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Franz Schubert (1797 - 1828) ist zu Lebzeiten kaum einmal über Wien hinausgekommen, doch seine Musik hat die Welt erobert - freilich erst nach seinem viel zu frühen Tod. Dieser mutet umso tragischer an, als sein reiches musikalisches Erbe - Messen, Sinfonien, Klaviermusik, Streichquartette und nicht zuletzt seine Lieder - zum Schönsten gehört, was Komponisten der Romantik je geschaffen haben. Hans-Joachim Hinrichsen erhellt in seiner Biographie einfühlsam wichtige Züge der Persönlichkeit Franz Schuberts und bietet eine kompetente Einführung in dessen Werk.…mehr

Produktbeschreibung
Franz Schubert (1797 - 1828) ist zu Lebzeiten kaum einmal über Wien hinausgekommen, doch seine Musik hat die Welt erobert - freilich erst nach seinem viel zu frühen Tod. Dieser mutet umso tragischer an, als sein reiches musikalisches Erbe - Messen, Sinfonien, Klaviermusik, Streichquartette und nicht zuletzt seine Lieder - zum Schönsten gehört, was Komponisten der Romantik je geschaffen haben. Hans-Joachim Hinrichsen erhellt in seiner Biographie einfühlsam wichtige Züge der Persönlichkeit Franz Schuberts und bietet eine kompetente Einführung in dessen Werk.
  • Produktdetails
  • C.H. Beck Wissen .2725
  • Verlag: Beck
  • 3. Aufl.
  • Seitenzahl: 128
  • Erscheinungstermin: 31. Dezember 2019
  • Deutsch
  • Abmessung: 180mm x 118mm x 12mm
  • Gewicht: 119g
  • ISBN-13: 9783406740879
  • ISBN-10: 3406740871
  • Artikelnr.: 55286227
Autorenporträt
Hans-Joachim Hinrichsen lehrte von 1999 bis 2018 als Professor für Musikwissenschat an der Universität Zürich; 1994 wurde er mit dem Grand Prix Franz Schubert des Internationalen Franz-Schubert-Instituts Wien ausgezeichnet.
Inhaltsangabe
Vorwort 1. Schuberts Wien 2. Erste Versuche und frühe Meisterschaft 3. Krise, Durchbruch, Selbstbestimmung 4. Unglückliche Liebe: das Musiktheater 5. Komponieren für die Öffentlichkeit 6. Spätwerk in jungen Jahren 7. Epilog: Die Schubert-Rezeption Anhang Literaturhinweise Personenregister

Vorwort

1. Schuberts Wien

2. Erste Versuche und
frühe Meisterschaft

3. Krise, Durchbruch, Selbstbestimmung

4. Unglückliche Liebe: das Musiktheater

5. Komponieren für
die Öffentlichkeit

6. Spätwerk in jungen
Jahren

7. Epilog: Die
Schubert-Rezeption

Anhang

Literaturhinweise

Personenregister
Rezensionen
Besprechung von 06.09.2011
Ich bin für nichts als das Komponieren auf die Welt gekommen

Über Franz Schubert gab es bislang keine überzeugende Gesamtdarstellung. Nun ist dem Musikwissenschaftler Hans-Joachim Hinrichsen der große Wurf gelungen.

Schreiben Sie doch ein Buch über Schubert!" Georg Kreislers spöttische Zeile aus seinem Song über den unmusikalischen Apotheker, der nichts als Platituden über den Komponisten zusammenschreibt und damit in Wien glänzend reüssiert, hat bis heute kaum an Biss verloren. Im Gegensatz zu anderen Vertretern des musikalischen Kanons wie Mozart oder Beethoven hat die Musikwissenschaft für Schubert bisher keine auch nur annähernd überzeugende musikhistorische oder biographische Gesamtdarstellung hervorgebracht.

