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In mitreißend-komischen Bildern zeichnet Joachim Zelter - bekannt durch seinen Roman "Schule der Arbeitslosen" - eine grotesk-aufschreckende Vision von Schule und Gesellschaft: zwischen Casting- und Samstagabendshow, zwischen Zirkus, Varieté, Panoptikum. Eine "schöne neue Welt", die in ersten Anzeichen bereits heute schon Wirklichkeit ist.…mehr

Produktbeschreibung
In mitreißend-komischen Bildern zeichnet Joachim Zelter - bekannt durch seinen Roman "Schule der Arbeitslosen" - eine grotesk-aufschreckende Vision von Schule und Gesellschaft: zwischen Casting- und Samstagabendshow, zwischen Zirkus, Varieté, Panoptikum. Eine "schöne neue Welt", die in ersten Anzeichen bereits heute schon Wirklichkeit ist.
  • Produktdetails
  • Verlag: Klöpfer & Meyer Verlag
  • Seitenzahl: 126
  • Erscheinungstermin: 9. Februar 2015
  • Deutsch
  • Abmessung: 193mm x 118mm x 20mm
  • Gewicht: 215g
  • ISBN-13: 9783863514006
  • ISBN-10: 3863514009
  • Artikelnr.: 41927996
Autorenporträt
Zelter, Joachim
Joachim Zelter studierte und lehrte englische Literatur in Tübingen und Yale. Freier Schriftsteller. Autor von Romanen, Erzählungen und Theaterstücken, die an zahlreichen deutschen Bühnen gespielt werden. Ausgezeichnet mit dem Thaddäus-Troll-Preis, der Fördergabe der Internationalen Bodenseekonferenz, dem Bahnwärter-Stipendium der Stadt Esslingen a.N., dem großen Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg sowie mit dem Jahresstipendium des Landes Baden-Württemberg. Seit 2000 erscheinen Joachim Zelters Bücher bei Klöpfer & Meyer, u. a. die Romane »Schule der Arbeitslosen« (2004), »Der Ministerpräsident« (2010), mit dem er für den Deutschen Buchpreis nominiert war, »untertan« (2012) sowie die Literaturnovelle »Einen Blick werfen« (2013). www.joachimzelter.de
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 21.10.2015

Heidelberger Prüfung
Joachim Zelters Bildungsnovelle

Stellen Sie sich vor, Sie müssen morgen zurück in die Schule. Prüfungen stehen an, und Sie sind nicht vorbereitet. Das dürfte in unserer Leistungsgesellschaft der am weitesten verbreitete Albtraum sein. Was Joachim Zelter in seiner listigen, mehrfach hakenschlagenden Novelle "Wiedersehen" mit stilsicherer Hand daraus macht, ist phänomenal: eine lustvolle Dekonstruktion des modernen, mit dem Wettbewerbsgedanken verschmolzenen Wissensverständnisses und der zugehörigen Pädagogik. Das Unterwürfige in der bildungsbürgerlich verklärten Meister-Schüler-Liaison wird ebenso denunziert wie das Autoritäre. Der Meister trägt hier den Namen Korthausen und ist ein unorthodoxer, begeisterungsfähiger, stets auf das Ganze der Persönlichkeit zielender "Ausnahmelehrer" im Stile eines John Keating aus dem "Club der toten Dichter", allerdings herrischer. Der eigentliche Protagonist ist sein ehemaliger Lieblingsschüler Arnold, inzwischen selbst Germanistikprofessor. Zum ersten Wiedersehen reist Arnold voller Dankbarkeit an, aber auch im Bewusstsein, sich des einst in ihn gesetzten Vertrauens als würdig erwiesen zu haben. Zu seiner Überraschung hat Korthausen seinen Hausgästen einen Vortrag des berühmten Professors aus Heidelberg, Harvard, Bologna angekündigt. Die Erwartungshaltung, das kennt man von Kleists Dornauszieher, zerstört alle Anmut: Was dem Schüler unbewusst mühelos gelang, entgleitet dem arrivierten Gelehrten. Arnold kämpft um die Musterschülerehre und damit ums Ganze. Doch die Befleckung ist da, breitet sich aus, ein Blackout, der sich zum schwarzen Loch weitet und alle Begabung verschluckt. Bei den leichtesten Aufgaben patzt der Prüfling. Die völlige Vernichtung der Person steht im Raum, ein ähnlich brutaler Zusammenbruch wie in Thomas Manns sadistischer Erzählung "Luischen". Doch Zelter ist noch nicht am Ende seiner Pointen.

oju.

