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Ein gedungener Mörder, von den Furien der Erinnerung gejagt; eine Journalistin, die das Verbrechen verhindern will und sich in den Mann vom Geheimdienst verliebt - Leif Davidsen hat, von Salman Rushdies heimlichem Besuch in Kopenhagen inspiriert, einen packenden politischen Thriller und ein ergreifendes menschliches Drama geschrieben. Eine brisante Mischung aus Fakten und Fiktion, Politik und Gefühl, die den Leser bis zur letzten Seite in Atem hält. …mehr

Produktbeschreibung
Ein gedungener Mörder, von den Furien der Erinnerung gejagt; eine Journalistin, die das Verbrechen verhindern will und sich in den Mann vom Geheimdienst verliebt - Leif Davidsen hat, von Salman Rushdies heimlichem Besuch in Kopenhagen inspiriert, einen packenden politischen Thriller und ein ergreifendes menschliches Drama geschrieben. Eine brisante Mischung aus Fakten und Fiktion, Politik und Gefühl, die den Leser bis zur letzten Seite in Atem hält.
  • Produktdetails
  • Verlag: Zsolnay
  • Artikelnr. des Verlages: 551/05162
  • Seitenzahl: 339
  • Erscheinungstermin: 30. Juli 2001
  • Deutsch
  • Abmessung: 212mm x 132mm x 34mm
  • Gewicht: 496g
  • ISBN-13: 9783552051621
  • ISBN-10: 3552051627
  • Artikelnr.: 09804182
Autorenporträt
Leif Davidsen, 1950 in Otterup geboren, lebt als freier Schriftsteller in Kopenhagen. Er arbeitet als Korrespondent in Moskau und als Nachrichten-Redakteur im Fernsehen. Für seine literarischen Arbeiten erhielt er zahlreiche Preise. Bei Zsolnay erschienen zuletzt die Romane Der Fluch der bösen Tat (2001), Die guten Schwestern (2004), Der Feind im Spiegel (2006) und Der Russe aus Nizza (2008).
Rezensionen
Besprechung von 22.05.2002
Hartschalenkoffer, weicher Kern
Dänemark liegt an der Adria: Leif Davidsens Polit-Thriller

Die bosnischen Serben fühlen sich von Slobodan Milosevic verraten und verkauft. Sie glauben ihre Sache verloren. Der serbische Heckenschütze Vuk erledigt in einem Straßencafé von Zagreb noch einen letzten Auftrag und erschießt einen kroatischen Intellektuellen, der seine Wortmacht in den Dienst nationalistischer Hetzpropaganda stellt. Doch eigentlich haben die muslimischen Kroaten schon das Terrain in der Krajina übernommen. Der Heckenschütze fühlt sich leer und nutzlos, aber sein Kommandant hat schon neue Pläne: Iran hat eine Fatwa gegen die Schriftstellerin Sara Santanda ausgesprochen und ein Kopfgeld von vier Millionen Dollar auf die Ungläubige ausgesetzt. Die russische Mafia braucht saubere Konten, um ihr schmutziges Geld zu waschen. Für ein erfolgreiches Attentat auf die Autorin bekäme die vermittelnde Mafia hilfreiche Geldwäsche-Konten in Iran und der Killer das Kopfgeld.

Der Scharfschütze Vuk ist die ideale Besetzung für den delikaten Job, denn er ist in Dänemark aufgewachsen, wo Santanda zum ersten Mal nach Jahren mit einer Pressekonferenz an die Öffentlichkeit treten wird. Vuk ist der "serbische Däne", wie der Originaltitel von Leif Davidsens Polit-Thriller lautet. Anfangs hat er noch Skrupel, nur für Dollars zu töten. Er ist empört über seinen Kommandanten, der ihn ungefragt an die zahlkräftige Russenmafia vermittelt, die ihn mit dem iranischen Geheimdienst zu verkuppeln gedenkt. Doch der Arbeitsmarkt ist keine Benefiz-Veranstaltung, und auch ein Heckenschütze muß sehen, wo er bleibt. Vuk sprengt seinen Kommandanten in die Luft und reist auf eigene Faust nach Dänemark.