Als der österreichische Musikwissenschaftler Otto Erich Deutsch am Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts die Quellen zu Schuberts Leben sowie die Erinnerungen seiner Freunde zusammentrug und das erste, nach wie vor gültige Werkverzeichnis erstellte, legte er zwar den Grundstein für alle weiteren historischen oder biographischen Versuche, scheute aber selbst davor zurück. Zu sehr war das Bild des Komponisten bereits von sentimental-verklärenden Klischees vom gemütlichen "Schwammerl" geprägt, in dem Operette, Heimatroman und bald auch der Film ein passendes Identifikationsobjekt für das kleinbürgerliche österreichische Genie fanden. Im unerschütterlichen Glauben an den Quellenpositivismus als Gegengift des Gelehrten wollte Deutsch nur die überlieferten Texte selbst sprechen lassen, stellte damit aber einen Fundus bereit, aus dem sich zahlreiche Biographen mit immer kurioseren Interpretationen bedienen konnten. Zur Hochzeit der Psychoanalyse erhielt Schubert so seinen Ödipuskomplex, marxistische Deutungen stilisierten ihn zum heimlichen Aufrührer gegen Metternich, neuere amerikanische Musikologen rückten ihn schließlich ins Zentrum einer homosexuellen Subkultur.

Nun ist, gut ein Jahrhundert nach den ersten Ansätzen zu einer seriöseren Schubert-Forschung, dem in Zürich lehrenden Berliner Musikwissenschaftler Hans-Joachim Hinrichsen der große Wurf gelungen. Dies ist umso beeindruckender, als er sich in der kleinen Form vollzieht, auf knapp hundertdreißig Seiten, unter Aussparung der üblichen Insignien musikwissenschaftlicher Fachpublikationen, zu denen neben einem Fußnotenapparat auch Abbildungen und Notenbeispiele gehören. In sachlichem, aber niemals trockenem Ton zieht der Band nicht nur die Summe der neueren Forschungsarbeiten über Schubert und sein Umfeld, zu denen der Autor selbst in den letzten zwanzig Jahren maßgeblich beigetragen hat (insbesondere mit einer radikalen Neubewertung der Entwicklung der Schubertschen Sonatenform). Er bietet auch neue erhellende Interpretationen seiner Musik und seiner singulären Rolle als einer der ersten freischaffenden Komponisten.

Im Gegensatz zu hermeneutischen Ansätzen, die mit der Populärbiographik wetteifern und Lücken in der Dokumentation von Schuberts Leben gerne mit biographischen Lesarten des Liedwerks auffüllen, schlägt Hinrichsen konsequent einen anderen Weg ein: Er führt auf überzeugende Weise formanalytische und kultursoziologische Perspektiven zusammen. So wird Schuberts erstaunliche Produktivität und Eigenart erst vor dem Hintergrund ihrer sozialen Begrenztheit greifbar, nicht jedoch im landläufigen Sinne ihres bodenständigen Kolorits.

Gemeint ist hier das lokale Netzwerk aus Freunden und Sängern, aus dem der Komponist in Ermangelung einer tragfähigen Adelspatronage früh und selbstbewusst sein Selbstverständnis als freischaffender "Tonsetzer" gewann. Unter dieser Berufsbezeichnung wurde Schubert 1826 in Johann Pezzls Beschreibung von Wien aufgeführt. Auch der berühmte (allerdings apokryphe) Ausspruch des jungen Komponisten: "Mich soll der Staat erhalten, ich bin für nichts als das Komponieren auf die Welt gekommen!", wird folgerichtig als Zeugnis für das klare Selbstverständnis des jungen Komponisten gelesen.

Ohne viel Federlesens räumt Hinrichsen mit zahlreichen Klischees auf, wie der Vorstellung vom verarmten weltfremden Genie, indem er Schuberts selbstsicheres Auftreten gegenüber Verlegern sowie die steigenden Einnahmen aus den letzten Lebensjahren eindrucksvoll belegt. Auch hinsichtlich der in der neueren Schubert-Forschung immer wieder ins Gespräch gebrachten "Jahre der Krise", die in den Jahren 1818 bis 1823 eine Stilwende im Schaffen des Komponisten herbeigeführt hätten, differenziert er das Bild. Die Krise betraf allenfalls die große sinfonische Form und die Oper, nicht jedoch das Lied oder die Sonatenform, ein Feld, auf dem sich Schubert vielmehr als radikaler Experimentator erweist.