Joachim Zelter: "Wiedersehen". Novelle.

Klöpfer & Meyer Verlag, Tübingen 2015.

128 S., geb., 18,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 13.07.2015

Eitler Abgott
früher Jahre
Joachim Zelter macht aus einem
Wiedersehen einen Albtraum
Wenn es das Leben freundlich meint mit seinen Protagonisten, schickt es im rechten Moment einen guten Geist, der etwas in ihnen zum Vorschein bringt, das sie selber kaum in sich vermutet hätten. Ein solcher Mentor vermag einem die schönsten Flausen in den Kopf zu setzen; im besten Falle prescht man irgendwann mutig alleine weiter voran, blickt sich manchmal noch mit Dankbarkeit um, entweicht aber mit jedem Schritt dem langen Schatten des Förderers. Will man aber viel später das schöne Vergangene noch einmal heraufbeschwören, landet man oft in einer Farce: Eben das geschieht in Joachim Zelters charmanter, pointierter Novelle „Wiedersehen“, die von einem außergewöhnlichen Lehrer-Schüler-Verhältnis erzählt.
  Torsten Korthausen und Arnold Litten betrachten einander „als Meilensteine ihres Lebens“. Als der Deutschlehrer Korthausen seinerzeit aus dem hohen Norden an Arnolds süddeutsches Gymnasium kam, erweckte er eine leicht stumpfsinnige Schülergeneration aus dem Schlaf der Unbedarften: Seine Unterrichtsmethoden widersprechen allen Vorgaben des Oberschulamtes; seinen Esprit muss das Lehrerkollegium als Affront auffassen, als Angriff auf die Mittelmäßigkeit sonstiger pädagogischer Bemühungen. Jede Stunde „ein Paukenschlag, ein Überraschungscoup, eine Neuerfindung“. Der junge Arnold, von diesem Enthusiasmus mitgerissen, wird zum Lieblingsschüler Korthausens. So etwas prägt: Arnold verlässt die Schule im Bewusstsein, seinem Lehrer nun beweisen zu müssen, dass dessen Hoffnungen vollauf berechtigt waren.
  Und tatsächlich wird Arnold Litten zum akademischen Überflieger. Er erwirbt Titel und Meriten, gilt als ausgewiesener Kafka-Kenner, brilliert aber auch auf allen möglichen anderen Gebieten seines Fachs. Der Schatten des Lehrers schwebt als Spiritus Rector über dieser Karriere, und daher rührt Littens Scheu, leibhaftig mit ihm in Kontakt zu bleiben. Arnold Litten schwärmt von seinem einstigen Lehrer wie andere von einer großen, nie mehr erreichbaren ersten Liebe. Und natürlich ist die Aufregung groß, als es nach Jahrzehnten doch zu einem Wiedersehen kommen soll. Korthausen lädt seinen ehemaligen Vorzeigeschüler zu sich ein: Litten soll der von Korthausen großzügig einberufenen Abendgesellschaft als sein Meisterwerk präsentiert werden.
  Die Begegnung wird zu einem veritablen Fiasko. Der mit überbordendem Stolz und Renommiergehabe angekündigte Universitätsstar versagt auf ganzer Linie. Unbeholfen und ungeschickt stolpert er durch die Party; beim Vortrag, den er spontan halten soll, verhaspelt er sich unrettbar. So wird Litten zum bemitleidenswerten Zögling, der vor seiner anspruchsvollsten Prüfung steht – und durchfällt. Ein ziemlicher Albtraum. Sigmund Freud beschrieb so etwas vor mehr als 100 Jahren. Der Maturatraum komme nur bei Menschen vor, die diese Prüfung bestanden hätten, nie bei solchen, die an ihr gescheitert seien. Der Traum wirke als Trost, denn die Angst vorm Scheitern erwies sich ja in Wahrheit als unnötig.
  Zugleich aber versteckt sich im Traumgeschehen auch ein Vorwurf: So weit ist man also gekommen, ist etwa gefeierter Professor geworden, und sorgt sich lächerlicherweise noch immer um sein Ansehen. Versagensfurcht, Impotenzängste – das ganze Programm. Litten ist nicht frei davon; überhaupt ist er ganz und gar nicht frei, und dass er nicht nur vor Korthausen, sondern auch vor seiner Freundin, die mit ihm auf die Reise zum ehemaligen Lehrer geht, bestehen will, macht die Sache psychologisch nicht unbedingt einfacher.
  Das Personal, das Zelter in seiner Novelle aufbietet, um Litten auf Pennälergröße zu stutzen, hat großes satirisches Potenzial, das der Autor geschickt und treffsicher auszuspielen versteht. Man könnte einem solchen Ensemble bei jedem Klassentreffen begegnen: der etwas tumben Kunstlehrerin, dem skurril-weltfremden Lateinlehrer, dem ehemaligen Schachgenie, das vom Leben mattgesetzt wurde und nur noch als Bauernopfer dient. Korthausen selbst entpuppt sich als eine selbstverliebte Knallcharge, deren Eitelkeit weit ausgeprägter ist als seine Begabung. Dass er trotzdem bewundert wird, hat seinen Grund vor allem in der Durchschnittlichkeit der von ihm geladenen Claqueure.
  Zelter, dessen Bücher von ihrem humoristisch-ironischen Ton leben, überzeichnet seine Figuren so gnadenlos und zugleich, als würde ein Karikaturist lediglich einen ganz groben Bleistift zur Verfügung haben, dabei aber durchaus seinen eleganten Stil bewahren wollen – das ist intendiert und ergibt einen schönen befremdlichen Effekt. Mit dem letzten Satz erkennen wir allerdings ein bisschen zu deutlich, warum das so ist: Litten erwacht tatsächlich aus einem Albtraum.
  Was ihm und uns das sagen will? Zuweilen sollte man die Konfrontation mit den Idolen der Vergangenheit scheuen und sich lieber das Bild bewahren, das man einmal in jugendlicher Naivität von ihnen angefertigt hat. Oder besser noch: sie zum Teufel jagen.
ULRICH RÜDENAUER
  
