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Weißes Gold - Milton, Giles
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Es ist eine wenig bekannte, dunkle Seite der Geschichte. Europa im 18. Jahrhundert: Piratenschiffe kreuzen vor den Küsten und greifen die zivile Schifffahrt in Atlantik und Mittelmeer an. Zu Hunderten werden ganze Besatzungen von Handelsschiffen gefangen genommen, verschleppt und - als »Weißes Gold« - auf dem Sklavenmarkt nordafrikanischer Städte feilgeboten. Giles Milton erzählt die ergreifende Geschichte des Briten Thomas Pellow, der im Sommer 1716 im Alter von nur elf Jahren in die Fänge von Sklavenhändlern gerät und erst nach 23 leidvollen Jahren wieder frei kommt. Eine wahre Begebenheit,…mehr

Produktbeschreibung
Es ist eine wenig bekannte, dunkle Seite der Geschichte. Europa im 18. Jahrhundert: Piratenschiffe kreuzen vor den Küsten und greifen die zivile Schifffahrt in Atlantik und Mittelmeer an. Zu Hunderten werden ganze Besatzungen von Handelsschiffen gefangen genommen, verschleppt und - als »Weißes Gold« - auf dem Sklavenmarkt nordafrikanischer Städte feilgeboten.
Giles Milton erzählt die ergreifende Geschichte des Briten Thomas Pellow, der im Sommer 1716 im Alter von nur elf Jahren in die Fänge von Sklavenhändlern gerät und erst nach 23 leidvollen Jahren wieder frei kommt. Eine wahre Begebenheit, wie man sie spannender und dramatischer kaum hätte erfinden können! »Weißes Gold« ist Biografie, Abenteuergeschichte und historisches Lesebuch in einem. Es ist eine Geschichte voller Exotik, Pomp und Pracht, aber auch eine Geschichte vom Zusammentreffen des Islams mit dem Christentum, von Not und Unrecht, und vor allem der ungebrochenen Sehnsucht nach Freiheit.
  • Produktdetails
  • Verlag: Theiss
  • Seitenzahl: 286
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 286 S. m. 1 Übers.-Kte.
  • Deutsch
  • Abmessung: 226mm x 175mm x 26mm
  • Gewicht: 522g
  • ISBN-13: 9783806222470
  • ISBN-10: 3806222479
  • Best.Nr.: 27981190
Autorenporträt
Giles Milton ist Journalist und Autor zahlreicher Biographien und historischer Sachbücher.
Rezensionen
Besprechung von 08.04.2010
Post der Verschleppten
Giles Milton erzählt die Versklavung von Europäern

Schätzungsweise mehr als eine Million Europäer wurden zwischen fünfzehnhundertdreißig und siebzehnhundertachtzig von nordafrikanischen Piraten entführt und in den Regionen, die heute Marokko, Tunesien, Algerien und Libyen umfassen, als Sklaven gehalten. Die Verschleppten haben zum Teil Memoiren, Tagebücher und Briefe hinterlassen, mit deren Hilfe sich ihre bewegenden und zuweilen bizarren Lebensgeschichten rekonstruieren lassen. Der Journalist Giles Milton erzählt mit Hilfe solcher Quellen das Schicksal des Briten Thomas Pellow, der im Alter von elf Jahren in die Fänge von Sklavenhändlern geriet, an den Sultan Mulai Ismael in die marokkanische Stadt Meknes verkauft wurde und erst 23 Jahre später wieder die Freiheit erlangte.

Aber nicht Pellow, sondern der "Sklavensultan" Mulai Ismael erweist sich als der interessanteste Charakter im Buch. Milton porträtiert ihn als orientalischen Despoten, dem "Täuschung und Betrug in die Wiege gelegt waren": Ein brutaler, zugleich eigentümlich weltfremder Herrscher, der sich als Dandy gerierte und seine Laune durch die jeweilige Farbe seiner Kleidung zu signalisieren pflegte: "Seine Lieblingsfarbe ist Grün, und diese Farbe ist ein gutes Omen für jene, die an ihn herantreten", zitiert Milton den französischen Pater Busnot. "Wenn er Gelb trägt", wusste Busnot jedoch weiter zu berichten, "dann erzittern alle Männer und meiden sein Gegenwart; denn diese Farbe wählt er, wenn ihm der Sinn nach einer grausamen Hinrichtung steht."

Mulai war ein glühender Anhänger des Islam, und Milton diagnostiziert bei ihm den Wunsch, Marokko auf Augenhöhe zu den europäischen Mächten zu positionieren. Die Versklavung möglichst vieler Weißer war demnach Teil der Strategie, Einfluss gegenüber den "christlichen Reichen" zu gewinnen. Auf diese Weise brachte der Sultan jedoch, so Milton, "jede Nation in Europa" gegen den Islam auf. Leider versäumt er es, diese Behauptung irgendwie zu untermauern. Überhaupt vermeidet der Autor jede Einordnung seiner Geschichte in größere Zusammenhänge; überdies wird die durchaus vorhandene wissenschaftliche Literatur zum Thema geflissentlich ignoriert. Die Historikerin Linda Colley etwa hat die Versklavung vieler Weißer in Nordafrika und im Osmanischen Reich als Hinweis auf die fragile Macht Großbritanniens gedeutet, charakterisiert durch beständige Niederlagen und Rückschläge.

Das Bewusstsein der Versklavten von ihrer britischen Identität war in diesem Zusammenhang mitnichten unumstößlich. Nur wenige, vornehmlich Militärs aus der Oberklasse, behielten während der Gefangenschaft ihre "stiff upper lips" bei. Arme und Frauen erwiesen sich hingegen als kulturelle Chamäleons, die sich ihrer neuen Umgebung anzupassen suchten. Sie wollten und konnten ihre Situation nicht allein durch den Glauben an das Christentum und ihre vermeintliche kulturelle Überlegenheit meistern.

Auch Thomas Pellow konvertierte zum Islam, wurde persönlicher Diener des Sultans und heiratete eine Muslimin. Für die Ambivalenzen seiner Thematik zeigt Milton leider wenig Gespür. "Weißes Gold" ist zuvörderst als eine reißerische Abenteuergeschichte konstruiert, die keine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Phänomen der europäischen Sklaven in der frühen Neuzeit ermöglicht.

ANDREAS ECKERT

Giles Milton: "Weißes Gold". Die außergewöhnliche Geschichte von Thomas Pellow und das Schicksal weißer Sklaven in Afrika. Aus dem Englischen von Stephan Gebauer. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2010. 286 S., geb., 22,90 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Giles Milton hat seine Geschichte über den Briten John Pellow, der als 12-Jähriger an den marokkanischen Sultan Mulai Ismael verkauft wurde, wo er 23 Jahre lang lebte, als "reißerische Abenteuergeschichte" verpackt, meint Andreas Eckert, der das eher ärgerlich findet. In Miltons Buch ist die Figur des Sultans überdies wesentlich plastischer dargestellt, allerdings findet der Afrikanist Eckert keinerlei Belege für die These des Autors, der Sultan habe mit der Versklavung möglichst vieler Weißer "jede Nation in Europa" gegen den Islam aufgebracht. Überhaupt bemängelt er, dass Milton die "durchaus vorhandene" Fachliteratur vernachlässigt und es verabsäumt, das Schicksal Pellows in einen größeren historischen Kontext zu stellen. Zudem entwickele Milton keinerlei "Gespür" für die "Ambivalenzen" seines Themas und gehe einer tieferen Auseinandersetzung mit dem "Phänomen der europäischen Sklaven der frühen Neuzeit" aus dem Weg, beschwert sich Eckert.

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