Hinrichsen diskutiert das Ringen um Oper und Sinfonie nicht nur in ästhetischen, sondern auch in soziologischen Kategorien: nämlich als Versuch, den lokalen Kontext des Freundeskreises zu überschreiten und über öffentliche Konzerte ein zahlendes Publikum zu erreichen. So ist es von 1824 an die Wende zur Konzertsaalmusik, die den Rahmen häuslichen Musizierens überschreitet, die den eigentlich entscheidenden Einschnitt in Schuberts Produktion darstellt. Zwar scheitern alle Versuche mit der großen Oper, ein Umstand, den Hinrichsen nicht pauschal auf die "Krise der deutschen Oper" zurückführt. Er präzisiert ihn vielmehr im Hinblick auf die spezielle Situation des Wiener Musiktheaters, ohne dabei die dramaturgischen und ästhetischen Schwächen des Schubertschen Opernschaffens zu beschönigen.

Auf dem Gebiet der Sinfonik jedoch gelingt dem Komponisten, was ihm im Bereich der Oper versagt blieb: Mit seiner letzten vollendeten großen C-Dur-Sinfonie tritt gattungsgeschichtlich eine gänzlich neue Methode der musikalischen Zeitorganisation auf den Plan, die nicht mehr dramatisch, sondern "episch" verfährt.

Als die besondere Tragik Schuberts erscheint somit etwas ganz anderes als die im Kitschroman beschworene unglückliche Liebe zur unerreichbaren Komtesse Esterházy: nämlich dass die Bedeutung seiner Instrumentalmusik durch den Nachruhm Beethovens ins Abseits geriet und vorerst (wie die berühmte "Unvollendete") als mit einem heimlichen biographischen Programm ausgestattet missverstanden wurde.

Seine Kompositionen seien "durch den Verstand für Musik und durch seinen Schmerz vorhanden", soll Schubert 1824 in einem Notizbuch festgehalten haben. Nachdem mehrere Generationen seine Musik vorwiegend auf ihren emotionalen und expressiven Gehalt hin nachgefühlt haben, ist es das große Verdienst dieser kompakten und sehr gut lesbaren Darstellung, die Organisation von Schuberts kompositorischer Intelligenz sowohl in ihrer biographischen Entwicklung als auch in ihrer musikhistorischen Singularität neu zu erschließen.

ANDREAS MAYER

Hans-Joachim Hinrichsen: "Franz Schubert".

Verlag C.H. Beck, München 2011. 128 S., Zwei Karten, br., 8,95 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Besprechung von 07.10.2011
Entfesseltes
Musikgenie
Das Wien der deprimierenden Restaurationsepoche, darin ein Leben ohne große äußere Ereignisse, aber angefüllt mit dem Denken und Fühlen in Musik von größter Ereignisdichte – die Existenz und das Werk des Komponisten Schubert werden in der meisterlichen Beck-Monographie des Musikwissenschaftlers Hans-Joachim Hinrichsen tiefgreifend präsent, übrigens in gut lesbarer Sprache. Der Autor blickt hinter den „Schleier aus Klischees und Banalitäten“ des lange Zeit nur sentimentalen („Schwammerl“-)Schubert-Bilds. Zum Vorschein kommt die Substanz eines entfesselt produktiven, eines unglücklich-glücklichen Musikgenies: Symphonie, Lied, Sonate, Kammermusik, Oper, die „Fülle der Fragmente“ und die Schubert-Rezeption, Krisen und stolze Selbstgewissheit des jung Sterbenden – alles fließt in Musikströme eines unfassbar breiten, tiefen Werks ein.
 Wolfgang Schreiber
Hans-Joachim Hinrichsen: Franz Schubert. Beck-Wissen. Beck-Verlag, München, 2011. 128 S., 8,95 Euro.
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Knappes, gutes Buch, das freut das Rezensentenherz. Noch dazu gelingt es Hans-Joachim Hinnrichsen laut Andreas Mayer, mit seiner Schubert-Monografie eine seit Otto Erich Deutsch schmerzhaft klaffende Lücke zu schließen. Ein großer Wurf auf nur 130 Seiten! Möglich auch dadurch, dass der Autor auf das übliche "biografische Hören" verzichtet und stattdessen sachlich den formanalytischen und den kultursoziologischen Ansatz zusammenführt. Heraus kommen Erkenntnisse über Schubert als raffiniertem freischaffenden Networker (von wegen armes Genie!), der mit den Formen der Oper und der Sinfonie ringt, sowie Einsichten in die Situation des Wiener Musiktheaters seiner Zeit. Für Mayer ist das mehr als alle Suche nach expressiven Gehalten in Schuberts Musik je leisten konnte.

© Perlentaucher Medien GmbH