Joachim Zelter: Wiedersehen. Novelle. Verlag Klöpfer & Meyer. Tübingen 2015. 130 Seiten. 18 Euro. E-Book 13,99 Euro.
Das ehemalige Schachgenie
wurde vom Leben mattgesetzt und
taugt nur noch zum Bauernopfer
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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"Beweist einmal mehr Originalität und sprachliche Finesse."
Haller Tagblatt

"Die Schulzeit in virtuoser Sprache."
Ludwigsburger Zeitung

"Zelter lässt die Wörter tanzen."
Reutlinger General-Anzeiger

"Nachdem Joachim Zelter 2010 mit 'Der Ministerpräsident' gekonnt den Politikbetrieb und drei Jahre später die Literaturszene ('Einen Blick werfen') sezierte und persiflisierte, zielt er mit dem schelmisch-harmlosen Titel 'Wiedersehen' nun auf das institutionalisierte Bildungsbürgertum. Damit ist der Autor nun endgültig aufgebrochen, eine satirisch grundierte Kulturgeshichte der aktuellen Bundesrepublik zu verfassen."
begleitschreiben.de

"Kurz, klassisch, hoch amüsant. (...) Die Gesellschaftskomödie 'Wiedersehen' liest sich, als hätten sich Yasmin Reza, Thomas Bernhard und Loriot zusammengetan, streckenweise eine Satire, die wieder virtuos mit Zelters liebstem Kind, dem Hochstaplermotiv spielt."
Schwäbisches Tagblatt