. Franziska van Almsick hingegen ist eine Gewinnerin, sie führt die Generation der Zonenkinder in den Erfolg und in den Westen: Da wo es vorher nur Leitbilder gab, die verlacht wurden, müssen jetzt role models her. In seinen wesentlichen Teilen handelt das Buch von der Pein der frühen Bilder: wie es kam, daß man sich selbst genauso peinlich war wie den westdeutschen Brüdern und Schwestern. Und es handelt davon, wie man das aus der Norm gerückte Selbstbild schließlich wieder einrenkte, indem man es mühsam neu justierte.

In seinen interessantesten Passagen streift es über das spannende Thema von Norm-, Geschmacks-, und Stilbildung: Auf alten Fotos findet sich die Erzählerin verschreckt und "immer unpassend angezogen". Und es braucht Jahre, passend zu machen, was da alles nicht paßt. Wenn westdeutsche Kommilitonen "gedünsteten Fenchel in sahniger Soße, Vollkornbrot und französischen Rotwein" auftischen, prägt sie sich das fremde Gemüse für eigene Einkäufe gut ein. Junge Westdeutsche kommen nach Leipzig und legen in ihrem "kahlen, spartanischen Zimmer" den Stuck frei, der "nach Patina" aussehen muß, während DDR-Wohnungen immer "restlos vollgestellt" waren. Der Westdeutsche findet Außenklos und dicke Milchverkäuferinnen "authenthisch". Er kauft naturbelassenes Obst, die Ostdeutsche Cola in der Dose. Und beide sind verstört.

Die In-und-out-Listen, die da gelernt werden müssen, sind endlos. Und die Erfolge, die sich allmählich einstellen, bringen vor allem eine in der Tat gut beobachtete, beklemmende Entfremdung von den eigenen Eltern: Auf alten Fotos waren sie modisch noch auf der Höhe der Zeit, jetzt sind sie für luxuriöse Geschenke unempfänglich, bleiben lieber pragmatisch und bevorzugen Runtergesetztes aus "hochglänzenden Servicetempeln", die nicht nur "grüne Wiesen", sondern auch alle Kindheitserinnerungen an die Städte überwuchern.

Es wäre nun vielleicht wissenswert, wann diese modische Phasenverschiebung eingesetzt hat. Und warum. Ob diesem störrischen Pragmatismus und diesen gigantischen Service-Landschaften nicht womöglich auch Fingerzeige für die Zukunft des gesamten Landes zu entnehmen wären. Ob die seltsam reziproken Bilder, die sich West und Ost da voneinander machten, nicht sogar auf ein ganzes, bis ins Heute reichendes Gewirr von projektiven Mißverständnissen schließen ließen. Den vielen angetippten Phänomenen und aufgeworfenen Fragen wirklich nachzugehen bleibt dann allerdings keine Zeit, weil das Buch, die Geschichte, die Entwicklung eilig weiterwill.

Und zwar in einem Vereinigungsrausch, der seltsam wörtlich und wie ein Kalauer daherkommt. Die älteren Landsleute - und mit der Strenge eines chinesischen Jahrgangshoroskops heißt das: ausnahmslos alle älteren Ostdeutschen - seien zu konservativ und zu verbohrt für den persönlichen Vollzug der Einheit, während Jana Hensel und die Ihren auf fast jeder Seite fast jedem Westdeutschen mit dem Wort "verlieben" gegenübertreten. Ist es am Ende also sogar eine Popliteratur-Parodie?

"Wir wollen immer artig sein", "Ich such' die DDR, und keiner weiß, wo sie ist" sowie "Ata, Fit, Spee, RFT, Boxerjeans, auf die ich steh'" - diese zentralen Themenbereiche sprächen für eine entsprechende Haltung zu den Dingen. Daß sie sich mit drei Punksongs aus den Wendejahren schon relativ bündig zusammenfassen lassen, spricht hingegen nicht für allzuviel gedankliche Frische. Zudem kann man die altkluge Sprache, den ungelenken Duktus beim besten Willen nicht amüsant nennen - und das deutet wiederum auf die schreckliche Wahrheit hin: daß es sich um den hektisch zusammengeschriebenen Anführer der Sachbuchliste eines Verlages handelt, der rechtzeitig zur DDR-Erinnerungswelle auf dem Markt sein wollte. Was als subjektive Prosa noch durchgehen könnte, ist als Sachbuch mit dem Anspruch, Licht auf eine durch ein gemeinsames Schlüsselerlebnis tatsächlich definierbare Generation zu werfen, eine inhaltliche Fehlleistung. Jana Hensel hat ein Buch über sich selbst geschrieben, das "Zonenkinder" heißt und jetzt den Platz versperrt für das Sachbuch, das zu diesem Thema, wenn man es ernst nimmt, dringend noch geschrieben werden müßte.

Jana Hensel: "Zonenkinder". Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2002. 172 S., Abb., geb., 14,90 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

Jana Hensel gehört zur Generation der "Zonenkinder", stellt uns Jan Brandt die Verfasserin des gleichnamigen Essay-Bandes vor, deren Kindheit mit dem Mauerfall im Jahr 1989 schlagartig zu Ende ging. Die Jahre danach werden als Periode der kulturellen Anpassung von Ost an West erlebt, wobei sich laut Brandt die Nachwendezeit in zwei Phasen unterteilen lässt. Zunächst habe die absolute Westorientierung geherrscht, die alles DDR-Spezifische geschluckt habe; erst ab Mitte der 90er Jahre entdeckte man den einst als "graue Wirklichkeit" erlebten DDR-Alltag auch als Thema, als biografische Besonderheit. Brandt nimmt an, dass deshalb in den vergangenen Jahren so viele Lesebühnen in Ostberlin aus dem Boden geschossen sind. Zu den literarischen "Zonenkinder" zählt Brandt die Autoren Jakob Hein, André Kubiczek, Antje Rávic Strubel, Julia Schoch und Jochen Schmidt. Bei Hensel, resümiert Brandt, flössen "die wichtigsten Topoi ostdeutscher Selbstbeschreibungstexte der letzten Jahre" zusammen, in einer fast idealtypischen Beschreibung einer DDR-Kindheit, deren Verlust Hensel hinterherspürt und auch hinterhertrauert - darin Florian Illies' "Generation Golf" gar nicht so unähnlich, behauptet der Rezensent. Dennoch, betont er, dürfe man Hensel und ihre Kollegen nicht missverstehen, sie seien durchaus im Hier und Heute angelangt.

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"Jana Hensel hat der ersten gesamtdeutschen Generation schon jetzt ein kleines Denkmal gesetzt - mit sprachlicher Lakonie, Leichtigkeit und einer Transparenz, die leuchtet." -- Der Spiegel

"Eine Kindheit vor dem Verschwinden zu retten und somit das kollektive Gedächtnis der Wendekinder." -- Emma

"Das Buch schafft etwas, was zum Überwinden eines großen Missverständnisses der deutschen Einheit beitragen könnte." -- Angela Merkel