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Freunde und Verehrer des Dichters sagen, Max Gold habe die Bildlegende zur Kunstform erhoben. Ist das die reine Wahrheit oder nur holes Promotionsgeklingel? Anhand von Max Golds erstem Bilderbuch läßt sich diese Frage einigermaßen leicht beantworten. Man gebe dem Mann zumindest eine Chance!

Produktbeschreibung
Freunde und Verehrer des Dichters sagen, Max Gold habe die Bildlegende zur Kunstform erhoben. Ist das die reine Wahrheit oder nur holes Promotionsgeklingel? Anhand von Max Golds erstem Bilderbuch läßt sich diese Frage einigermaßen leicht beantworten. Man gebe dem Mann zumindest eine Chance!
  • Produktdetails
  • Verlag: Rowohlt, Berlin
  • 2. Aufl.
  • Erscheinungstermin: 17. September 2010
  • Deutsch
  • Abmessung: 276mm x 202mm x 17mm
  • Gewicht: 612g
  • ISBN-13: 9783871346958
  • ISBN-10: 3871346950
  • Artikelnr.: 29822663
Autorenporträt
Der Schriftsteller Daniel Kehlmann nennt ihn den "Seitlich-Vorbei-Geher" und bezieht sich dabei auf den Buchtitel "Vom Zauber des seitlich dran Vorbeigehens" (2005) von Max Goldt. Bei diesem Autor gebe es keine oberflächlichen Scherze, so Kehlmann, vielmehr sei es die Sprache, aus deren Tiefe die Komik aufsteige. Max Goldts Prosa sei klug, klar, unaufdringlich moralisch und "das Witzigste, was die deutsche Literatur zu bieten hat".Der Schriftsteller und Musiker Max Goldt (eigentlich: Matthias Ernst) wurde 1958 in Weende, heute ein Stadtteil von Göttingen, geboren. Bereits 1977 zog er nach West-Berlin, wo er eine Ausbildung als Fotograf aufnahm, diese aber abbrach und sich zunächst der Musik zuwendete. Zusammen mit Gerd Pasemann gründete er das Duo Foyer des Arts, für das er die Texte schrieb und sang und das teilweise der Neuen Deutschen Welle zugeordnet wurde, wogegen Goldt sich immer verwehrt hat.In der unabhängigen Berliner Zeitschrift Ich und mein Staubsauger veröffentlichte er erstmals humorvolle Kolumnen. Einem breiten Publikum bekannt wurde er als Autor einer regelmäßigen Kolumne für die Satirezeitschrift Titanic in den 1990er-Jahren, deren Titel wechselten und die "Aus Onkel Max' Kulturtagebuch", "Diese Kolumne hat vorübergehend keinen Namen", "Manfred Meyer berichtet aus Stuttgart" und "Informationen für Erwachsene" lauteten. Seit dem Jahr 2005 ist Goldt nach einer Unterbrechung wieder als Autor für die Titanic tätig.Auf seine erste Prosasammlung "Mein äußerst schwer erziehbarer schwuler Schwager aus der Schweiz" (1984) folgten über die vergangenen Jahrzehnte viele weitere, äußerst erfolgreiche Textsammlungen seiner Prosa in Buchform mit Kolumnen, Fotos, Liedtexten, Dialogen und Tagebucheinträgen. Die Fangemeinde von Goldt wuchs stetig. Von seinen Lesern wird er für seinen besonderen Wortwitz und die sprachliche Eleganz seiner Texte sowie seine Kunst des Abschweifens verehrt. Manche bezeichnen ihn als aufmerksamen Flaneur, andere als genauen Beobachter eines oft absurden Alltags oder als Wortästheten, der sich gerne der deutschen Sprachpraxis widmet. Auffallend ist die besondere Freude des Autors an der Disparität und an sprachlichen Volten, wie schon die außergewöhnlichen Titel seiner Bücher und auch Lieder zeigen. Max Goldts Texte sind häufig ironisch, wobei er aber auch immer wieder die Ironie ironisiert - entweder aus Freude oder als Parodie auf das Echauffieren.Seit 1996 arbeitet Goldt als Comictexter mit dem Zeichner Stephan Katz zusammen, deren gemeinsame Comicstrips unter dem Namen "Katz & Goldt" beispielsweise in der Titanic, dem Zeit-Magazin und dem Magazin Intro, aber auch in Buchform veröffentlicht werden. Im Jahr 2008 erhielt Goldt auf den Vorschlag von Daniel Kehlmann den Kleist-Preis. Er lebt heute in Berlin und geht immer wieder auf Vortragsreisen, auf denen er gerne noch in Arbeit befindliche Texte seinem Publikum präsentiert.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 29.12.2010

