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01
02. Februar 1945, Heinkel-Werke, Oranienburg bei Berlin
[…] Er hörte kaum den Worten Nadlers zu, hatte er sich doch schon im Vorfeld mit den Unterlagen zu den Heinkel-Werken vertraut gemacht. Seine Augen hingen am Ober-werk. Etwas zu lesen oder aber den vollständigen Komplex vor sich zu sehen, waren zwei grundverschiedene Dinge. Er hatte sich die Flugzeugwerke nicht so groß vorgestellt. Es gelang ihm nicht, sich im Vorbeifahren einen Überblick zu verschaffen. Der Wagen bog nach links von der Straße ab, beschrieb eine Kurve und hielt vor dem Tor. Ein Wachposten trat heran, salutierte,…mehr

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Produktbeschreibung
01

02. Februar 1945, Heinkel-Werke, Oranienburg bei Berlin

[…] Er hörte kaum den Worten Nadlers zu, hatte er sich doch schon im Vorfeld mit den Unterlagen zu den Heinkel-Werken vertraut gemacht. Seine Augen hingen am Ober-werk. Etwas zu lesen oder aber den vollständigen Komplex vor sich zu sehen, waren zwei grundverschiedene Dinge. Er hatte sich die Flugzeugwerke nicht so groß vorgestellt. Es gelang ihm nicht, sich im Vorbeifahren einen Überblick zu verschaffen. Der Wagen bog nach links von der Straße ab, beschrieb eine Kurve und hielt vor dem Tor. Ein Wachposten trat heran, salutierte, kontrollierte die Papiere und winkte das Fahrzeug durch. Göbbs konnte bei der Einfahrt erkennen, dass ein großer Teil des Werkes innerhalb des Geländes noch einmal von Stacheldrahtzaun und Wachtür-men umgeben war. Das KZ-Werk, hier mussten die Häftlinge aus dem KZ Sachsenhausen arbeiten.
Der Wagen hielt hinter der Werkseinfahrt links vor einem Gebäude, dessen Grundriss doppelt T-förmig war. Das Haus des Werkschutzes hinter ihnen nahm Göbbs die Sicht auf den mit Stacheldraht umsäumten Teil des Werkes.
»Die Werksleitung«, kommentierte Nadler. Direkt vor ihnen ragten sechs kantige Säulen zwei Etagen hoch, um auf dem Vordach von einem Adler mit ausgebreiteten Schwin-gen gekrönt zu werden. Sie traten zwischen die Säulen und wurden durch das Vordach vor dem gerade aufkommenden Eisregen geschützt. Eine vom Erdboden bis zum Dach rei-chende Fensterfront gewährte Einblick in das Innere. Rechts und links des Säulenvordaches erstreckte sich das Gebäude, geklinkert und zweigeschossig mit großen Fenstern.
Ein Major trat durch den Ausgang, riss den Arm hoch und grüßte mit ausgestrecktem Arm. »Heil Hitler!«
»Heil Hitler!«, erwiderte Nadler eher nachlässig. Göbbs hob den Arm, schwieg aber.
»Major Schneidereit«, tönte Nadler. »Alles vorbereitet für den Testflug heute?«
Schneidereit lachte. »Selbstverständlich, Herr General-major. Wir brauchen noch etwa eine Stunde und etwas bes-seres Wetter. Aber«, sein Blick wanderte zum Himmel, »zur Not verschieben wir den Testflug um eine Stunde. Mein Wetterfrosch hat Besserung gelobt.« Sein Blick kehrte zu Generalmajor Nadler zurück. »Die Horten-Brüder werden heute nicht da sein, haben aber ihren Oberingenieur Stein-bauer geschickt. Wenn Sie uns die Ehre auf eine Tasse Kaf-fee geben würden. Herr Eichler und Oberst Voigt warten bereits auf Sie.«
»Gut, gut. Wer wird fliegen? Hauptmann Uhse oder eine andere Ihrer hübschen Fliegerinnen? Oder verstecken Sie die charmanten Damen wieder vor uns und haben Sie sie mit der Überführung von Flugzeugen an die Front betraut?«
»Leutnant Ziller fliegt, wie mit dem Ministerium abge-sprochen. Er hat sich schon lange vorbereitet und ist auch die Segelvariante geflogen. Ziller hat Ende Dezember, Anfang Januar in Lärz auf einer Messerschmitt 262 trainiert, um sich an die Strahltriebwerke zu gewöhnen, da er bisher nur Erfahrungen mit Propellermaschinen und Lastenseglern hatte. Er ist einer unserer besten Männer.«
»Schon gut, Schneidereit, schon gut!« Erneut leutselig wirkend, winkte Nadler mit der Hand ab. Die Einzelheiten schienen ihn nicht zu interessieren. »Ich hatte nur auf ein wenig Weiblichkeit in dieser harten Zeit gehofft. Gut, dann eben Kaffee, wenn Sie welchen haben. Warum nicht. Hier draußen ist es lausig kalt, wie in Sibirien. Kein Wunder, dass der Russe so nah ist.« Er lachte wieder als einziger über seinen Witz.
»Göbbs, Sie verschaffen sich einen kleinen Überblick. Ich denke, Sie werden von …« Er sah hilfesuchend zu Major Schneidereit.
»… Hauptmann Langner …«, assistierte dieser.
»… von Hauptmann Langner begleitet. Er wird Ihnen alles Wichtige zeigen. Seien Sie in einer halben Stunde …?« Er-neut wandte er sich fragend zu Schneidereit. Der nickte und Nadler fuhr fort: »… in einer halben Stunde auf der Start-bahn am Unterwerk.«
»Langner ist in einer Minute da«, bemerkte Schneidereit noch.
  • Produktdetails
  • Verlag: Acabus Verlag
  • Seitenzahl: 472
  • Erscheinungstermin: 01.10.2017
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783862824991
  • Artikelnr.: 49249575
Autorenporträt
Carsten Zehm, geboren 1962 in Erfurt, studierte Lehramt in Halle und arbeitet als Berufsschullehrer in Oranienburg. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Der Schwerpunkt seines Schreibens galt immer wieder der Fantasy, auch wenn ihn Ausflüge in den Bereich der Märchen, des Krimis und der Horrorgeschichten führten. Seit 2004 erfolgte die Veröffentlichung vieler Kurzgeschichten in Anthologien und der Tagespresse. 2009 erschien sein erstes Kinderbuch "Die Zauberblumenwiesen". "Die Chroniken der Reisenden. Staub-Kristal"l (2010) ist der erste Fantasy-Roman des Autors. Danach folgte die "Bandath, der Zwergling-Trilogie". "Operation Romulus" ist der erste Thriller des Autors. Die Inspiration dazu stammt teilweise von den Heinkel-Flugzeugwerken seiner Heimatstadt Oranienburg bei Berlin.