Während Vuk langsam in Tarnfarben durch das brodelnde Mitteleuropa kriecht, bereitet sich die dänische Pen-Vorsitzende und Kulturjournalistin Lise Carlsen auf den Besuch der iranischen Autorin und den Zusammenbruch ihrer bröckeligen Ehe mit dem Psychologen Ole vor. In beidem wird sie tatkräftig unterstützt vom Geheimdienstmann Per Toftlund, der für die Sicherheit der iranischen Autorin abkommandiert wird. Der Macho gewöhnt die schöngeistige Lise nach und nach an den verstörenden Anblick von körpernah getragenen Dienstwaffen, beschert ihr schnelle Nachtfahrten durch Kopenhagen im BMW-Sport-Coupé und verführt die Ehebrecherin schließlich in einer konspirativen Wohnung. Ehemann Ole bekommt derweil immer schwärzere Augenringe, bis ihn der mitleidige Autor schließlich auf dem Schachbrett seiner Intrigen opfert. Das eigentliche Duell zwischen Vuk und den Beschützern der Autorin siedelt Davidsen im effektvollen Dekor einer Festungsinsel im Öresund an.

Leif Davidsen hat sein Thriller-Süppchen auf mehreren privaten und politischen Konfliktherden gekocht. Bei der Verknüpfung der Handlungsstränge bewahrt er Überblick, die internationalen Verwicklungen scheinen gut recherchiert. Der Plot ist spannend und bereitet durchaus Vergnügen, hat man einmal die geheimdienstliche Weltsicht akzeptiert, daß alles mit allem zusammenhängt und der ehemalige Klassenkamerad aus der serbischen Gastarbeiterfamilie auch plötzlich unter anderem Namen als vom iranischen Geheimdienst gedungener Profikiller vor der Haustür stehen kann: "Janos, alter Gastarbeiter. Lange nicht mehr gesehen! Komm rein. Ich bin allein." Berühmte vorletzte Worte.

Leider sind Davidsens Protagonisten nicht eiskalte Profis, sondern zeigen immer wieder ihre menschlichen, allzu menschlichen Gefühle. Diese kontemplativen Erzählpausen sind zwar einer klassischen Vorstellung von Dramaturgie geschuldet, lesen sich allerdings wie abgestandene Selbstfindungsergüsse. Statt sich einfach nur zu fragen, wo das frische Blut, das Projektil oder der Hartschalenkoffer mit der zusammensetzbaren Präzisionswaffe herkommen, sind diese Thriller-Figuren überflüssigerweise auch noch auf der Suche nach den größeren Zusammenhängen: "Konnten Liebe, Lust und Freude absterben, ohne daß man es merkte?"

Davidsen nutzt den erstaunten Blick des Heckenschützen Vuk auf das Land, in dem er seine Jugend verbracht hat, zu zahlreichen kritischen Seitenhieben auf seine Heimat. Es muß einfach etwas faul sein im Land der klobigen Parkscheinautomaten. Diese kraftlosen Sticheleien gegen das moderne Dänemark geraten dem etwas zu meinungsfreudigen Autor recht betulich. Doch insgesamt schildert der Roman spannend, wie die internationale Gewalt unbemerkt unter die dänische Käseglocke kriecht und dort effektvoll explodiert. Liegt der Heckenschütze erst hinter dem Liguster zwischen den Gartenzwergen im Vorgarten, ist der Fluch der bösen Tat fast unabwendbar.

STEPHAN MAUS

Leif Davidsen: "Der Fluch der bösen Tat". Roman. Aus dem Dänischen übersetzt von Peter Urban-Halle. Paul Zsolnay Verlag, Wien und München 2001. 340 S., geb., 19,90 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Mankell war gestern - heute ist Davidsen
Es gibt Leute, die lesen von jedem neuen Henning Mankell anfänglich nur jeden Tag ein Wort, nach einem Monat kennen sie den ersten Absatz auswendig und dann, ja dann, müssen sie einfach wissen, wie es weitergeht, also lesen und lesen sie und, schwupps, die X-Hundert-Seiten sind zu Ende.
Dann heißt es wieder warten, den Krimidurst mit einigen schlechten, ärgerlichen Büchern strecken, vielleicht ab und zu eine Entdeckung machen, aber erst bei Leif Davidsen, ein Däne, vielleicht ein Nachbar von Peter Hoeg, auf dessen neuen Roman wir auch schon lange warten, löschen wir unseren Durst, sind endlich gelassen.
Mankell, Mankell, wer war jetzt das gleich wieder...
Und werden gleich wieder zittrig, bei der Recherche nach weiteren Büchern von Leif Davidsen.
Liebe, Politik und der Zwang zu töten
Mit einem eiskalten Mord an einem kroatischem Schriftsteller beginnt es und geht weiter mit der Liebe zwischen dem serbischen Killer Vuk und Emma, die beide leblose Augen haben.
Vuk mordet ohne Gefühl, nur nachts quälen ihn die Alpträume, so dass er Schlaf vermeidet. Er mordet auch nicht für Geld, er hat seine eigenen Beweggründe und durchkreuzt die Pläne seiner neuen Auftraggeber, die iranische Dichterin, Sara Santanda, zu ermorden.
Der Kommissar, der Sara Santanda bei ihrem Dänemarkbesuch beschützen soll, und die Journalistin und PEN-Vorsitzende werden im Laufe des Buches ein Liebespaar.
Literarischer Hochgenuss und beste Krimikost
Es sind die Reflexionen, die politischen Zusammenhänge und die inneren Konflikte, die diese Figuren so lebendig machen. Der Leser weiß mehr als das Ermittlerpaar, doch immer wieder werden die Ahnungen durch überraschende Wendungen gestrichen. Leif Davidsen steigert die Sogwirkung ab der Mitte des Buchs noch, indem er den Kommissar jetzt von der Existenz des Killers wissen lässt.
Im Schatten bleibt bis zu den letzten Kapiteln Sara Santanda, deren Leben es zu schützen gilt.
Kein Krimi zum Entspannen, dafür ist der Krieg in Jugoslawien zu realistisch, aber ein literarischer Hochgenuss.
Verfilmt wollen wir die grausamen Folterszenen besser nicht sehen. Es reicht das Kopfkino.
(K. Ara, www.krimi-forum.de)