Zauber des seitlich dran Vorbeigehens
Max Goldt liest im Frankfurter Mousonturm

Eigentlich ist es genau wie jedes Jahr. Schließlich kommt Max Goldt in schöner Regelmäßigkeit zur traditionellen Weihnachts- oder auch wie jetzt zur "Post-Weihnachtslesung" in den Frankfurter Mousonturm, hat wie stets ein neues Buch dabei und liest halt so Geschichten vor. Oder was man so Geschichten nennt und sei es aus Verlegenheit. Denn Goldts Texte sind alles andere als klassische Kurzprosa, Shortstorys oder Novellen. Sie fangen einfach so an, sagen wir mit Helmut Schmidt, führen über die verblüffende "DDR-Ähnlichkeit" amerikanischer Absteigen und das Privatfernsehen zu Helmut Kohl und in ein echtes Rock-'n'-Roll-Hotel nur, um mit einer einigermaßen verkorksten Pointe bei dem verstorbenen Tierfilmer Heinz Sielmann, den eigenen Füßen und dem Kätzchen des Elektrogitarristen im Zimmer nebenan zu landen.

Voilà, eine "relativ bestrickende kleine Geschichte". Und der Auftakt zu einer Lesung, die selbst jene zahlreichen Fans im Publikum, die alle seine Bücher, Platten, Comics kennen und wie der Autor selbst Jahr für Jahr zur Weihnachtszeit im Mousonturm sich einfinden, vermutlich immer wieder überrascht. Und andere, die in der Pause ihre jeweiligen Lieblingstexte memorieren, womöglich fast ein wenig traurig macht. Denn nicht nur, dass Goldt seit "Mein äußerst schwer erziehbarer schwuler Schwager aus der Schweiz" über "Die Radiotrinkerin" und "Die Krapfen auf dem Sims" bis zur aktuellen "Gattin aus Holzabfällen" Buch um Buch "Für Nächte am offenen Fenster" publiziert, wie ein weiterer Titel lautet.

Er schreibt auch ältere Texte wie "Auch Tote dürfen meine Füße filmen" (aus "Ä") schon mal derart radikal um, dass wenig mehr bleibt als die titelgebende Passage. Dabei resultiert Goldts Komik nicht aus der Schilderung lustiger Begebenheiten, Absurditäten oder der Konstruktion witziger Pointen. Im Grunde ist genau das Gegenteil der Fall. Das gilt selbst für die "Mit Text versehenen Bilder" aus der "Gattin", deren meist gänzlich banale Bildvorlagen - gefundene Fotos, Werbeplakate oder Zeichnungen - man nun im Mousonturm nicht einmal sehen konnte, sondern sich nach der Beschreibung des Autors ganz einfach selbst ausmalte. Das mag ungewöhnlich für ein Bilderbuch erscheinen, wenigstens gewagt für eine öffentliche Lesung und zeigt doch nur, was Goldts Komik immer schon im Innersten zusammenhält.

Denn erst der Text, die Sprache und die mit ihren Mitteln evozierten Bilder zeigen hinter den austauschbaren Fotos eine Welt. Und mit einem Mal funkelt vor dem Auge des Betrachters beides seltsam komisch. Was freilich für die "Gattin" gilt, gilt für Goldts bilderlose Prosa gleichermaßen. Wenn er etwa in "Das süße Nichts oder Ich weiß noch, über was wir gestern geredet haben" die Gesprächsthemen einer weinseligen Nacht im Wortlaut rekonstruiert - von der merkwürdig zunehmenden Größe von Pfeffermühlen in Privathaushalten über Loriot und die "auf möglichst große Trommeln" schlagende Dummheit junger Studenten bis zu Fragen der mittlerweile als "Lingerie" veredelten Unterwäsche für den nicht mehr ganz so jungen Mann -, dann ist das im Grunde eher banal.

Und in etwa so belanglos, wie es die eigenen Erinnerungen an dergleichen alkoholselige Gesprächsabende unter Freunden sind. Nur ungleich präziser. Doch in Goldts stilistisch einfach großartiger Verbindung von Beiläufigem, Klugem und Spekulativem, einer dezenten, nie aufdringlichen kulturkritischen Haltung und keineswegs zuletzt in all den gezielt gesetzten "blöden Ausdrücken in einem Ozean von Gescheitheit" offenbart sich noch stets ein Verhältnis zur Welt und zu den Dingen, wie man es programmatisch einem weiteren seiner wunderbaren Titel zu entnehmen geneigt ist: "Vom Zauber des seitlich dran Vorbeigehens". In Goldts Texten kann man ihn spüren. Als komisch erweist sich die Welt dann schon von ganz allein.