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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

"Was verbindet eine Redakteurin der dänischen Zeitung Politiken, eine iranische Schriftstellerin und einen serbischen Heckenschützen", fragt Thierry Chervel und liefert die Antwort gleich hinterher: Die surrealsten Konstellationen sind die realistischsten. Das habe die Weltbevölkerung am 11. September lernen müssen, und das hat der dänische Journalist Leif Davidsen mit seinem Thriller "Der Fluch der bösen Tat" bereits 1996, als der Roman in Dänemark erschien, vorweggenommen, so der Rezensent. Das Buch ist für Chervel eine Fabel über den Fall Rushdie. Scheinbar entfernt liegende Erzählstränge (ein serbischer Killer bringt in Kroatien einen kroatischen Kriegstreiber um, in Dänemark wird eine Literaturredakteurin in die Chefetage ihrer Zeitung gerufen und in Bosnien erkennen die Serben, dass "ethnische Säuberungen" nicht so einfach durchführbar sind), verdichten sich am Ende zu einem katastrophalen Showdown. Davidson erzähle langsam, manchmal etwas "behäbig didaktisch", doch vermag er das Herzklopfen des Lesers sukzessive zu erhöhen, lobt Chervel. Erleichtert ist der Rezensent auch darüber, dass der Autor den Leser mit der oft banalen Coolness vieler Thriller verschone. Psychologische Einfühlung sei hier maßgeblich, und vor allem enthalte das Buch die geradezu beängstigende Prognose, dass ein Gegner, der aus dem Nichts komme, seinem Widersacher stets einen Schritt voraus sei.

© Perlentaucher Medien GmbH
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"Davidsen erzählt ohne Hast und trotzdem fesselnd, wie sich zwei Seiten dem Tag "x" nähern und er erzählt von entwurzelten Menschen. Dazu gibts einen zünftigen Showdown in toller Kulisse. Mehr darf man von einem Krimi, der keine Wünsche offen lässt, nicht verraten." Brigitte, 2.10.01 "Leif Davidsen hat einen unerhört packenden Polit-Thriller geschrieben. Seine Romane profitieren davon, daß er als Auslandskorrekspondent die jüngsten Umwälzungen in Osteuropa aus der Nähe verfolgt hat. Das Buch überzeugt mit seiner atmosphärischen Dichte und der psychologischen Glaubwürdigkeit der Helden." Der Spiegel, 22.11.01 "Killer mit Albträumen - ein dänischer Thriller über den neuen Terrorismus ... In einem Punkt hat der Roman vor allem prognostische Qualität - so viel weiß der Geheimdienst nicht von Vuk - es gibt keine Balance des Schreckens und der Risiken mehr wie in den Geheimdienstromanen des Kalten Krieges. Ein Gegner, der aus dem Nichts kommt, ist immer einen Schritt voraus. ... Dankenswerterweise durchtränkt Davidsen seine perfekte Konstruktion nicht mit der banalen Coolness, die viele Thriller und Krimis unleserlich machen, sondern mit der Wärme der psychologischen Einfühlung." Thierry Chervel, SZ, 1.10.01 "Leif Davidsen hat sein Thriller-Süppchen auf mehreren privaten und politischen Ebenen gekocht. Der Plot ist spannend und bereitet Vergnügen. Stephan Maus, Focus, 22.05.02