CHRISTOPH SCHÜTTE

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Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 02.02.2011

Für sich betrachtet völlig witzlos
Wie man die Bildlegende zum Kurzessay nobilitiert: Max Goldts gesammelte Texte zu Fotofunden in einem Band
„Freunde und Verehrer des Dichters behaupten, Max Goldt habe die Bildlegende zur Kunstform erhoben.“ So steht es auf der Rückseite von „Gattin aus Holzabfällen“, dem neuen Buch des Essayisten und Kleist-Preisträgers Goldt, und dieses Lob ist durchaus gerecht, wenn es auch in die Irre führt. Die Bildlegende, das ist jener Text, der unter einem abgedruckten Foto zu finden ist.
Das, was man findet, wenn man „Gattin aus Holzabfällen“ aufschlägt, hat damit jedoch so gut wie nichts zu tun. Auch Goldts Buch enthält zwar, wie im Untertitel versprochen, „Mit Text versehene Bilder“: eine Auswahl von Bild-Text-Kombinationen, die in den vergangenen Jahren in seiner Titanic-Kolumne erschienen sind. Doch der zum Bild gehörige Text verletzt wohl jede nur denkbare Regel, die sich für eine Bildlegende aufstellen ließe: „Einer der edelsten Gründe, keine Katze zu haben, ist der Ekel vor Katzenfutter. Aber warum guckt dieser Vogel so böse? Vögel halten doch sowieso keine Katzen. Eigentlich sollte der Vogel also etwas weniger griesgrämig dreinschauen.“
Wenn es etwas gibt, das von Goldts bildbezogener Kurzprosa in den Stand der Kunst erhoben wird, dann ist das nicht die Bildlegende im engeren Sinne, sondern ein Format der komischen Unterhaltung, das sich vor allem im Internet fest etabliert hat. Abfotografierte Hinweisschilder, Werbeplakate, Hausfluraushänge, fotografische Beobachtungen, die mit dem unscharfen Wörtchen „skurril“ etikettiert und, um die Pointe der Trouvaille noch einmal zu unterstreichen, mit einen kurzen Begleittext versehen werden.
Nach diesem Prinzip funktioniert auch „Gattin aus Holzabfällen“, wenn Goldt bei Betrachtung einer Sauna-Club-Werbung am Hauptbahnhof von Hannover vorschlägt, die Stadt solle sich doch einfach mal überlegen, den Sauna-Club-Claim „Spooning and snogging is entirely standard here“ als Stadtmarketing-Werbeslogan zu übernehmen. Dass Goldt aber über diese gelegentliche Formattreue hinaus tatsächlich die Nobilitierung des lustigen Fotofundstücks mit Kommentar gelingt, hat damit zu tun, dass auch dieser Vergleich seine Schieflage hat: Die meisten der abgedruckten Aufnahmen gingen gar nicht als Fundstücke im Sinne des Formats durch, weil sie nicht lustig sind.
Für das schlechter bewaffnete Auge erschöpft sich die Fundstück-Skurrilität in ihrer Unzeitgemäßheit, den Frisuren und Kleidern der Abgebildeten, ihrem etwas biederen Flohmarktcharme. Dort, so schreibt der Verlag, habe der Autor viele der Bilder in Kisten aufgestöbert. Auf einem Bild ist eine junge Frau mit Gartenschlauch in der Hand abgebildet, die leicht entrücktschaut, aber auch nicht so entrückt, dass es bereits lustig wäre. Lustig ist erst, wenn Goldt zu diesem Bild notiert: „Warum Frauen in vielen gesellschaftlichen Bereichen noch immer unterrepräsentiert sind? Eine komplexe Frage, die einer differenzierten Analyse bedarf. Unzureichend wäre eine Analyse, deren Resultat lautete, Frauen würden benachteiligt, weil sie immer so triumphierend gucken, während sie unter Beweis stellen, dass sie im Prinzip genausoviel wie Männer zu leisten vermögen.“
Manche Bilder sind für sich betrachtet sogar völlig witzlos: Ein kleiner tragbarer Fernseher ist zu sehen, dessen Antenne in einen Rosenstrauß ragt, ein Detail, das dem normalen Betrachter keiner Erwähnung wert wäre, geschweige denn ein Schmunzeln hervorriefe. „Obwohl sich die Zeile ,Antennen, die in Rosen ragen‘“, schreibt Goldt dazu, „ganz ausgezeichnet zur Melodie von Paul Linckes populärem Klassiker ,Schlösser, die im Monde liegen‘ aus der Operette ,Frau Luna‘ singen ließe, hat das bisher noch nie jemand gemacht.“
Mag das auch nicht der beste Gag aus „Gattin in Holzabfällen“ sein – und Lacher sind dem Autor, wie er gerne betont, ja auch eher suspekt –, wird hier dennoch seinZugriff am deutlichsten. Nicht das Bild oder das Bilddetail, auf das Goldt aufmerksam macht, ist außergewöhnlich, sondern außergewöhnlich ist, dass er ausgerechnet auf dieses aufmerksam macht. Goldts Komik funktioniert auch durch ihre Effizienz: Sie beeindruckt, weil sie aus fast nichts eine Pointe macht. Dazu braucht er nicht mehr als ein paar Rosen und eine Fernsehantenne.
Das gelingt ihm natürlich nur, weil er die große Kunst der Abschweifung so perfekt beherrscht. Er knüpft Verbindungen zwischen Dingen, zu denen anderen nichts einfallen würde, und zwar so, dass der Nonsens auf die eleganteste Art gestreift wird. In einem der seltenen Interviews, die Goldt gegeben hat, merkte er einmal an, dass es das enthemmte Assoziieren, das mancher in seinen längeren essayistischen Texten mittlerweile vermisse, in seinen Comics und Dialogen immer noch gebe. Ebenso, muss man nach Lektüre von „Gattin aus Holzabfällen“ hinzufügen, in seinen Bildunterschriften.
Die Kunst der Abschweifung, der mehr als subtile Witz – für Goldt-Leser ist das natürlich nichts Neues. Auch „Gattin aus Holzabfällen“ zeichnet sich durch das aus, wofür man den Autor schon seit langem lobt. Und dennoch tritt es hier in einer Weise zu Tage, welche die Art seines unnachahmlichen Könnens deutlicher werden lässt, als es seine essayistischen Texte tun. Max Goldt hat sich schon häufig despektierlich darüber geäußert, dass sein Schaffen gern als „skurrile Alltagsbeobachtungen“ eingeordnet wird. Selbst wenn man den von ihm monierten Verlegenheitscharakter dieser Floskel einmal ignoriert, bleibt sie immer noch problematisch, weil darin eine Doppeldeutigkeit steckt: Ist mit „skurril“ gemeint, dass Goldt Skurriles im Alltag beobachtet? Oder vielmehr, dass Goldts Beobachtungen selbst etwas Skurriles haben, unabhängig von ihrem jeweiligen Gegenstand?
„Gattin aus Holzabfällen“ ist auch deswegen interessant, weil hier das Beobachtete, das Fotofundstück, und das Beobachten, der dazugehörige Text, so klar zu trennen sind und deutlich wird: Wenn die Zuschreibung „skurrile Alltagsbeobachtung“ im Falle Goldt überhaupt etwas bedeutet, dann nicht, dass er als Flohmarktflaneur in den Kartons Skurrilitäten des Alltags aufstöbert, sondern dass sein Blick auf die Dinge selbst schon skurril genug ist. LARS WEISBROD
MAX GOLDT: Gattin aus Holzabfällen. Mit Text versehene Bilder. Verlag Rowohlt Berlin, Berlin 2010. 128 Seiten, 18,95 Euro.
Für die hohe Kunst der
Abschweifung, den subtilen Witz,
ist der Autor zu preisen
Auch dieser Kurzkrimi erschien erstmals im Monatsmagazin Titanic. Abb.: Rowohlt Berlin
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Also, der Mann hat den skurrilen Blick. Lars Weisbrod stellt das mal klar. Aber auch die in diesem Band abgebildeten Dinge sind ein wenig skurril, oder? Entscheidend aber ist für den Rezensenten doch, dass die natürlich allseits bekannte Kunst des Max Goldt hier noch einmal recht deutlich wird. Als Kunst der Abschweifung, als elegantester Nonsens. Sogar bei ganz und gar witzlosen Bildern gelingt ihm das, staunt Weisbrod. Dass es sich bei den versammelten Bildtexten um Bildlegenden handelt, wie gesagt wird, möchte er übrigens bezweifeln. Eher, so erklärt er, haben wir es bei dieser Titanic-Kolumnen-Auswahl mit einem Genre zu tun, das wir aus dem Internet kennen: Kurzprosa zu Abfotografiertem. Nur dass der Band eben viel goldtiger ist.

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